Garagenhöfe können auch Denkmäler sein

Garagenhof Kötnerholzweg
Garagenhof Kötnerholzweg mit Hausmeisterwohnung oben links

Lindener Geschichte ließ sich am letzten Wochenende 12. und 13. September 2026 an ungewöhnlichen Orten erleben. Der Tag des offenen Denkmals steht bzw. stand dieses Jahr bundesweit unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“. In Hannover wurde die Veranstaltung erstmals auf zwei Tage ausgeweitet, mehr als 40 Baudenkmale beteiligten sich insgesamt.

In Linden-Nord und Linden-Mitte konnten Besucherinnen und Besucher Denkmale kennenlernen, die ganz unterschiedliche Kapitel der Stadtteilgeschichte erzählen. Dazu gehörten bzw. gehören:

Punkt-Linden hat sich für die Garagenhöfe entschieden

Wer am Kötnerholzweg unterwegs ist, dürfte den Garagenhof hinter dem Haus Nummer 64 kaum als besonderes Baudenkmal wahrnehmen. Es verbirgt sich jedoch ein Stück Stadtgeschichte dort.

Das Besondere an den Garagenhöfen ist nicht nur dass das Wort „Garage“ vom französischen Verb garer abstammt („in Sicherheit bringen“ oder „geschützt unterbringen“). Sie erzählen nicht von großen Fabrikhallen, Kirchen oder repräsentativen Wohnhäusern, sondern von einer Veränderung, die den Alltag des 20. Jahrhunderts grundlegend geprägt hat – der zunehmenden Motorisierung.

Mit dem Siegeszug des Automobils, wie der angehende Stadtplaner Carl Kramme in seiner Führung ausführlich beschrieb, veränderte sich auch die Stadt. Autos mussten nicht nur fahren, sondern irgendwo abgestellt werden. Garagen wurden damit zu einem neuen Bestandteil des städtischen Lebens. in den 10er und 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts nahm der Anteil an Automobilen ständig zu und die Zahl der Chauffeure ab. Man wollte selbst fahren, wie der Name schon sagt (autós = selbst und mobilis = beweglich).

Durchfahrt zum Garagenhof Kötnerholzweg
Durchfahrt zum Garagenhof Kötnerholzweg

Die geschätzt 50 Garagenhöfe in Linden-Limmer, auch der am Kötnerholzweg, stehen beispielhaft für die Entwicklung von Garagen und machen sichtbar, wie die private Nutzung des Autos auch bauliche Strukturen hervorbrachte. Hier startete die Denkmal-Führung. Vermieter kamen damals nach und nach auf den Gedanken, Garagen anzubieten. Das war ein nettes Schmankerl“ und damit ein Anreiz für die Wohnungsvermietung. Im Hof gibt es einige Garagen mit den zeittypischen Flügel-Holztüren. Auf einer Seite war auch eine (mittlerweile ausgebaute) Hausmeisterwohnung draufgesetzt. Interessant ist, dass an diesem Ort zwei Heizungsanlagen untergebracht waren. Eine für die Wohnungen, die andere für die Garagen – für uns heute nicht wirklich vorstellbar.

Garagenhof GartenalleeGaragenhof Gartenallee
Garagenhof Gartenallee mit Besuchergruppe

Vom Startpunkt aus wurde die Führung am Anfang der Gartenallee gegenüber dem Ihme-Zentrum fortgesetzt. Hier sieht man noch heute die zwei Garagenzeilen und die Reste einer Autowerkstatt, eines Tankkiosks und einer Tankstelle aus den 50er-Jahren.

Dunkelberggang-Tankstelle Falken-Garage
Dunkelberggang-Tankstelle

Nach ausführlicher Beschreibung ging es dann zur Falken-Garage an den Anfang des Dunkelberggangs, am Anfang der Hohestraße. Wie der Name schon sagt, ist die Falkenstraße nicht weit. Auch hier sind Überreste einer Fina-Tankstelle und eines Tankkiosks von 1958 zu entdecken.

Auffällig ist für Kramme übrigens, dass in Linden die Garagenhöfe heutzutage sehr häufig von Künstlern genutzt werden, was in den anderen Stadtteilen seltener der Fall ist.

Zwischen Hinterhof und Mobilitätsgeschichte

Gerade in einem dicht bebauten Stadtteil wie Linden sind Garagenhöfe zwar nicht denkmalgeschützt, aber interessante Zeitzeugen. Sie liegen abseits der großen Straßen und wirken im heutigen Stadtbild eher wie funktionale Hinterhöfe. Ihre Geschichte verweist jedoch auf eine Zeit, in der das eigene Auto zunehmend zum Symbol für individuellen Wohlstand und neue Bewegungsmöglichkeiten wurde.

Carl Kramer im Garagenhof Kötnerholzweg
Carl Kramme am Start der Führung im Garagenhof Kötnerholzweg

Carl Kramme hat übrigens für seine Präsentation zum Architekten sämtliche etwa 500 Garagenhöfe in Hannover besucht, beschrieben, fotografiert und kartographiert. In seiner sehr umfangreichen Präsentation ist die Garagenentwicklung von der Remise über die Garage bis zum Carport zu finden. Auch eine ungewöhnliche typologische Anordnung wird genannt.

Alles in allem war die Führung zum Tag des offenen Denkmals mit Carl Kramme auf Basis seiner umfangreichen Ausarbeitung, die leider nicht öffentlich verfügbar ist, eine tolle Sache zum Sonntag.

 

Bildnachweis: Ralf Borchardt, Dietram Köster/DiSta

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