
Gerade dort hatte der Stadtbezirksrat Linden-Limmer auf eine städtebauliche Verbesserung gehofft. In seiner Sitzung am 12. November 2025 beschloss das Gremium einstimmig einen Antrag von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Ziel war es, die Bauarbeiten für den Fernwärmeausbau zu nutzen, um anschließend zusätzliche Begrünung und Fahrradabstellplätze in der Straße zu schaffen. Der Antrag, eingebracht von Bezirksrat Steffen Mallast, sah vor, die Ahlemer Straße nach Abschluss der Bauarbeiten teilweise zu begrünen und Fahrradbügel aufzustellen. Hintergrund war die Überlegung, Synergieeffekte zu nutzen: Wenn die Straße ohnehin geöffnet wird, könnten gleichzeitig Maßnahmen zur Aufwertung des öffentlichen Raums umgesetzt werden.
Stadtverwaltung hat geprüft und zusätzliche Baumpflanzungen abgelehnt
Wie aus der Stellungnahme hervorgeht, finden die Arbeiten derzeit innerhalb der Fahrbahn zwischen Grotestraße und Velberstraße statt. Die Wiederherstellung der Straße durch den Fachbereich Tiefbau soll bis Ende März abgeschlossen sein. Für neue Baumstandorte sieht die Verwaltung jedoch keinen Spielraum. Grund dafür sind die zahlreichen Versorgungsleitungen im Untergrund, darunter Gas- und Wasserleitungen. Mit dem Fernwärmeausbau komme nun eine weitere Leitungstrasse hinzu, wodurch der verfügbare Raum im Boden weiter eingeschränkt werde.
Auch alternative Begrünungsformen ohne Bäume hält die Verwaltung für wenig überzeugend. Solche Grünbeete hätten eine deutlich geringere gestalterische Wirkung und würden kaum zur Beschattung beitragen – ein wichtiger Faktor zur Minderung der sommerlichen Hitze in dicht bebauten Quartieren.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: der hohe Parkdruck in der Umgebung. Zusätzliche Grünflächen würden Parkplätze verdrängen und könnten nach Einschätzung der Stadt zusätzlichen Parksuchverkehr auslösen.
Ganz ohne Veränderungen bleibt die Straße jedoch nicht. Nach Abschluss der Bauarbeiten will die Stadt geeignete Standorte für Fahrradbügel prüfen und anschließend realisieren. Für mehr Grün im Straßenraum müssen die Anwohnerinnen und Anwohner der Ahlemer Straße dagegen vorerst weiter warten.
Die Diskussion um die Ahlemer Straße zeigt sehr deutlich, wie komplex Stadtentwicklung im Alltag ist: Auf der einen Seite steht der nachvollziehbare Wunsch nach mehr Grün, Schatten und Aufenthaltsqualität, auf der anderen Seite berechtigte Sorgen um den ohnehin knappen Parkraum und ganz konkrete Probleme wie Müll, Verschmutzung und Sicherheit im Viertel. Niemand liegt mit seinem Blick völlig falsch – jede Perspektive beleuchtet einen Teil der Realität in Linden-Nord.
Gleichzeitig wird an diesem Beispiel sichtbar, wie begrenzt der Handlungsspielraum vor Ort oft ist: Der Bezirksrat bemüht sich, Synergien mit dem Fernwärmeausbau zu nutzen, die Verwaltung verweist auf Leitungen im Untergrund, Rettungswege, Vergaberecht und knappe Mittel – am Ende passiert wieder nur das Minimum. Dieses Ping-Pong zwischen „wollen“ und „dürfen/können“ frustriert viele, die sich seit Jahren engagieren, und verstärkt den Eindruck, dass Entscheidungen „oben“ fallen und „unten“ nur noch abgenickt oder abgewehrt werden.
Gerade deshalb ist es wichtig, Kritik nicht nur aneinander, sondern auch an die Politik zu richten – sachlich, aber deutlich: Wenn wir ernsthaft Klimaanpassung, lebenswerte Straßenräume und soziale Gerechtigkeit wollen, reicht es nicht, bei jeder Baumaßnahme streng am Status quo des Autoverkehrs festzuhalten. Dann braucht es klare politische Prioritäten: weniger Fläche für dauerhaft abgestellte Privat-Pkw, mehr Raum für Bäume, Grün und sichere Wege – und gleichzeitig gute, realistische Angebote für Menschen, die auf ein Auto angewiesen sind, etwa durch Quartiersgaragen oder verlässlichen ÖPNV.
An diesem Punkt beginnt „Demokratie von unten“: Bezirksratssitzungen besuchen, Nachbarn organisieren, Anträge mit vorbereiten, in Bürgerinitiativen oder Parteien mitarbeiten und Personen wählen – oder selbst kandidieren –, die genau diese Umverteilung des öffentlichen Raums vertreten und dann auch durchfechten. Nur wenn sich mehr Anwohnerinnen und Anwohner aktiv einbringen, statt Politik nur zu kommentieren, steigt der Druck auf Verwaltung und Rat, Lösungen zu finden, die sowohl Klimaschutz als auch Mobilitätsbedürfnisse ernst nehmen. Veränderung fällt nicht von oben vom Himmel – sie entsteht, wenn viele von unten anfangen, Verantwortung zu übernehmen und dran zu bleiben.
