Das Ihme-Zentrum ist ein großes Wohn-, Büro- und Einkaufszentrum in Hannover zwischen den Stadtteilen Linden und Calenberger Neustadt. Es liegt direkt am Ufer des namensgebenden Flusses Ihme. Im Norden ist es durch die Spinnereistraße und den Platz „Küchengarten“ begrenzt, im Westen durch die Blumenauer Straße. Die Südseite ist in unmittelbarer Nähe des Platzes „Schwarzer Bär“ und des Veranstaltungszentrums Capitol. Zwischen 2004 und 2008 sollte das Ihmezentrum zum Linden-Park, einem Shoppingcenter mit verschiedenen Discounter-Filialen und diversen Einzelhändlern, umgebaut werden.
Geschichte des Ihme-Zentrum
Von der Mechanische Weberei zum gescheiterten Lindenpark.
Mechanische Weberei 1925

Der Postkarte aus dem Jahr 1925 (Nachlass Werner Krämer) liegt ein Luftbild zu Grunde, auf dem die Mechanische Weberei fototechnisch besonders hervorgehoben wurde. Als Anhaltspunkte zur Orientierung sehen wir unten die Ihme mit einigen Flussschiffen. Oben rechts befindet sich der Küchengartenplatz. Am rechten Bildrand, gleich neben dem dortigen Schornstein fährt ein dreiteiliger Straßenbahnzug zur Spinnereibrücke, die sich schräg unten rechts außerhalb des Bildausschnitts befindet.
Blumenauer Straße 1901

Auf der Neujahrspostkarte von 1901 (Nachlass Ilse Popp) sehen wir die imposante Gebäudefront der Mechanischen Weberei längs der Blumenauer Straße. Sie wurde im Jahre 1837 zunächst als Privatunternehmen gegründet und 1857 von einer Aktiengesellschaft übernommen. Das Unternehmen stellte als bedeutendstes Produkt baumwollenen Samt, den sogenannten „Velvet“ her. So kommt auch der Name Velvetstraße in Linden-Nord nicht von Ungefähr: dort befand sich eine fabrikeigene Arbeiterkolonie. Angesichts der aktuellen Debatte um Kinderbetreuungsplätze ist folgendes Zitat aus einer Broschüre über die Mechanische Weberei zu Linden vom Ende des 19. Jahrhunderts interessant: „Doch nicht allein ihren Erzeugnissen verdankt die Firma ihren Weltruf; auch ihren mannigfaltigen, auf der Höhe der Zeit stehenden Arbeiter-Wohlfahrtseinrichtungen, worunter vor allem die seit 1873 bestehende vorbildliche Krippe für die Kinder der Arbeiterschaft besonders zu nennen ist, wird Bewunderung und Anerkennung gezollt.“
Blumenauer Straße 2007

Dies ist nun das aktuelle Vergleichsbild zur Neujahrspostkarte von 1901, aufgenommen am 6. April 2007. Die Bauzäune und die große Werbetafel in der Bildmitte (hinter dem „P“-Zeichen) deuten an, dass sich im Inneren des Ihme-Zentrums was tut. Das Ende ist vorerst offen – genauso wie die Erdgeschossetage halbrechts.
Lindener Samt

Mit der hübschen Reklamepostkarte (Sammlung Jürgen Wessel), deren Erscheinungsjahr uns leider unbekannt ist, wird auf possierliche Weise Reklame für den Lindener Samt gemacht. Bei dem abgebildeten Paar fühlt man sich glatt an den Sarotti-Mohr und Claudia Schiffer („Weil ich es mir wert bin!“) erinnert.
Ihme-Zentrum um 1980

