Hannovercrit in Linden-Nord: Radrennen sorgt erneut für Straßensperrungen und Kritik von Anwohnern

Teil der Rennstrecke am Kötnerholzweg
Teil der Rennstrecke am Kötnerholzweg
Am Sonntag, 5. Juli 2026, wird in Linden-Nord rund um einen Häuserblock erneut das Radrennen Hannovercrit ausgetragen. Nach der Premiere im vergangenen Jahr findet die Veranstaltung damit zum zweiten Mal statt. Während die Veranstalter das Rennen als gemeinschaftliches Kiez-Event präsentieren, gibt es bereits im Vorfeld Kritik von Anwohnern und aus der Kommunalpolitik.

Straßensperrungen und Halteverbote

Für die Durchführung des Radrennens werden mehrere Straßen in Linden-Nord vollständig gesperrt. Wie Dennis Dix, Sprecher der Stadt Hannover, auf Anfrage von Punkt-Linden mitteilte, betrifft dies voraussichtlich in der Zeit von 10 bis 19 Uhr einen Teil folgender Straßen:

Zusätzlich werden entlang der Rennstrecke Halteverbote eingerichtet, die bereits ab Samstag, 4. Juli, 8 Uhr gelten sollen.

Die Veranstalter weisen in einem Informationsflyer ausdrücklich darauf hin, dass Fahrzeuge, die dort trotz Halteverbots abgestellt werden, kostenpflichtig abgeschleppt werden.

Veranstalter werben mit Kiez-Atmosphäre

In ihrem Flyer beschreiben die Organisatoren das Rennen als weit mehr als eine reine Sportveranstaltung:

„Das Hannover Crit ist mehr als ein Rennen – es ist ein Tag, an dem der Kiez zusammenkommt. Racerinnen und Racer, Nachbarinnen und Nachbarn, Familien und Freunde.“

Das sogenannte „Crit“ (Kriterium) ist ein Radrennen auf einem kurzen Rundkurs, bei dem die Teilnehmer zahlreiche Runden absolvieren und hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten erreichen.

Webseite zur Veranstaltung

Bezirksbürgermeister kritisiert fehlende Einbindung

Die Veranstaltung wurde lediglich in der unmittelbaren Nachbarschaft per Postwurfsendung angekündigt. Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube erklärte in der vergangenen Sitzung des Bezirksrates Linden-Limmer, dass er erst durch Beschwerden von Anwohnern von der Veranstaltung erfahren habe. Er bezeichnete es als ungewöhnlich, dass der Stadtbezirksrat über eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht informiert worden sei.

Nach seiner Einschätzung hätte sich eine alternative Streckenführung angeboten. So hätte der Rundkurs beispielsweise um den Block der St.-Benno-Kirche verlaufen können. Dadurch wäre die Zufahrt nach Linden-Nord über die Ungerstraße weiterhin möglich geblieben.

Zudem äußerte Grube grundsätzliche Kritik. Nach seiner Ansicht trage eine solche Veranstaltung zu einer zunehmenden Kommerzialisierung des Stadtteils bei. Auf der Internetseite der Veranstaltung wurden unter anderem kostenpflichtige Startplätze für die Rennen angeboten.

Veranstalter reagieren bislang nicht auf Anfragen

Auch die Redaktion von Punkt-Linden wurde nach eigenen Angaben im Vorfeld nicht über das Rennen informiert. Mehrere Anfragen an die Veranstalter blieben bislang unbeantwortet.

Anwohner berichten von Belastungen

Auch aus der Nachbarschaft wird Kritik laut. Mehrere Anwohner schildern ähnliche Erfahrungen wie bereits beim Rennen im vergangenen Jahr.

Bemängelt wird vor allem die aus ihrer Sicht unzureichende Kommunikation im Vorfeld. Viele Bewohner müssten ihre Fahrzeuge umparken oder müssten damit rechnen, dass diese abgeschleppt werden. Während des Rennens seien Straßen kaum passierbar, da die Teilnehmer mit hoher Geschwindigkeit unterwegs seien.

Ebenso berichten Anwohner von einer starken Beschallung mit Musik, belegten Gehwegen und Einschränkungen im unmittelbaren Wohnumfeld.

Ein Anwohner fasst seine Kritik so zusammen:

„Ich bin als Anwohner verärgert, schon wieder nicht mitgenommen worden zu sein. Zudem ist es kein Straßenfest für alle, sondern das Privatvergnügen einiger Fahrradhipster.“

Sportveranstaltung mit unterschiedlichen Perspektiven

Das Hannovercrit möchte den Radsport in urbaner Umgebung präsentieren und den Stadtteil als Austragungsort einbeziehen. Gleichzeitig zeigt die Diskussion im Vorfeld, dass größere Veranstaltungen im öffentlichen Straßenraum unterschiedliche Interessen berühren. Während die einen ein sportliches Ereignis mit besonderer Atmosphäre sehen, wünschen sich andere eine frühzeitigere Einbindung der Anwohnerschaft und eine Streckenführung mit geringeren Auswirkungen auf den Alltag.

Bildnachweis: Stefan Ebers

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