Pfandsammler? Neue Mülleimer sorgen für Diskussionen

aha startet Testbetrieb für neue Abfallbehälter
Neue Abfallbehälter

Pfandsammler gehören längst zum Alltag vieler Städte. Menschen mit geringem Einkommen sichern sich durch das Sammeln von Pfandflaschen einen kleinen Nebenverdienst – oft aus purer Notwendigkeit. Auch im Stadtteil Linden-Nord ist dieses Bild vertraut: Beim sogenannten „Limmern“ stellen Passanten leere Flaschen bewusst neben Mülleimer oder legen sie obenauf, um Sammlerinnen und Sammlern den Zugriff zu erleichtern.

Doch genau dieses stille Arrangement gerät nun unter Druck. In der Limmerstraße wurden neue, überdachte, orangefarbene Abfallbehälter aufgestellt. Sie sind gut sichtbar und fassen deutlich mehr Müll als ihre Vorgänger. Aus Sicht der Stadtsauberkeit ein Fortschritt. Thomas Ganskow von der Gruppe Linke & Piraten im Stadtbezirksrat Linden-Limmer sieht jedoch eine problematische Kehrseite: „Diese Behälter lassen es nicht zu, weiter als etwa 20 Zentimeter in die Tonne zu greifen.“ Für Pfandsammler bedeutet das faktisch einen Ausschluss.

In der letzten Sitzung des Bezirksrates stellte Ganskow daher den Antrag, die neuen Mülleimer mit Pfandabstellmöglichkeiten zu ergänzen und sie mit dem Hinweis „Pfand gehört daneben“ zu kennzeichnen. Ziel sei es nicht nur, die Situation der Sammelnden zu verbessern, sondern auch einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Denn landen Pfandflaschen im Restmüll, werden sie thermisch verwertet – die schlechteste aller Recyclingoptionen. Besonders sinnvoll wären fest installierte Abstellflächen auf Griffhöhe, die sowohl den Zugriff erleichtern als auch verhindern, dass Flaschen im öffentlichen Raum verstreut werden.

Pfandabstellmöglichkeiten werden von aha abgelehnt

Zuständig für die Entscheidung ist der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover (aha). Dieser verweist auf einen bereits durchgeführten einjährigen Test von sogenannten Pfandringen im öffentlichen Raum. Zwischen Dezember 2016 und November 2017 wurden solche Ringe unter anderem an der Limmerstraße installiert. Ziel war es, Effekte auf Stadtsauberkeit, Sicherheit und die Situation der Pfandsammelnden zu untersuchen.

Die soziale Evaluation, durchgeführt vom Karl-Lemmermann-Haus im Auftrag des städtischen Fachbereichs Soziales, kam jedoch zu einem ernüchternden Ergebnis. Zwar wurden Interviews mit Sammelnden, Anwohnern und Gewerbetreibenden geführt und die Nutzung systematisch beobachtet. Am Ende überwogen aus Sicht der Verwaltung jedoch Kosten, Vandalismusschäden und zusätzliche Verschmutzungen durch illegale Müllentsorgung. Eine Ausweitung des Projekts wurde daher nicht empfohlen – eine Einschätzung, der sich die Stadtreinigung bis heute anschließt.

Die Ablehnung kommentiert wiederum Thomas Ganskow: „Es ist schon interessant, wie wenig die Verwaltung auf den Antrag eingeht. Kein Wort davon, eine Abstellmöglichkeit zu installieren oder Aufkleber anzubringen. Von Pfandringen, auf die sich in der Antwort bezogen wurde, ist weit und breit keine Rede. Aber man holt halt alte Kamellen aus dem Hut, wenn man etwas nicht machen will. Dass damit Politikverdrossenheit gefördert wird, spielt natürlich keine Rolle.“

In Langenhagen gelten andere Regeln

Dass es auch anders gehen kann, zeigt ein Blick ins benachbarte Langenhagen. Dort startete im Stadtpark das Projekt „Spende statt Scherben“. Initiiert wurde es vom Jugendparlament Langenhagen. An fünf ausgewählten Standorten wurden Pfandringe installiert – bewusst dort, wo sich viele junge Menschen aufhalten. „Wir haben Orte ausgesucht, an denen die Wahrscheinlichkeit der Nutzung besonders hoch ist“, erklärt Marlene Rosenbohm vom Jugendparlament. Ziel ist es, Pfandflaschen gezielt weiterzugeben, Scherben zu vermeiden und gleichzeitig ein Zeichen für Nachhaltigkeit zu setzen.

Der Vergleich wirft Fragen auf: Sind Pfandringe tatsächlich wirkungslos – oder kommt es auf Gestaltung, Standort und Einbindung der Nutzer an? Die Debatte um die neuen Mülleimer in Hannover zeigt jedenfalls, dass technische Lösungen für Sauberkeit soziale Realitäten nicht ausblenden dürfen.

