100 Jahre Wochenmarkt Pfarrlandplatz: Feier zum Jubiläum

Seit einem Jahrhundert gehört er fest zum Stadtbild von Linden-Nord: Der Wochenmarkt auf dem Pfarrlandplatz feierte am gestrigen Samstag sein 100-jähriges Bestehen. Seit 1926 kommen hier jeden Samstag Händler und Kunden zusammen. Was einst eine wichtige Versorgungsfunktion erfüllte, ist heute vor allem ein Ort der Begegnung und Nachbarschaft.

Jubiläumsfest mit Torte, Musik und Kultur

Zum runden Geburtstag hatte die Landeshauptstadt Hannover gemeinsam mit dem Bezirksbürgermeister zu einem kleinen Marktfest geladen. Bereits am frühen Vormittag füllte sich der Pfarrlandplatz mit Besuchern. Mit dabei waren Hannovers Wirtschafts- und Umweltdezernentin Anja Ritschel sowie Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube.

Mehrere Mitarbeiter des Fachbereichs Wirtschaft, der unter anderem für die städtischen Wochenmärkte verantwortlich ist, begleiteten die Dezernentin. Im Gepäck hatten sie eine Jubiläumstorte sowie weiteren Kuchen für die Besucher. Für die jüngsten Gäste war eine Hüpfburg aufgebaut.

„Ein gutes Stück Lebensqualität“

In ihrer Ansprache würdigte Anja Ritschel die Bedeutung des Marktes für den Stadtteil:

„Der Wochenmarkt ist ein gutes Stück Lebensqualität. Der Markt am Pfarrlandplatz hat einen besonderen Charme.“

Sie erinnerte daran, dass der Markt 1926 gegründet wurde – in einer Zeit, als es weder Supermärkte noch Kühlschränke gab. Damals habe der Markt eine wichtige Versorgungsfunktion für die Bewohner des Stadtteils erfüllt. Auch heute sei er weit mehr als nur ein Einkaufsort und trage zur Lebensqualität im Quartier bei.

Persönliche Erinnerungen des Bezirksbürgermeisters

Besonders persönliche Worte fand Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube. Er berichtete von seiner engen Verbindung zum Markt, denn er sei nur wenige Schritte entfernt aufgewachsen. Als Jugendlicher habe er sich auf dem Wochenmarkt durch das Tragen von Obst- und Gemüsekisten ein Taschengeld verdient. Gleichzeitig richtete er den Blick in die Zukunft des Marktes. Er hoffe, dass das Marktamt weitere Händler für den Standort gewinnen könne, und rief die Anwohner dazu auf, den Markt regelmäßig zu nutzen.

Satire und Musik zum Jubiläum

Für das kulturelle Rahmenprogramm hatte ebenfalls der Bezirksbürgermeister gesorgt. Die Nachtbarden Kersten Flenter und Tobias Kunze, die regelmäßig im TAK auftreten, nahmen in ihren Beiträgen das aktuelle Zeitgeschehen ebenso wie das Marktgeschehen in Linden-Nord satirisch aufs Korn.
Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Lars Stoermer und Peter Schwebs, die mit Livemusik für eine besondere Atmosphäre auf dem Pfarrlandplatz sorgten.

Zwischen Tradition und Herausforderungen

Das Jubiläum fällt in eine Zeit, in der die Zukunft des traditionsreichen Marktes immer wieder diskutiert wird. Bereits Anfang des Jahres hatte Punkt-Linden über die schwierige Situation des Wochenmarktes berichtet. Wie viele andere Märkte kämpft auch der Pfarrlandplatz mit rückläufigen Händlerzahlen und veränderten Einkaufsgewohnheiten.

Dennoch zeigte die Jubiläumsveranstaltung, dass der Markt für viele Menschen weiterhin eine wichtige Rolle im Stadtteil spielt. Hier trifft sich die Nachbarschaft zum Einkaufen und für einen Klönschnack.

