
Der Umbau und die Erweiterung der Humboldtschule in Linden-Süd werden deutlich teurer als bislang geplant. Wie Baudezernent Thomas Vielhaber am vergangenen Mittwoch im Stadtentwicklungs- und Bauausschuss mitteilte, steigen die Kosten des Projekts um rund 20 Millionen Euro. Damit wächst das Gesamtbudget für die umfangreiche Sanierung und Erweiterung der Schule erheblich. Grundlage der Beratung waren eine Verwaltungsvorlage sowie eine ergänzende Präsentation der Stadtverwaltung. Demnach führen insbesondere gestiegene Baukosten, zusätzliche technische Anforderungen sowie Veränderungen im Bauablauf zu der massiven Budgeterhöhung.
Deutlich höhere Bau- und Planungskosten
Nach Angaben der Verwaltung reichen die ursprünglich kalkulierten Mittel nicht mehr aus. Seit Beginn der Planungen hätten sich zahlreiche Rahmenbedingungen verändert. Als Ursachen werden unter anderem die allgemeine Preisentwicklung im Baugewerbe, gestiegene Materialkosten sowie zusätzliche Anforderungen an Gebäudetechnik und Bauausführung genannt.
Auch die besondere Situation des Bestandsgebäudes spielt eine Rolle. Im Zuge der weiteren Planungen und Untersuchungen seien zusätzliche Maßnahmen erforderlich geworden, die ursprünglich nicht oder nur teilweise berücksichtigt worden seien. Dazu gehören unter anderem technische Anpassungen sowie komplexere Eingriffe in die bestehende Gebäudestruktur.
Die Humboldtschule soll im Rahmen des Projekts umfassend modernisiert und erweitert werden. Geplant sind unter anderem neue Unterrichtsbereiche, eine verbesserte technische Ausstattung sowie Maßnahmen zur energetischen Sanierung.
Politik muss über zusätzliche Millionen entscheiden
Die zusätzlichen Kosten müssen nun politisch beschlossen werden. Die Verwaltung legte dem Ausschuss dazu eine entsprechende Drucksache vor. Baudezernent Thomas Vielhaber erläuterte die Hintergründe der Kostensteigerung in der Sitzung des Stadtentwicklungs- und Bauausschusses.
Die Humboldtschule gehört zu den größten Schulbauprojekten in Hannover. Gerade deshalb dürfte die deutliche Kostensteigerung in den kommenden politischen Beratungen für Diskussionen sorgen. Angesichts knapper Haushaltsmittel wächst zugleich der Druck auf die Stadt, Großprojekte künftig realistischer zu kalkulieren. Die Stadtverwaltung betonte jedoch, dass an der Umsetzung des Projekts festgehalten werden solle. Die Modernisierung der Schule sei weiterhin notwendig, um den Anforderungen an einen zeitgemäßen Schulbetrieb gerecht zu werden.
Statements
Zwei Mitglieder des Stadtentwicklungs- und Bauausschusses, die gleichzeitig auch Mitglieder im Stadtbezirksrat Linden-Limmer sind bat Punkt-Linden um eine Stellungnahme:
- Dr. Daniel Gardemin (Bündnis 90/Die Grünen): Erst 47 Millionen Euro, jetzt 67 Millionen Euro. Wir werden in der Ratspolitik immer wieder mit Kostensteigerungen konfrontiert, aber diese Steigerung toppt alles. Die Bauverwaltung hat uns glaubhaft gemacht, dass die Baukosten seit unserer Auftragsvergabe 2020 um 50 Prozent gestiegen sind. Aber die Baukostensteigerung macht nicht den gesamten Preisanstieg aus. Und das ist das Ärgerliche, dass Sonderwünsche wie Fernwärme, Bühnentechnik und Sonderaufgaben wie Kampfmittelsondierung nicht gleich transparent auf den Tisch gelegt werden. Um den Weiterbau der Humboldtschule nicht zu verzögern, haben wir der Kostensteigerung notgedrungen zugestimmt. Wirklich gut an dem Nachtrag ist eine große Solaranlage, die nicht nur die Energiebilanz verbessert, sondern auch noch mehr Geld in die Kassen spült, als sie kostet.
- Dirk Machentanz (Soziale Gerechtigkeit Hannover, SGH): „Eine Budgeterhöhung um fast 50 % und 20 Millionen Euro wirft viele Fragen auf. Ein privater Bauherr könnte sich das nicht erlauben. Leider sind Budgeterhöhungen derzeit eher die Regel als die Ausnahme. Wir halten die Sanierung der Humboldtschule jedoch für erforderlich.“