Bildnachweis: Katharina Kümpel

4 Gedanken zu „Pfandsammler? Neue Mülleimer sorgen für Diskussionen“

  1. Warum will man eigentlich AHA in die Pflicht nehmen?
    Pfandflaschen kann man doch trotzdem daneben stellen, durchstehen da schließlich nicht lange.
    AHA verbietet das nicht, warum also diskutieren?
    Wenn es dieser Gruppe aus Linken und Piraten nicht passt, warum machen die selbst nichts außer etwas zu kritisieren???
    Warum keine Kampagne um die Entsorger von Pfandflaschen zu sensibilisieren?
    Warum die Schuld bei AHA suchen? Was kann das Unternehmen dafür, dass einige zu faul sind ihr Pfand abzugeben und lieber un einen Mülleimer schmeißen? AHA zwingt niemanden dazu. Man kann es daneben stellen.
    Aber gut, irgendwie ist das typisch für alle Parteien, Kritik an anderen üben ist einfacher statt selbst etwas zu machen.

    Antworten
  2. Die Argumentationskette im Text ist meines Erachtens nicht schlüssig.

    „Beim sogenannten „Limmern“ stellen Passanten leere Flaschen BEWUSST NEBEN Mülleimer oder legen sie obenauf, um Sammlerinnen und Sammlern den Zugriff zu erleichtern.“… dann später
    zu den neuen Mülleimern: „Diese Behälter lassen es nicht zu, weiter als etwa 20 Zentimeter in die Tonne zu greifen. Für Pfandsammler bedeutet das faktisch einen Ausschluss.“

    Wenn weiterhin daneben gestellt werden würde, ist doch die Tonnengröße egal… und die Pfandringe sind ein anderes Thema, losgelöst von der Mülleimerform, zudem wurde dies vor etlichen Jahren bereits abgehakt…

    Antworten
  3. Die Argumente von AHA sind mal wieder ein Witz, die ersten Pfandringe kamen auch in Hannover nicht von AHA, keine Ahnung wer das war aber damit wäre die Pflege dieser nicht die Sache und demnach auch nicht die Kosten von AHA. Sowas kann man in Kooperation mit jeder beliebigen wohltätigen Organisation machen, am besten eine in der man auch Leute ohne festen Job die Behälter für die Flaschen/Dosen fertigt.

    Ich mache das was drauf steht: Ich gebe ihnen denen (AHA) Rest, Pfandflaschen/Dosen kommen davor, wenn nicht gerade einer da ist der die abgibt und das Geld gebrauchen kann.

    Antworten
  4. Leider gibt es auch Menschen, die bewusst Glas-Pfandflaschen zerschmettern. Hier könnte man zwar Abhilfe verschaffen, indem es abends dann keine einzelnen Glasflaschen mehr zu kaufen gibt, aber Getränke aus der Plastikflasche schmecken einfach nicht so gut.

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4 Gedanken zu „Pfandsammler? Neue Mülleimer sorgen für Diskussionen“

  1. Warum will man eigentlich AHA in die Pflicht nehmen?
    Pfandflaschen kann man doch trotzdem daneben stellen, durchstehen da schließlich nicht lange.
    AHA verbietet das nicht, warum also diskutieren?
    Wenn es dieser Gruppe aus Linken und Piraten nicht passt, warum machen die selbst nichts außer etwas zu kritisieren???
    Warum keine Kampagne um die Entsorger von Pfandflaschen zu sensibilisieren?
    Warum die Schuld bei AHA suchen? Was kann das Unternehmen dafür, dass einige zu faul sind ihr Pfand abzugeben und lieber un einen Mülleimer schmeißen? AHA zwingt niemanden dazu. Man kann es daneben stellen.
    Aber gut, irgendwie ist das typisch für alle Parteien, Kritik an anderen üben ist einfacher statt selbst etwas zu machen.

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  2. Die Argumentationskette im Text ist meines Erachtens nicht schlüssig.

    „Beim sogenannten „Limmern“ stellen Passanten leere Flaschen BEWUSST NEBEN Mülleimer oder legen sie obenauf, um Sammlerinnen und Sammlern den Zugriff zu erleichtern.“… dann später
    zu den neuen Mülleimern: „Diese Behälter lassen es nicht zu, weiter als etwa 20 Zentimeter in die Tonne zu greifen. Für Pfandsammler bedeutet das faktisch einen Ausschluss.“

    Wenn weiterhin daneben gestellt werden würde, ist doch die Tonnengröße egal… und die Pfandringe sind ein anderes Thema, losgelöst von der Mülleimerform, zudem wurde dies vor etlichen Jahren bereits abgehakt…

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  3. Die Argumente von AHA sind mal wieder ein Witz, die ersten Pfandringe kamen auch in Hannover nicht von AHA, keine Ahnung wer das war aber damit wäre die Pflege dieser nicht die Sache und demnach auch nicht die Kosten von AHA. Sowas kann man in Kooperation mit jeder beliebigen wohltätigen Organisation machen, am besten eine in der man auch Leute ohne festen Job die Behälter für die Flaschen/Dosen fertigt.

    Ich mache das was drauf steht: Ich gebe ihnen denen (AHA) Rest, Pfandflaschen/Dosen kommen davor, wenn nicht gerade einer da ist der die abgibt und das Geld gebrauchen kann.

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  4. Leider gibt es auch Menschen, die bewusst Glas-Pfandflaschen zerschmettern. Hier könnte man zwar Abhilfe verschaffen, indem es abends dann keine einzelnen Glasflaschen mehr zu kaufen gibt, aber Getränke aus der Plastikflasche schmecken einfach nicht so gut.

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