Problemfall öffentliche Toilette

Übler Geruch in der öffentlichen Toilette Pfarrlandplatz
Übler Geruch in der öffentlichen Toilette

Am Rande der Feier nutzte Punkt-Linden die Gelegenheit, ein weiteres Thema anzusprechen, das von Gewerbetreibenden und Anwohnern immer wieder kritisiert wird: die häufig verschmutzte öffentliche Toilette auf dem Pfarrlandplatz.
Anja Ritschel bestätigte, dass die Situation der Stadtverwaltung bekannt sei. Die Toilette werde täglich zweimal gereinigt. Dennoch sei sie oft bereits kurze Zeit später erneut stark verschmutzt. Nach Angaben der Dezernentin stößt die Stadt hier an ihre Grenzen. Eine dauerhafte Betreuung oder durchgehende Aufsicht sei aus Kostengründen nicht realisierbar. Die Anlage gelte innerhalb der Verwaltung seit Jahren als besonderer Problemstandort.

Nachbarschaft bleibt analog

Für das Jubiläum hatte Kersten Flenter einen besonderen Text verfasst, den er Punkt-Linden freundlicherweise zur Veröffentlichung überließ:

„Jedes menschliche Gespräch ist Widerstand gegen die Übertölpelung des Geistes durch geistlose Chatbot-Kommunikation“, sagt Mittelschmidt. „Na klar“, sagt der Apfelmann, „wie viel Kilo sollen’s denn sein?“ – „Elstar“, sagt Mittelschmidt, „zwei Stück.“ – „Ein Apfel am Tag / verlängert den Weg zum Sarkophag!“, dichtet der Apfelmann dozierend, „aber warum nur zwei? Ich bin erst nächsten Samstag wieder da.“ – „Nun“, sagt Mittelschmidt, „bei der derzeitigen politischen Lage lohnt es sich nicht, Vorräte anzulegen.“ – „Deine Variante von Optimismus ist nicht gut für mein Geschäft“, überlegt der Apfelmann.
Dabei muss er sich keine Sorgen machen. Er steht seit 1926 genau an dieser Stelle mit seinem Stand, er stand letzte Woche da und die Woche davor und das Jahr davor und so weiter. Er ist die Konstante in einem Leben voller Unsicherheit, und das ist gut. Es ist Verlass auf Äpfel, Blumen, Käse, Honig, Wurst und Eier und den kleinen Plausch zwischen Wägen des Gemüses und Abwägen der potentiellen Handlungen an einem Samstag nach 13 Uhr. Der Markt am Pfarrlandplatz ist eine Oase der Langsamkeit. Wer will schon nach Mitte, zu Gedränge und Hipster-Kaffee und Touristen? Doch wozu alte Wunden aufwärmen, der Markt wird 100 Jahre alt, und es ist nicht mehr die Zeit der hübsch gepflegten Feindschaften zwischen den Stadtteil-Teilen, niemand sagt mehr, wenn der Nachbar plötzlich ein bisschen Geld hat, „Geh doch nach drüben!“
„Der nächste“, schlägt der Apfelmann vor. Mittelschmidt bleibt erstmal stehen, wer weiß, was sich noch ergibt. „Ich möchte erstmal Äpfel mit Birnen vergleichen“, sagt Professor Mordhorst, der sich in der letzten halben Stunde geduldig in der Schlange vorgearbeitet hat. Der Apfelmann seufzt und drückt Professor Mordhorst je eine Frucht in die Hand. Es ist das samstägliche Ritual, das durch nichts gestört oder unterbrochen werden darf. Derweil nimmt sich der Apfelmann Zeit für Frau Meier. „Vermaledeiter Rollator“, sagt Frau Meier, „wie soll ich denn so an den Stand rankommen?“ – „Versuchen sie es in der Parallele, nicht im 90-Grad-Winkel“, schlägt Professor Mordhorst vor. „Sie müssen nicht jede Erdbeere einzeln prüfen, Frau Meier, ich gebe ihnen schon eine Schale mit den ganz schönen.“ – „Das sagen se alle“, entgegnet Frau Meier. „Heißen Sie wirklich Meier, Frau Meier?“, interessiert sich Mittelschmidt. „Ja wie denn sonst“, echauffiert sich Frau Meier, es muss ja nicht immer so ein exotischer Name sein, nur um eine Geschichte mit gewaltsam komischer zu machen.“ – „Ach so“, sagt Mittelschmidt. – „Und, was macht der Vergleich, Professor Mordhorst?“, fragt der Apfelmann. „Heute werden es wohl Birnen“, seufzt dieser. „Und nachher noch unsere wöchentliche Partie Tischtennis vorm Kleinen Fiasko, nicht wahr, Herr Professor?“ – „Selbstredend, Frau Meier“, freut sich Professor Mordhorst. „Alldieweil lege ich ihnen mal die Erdbeerschale in ihren Rollatorkorb.“ – „Die gönne ich mir heute einfach mal“, sagt Frau Meier, „denn morgen ist mein Geburtstag. Ihr kommt doch wohl alle?“ – „Ich nicht“, sagt der Apfelmann, „ich wohne im Alten Land und das Benzin ist heuer teuer, nichts gegen Sie, Frau Meier.“ – „Wie alt werden sie denn, Frau Meier?“, will Mittelschmidt wissen. „Sowas fragt man eine Dame nicht“, weiß Professor Mordhorst. „23“, sagt Frau Meier. „Sie sehen keinen Tag jünger aus“, sagt Mittelschmidt. Denn es sind die beiläufigen Floskeln, die wir alle im Laufe unseres Lebens abspeichern, die unseren Alltag geschmeidig und harmlos machen. Nie gehen Kriege von Menschen aus, die sich täglich mit 12 Wörtern alles erzählen und wieder gehen lassen können. „Na, wie geht’s?“ – „Muss ja!“ – „Ja, nützt ja nix.“ – „Tschüss dann.“ – „Jau.“ Und trotzdem gehen diese Leute nach Hause und haben alles erfahren, was aktuell im Viertel passiert. Wo könnte man diese wenigen, aber notwendigen Sätze besser tauschen als auf dem guten alten Markt am Pfarrlandplatz, der einmal Pfarrland war von St. Martin. Ne. „Möchten Sie ein Geschenk, Frau Meier?“, fragt Mittelschmidt, „Natürlich komme ich zu ihrem Ehrentag.“ – „Kein Geschenk nötig“, sagt Frau Meier. „Dann bring ich Blumen mit“, sagt Mittelschmidt, „ich kauf sie gleich hier nebenan, dann können Sie sie sofort mitnehmen und ich muss sie nicht erst zu ihnen tragen.“ Professor Mordhorst gefällt dieser Effizienzgedanke. „Bringen Sie mir auch welche für Frau Meier mit, Mittelschmidt, dann brauche ich sie nicht selbst zu kaufen und auch nicht zu Frau Meier zu tragen“, findet er, und Mittelschmidt ist einverstanden. Man kennt sich, man siezt sich, man lässt sich leben und schreibt sich keine Messenger-Nachrichten, denn das Leben soll schön sein, und wenn Frau Meier Geburtstag hat, ist es erst recht schön, auch wenn niemand weiß, warum sie im Alter von 22 Jahren ohne erkennbare Beeinträchtigung am Rollator geht, aber so ist eben das Leben in Linden-Nord, wir haben alle unsere Macken und einen Bürgermeister, der gut auf uns aufpasst, ganz ohne Palantir-Software – wenigstens will ich das glauben. Weil, hier auf dem Markt am Pfarrlandplatz, im schönen Linden-Nord, da bleibt das Leben, bleibt die Nachbarschaft analog.