Und schließlich noch ein Bild aus der Blütezeit des Ihme-Zentrums (Nachlass Werner Krämer): vor etwa 30 Jahren war der Gebäudekomplex ein Symbol der Stadtmoderne und wurde folglich auch als Motiv für Ansichtskarten verwendet.
Ursprüngliche Konzeption des Ihme-Zentrums
Das Ihme-Zentrum sollte eines von mehreren hochverdichteten Wohn-, Arbeits- und Einkaufszentren sein, die in den 1960er Jahren für das Stadtgebiet von Hannover geplant waren. Mit diesen Zentren sollte die Innenstadt entlastet und gleichzeitig zentraler Wohnraum geschaffen werden. Das Ihme-Zentrum war das einzige dieser Zentren, das tatsächlich gebaut wurde. Ihme-Zentrum Panorama
Konzipiert wurde das Ihme-Zentrum als „Stadt in der Stadt“, die meisten für das tägliche Leben nötigen Einrichtungen sollten also im Zentrum selbst vorhanden sein. Im Süden und Norden von etwa 20stöckigen Wohnhochhäusern eingerahmt, befinden sich dazwischen zwei fünf- bis sechsstöckige Riegel mit Wohnungen. Eine durchgängige Ladenpassage durchzieht das Ihme-Zentrum. An den äußeren Enden befinden sich größere, mehrstöckige Ladengeschäfte für Ankermieter, während dazwischen kleinere Ladenlokale dominieren. Eine fast das gesamte Zentrum unterkellernde zweistöckige Tiefgarage stellt eine große Zahl von Parkplätzen bereit. Eine Auflage für das fünfköpfige Architektenteam war, dass jeder Architekt eine eigene Wohnung im Ihme-Zentrum haben musste.
Baudurchführung
Baubeginn war 1972. Das gesamte Zentrum wurde in einem Stück gebaut, was es zu einer der umfangreichsten Baustellen mit dem größten gegossenen Betonfundament Europas machte. Bis zum Baujahr 1975 entstanden eine Verkaufsfläche von 60.000 m² sowie Wohnflächen von 58.300 m² für ca. 860 Wohnungen (etwa 2.400 Personen) und 8.000 m² für etwa 450 Studenten. Die Fundamentgründung und die Anordnung der Hochhaustürme im Bereich Ihmeplatz ist zudem so gestaltet, dass relativ einfach ein U-/Stadtbahntunnel unter dem Bauwerk durchgeführt werden könnte, wie dies Planungen aus den 1960er und 1970er Jahren vorsahen.
Bilder aus der Bauphase von Horst Bohne:
Architektonische Probleme

Das Ihme-Zentrum hat mit mehreren architektonischen Problemen zu kämpfen:
- Der Bau ist im Stile des (schon zur Bauzeit umstrittenen) Brutalismus gehalten und an vielen Stellen verwinkelt und unübersichtlich.
- Die Ladenpassage ist nicht durchgängig überdacht, an einigen Stellen war es daher wetterabhängig sehr windig. In den 1980er- und 1990er-Jahren ergänzte Dachkonstruktionen konnten das Problem nicht vollständig lösen.
- Die Nähe zum idyllischen und grünen Ihmeufer wird nicht genutzt: von der Ladenpassage aus gibt es nur einige zugige Durchgänge auf eine hoch liegende Promenade, die durch keine Bewirtschaftung oder Möblierung aufgewertet ist.
- Am problematischsten ist die selbstgewählte Insellage: die Hauptverkehrsebene des Ihme-Zentrums liegt eine Etage über Straßenniveau und ist nur an wenigen Stelle über Treppen, Rolltreppen und -bänder oder Fahrstühle erreichbar, die Fußgängerüberführung der Verkehrskreuzung am Küchengarten wurde nicht ausreichend akzeptiert. Die „Nullebene“ auf Straßenniveau dient ausschließlich der Bewirtschaftung und Anlieferung.
Verkaufs-, Büro- und Wohnflächennutzung

Quasi seit seiner Eröffnung hatte das Ihme-Zentrum mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen. Die Ladenzeilen-Ankermieter der Anfangszeit, Kaufhof im Norden und der Lebensmittelmarkt Huma im Süden, waren nur wenige Jahre vor Ort. Auch Allkauf sowie verschiedene Folgemieter konnten sich im Süden nicht halten, sodass die dortige zweistöckige Verkaufsfläche seit etwa Mitte der 1990er Jahre leer steht. Kaufhof wurde durch die hannoversche Filiale des Technikhauses Saturn-Hansa beerbt, die sich wesentlich länger hielt. Nachdem auch dieses Geschäft 2004 ausgezogen war, gab es keinen reichweitenstarken Kundenmagneten im Ihme-Zentrum, was den Niedergang der kleineren Läden nochmals beschleunigte.

