Humboldtschule Linden-Süd: Umbau kostet 20 Millionen Euro mehr

Humboldtschule Baustelle Juni 2024
Humboldtschule Baustelle im Juni 2024

Der Umbau und die Erweiterung des Gymnasiums Humboldtschule in Linden-Süd werden deutlich teurer als bislang geplant. Wie Baudezernent Thomas Vielhaber am vergangenen Mittwoch im Stadtentwicklungs- und Bauausschuss mitteilte, steigen die Kosten des Projekts um rund 20 Millionen Euro. Damit wächst das Gesamtbudget für die umfangreiche Sanierung und Erweiterung der Schule erheblich. Grundlage der Beratung waren eine Verwaltungsvorlage sowie eine ergänzende Präsentation der Stadtverwaltung. Demnach führen insbesondere gestiegene Baukosten, zusätzliche technische Anforderungen sowie Veränderungen im Bauablauf zu der massiven Budgeterhöhung.

Deutlich höhere Bau- und Planungskosten

Nach Angaben der Verwaltung reichen die ursprünglich kalkulierten Mittel nicht mehr aus. Seit Beginn der Planungen hätten sich zahlreiche Rahmenbedingungen verändert. Als Ursachen werden unter anderem die allgemeine Preisentwicklung im Baugewerbe, gestiegene Materialkosten sowie zusätzliche Anforderungen an Gebäudetechnik und Bauausführung genannt.

Auch die besondere Situation des Bestandsgebäudes spielt eine Rolle. Im Zuge der weiteren Planungen und Untersuchungen seien zusätzliche Maßnahmen erforderlich geworden, die ursprünglich nicht oder nur teilweise berücksichtigt worden seien. Dazu gehören unter anderem technische Anpassungen sowie komplexere Eingriffe in die bestehende Gebäudestruktur.

Die Humboldtschule soll im Rahmen des Projekts umfassend modernisiert und erweitert werden. Geplant sind unter anderem neue Unterrichtsbereiche, eine verbesserte technische Ausstattung sowie Maßnahmen zur energetischen Sanierung.

Politik muss über zusätzliche Millionen entscheiden

Die zusätzlichen Kosten müssen nun politisch beschlossen werden. Die Verwaltung legte dem Ausschuss dazu eine entsprechende Drucksache vor. Baudezernent Thomas Vielhaber erläuterte die Hintergründe der Kostensteigerung in der Sitzung des Stadtentwicklungs- und Bauausschusses.

Die Humboldtschule gehört zu den größten Schulbauprojekten in Hannover. Gerade deshalb dürfte die deutliche Kostensteigerung in den kommenden politischen Beratungen für Diskussionen sorgen. Angesichts knapper Haushaltsmittel wächst zugleich der Druck auf die Stadt, Großprojekte künftig realistischer zu kalkulieren. Die Stadtverwaltung betonte jedoch, dass an der Umsetzung des Projekts festgehalten werden solle. Die Modernisierung der Schule sei weiterhin notwendig, um den Anforderungen an einen zeitgemäßen Schulbetrieb gerecht zu werden.

Statements

Zwei Mitglieder des Stadtentwicklungs- und Bauausschusses, die gleichzeitig auch Mitglieder im Stadtbezirksrat Linden-Limmer sind bat Punkt-Linden um eine Stellungnahme:

  • Dr. Daniel Gardemin (Bündnis 90/Die Grünen): Erst 47 Millionen Euro, jetzt 67 Millionen Euro. Wir werden in der Ratspolitik immer wieder mit Kostensteigerungen konfrontiert, aber diese Steigerung toppt alles. Die Bauverwaltung hat uns glaubhaft gemacht, dass die Baukosten seit unserer Auftragsvergabe 2020 um 50 Prozent gestiegen sind. Aber die Baukostensteigerung macht nicht den gesamten Preisanstieg aus. Und das ist das Ärgerliche, dass Sonderwünsche wie Fernwärme, Bühnentechnik und Sonderaufgaben wie Kampfmittelsondierung nicht gleich transparent auf den Tisch gelegt werden. Um den Weiterbau der Humboldtschule nicht zu verzögern, haben wir der Kostensteigerung notgedrungen zugestimmt. Wirklich gut an dem Nachtrag ist eine große Solaranlage, die nicht nur die Energiebilanz verbessert, sondern auch noch mehr Geld in die Kassen spült, als sie kostet.
  • Dirk Machentanz (Soziale Gerechtigkeit Hannover, SGH): „Eine Budgeterhöhung um fast 50 % und 20 Millionen Euro wirft viele Fragen auf. Ein privater Bauherr könnte sich das nicht erlauben. Leider sind Budgeterhöhungen derzeit eher die Regel als die Ausnahme. Wir halten die Sanierung der Humboldtschule jedoch für erforderlich.“