Bildnachweis: Stefan Ebers

3 Kommentare zu „100 Jahre Wochenmarkt Pfarrlandplatz: Feier zum Jubiläum“

  1. Trotz des desolaten Zustands der Bedürfnisanstalt habe ich das Bedürfnis, Kersten Flenter für seinen besonderen Text zu loben. Beschreibt er damit die Lindener Seele? Frau Meier ist 22 Jahre alt, geht am Rollator und jammert nicht über fehlende Hochbahnsteige in der Limmerstraße. Bravo! Sie hat ihren Seelenfrieden.

    Vor anderthalb Jahrzehnten haben Thea Dorn und Richard Wagner ein dickes Buch über „Die deutsche Seele“ geschrieben. Darin geht es um Arbeitswut, Fußball, Kirchensteuer, Pfarrhaus, Spargelzeit, Weihnachtsmarkt, Zerrissenheit usw. Das Buch endet mit einem Seufzer von Thea Dorn: „Lasst mir meine Zerrissenheit. Sie ist das Beste, was ich habe.“ „Jau!“

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  2. Zum Thema öffentliche Toilette habe ich vorgestern eine erfreuliche Erfahrung gemacht. Ich war in Limburg an der Lahn. Dort steht am Neumarkt eine moderne Toilettenanlage. Die Rezensionen im Internet bestätigen meinen Eindruck: „Kostenlos und sauber!“ Am Eingang saß eine Dame mittleren Alters. Meine Frage nach einem Entgelt, verneinte sie. Es sei gratis. Die Toilettenanlage ist in der Regel von 7:00 – 18:00 Uhr offen. Sonntags vermutlich geschlossen. Offensichtlich funktioniert dieses System seit mehreren Monaten und ist vermutlich nicht teurer für die Stadt, als täglich zweimal ein Reinigungsteam vorbeizuschicken. Kann das ein Vorbild für Hannover und Linden sein!?

