Wiederholt Demonstration für kurdischen Aktivisten Halim Dener

Halim Dener Demo_Velvetplatz fast voll besetzt 2024
Abschlusskundgebung der Halim Dener Demo auf dem Velvetplatz

Auf dem Steintorplatz fanden sich gestern am 6. Juli 2024 etwa 150 bis 200 Teilnehmer ein. Sie lauschten der Startkundgebung, die an den Tod des damals erst 16-Jährigen kurdischen Aktivisten Halim Dener erinnerte. Das Motto der Versammlung war „Kämpfe verbinden“ und ging damit am Thema Erinnerung und Einrichtung eines Halim-Dener-Platzes in Linden-Nord vorbei.

Über den Klagesmarkt, wo eine Zwischenkundgebung gehalten wurde und sich gleichzeitig die Teilnehmerzahl auf etwa 300 erhöhte, ging es dann über die Königsworter- und Limmerstraße in Richtung des heutigen Velvetplatz. Auf dem Weg dorthin nahm die Anzahl der Demonstranten ständig zu. Die Spitze in der Limmerstraße lag dann etwa bei 700 Teilnehmern (Teilnehmerzahlen lt. Polizeiauskunft).

Offensichtlich waren dann sogenannte Nutzer des Solidareffektes, die die Demo als Bühne benutzten, dabei. In Höhe der Limmerstraße Ecke Viktoriastraße kam es zu einem negativen Ereignis. Ein Teilnehmer nutzte einen Luftballon mit dem verbotenen PKK-Symbol, gegen das vorgegangen werden musste. Demonstranten beschimpften daraufhin die anwesenden Polizisten und griffen sie teilweise tätlich an. Das wiederum führte zu einigen Festnahmen zur Aufnahme der persönlichen Daten, dauerhafte Festnahmen gab es nicht. Diese Personen müssen nun mit einer Anzeige rechnen. Diese „Trittbrettfahrer“ verschwanden dann im weiteren Verlauf der Veranstaltung.

Der Tross kam gegen 16 Uhr am Velvetplatz an. Hier verlief die Abschlusskundgebung ruhig, es wurden viele Themen angesprochen, die aber wenig mit Halim Dener zu tun hatten. Daraufhin zeigten sich etwa 16:30 Uhr erste Auflösungserscheinungen auf dem Platz. Laut Polizeiangaben verlief die Demonstration insgesamt ruhig.

Der Velvetplatz ist neben dem Pfarrlandplatz gelegen

Velvetplatz
Velvetplatz in Linden-Nord

Warum dieser Platz gewählt wurde, um an Dener’s Tod vor jetzt mittlerweile 30 Jahren zu erinnern, erschließt sich einem Außenstehenden nicht. Die Stadtverwaltung Hannover hat einer Zusage zum Antrag des Bezirksrats Linden-Limmer und verschiedener Vereinigungen zur Umbenennung mehrfach widersprochen.

Zitat von Punkt-Linden am 4. Juli 2017:

„Auch für die kurdische Sache macht ein Halim-Dener-Platz keinen Sinn. Einen Platz in Hannover nach einem Vorfall vor 23 (jetzt 30) Jahren zu benennen, wird das Anliegen der Kurden keinen Meter weiter bringen. Auch die von der türkischen Seite vorgebrachten Argumente, daß man keinen Platz nach einem Anhänger der Terrororganisation PKK benennen sollte, gehen weit über das Ziel hinaus. Ein 16 jähriger Bengel, der es wahrscheinlich einfach nur cool fand, Plakate zu kleben ist dadurch noch lange kein Terrorist.“

Nähere Informationen zur Geschichte

Der 1977 in Bingöl/Türkei geborene Dener stellte Anfang Mai 1994 unter einem falschen Namen einen Asylantrag für Deutschland. Nachdem er dann in Neustadt am Rübenberge gelebt hat, nahm er am 30. Juni 1994 an einer kurdischen Aktion am Steintor teil. Dort klebte er Plakate einer PKK-Untergrundorganisation an. Es kam dabei während Handgreiflichkeiten zu einem tödlichen Schuss durch einen Zivilpolizisten. Dadurch ist der Jugendliche zum Märtyrer geworden. Der Polizist wurde wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, später aber freigesprochen.

Wer mehr über die ganze Geschichte wissen möchte, ist hiermit bestens versorgt:

Halim Dener – Gefoltert. Geflüchtet. Verboten. Erschossen. Hrsg. von der Kampagne Halim Dener; erschienen im Verlag Gegen den Strom, München, Juni 2020, ISBN 3-9809970-0-6, Broschur, 200 × 200 mm, 226 Seiten

 

 

Bildnachweis: Ralf Borchardt

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