Mit einer Kinderkette hat die Aktionsgruppe „Bunter Spielplatz Stärkestraße“ demonstriert, wie der Spielplatz aus ihrer Sicht geschützt werden sollte. Eine vollständige Einzäunung lehnt die Initiative dagegen ab. Für zusätzliche Irritation sorgt ein überraschend vorgelegter Vorschlag der Stadtverwaltung – und die Frage, warum nun offenbar doch kurzfristig Geld für einen Zaun vorhanden ist.
Am Spielplatz Stärkestraße in Linden-Nord geht die Diskussion über den richtigen Umgang mit der dortigen Drogenszene weiter. Kinder, Pädagogen und Mitglieder der Aktionsgruppe „Bunter Spielplatz Stärkestraße“ bildeten am Mittwoch, 26. August, eine Kinderkette. Sie markierten damit genau den Verlauf, an dem nach ihrer Vorstellung ein Zaun zum Schutz der Kinder entstehen sollte. Die Botschaft der Aktion: Einen Zaun ja – aber keinen vollständig eingezäunten Spielplatz.
Spielplatz soll offener Ort bleiben
Die Aktionsgruppe möchte verhindern, dass der eigentliche Spielbereich weiterhin als Durchgang genutzt werden kann. An einzelnen Stellen sei deshalb eine klare Abgrenzung notwendig. Gleichzeitig solle der Spielplatz ein offener Ort der Begegnung bleiben. Auslöser für die Aktion war eine erneute Nachfrage bei der Stadtverwaltung. Nach einem Ortstermin mit Oberbürgermeister Belit Onay Anfang Juli (Punkt-Linden berichtete) waren die Beteiligten davon ausgegangen, dass die Verwaltung verschiedene Möglichkeiten für einen Zaunverlauf entwickeln und zur Diskussion stellen würde. Die jüngste Rückmeldung wird von der Aktionsgruppe allerdings anders verstanden: Demnach könnte der gesamte Kernbereich des Spielplatzes eingezäunt werden. Eine solche Lösung lehnt die Initiative ab. „So viel Schutz wie nötig und gleichzeitig so viel Offenheit und Beteiligung wie möglich“, lautet ihr Ziel.
Überraschender Zaunplan erreicht Bezirksbürgermeister

Bemerkenswert ist dabei auch die Finanzierung. Beim Ortstermin am 6. Juli hatte die Verwaltung noch erklärt, dass für eine umfassende Umgestaltung des Spielplatzes voraussichtlich frühestens 2028 Geld zur Verfügung stehen werde. Ein Umbau wäre demnach erst 2029 möglich. Bis dahin sollten verschiedene Varianten erarbeitet und vorgestellt werden. Woher nun kurzfristig Mittel für eine Einzäunung kommen könnten, blieb nach Grubes Darstellung offen. Angesichts der bevorstehenden Kommunalwahl stellt sich für ihn deshalb auch die Frage, warum die Umsetzung plötzlich deutlich schneller möglich sein soll.
Kritik an vollständiger Umzäunung
Inhaltlich stößt der vorgelegte Entwurf ebenfalls auf Kritik. Nach Grubes Angaben sieht der Plan eine vollständige Umzäunung des Spielplatzes vor. Hinter Teilen der Einfriedung seien zudem Bepflanzungen vorgesehen. Gerade diese Kombination hält der Bezirksbürgermeister für problematisch. Büsche und andere schlecht einsehbare Bereiche könnten neue Versteckmöglichkeiten für Drogen schaffen. Damit drohe eine Maßnahme, die eigentlich für mehr Sicherheit sorgen soll, an anderer Stelle, neue Probleme hervorzurufen. Zugleich soll vermieden werden, dass für Kinder der Eindruck eines Spielplatzes „im Käfig“ entsteht.
Aktionsgruppe wünscht Kinderschutz vorzuziehen
Einen anderen Ansatz unterstützt die Aktionsgruppe. Der Vorschlag der zuständigen Umweltdezernentin, die unmittelbar notwendige Einfriedung zum Schutz der Kinder aus dem späteren Beteiligungsverfahren herauszulösen, wird ausdrücklich begrüßt. Damit könnte zunächst an den besonders kritischen Stellen gehandelt werden. Die grundsätzliche Neugestaltung des Spielplatzes würde dagegen weiterhin gemeinsam mit Kindern, Anwohnern und den umliegenden Einrichtungen geplant.
Das entspricht auch dem Beschluss des Stadtbezirksrates vom April. Dieser hatte die Verwaltung aufgefordert, gemeinsam mit Kindern, Anwohnern, Kinderläden und Kitas ein Konzept für die Umgestaltung zu entwickeln. Vorgesehen waren unter anderem attraktivere Spielangebote, eine stärkere Belebung sowie eine offene Einfriedung im Bereich der Spielgeräte, Sandkästen und Sitzgelegenheiten.
Seit Jahren Probleme mit der Drogenszene
Hinter der Zaundebatte steht ein deutlich größeres Problem. Eltern und die Leitung des benachbarten Kinderladens und die Anwohner berichten seit längerer Zeit, dass der Spielplatz regelmäßig von Drogenkonsumenten und mutmaßlichen Dealern genutzt werde. Familien würden die Anlage deshalb teilweise meiden. Kinder hätten nach Angaben der Beteiligten sogar Drogengeschäfte beobachten können. Beim Ortstermin Anfang Juli hatte Oberbürgermeister Belit Onay eingeräumt, dass es an mehreren Stellen Hannovers eine zunehmende Drogenproblematik gebe. Gegen Aggressionen und Beschaffungskriminalität müsse konsequenter vorgegangen und der Spielplatz besser geschützt werden.
Abgebaute Bänke verlagerten das Problem offenbar nur
Wie schwierig vermeintlich einfache Maßnahmen sein können, zeigt der Umgang mit den Sitzbänken an den Tischtennisplatten. Bereits im Frühjahr wurden dort Bänke entfernt – nach Angaben aus dem Bezirksrat ohne vorherige Beteiligung des Stadtbezirksrates. Obwohl deren Wiederaufstellung zugesagt worden sei, fehlten sie Ende August weiterhin. Grube kritisierte dieses Vorgehen mit den Worten, man müsse vorher überlegen, „was man damit auslöst“. Anwohner berichten inzwischen von einem Verlagerungseffekt: Nachdem die Sitzmöglichkeiten an den Tischtennisplatten verschwunden waren, hätten sich Personen aus der Drogenszene verstärkt auf benachbarte Bänke am Ihmeufer zurückgezogen. Das eigentliche Problem wäre damit nicht gelöst, sondern lediglich um einige Meter verschoben worden.
Genau diese Erfahrung dürfte bei der weiteren Planung eine wichtige Rolle spielen. Ein Zaun kann Kinder vor bestimmten Situationen schützen und Durchgänge verhindern. Die Drogenszene rund um Stärkestraße und Ihmeufer beseitigt er jedoch nicht. Die Kinderkette macht deshalb zugleich deutlich, worum es den Beteiligten geht: Der Spielplatz soll geschützt werden, ohne ihn von seinem Stadtteil abzuschotten.









