
Mehr als vier Jahre lang prägten Baustellen, Sperrungen und Umleitungen die Badenstedter Straße in Linden-Mitte und Badenstedt. Eigentlich sollte das Großprojekt rund um den Umbau der Stadtbahninfrastruktur inzwischen weitgehend abgeschlossen sein. Doch auch Monate nach den zuletzt angekündigten Fertigstellungen sorgen neue Absperrungen und ausbleibende Arbeiten erneut für Ärger bei Anwohnern.
Besonders im Bereich der Petermannstraße fragen sich viele Menschen derzeit, warum dort zwar eine Baustelle eingerichtet wurde, sichtbare Arbeiten aber offenbar ausbleiben. Die Einmündung ist weiterhin teilweise gesperrt, Fußwege wurden eingeschränkt und der Verkehr wird erneut umgeleitet. Nach Beobachtungen aus der Nachbarschaft scheint die Baustelle jedoch seit längerer Zeit nahezu unberührt zu sein.
Auf Nachfrage von Punkt-Linden erklärt infra-Presseprecher Jens Hauschke, dass der Großteil der Arbeiten „wie abgesprochen bis Ende April“ abgeschlossen worden sei. Dazu zählte insbesondere die Inbetriebnahme der neuen Ampelanlage an der Petermannstraße Anfang März.
Doch offenbar zeigt sich erneut ein Problem, das bei Großbaustellen in Hannover inzwischen fast schon zum Standard geworden ist: Überraschungen im Untergrund. Laut infra wurde bei Arbeiten westlich der DB-Brücke festgestellt, dass eine Trinkwasserleitung deutlich näher an einem geplanten Kabelschacht verläuft als erwartet. Dadurch müsse nun zunächst eine Ersatzlösung entwickelt werden.
Für die Anwohner bedeutet das vor allem eines: weitere Verzögerungen.
Baustelle eingerichtet – aber wo wird gearbeitet?
Besonders kritisch sehen viele Anwohner den Umstand, dass die Sperrungen bereits eingerichtet wurden, obwohl derzeit offenbar keine sichtbaren Arbeiten stattfinden. Für Fußgänger und Radfahrer wurde die südliche Nebenanlage der Badenstedter Straße gesperrt. Sie müssen indessen auf die gegenüberliegende Seite wechseln. Gleichzeitig bleibt die Petermannstraße teilweise eingeschränkt befahrbar.
Gerade nach den jahrelangen Belastungen rund um den Stadtbahnausbau wächst bei einigen Anwohnern das Unverständnis darüber, warum Baustellenbereiche erneut über längere Zeit blockiert werden, obwohl dort zwischenzeitlich kaum Bautätigkeit zu erkennen ist. Die Situation erinnert viele an die lange Geschichte des Projekts: mehrfach verschobene Fertigstellungen, zusätzliche Restarbeiten und immer neue kleinere Baustellen, die sich an bereits abgeschlossene Bauabschnitte anschließen.
Weitere Arbeiten bis zu den Sommerferien angekündigt
Nach Angaben der infra sollen die verbliebenen Maßnahmen spätestens bis zum Beginn der Sommerferien abgeschlossen werden. Dazu zählen neben dem Bau des Kabelschachtes auch Asphaltarbeiten in der Petermannstraße, das Umhängen von Signalgebern am Körtingsdorfer Weg sowie ein neuer Radfahrsignalmast im Bartweg.
Punkt-Linden-Artikel vom 17. Mai 2026:
ADFC-Bezirksgruppe AhBaDa erwartet Aussage von Infra
Die ADFC-Bezirksgruppe Ahlem-Badenstedt-Davenstedt hat sich in einem offenen Schreiben an den Geschäftsführer der infra, Christian Weske, gewandt, weil die Arbeiten in der Badenstedter Straße entgegen seinen Ankündigungen im Februar gegenüber dem Stadtbezirksrat Ahlem Badenstedt Davenstedt immer noch nicht abgeschlossen sind. Die Bezirksgruppe erwartet nun eine Antwort. Und erwartet eine Stellungnahme. Diese Mängelliste hat sie zusammengestellt:
- „An der Einmündung der Petermannstraße fehlen immer noch Teile der Ampelanlage. Die Durchfahrt von der Petermannstraße auf die Badenstedter Straße ist verboten. Das Verbot wird oft ignoriert, es kommt auch zu Unfällen (zuletzt am 9. Mai 2026 gegen 19 Uhr). Die Situation dort ist sehr unübersichtlich und daher auch für Radfahrende gefährlich.