Bildnachweis: Stefan Ebers

9 Kommentare zu „Humboldtschule Linden-Süd: Umbau kostet 20 Millionen Euro mehr“

  1. Die Links von Thomas Ganskow zu den Drucksachen der LHH aus den Jahren 2020 und 2026 sind hilfreich. Ich habe mir diese angesehen. Zunächst gibt es von mir ein Lob für die transparente Darstellung der Baukosten. Wenn es um die Begründung der Budgeterhöhung geht, wachsen indes meine Zweifel. Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, aber den größten Batzen der Mehrkosten in Höhe von rund 14 Mio. Euro auf die „allgemeine Baupreissteigerung“ zu schieben, ist für mich nicht glaubhaft. Selbstredend sind die Baukosten in den vergangenen Jahren exorbitant gestiegen, jedoch nicht durchgängig in Höhe von 50%. Hinzu kommt, dass in der Kostenberechnung vom 27.12.2019 dafür bereits 15% = 6.185.000 Euro eingepreist waren. Demnach kämen wir bei dieser Baumaßnahme auf Mehrkosten >20 Mio. Euro allein aufgrund von Baupreissteigerungen.

    Ansätze zum Sparwillen sind nicht zu erkennen. Für die Außenanlagen waren ursprünglich 2.167.000 Euro +15% veranschlagt. Jetzt sollen für den Erweiterungsbau 360.600 Euro und für den Bestandsbau 340.000 Euro +15% hinzukommen. Das sind inkl. Baunebenkosten Summa summarum 3,5 Mio. Euro. Für die Hälfte lässt es sich draußen auch hübsch machen.

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  2. Die ganze Sache wirft viele Fragen auf. In der Ursprungsdrucksache

    https://e-government.hannover-stadt.de/lhhsimwebre.nsf/DS/0213-2020

    ging es um die notwendige Erweiterung, nachdem die Landesregierung eingesehen hatte, dass G8 der falsche Ansatz war. Denn ganz offiziell ging es lediglich darum, das Gebäude für G9 fit zu machen. Von daher hätte doch wohl alles, was darüber hinaus geht,

    https://e-government.hannover-stadt.de/lhhsimwebre.nsf/DS/1027-2026

    schon vor der Umsetzung neu beschlossen werden müssen. Denn da es sich nicht wie manche meinen aus Sonderwünschen der Politik, sondern aus gesetzlichen Vorgaben ergab, sollten die Kosten eigentlich planbar gewesen sein.

    Warum die Drucksache mit dem Erhöhungsantrag nun der Stadtbezirksrat Ricklingen nachrichtlich und nicht der Stadtbezirksrat Linden-Limmer zur Beschlussfassung bekommen soll, versuche ich gerade herauszubekommen.

    Interessant ist das vor allem deshalb, weil letzterer auch die Ursprungsdrucksache beschließen – oder ablehnen – konnte.

    Antworten
  3. Im Grunde ist es unfassbar, wie in Hannover bei Gebäudesanierungen die Kosten explodieren. Es kann immer eine Sanierung teurer werden, aber diesen Kostensteigerungen bei eigentlich allen Sanierungen oder Neubauten sind nicht mehr nachvollziehbar. Die Brandschutzmaßnahme der Sporthalle am Lindener Stadion sollte 5,3 Millionen Euro kosten. Nachdem die Drucksache durch den Bezirksrat war, stellte man fest, was alles vergessen wurde. Jetzt sind es 10,4 Millionen Euro. Wahrscheinlich wird die Brandschutzmaßnahme mit Sanierung noch teurer. Das Historische Museum von 2,9 Millionen Euro auf 81 Millionen Euro. Mittlerweile sind viele Bereiche in der Stadt Hannover von Fehlplanungen betroffen. Man denke nur an die falsche Software, 345000 Euro in den Sand gesetzt. Leider übernimmt niemand in dieser Stadt dafür die Verantwortung. Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf!

