

Die seit März 2025 gesperrte Durchwegung durch das Ihme-Zentrum bleibt weiterhin geschlossen. Zwar laufen seit Jahren Planungen für eine neue Wegeführung zwischen Blumenauer Straße und Ida-Arenhold-Brücke, doch ein zentrales Problem wurde bislang offenbar nicht berücksichtigt: Der Hauseingang der Ihmepassage 2 liegt genau dort, wo künftig die neue Durchwegung verlaufen soll. Wie Jürgen Oppermann, Verwaltungsbeiratsvorsitzender der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) im Ihme-Zentrum, gegenüber Punkt-Linden erklärt, existiert für die notwendige Verlegung des Hauseingangs bislang keinerlei Planung. Ohne diese Vorarbeiten könne mit dem eigentlichen Umbau der Durchwegung nicht begonnen werden.
Grüne fragten im Bezirksrat nach dem Sachstand
Das Thema beschäftigte zuletzt auch den Stadtbezirksrat Linden‑Limmer. In der Sitzung am 29. April 2026 stellte Ina Birk mehrere Fragen an die Stadtverwaltung. Hintergrund ist die anhaltende Sperrung der wichtigen Fuß- und Radwegeverbindung zwischen Linden-Limmer und der Innenstadt – insbesondere während der derzeitigen Bauarbeiten an der Spinnereibrücke. Die Grünen wollten unter anderem wissen, welche Ergebnisse ein Gespräch zwischen Stadtverwaltung und WEG Anfang März erbracht habe, welche Schritte zur Wiederöffnung unternommen würden und wann mit einer Freigabe gerechnet werden könne.
Stadt: Gespräche laufen weiter
Nach Angaben der Stadtverwaltung wurde die WEG am 2. März 2026 darüber informiert, dass der Förderzeitraum für das Projekt „Revitalisierung des Ihme-Zentrums“ im Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ bis Ende 2026 verlängert wurde. Außerdem sei darüber gesprochen worden, unter welchen Voraussetzungen die gesperrte Durchwegung wieder geöffnet werden könne. Dabei habe die WEG laut Stadt zunächst eine Ordnungsverfügung der Bauaufsicht als Grund für die Sperrung genannt. Nach interner Prüfung habe sich jedoch herausgestellt, dass diese Verfügung den Bereich der Durchwegung gar nicht betreffe.
Mit Schreiben vom 2. April 2026 habe die Verwaltung die WEG darauf hingewiesen und zu einem weiteren Gespräch eingeladen. Dieses sei jedoch von der WEG-Verwaltung verschoben worden. Einen konkreten Zeitpunkt für die Wiederöffnung könne die Stadt derzeit nicht nennen.
WEG: Vertragliche Grundlage liegt seit Jahren vor
Nach Darstellung von Jürgen Oppermann besteht allerdings bereits seit dem 9. Juni 2020 eine Vereinbarung, die der Stadt ausdrücklich das Recht einräumt, sämtliche Baumaßnahmen an der Durchwegung durchzuführen. Diese Vereinbarung sei am 25. April 2024 nochmals schriftlich bestätigt worden. Damit widerspricht die WEG indirekt der wiederholten Darstellung der Stadtverwaltung, wonach fehlende Zustimmungen ein Hindernis für die Umsetzung seien. Aus Sicht der Eigentümer hätte die Stadt längst tätig werden können.
Sperrung erfolgte offenbar auf Druck der Stadt
Auch bei den Gründen für die Sperrung ergeben sich Widersprüche. Laut Oppermann sei die Schließung nicht auf Initiative der Eigentümer erfolgt, sondern nach Beanstandungen der städtischen Fußgängerbeauftragten. Kritisiert worden sei eine unzureichende Trennung zwischen Fuß- und Radverkehr. Da die notwendigen Markierungen nicht kurzfristig umgesetzt wurden, hat die WEG den Bereich aus Sorge vor möglichen Haftungsansprüchen gesperrt. Nach Auffassung der Eigentümer könnte die Stadt die Durchwegung daher grundsätzlich kurzfristig wieder öffnen, indem die erforderlichen Markierungen hergestellt werden.
Haftungsfrage weiterhin ungeklärt
Ein weiterer Konfliktpunkt betrifft die Verantwortung für Verkehrssicherheit, Beleuchtung und Reinigung. Große Teile der derzeitigen Durchwegung befinden sich im Privatbesitz der Wohnungseigentümergemeinschaft. Nach Angaben der WEG wurde der Stadt bereits ein Vertragsentwurf übermittelt. Dieser sieht vor, dass die Stadt künftig die Unterhaltung übernimmt und die Eigentümer nicht für mögliche Unfälle oder Schäden innerhalb der Durchwegung haften müssen. Solange hierzu keine Einigung erzielt werde, dürfte eine dauerhafte Öffnung schwierig bleiben.
Neue Wegeführung geplant
Parallel laufen weiterhin Planungen für eine dauerhafte Neuordnung der Durchwegung. Die künftige Wegeführung soll leicht versetzt werden:
- Von der Blumenauer Straße aus soll der Zugang weiter nach rechts in Richtung Parkhauszufahrt verschoben werden.
- Von der Ida-Arenhold-Brücke aus soll die Trasse leicht nach links rücken.
Der überwiegende Teil der neuen Verbindung soll künftig über Grundstücksflächen der insolventen Projekt-Ihme-Zentrum GmbH (PIZ) verlaufen. Nur noch rund 20 Prozent würden dann über Flächen der privaten Wohnungseigentümer führen.
Entscheidendes Problem bisher ungelöst

Doch genau diese neue Planung bringt nun ein weiteres Problem ans Licht: Der Hauseingang der Ihmepassage 2 befindet sich derzeit unmittelbar neben dem bisherigen Zugang der Durchwegung – exakt dort, wo künftig die neue Tangente verlaufen soll. Nach Angaben von Oppermann existieren bislang weder konkrete Planungen noch bauliche Vorbereitungen für eine Verlegung des Eingangsbereichs. Ohne diese Umgestaltung könne die neue Wegeführung technisch gar nicht umgesetzt werden. Damit wird deutlich: Selbst wenn sich Stadt und WEG kurzfristig auf Haftungsfragen und eine Zwischenlösung verständigen sollten, dürfte sich der eigentliche Umbau der Durchwegung weiter verzögern.