Die Landeshauptstadt Hannover mietete Ende der 90er Jahre im problematischen nordwestlichen Teil des Ihme-Zentrums Büroflächen von über 5.000 m², um den Verfall der Gebäude zu verhindern. Bezeichnenderweise wurde seinerzeit das Hochbauamt der Stadt von attraktiven Innenstadtbüros in das Ihme-Zentrum verlegt. 2002 wurden nach Auszug der Norddeutschen Landesbank von der Stadt Hannover weitere Büroflächen (ca. 5000 m²) für städtische Ämter gemietet, in Verbindung mit der Verpflichtung des Vermieters einer zügigen Revitalisierung des gesamten Komplexes. Damals standen fast alle Ladenlokale leer, weil der Umbau der gesamten Einkaufspassage unmittelbar bevorstand. Einzige publikumsrelevante Mieter sind Ämter der Landeshauptstadt und die Stadtwerke (enercity), die zwei Hochhäuser als Verwaltungsgebäude nutzen.
Gescheiterter Umbau zum Lindenpark

Anfang der 2000er Jahre übernahm der Investor Engel einen Großteil der (leerstehenden) Ladenflächen. Dieser hatte in der Vergangenheit bereits andere, ähnliche Objekte in Deutschland erfolgreich saniert, u. a. das NordWestZentrum in Frankfurt am Main. Im Ihme-Zentrum konnten jedoch lange Zeit keine neuen Geschäfte, insbesondere keine Ankermieter, gewonnen werden. Nachdem dies im Jahr 2005 endlich gelungen war, war im Juni 2006 Baubeginn für eine grundlegende Sanierung, mit der auch die o. g. architektonischen Probleme entschärft werden sollen. Herzstück der Pläne ist dabei eine neue, mit viel Glas und hochwertigen Baumaterialen ausgestattete Ladenpassage im Erdgeschoss, also auf Straßenebene. Das Projekt läuft unter dem Namen Linden-Park und soll voraussichtlich im Herbst 2008 fertiggestellt werden. Außerdem ist eine Erneuerung der darüber liegenden Passage („Mall“) geplant. Im Juli 2006 wurden die Anteile der Firmengruppe Engel von der amerikanischen Carlyle Group übernommen, die den Umbau noch weiterführte.
Wunsch:
2. Revitalisierungsversuch des Ihme-Zentrums
Anfang Oktober 2007 gab der Investor, die Carlyle Group, im Rahmen einer Pressekonferenz den Startschuss für die entscheidenden Revitalisierungsarbeiten des Ihme-Zentrums. Ende 2008 wird der weitläufige Gebäudekomplex an der Blumenauer Straße und Spinnereistraße in Hannover-Linden in neuem Glanz erstrahlen. Der Umbau zum Linden-Park ist deutschlandweit eines der größten Revitalisierungsprojekte. In das ehrgeizige Projekt investiert die Carlyle Group einen dreistelligen Millionenbetrag. „Der Standort Hannover hat in Norddeutschland eine große Bedeutung. Mit dem Linden-Park haben wir die Gelegenheit, einen 70er-Jahre-Komplex in ein modernes Zentrum mit Büro-, Einzelhandels- und Wohnflächen zu verwandeln“, so Dr. Wulf Meinel, Managing Director der Carlyle Group Deutschland.
Nachdem das Investmentunternehmen vor gut einem Jahr den Linden-Park von der Unternehmensgruppe Engel erworben hatte, sind große Teile des Komplexes im Erdgeschoss entkernt worden. „Die Rückbauarbeiten sind umfangreicher ausgefallen als wir ursprünglich angenommen hatten“, so Matthias Heß, Projektleiter für den Linden-Park bei der Carlyle Group. „Umso mehr freuen wir uns, dass wir jetzt mit den entscheidenden Arbeiten beginnen können“, so Heß weiter. Auf einer Fläche von 35 000 Quadratmetern wird ein Einzelhandelszentrum mit Fachmärkten und einer weiträumigen Shoppingmall entstehen. Derzeit sind bereits über 70 Prozent der Einzelhandelsflächen vermietet. Durch die moderne Architektur und die Verwendung von Glas erhält der Linden-Park ein lichtdurchflutetes Ambiente. Seine zahlreichen Plätze laden zum Verweilen ein. Die Arbeiten an der Blumenauer Straße und den Zufahrten zum Parkhaus sind nahezu abgeschlossen. Mit einer Verzögerung im Zeitplan ist nicht zu rechnen: „Die nächsten Schritte im Bauablauf sind die Sanierung des Stadtwerketurms sowie der Rückbau der Dachüberhänge und Dacheinbauten im Bereich der Mall. Es folgt die Installation der Dachkonstruktion, wodurch die Rohbauarbeiten wetterunabhängig voranschreiten können“, so Heß. Die Verwaltung des Ihme-Zentrums sieht der Fertigstellung erwartungsvoll entgegen. Thomas Malezki, Geschäftsführer der Simchen Immobilien Management GmbH Hannover: „Nach dem Umbau erhalten wir durch den erhöhten Publikumsverkehr ein erweitertes Aufgabengebiet.“ Aus einem Newsletter der The Carlyle Group.
Wirklichkeit:
Stand der Dinge