Die Demokratie von unten funktioniert leider nicht. Das, was du aufzählst, findet seit längerem statt. Das Ergebnis seitens der Verwaltung: eine Ablehnung nach der anderen. Dabei ist es gleichgültig, ob du dem Bezirksrat angehörst oder die Sitzungen besuchst. „Druck erhöhen“ gehört zu den beliebtesten Floskeln in der Politik. Dieser Druck verpufft, solange die Machtverhältnisse dagegensprechen. Deshalb erhalten rechtsradikale Parteien mehr und mehr Zuspruch. Deren Wähler erwarten von der Politik, dass im Stile des amerikanischen Präsidenten nicht lange gefackelt, sondern gehandelt wird. Sogar unser Bundeskanzler lässt sich davon anstecken. – Die wahren Demokraten müssen deshalb nach anderen Lösungen suchen, statt auf der Stelle zu treten. Dazu müssten sie zusammenhalten und nicht jeden Andersdenkenden von vornherein ausgrenzen.
Also, ich bin jetzt einmal ganz ehrlich und ich könnte mir Bäume in anderen Straßen auch gut vorstellen, aber da auf keinen Fall!!!
Diese Straße ist gerade dort an der Viktoriastraße ein Anblick der einfach nur schlimm ist. Was da fast täglich an Müll vor den Haustüren liegt… Inhalt von Katzentoiletten der auf dem Boden klebt, hin und wieder sogar Katzenklos und so weiter.
Wenn die Bewohner die das jetzt schon so entsorgen, dann möchte ich nicht wissen wie es da ausschaut wenn es auch noch diese runden Flächen mit einem Baum darin gibt.
Ach ja, natürlich beziehe ich mich nicht auf alle Anwohner, aber einige sind es nun einmal leider und das kann man auch nicht schön reden.
Da es keine Alternative für die parkenden Autos gibt, war die Antwort vorhersehbar.
Meinen Vorschlag am „Grünen Hügel“ ein Parkhaus zu bauen habe ich nicht ohne Grund gemacht.
Stattdessen werden aber lieber mehr Wohnungen gebaut, deren Mieter/Eigentümer dann meist auch ein Auto besitzen. Wo sollen die ganzen Autos abgestellt werden, wenn einfach nur Parkraum entzogen, aber keine neue Möglichkeit geschaffen wird? Niemand, wird sein Auto abschaffen, nur weil es schwieriger wird einen Parkplatz zu finden. Dann wird das Auto ein paar Meter weiter geparkt und das Problem der Parkplatzsuche nur verlagert. Dann trifft es nicht junge gesunde Menschen ( für die 100 Meter Fußweg kein Problem sind), sondern unter Umständen sogar Rollstuhlfahrer, deren Parkplatz vor der Haustür bisher nicht gefährdet war.
Ein Parkplatz vor der Haustür in Linden? Warst du in deinem Leben schon mal in Linden?
Ich bin seit über 50 Jahren in Linden-Nord. Und ja, es gibt auch dort noch Straßen, wo man immer den selben Parkplatz bekommt oder zumindest 2, 3 Plätze weiter. Ist natürlich von der Uhrzeit abhängig, keine Frage.
Je mehr ich mich mit den Beschlüssen des Stadtbezirksrats beschäftige, desto größer werden meine Zweifel an der Sinnhaftigkeit. „Abgelehnt, abgelehnt, abgelehnt!“, schallt es gebetsmühlenartig aus der Stadtverwaltung. Profis versus Laien. Sind die Bezirksräte folglich eine Laienspielschar, die Demokratie spielen, aber nicht umsetzen dürfen? Dazu wäre eine Statistik hilfreich. Wie viele Beschlüsse des Bezirksrats Linden-Limmer der vergangenen Wahlperiode wurden:
a) Abgelehnt
b) Auf unbestimmte Zeit vertröstet
c) Angenommen mit zeitnaher Realisierung
@Gerhard
Wenn etwas angenommen wurde, ist eine Umsetzung noch nicht inbegriffen.
Es gibt angenommene Anträge, die ggf. erst nach 5 Jahren oder mehr durchgesetzt werden 🙁
Es ist doch in der Stadtkasse kein Geld vorhanden…
Hab dafür doch Verständnis *grins*
Das Verständnis habe ich tatsächlich. Etwas zu fordern, ist leichter als etwas zu realisieren. Wobei das weniger vom Geld abhängt – das kann man ja zur Seite legen –, sondern von den Kapazitäten der ausführenden Firmen und den Vergaberichtlinien, die der größte Hemmschuh bei öffentlichen Bauvorhaben sind. 5 Jahre Vorlauf sind mir jedoch zu viel. Nach 2 Jahren sollten kleinere Baumaßnahmen erledigt sein. – Ich habe jedoch eine andere Vermutung. Der Stadtbezirksrat Linden-Limmer ist bei der Stadtverwaltung nicht gut gelitten. Zu grün, zu links. Dadurch werden dessen Beschlüsse entweder per se abgelehnt oder im Stapel nach unten gelegt.
80% der Straßenfläche ist für Autos, da kann man einfach nichts von wegnehmen.
Für die Fahrbahn mag das ja auch noch einigermaßen nachvollziehbar sein. Die Rettungskräfte und insbesondere die Feuerwehr müssen im Notfall ja entsprechend schnell durchkommen.
Wieso man aber lieber Flächen für das Abstellen einzelner Privatgegenstände im öffentlichen Raum zur Verfügung, anstatt Grünflächen die bauen, von denen alle etwas haben, erschließt sich mir auch nicht.