- An der Einmündung Körtingsdorfer Weg behindert immer noch eine Baustellenabsperrung den Radverkehr. Es scheint sich nur noch um eine Kleinigkeit zu handeln, die dort erledigt werden muss – umso ärgerlicher, dass es seit Wochen nicht vorangeht.
- Vor einigen Wochen wurde eine neue Baustelle in Höhe der Einfahrt zum REWE-Parkplatz eingerichtet, die Rad- und Fußweg komplett blockiert. Seitdem der Rad-/Gehweg aufgerissen wurde, sind überhaupt keine Fortschritte oder Bauarbeiten zu beobachten. Aus Sicht der ADFC-Bezirksgruppe sollte umgehend geprüft werden, ob die Baustelle zeitnah beendet werden kann. Wenn das nicht der Fall ist, sollte eine vernünftige Lösung für Radfahrende und Fußgänger*innen gefunden werden, die ohne Umwege und lange Wartezeiten an Ampeln auskommt.“
Die ADFC-Bezirksgruppe erwartet, dass die Baustellen vorrangig fertiggestellt werden, damit der Straßenverkehr auf der Badenstedter Straße endlich für alle Teilnehmer*innen sicher und ohne Hindernisse möglich ist.“
Hintergrund
Der im Juni 2020 gestartete Umbau der Badenstedter Straße, bei dem die Stadtbahnschienen an den Straßenrand verlegt werden, ist trotz mehrjähriger Bauzeit weiterhin nicht vollständig abgeschlossen. Zwar wurde die Strecke Anfang August 2024 wieder für den Autoverkehr freigegeben, jedoch bleibt ein zentraler Teilprojektpunkt offen: die neue Ampelanlage an der Kreuzung Petermannstraße. Bereits mehrfach hatte die Infra, Betreiberin der hannoverschen Stadtbahninfrastruktur, die Fertigstellung angekündigt.

Zum Kommentator Gerhard:
Dort wurde gar kein neuer Hochbahnsteig erstellt (was es aber nicht besser macht).
Der seit jetzt über 25 Jahren vorhandene wurde lediglich etwas verlängert und leicht saniert, auch der am Bauweg.
Das Projekt ist aber trotzdem gerade in seiner realen Ausführung ärgerlich und wenig sinnvoll, weil man mit der alten Bahnbrücke
klarkommen mußte (also dort ohne straßenaufgeweitete Seitenlage der Schienen). Das hat einen verkehrlich und optisch furchtbaren Zustand geschaffen. Kaum jemand hat Vorteile, alle ärgern sich!
Allerdings haben alle Gremien – auch der StBR – den Plänen zugestimmt…
Hätten die Gremien ihre Zustimmung tatsächlich verweigern können? Was wäre dann passiert?
Manchmal habe ich sogar Mitleid mit der Infra. Baustellen sind kein Wunschkonzert und schon gar nicht, wenn mehrere gleichzeitig bedient werden müssen. Vor allem der Tiefbau birgt viele Überraschungen. Für die Bewältigung ist Manpower erforderlich, die nicht beliebig verfügbar ist. Worin besteht der Fehler? In den Baumaßnahmen selbst! Am Grünen Tisch haben sich Technokraten für den lückenlosen Ausbau des Stadtbahnnetzes mit Hochbahnsteigen entschieden, ohne die nachteiligen Folgen gebührend zu berücksichtigen. 5 Jahre Bauzeit für einen einzigen Hochbahnsteig hatte von denen niemand auf dem Schirm.
Der Ärger der betroffenen Bürger und Verkehrsteilnehmer ist berechtigt. Ihr Unmut wird von den Verantwortlichen zur Kenntnis genommen, aber nicht zu einer Beschleunigung der Restarbeiten führen. Vielleicht sollte jemand direkt den Schachtmeister der beauftragten Tiefbaufirma fragen, wann mit der Vollendung der Restarbeiten zu rechnen sei. Dessen Aussage ist vermutlich glaubhafter als die Hinhaltetaktik der Infra-Geschäftsleitung.
Traurig, wie so oft: Verkehrsteilnehmer werden gegen einander ausgespielt. Das Problem liegt woanders: Planung und Umsetzung können sicher nicht soviele Millionen kosten…
Sicher, dass da Linden-Süd ist?
Danke für den Hinweis, ist korrigiert.
Die Fraktion „Natürlich AhBaDa“ hat genau zu diesem Thema eine Anfrage im Bezirksrat gestellt.
https://e-government.hannover-stadt.de/lhhsimwebre.nsf/DS/15-0915-2026