Inzwischen ist auch dieser Versuch durch die Insolvenz der Carlyle Tochterfirmen gescheitert. Neuester Stand der Dinge ist im Jahr 2013, dass die Landesbank Berlin einen Käufer für das Betonmonster sucht. Für insgesamt 50 Millionen Euro soll ein Großteil der Gewerbeflächen und die Tiefgaragen bei einem Versteigerungstermin „an den Mann“ gebracht werden.
2015 ist ein Investor gefunden worden. Die Firma Intown Investment hat die marode Immobilie in ihr Portfolio aufgenommen.
2019 hat Intown überraschend das Ihme-Zentrum weiterverkauft. Neuer Besitzer wurde die Civitas Property Group des Unternehmers Lars Windhorst.
Stadt beendet Zusammenarbeit mit Lars Windhorst

Die Stadt Hannover kündigt den Mietvertrag im Ihme-Zentrum. Seit langer Zeit erwartet die Landeshauptstadt Hannover Investitionen und nachhaltiges Engagement von Lars Windhorst im Ihme-Zentrum. Dies bleibt aber offenkundig aus.
Städtischer Fachbereich Senioren verlässt Ihme-Zentrum

Der Senioren-Service der Landeshauptstadt Hannover verlässt das Ihme-Zentrum und damit auch Linden-Limmer. Ab dem 20. März werden neue Räumlichkeiten in der Innenstadt bezogen. Und im Ihme-Zentrum gehen langsam, aber sicher die Lichter aus.
Themen der Stadtbezirksratssitzung Linden-Limmer am 22.02.2023

In der kommenden Woche findet die nächste Sitzung des Stadtbezirksrat Linden-Limmer statt. U.a. mit den Themen Dornröschenbrücke, Wasserstadt Limmer, Gelbe Tonne und viele weitere Punkte, die uns Bürger hier im Stadtbezirk betreffen.
Videos vom Ihme Zentrum
mehr: https://www.youtube.com/results?search_query=ihmezentrum und https://vimeo.com/search?q=ihmezentrum
Links
- Wikipedia: Ihmezentrum
- BLIZ – Bürgerinitiative Linden-Ihmezentrum
- Ein neues Wahrzeichen für Hannover (https://experimentihmezentrum.wordpress.com/)
- Private Ihmezentrum Webseite
- 360 Grad Panorama Ihmeplatz
Quellen
Geschichte: Bärbel Krämer, Jürgen Wessel und Gerd Menge
Bilder aus der Bauphase: Horst Bohne
Konzeption: Wikipedia