    Antworten
    • > Man denke nur an die falsche Software, 345000 Euro in den Sand gesetzt.

      Kommerzielle Softwarelizenzen sind extrem widerlich weil die Hersteller sich extrem wirren Kram einfallen lassen.
      Ich kenne einen Fall wo selbst der Hersteller nicht wusste wie man seine Software für den gewünschten Einsatz lizenzieren sollte.

      Antworten
    • In aller Regel explodieren bei öffentlichen Bauten nicht die Kosten, sondern die Illusionen. Die Politik verlangt von der Baubehörde und den Planern die Realisierung von Bauvorhaben zu Kosten, die meist unrealistisch sind. Damit das Projekt nicht von vornherein scheitert, einigt man sich auf geschönte Kostenberechnungen. Der Ausgang von Bieterverfahren ist grundsätzlich spekulativ; darüber hinaus gibt es Unwägbarkeiten, auf die man viele Kostensteigerungen zurückführen kann.

      Antworten
      • Genauso wie bei privaten Vorhaben, da landet lediglich das Versagen von Managern und Konsumenten nicht in der Presse.

        Don’t believe your Bias!

        Antworten
  4. Anlässlich des Richtfests vor zwei Jahren meldete die LHH:

    „Die geschätzten Kosten für den Neubau, die Sanierung und die Umgestaltung des Außengeländes liegen bei rund 59 Millionen Euro.“

    Diese Kostensteigerung gegenüber der ursprünglichen Summe von 47,4 Mio. Euro kann ich nachvollziehen. Dass in den vergangenen zwei Jahren noch einmal Mehrkosten in Höhe von 8 Mio. Euro entstanden sein sollen, lässt sich nicht mit höheren Baukosten erklären, sondern muss andere Ursachen haben. Zwei Ursachen sind naheliegend: erstens Fehler bzw. Lücken in der Kostenberechnung, zweitens nachträgliche Wünsche des Nutzers oder Architekten.

    Antworten
  5. > Dirk Machentanz (Soziale Gerechtigkeit Hannover, SGH): „Eine Budgeterhöhung um fast 50 % und 20 Millionen Euro wirft viele
    > Fragen auf. Ein privater Bauherr könnte sich das nicht erlauben.

    Seit wann singen den die Nationalbolschewisten das Lied das Private alles besser können?
    Das kuscheln mit den Rechten scheint denen wirklich nicht gut zu bekommen.

    Antworten

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9 Kommentare zu „Humboldtschule Linden-Süd: Umbau kostet 20 Millionen Euro mehr“

  1. Die Links von Thomas Ganskow zu den Drucksachen der LHH aus den Jahren 2020 und 2026 sind hilfreich. Ich habe mir diese angesehen. Zunächst gibt es von mir ein Lob für die transparente Darstellung der Baukosten. Wenn es um die Begründung der Budgeterhöhung geht, wachsen indes meine Zweifel. Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, aber den größten Batzen der Mehrkosten in Höhe von rund 14 Mio. Euro auf die „allgemeine Baupreissteigerung“ zu schieben, ist für mich nicht glaubhaft. Selbstredend sind die Baukosten in den vergangenen Jahren exorbitant gestiegen, jedoch nicht durchgängig in Höhe von 50%. Hinzu kommt, dass in der Kostenberechnung vom 27.12.2019 dafür bereits 15% = 6.185.000 Euro eingepreist waren. Demnach kämen wir bei dieser Baumaßnahme auf Mehrkosten >20 Mio. Euro allein aufgrund von Baupreissteigerungen.

    Ansätze zum Sparwillen sind nicht zu erkennen. Für die Außenanlagen waren ursprünglich 2.167.000 Euro +15% veranschlagt. Jetzt sollen für den Erweiterungsbau 360.600 Euro und für den Bestandsbau 340.000 Euro +15% hinzukommen. Das sind inkl. Baunebenkosten Summa summarum 3,5 Mio. Euro. Für die Hälfte lässt es sich draußen auch hübsch machen.

