Biber in der Stadt – Spuren in Linden an Leine und Ihme

Wer aufmerksam an Leine- und Ihmeufer in Linden spazieren geht, hat es sicher schon bemerkt: Bäume und Gehölze, die im unteren Bereich angenagt aussehen. Und es ist richtig: der NABU Laatzen kartiert seit 8 Jahren die Verbreitung des Bibers in der Region Hannover. Es ist also keine neue Erkenntnis, dass sich der fleißige und arbeitsame Meister Bockert (wie der Biber in einigen Fabeln genannt wird) seit mehreren Jahren im Stadtgebiet angesiedelt hat. Ein junger Biber wurde sogar mal im Steintorviertel aufgegriffen und von einem Biberberater des NABU Laatzen an einer geeigneten Stelle wieder ausgesetzt.

Biber, deren wissenschaftlicher Name Castoridae ist, waren in Deutschland wegen ihres Fleisches aber auch den als Statussymbol geltenden Biberhüten, fast ausgerottet. Der letzte Biber in Niedersachsen wurde 1819 getötet. Er kehrt langsam wieder zurück und es ist nicht ungewöhnlich, dass er sich auch in der Region und Stadt Hannover angesiedelt hat. Im Stadtgebiet an der Ihme und Leine gibt es zurzeit 6 Reviere.

Biber-Spuren

Die 20-25 kg schweren Biber sind die zweitgrößten lebenden Nagetiere der Erde, Vegetarier und halten keinen Winterschlaf. Mensch und Tier treffen in der Regel nicht direkt aufeinander, weil der Biber nachtaktiv ist. Im Winter, wenn das Pflanzenangebot weniger wird,  weicht er auf die nahrhafte Rinde von Bäumen aus. Das Holz frisst er nur bei jungen dünnen Ästen. Aus diesem Grund findet man auch immer Späne (Foto 1). Äste und Zweige dienen nicht nur als Nahrung, sondern auch als Baumaterial für Dämme und die Biberbauten, was aber an der Leine nicht geschehen wird. Das Wasser hier ist tief genug, um einen üblichen Zugang zum Bau in ca. 80 cm Tiefe zu haben.

Eindeutig zu erkennende Biberspuren sind z.B. die sogenannte Sanduhrform bei Bäumen mit größerem Durchmesser (Foto 2). Er nagt dann immer mit seinen rötlichen Zähnen, die Eisen enthalten, bei geneigtem Kopf in einem 45 Grad Winkel (Foto 3), was anders als ein Schnitt mit einer Motorsäge aussieht. Die werden meist benutzt, damit keine Äste unkontrolliert abbrechen (Foto 4 und 5), oben Motorsägenschnitt und unten Biberbiss.

Schutz der Biber in Deutschland

Beruhigend ist, dass die Biber monogam und reviertreu sind und sich die Revieranzahl nicht dramatisch erhöht. Nach ca. 3 Jahren werden die geschlechtsreifen Jungen „rausgeworfen“ und müssen sich ein weiter entferntes neues Revier suchen.

Der Biber ist eine streng geschützte Art. Dies ist unter anderem im Bundesnaturschutzgesetz § 44 und dem Anhang II und IV der FFH-Richtlinie geregelt. Er darf nicht gestört und nicht gejagt werden, Baue und Dämme dürfen nicht zerstört werden. Zuwiderhandlungen werden strafrechtlich verfolgt. Maßnahmen wie im Süden Deutschlands, wo man Biber in Ausnahmefällen jagt, dürfen nur mit Zustimmung der unteren Naturschutzbehörde eingeleitet und umgesetzt werden.

Führung im Lindener Biberrevier

Gemeinsam mit dem Biberberater Bernd Hermening vom NABU Laatzen auf einem Spaziergang im Biberrevier in Hannover-Linden. Dabei auf Spurensuche gehen und die Lebensweise des größten Nagetiers Europas kennenlernen. Es gibt Wissenswertes über die Biologie des Bibers, seine Lebensweise und seine Wiederansiedlung.
Festes Schuhwerk und gegebenenfalls ein Fernglas ist ratsam.
Treffpunkt: Justus-Garten-Brücke (Fährmannsbrücke) – Emma-Frede-Weg
Termine: Sonntag, 09. Februar, 10:00 Uhr und Sonntag, 23. Februar, 14:00 Uhr

Bildnachweis: Bernd Hermening

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