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  2. Die ganze Sache wirft viele Fragen auf. In der Ursprungsdrucksache

    https://e-government.hannover-stadt.de/lhhsimwebre.nsf/DS/0213-2020

    ging es um die notwendige Erweiterung, nachdem die Landesregierung eingesehen hatte, dass G8 der falsche Ansatz war. Denn ganz offiziell ging es lediglich darum, das Gebäude für G9 fit zu machen. Von daher hätte doch wohl alles, was darüber hinaus geht,

    https://e-government.hannover-stadt.de/lhhsimwebre.nsf/DS/1027-2026

    schon vor der Umsetzung neu beschlossen werden müssen. Denn da es sich nicht wie manche meinen aus Sonderwünschen der Politik, sondern aus gesetzlichen Vorgaben ergab, sollten die Kosten eigentlich planbar gewesen sein.

    Warum die Drucksache mit dem Erhöhungsantrag nun der Stadtbezirksrat Ricklingen nachrichtlich und nicht der Stadtbezirksrat Linden-Limmer zur Beschlussfassung bekommen soll, versuche ich gerade herauszubekommen.

    Interessant ist das vor allem deshalb, weil letzterer auch die Ursprungsdrucksache beschließen – oder ablehnen – konnte.

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  3. Im Grunde ist es unfassbar, wie in Hannover bei Gebäudesanierungen die Kosten explodieren. Es kann immer eine Sanierung teurer werden, aber diesen Kostensteigerungen bei eigentlich allen Sanierungen oder Neubauten sind nicht mehr nachvollziehbar. Die Brandschutzmaßnahme der Sporthalle am Lindener Stadion sollte 5,3 Millionen Euro kosten. Nachdem die Drucksache durch den Bezirksrat war, stellte man fest, was alles vergessen wurde. Jetzt sind es 10,4 Millionen Euro. Wahrscheinlich wird die Brandschutzmaßnahme mit Sanierung noch teurer. Das Historische Museum von 2,9 Millionen Euro auf 81 Millionen Euro. Mittlerweile sind viele Bereiche in der Stadt Hannover von Fehlplanungen betroffen. Man denke nur an die falsche Software, 345000 Euro in den Sand gesetzt. Leider übernimmt niemand in dieser Stadt dafür die Verantwortung. Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf!

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    • > Man denke nur an die falsche Software, 345000 Euro in den Sand gesetzt.

      Kommerzielle Softwarelizenzen sind extrem widerlich weil die Hersteller sich extrem wirren Kram einfallen lassen.
      Ich kenne einen Fall wo selbst der Hersteller nicht wusste wie man seine Software für den gewünschten Einsatz lizenzieren sollte.

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    • In aller Regel explodieren bei öffentlichen Bauten nicht die Kosten, sondern die Illusionen. Die Politik verlangt von der Baubehörde und den Planern die Realisierung von Bauvorhaben zu Kosten, die meist unrealistisch sind. Damit das Projekt nicht von vornherein scheitert, einigt man sich auf geschönte Kostenberechnungen. Der Ausgang von Bieterverfahren ist grundsätzlich spekulativ; darüber hinaus gibt es Unwägbarkeiten, auf die man viele Kostensteigerungen zurückführen kann.

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      • Genauso wie bei privaten Vorhaben, da landet lediglich das Versagen von Managern und Konsumenten nicht in der Presse.

        Don’t believe your Bias!

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  4. Anlässlich des Richtfests vor zwei Jahren meldete die LHH:

    „Die geschätzten Kosten für den Neubau, die Sanierung und die Umgestaltung des Außengeländes liegen bei rund 59 Millionen Euro.“

    Diese Kostensteigerung gegenüber der ursprünglichen Summe von 47,4 Mio. Euro kann ich nachvollziehen. Dass in den vergangenen zwei Jahren noch einmal Mehrkosten in Höhe von 8 Mio. Euro entstanden sein sollen, lässt sich nicht mit höheren Baukosten erklären, sondern muss andere Ursachen haben. Zwei Ursachen sind naheliegend: erstens Fehler bzw. Lücken in der Kostenberechnung, zweitens nachträgliche Wünsche des Nutzers oder Architekten.

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  5. > Dirk Machentanz (Soziale Gerechtigkeit Hannover, SGH): „Eine Budgeterhöhung um fast 50 % und 20 Millionen Euro wirft viele
    > Fragen auf. Ein privater Bauherr könnte sich das nicht erlauben.

    Seit wann singen den die Nationalbolschewisten das Lied das Private alles besser können?
    Das kuscheln mit den Rechten scheint denen wirklich nicht gut zu bekommen.

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