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  3. Lieben Dank an Kersten Flenter, das ist Pfarrlandplatzmarkt lebendig! Wunderbar und nah am Echt. Wirklich ein großes Danke, ich sehe die echten Personen vor mir.
    Schade, dass von den Anwohnern wirklich niemand von dem Fest wusste, keine Flugzettel, keine Werbung, nichts. Nur offensichtlich ein paar Auserwählte der „Prominenz“ waren vorbereitet. Ich und meine Mitbewohner hätten gern viele Kuchen gebacken, Präsente gebastelt, die Händler gefeiert, auch wegen des familiären Umgangs Woche für Woche.
    Selbst von den Marktbeschickern wussten nicht alle von dem Jubiläum – wer auch immer hier die Vorauswahl traf. Die Markthändler haben sich sehr empört, dass von der „Prominenz“ niemand ein Gespräch mit ihnen gesucht hat. Wirklich traurig und dann doch wohl mehr Selbstdarstellung derer, die selbst fast nie als Kunden den Markt besuchen, nur nebenan irgendwann aufgewachsen sind, wenn überhaupt.
    Ganz egal, der Wochenmarkt ist für mich jede Woche ein Fest, wichtige Begegnungen für mich persönlich, wenn der Korb schon mit Lieblingswaren gefüllt ist, wenn wir kommen. Tradition eben. Und die kann uns keine Prominenz nehmen. Feiert eure Beliebigkeit oder euch selbst an anderer Stelle in den nächsten 100 Jahren. Wir sind und bleiben treu mit Herz.

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  1. Trotz des desolaten Zustands der Bedürfnisanstalt habe ich das Bedürfnis, Kersten Flenter für seinen besonderen Text zu loben. Beschreibt er damit die Lindener Seele? Frau Meier ist 22 Jahre alt, geht am Rollator und jammert nicht über fehlende Hochbahnsteige in der Limmerstraße. Bravo! Sie hat ihren Seelenfrieden.

    Vor anderthalb Jahrzehnten haben Thea Dorn und Richard Wagner ein dickes Buch über „Die deutsche Seele“ geschrieben. Darin geht es um Arbeitswut, Fußball, Kirchensteuer, Pfarrhaus, Spargelzeit, Weihnachtsmarkt, Zerrissenheit usw. Das Buch endet mit einem Seufzer von Thea Dorn: „Lasst mir meine Zerrissenheit. Sie ist das Beste, was ich habe.“ „Jau!“

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  2. Zum Thema öffentliche Toilette habe ich vorgestern eine erfreuliche Erfahrung gemacht. Ich war in Limburg an der Lahn. Dort steht am Neumarkt eine moderne Toilettenanlage. Die Rezensionen im Internet bestätigen meinen Eindruck: „Kostenlos und sauber!“ Am Eingang saß eine Dame mittleren Alters. Meine Frage nach einem Entgelt, verneinte sie. Es sei gratis. Die Toilettenanlage ist in der Regel von 7:00 – 18:00 Uhr offen. Sonntags vermutlich geschlossen. Offensichtlich funktioniert dieses System seit mehreren Monaten und ist vermutlich nicht teurer für die Stadt, als täglich zweimal ein Reinigungsteam vorbeizuschicken. Kann das ein Vorbild für Hannover und Linden sein!?

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  3. Lieben Dank an Kersten Flenter, das ist Pfarrlandplatzmarkt lebendig! Wunderbar und nah am Echt. Wirklich ein großes Danke, ich sehe die echten Personen vor mir.
    Schade, dass von den Anwohnern wirklich niemand von dem Fest wusste, keine Flugzettel, keine Werbung, nichts. Nur offensichtlich ein paar Auserwählte der „Prominenz“ waren vorbereitet. Ich und meine Mitbewohner hätten gern viele Kuchen gebacken, Präsente gebastelt, die Händler gefeiert, auch wegen des familiären Umgangs Woche für Woche.
    Selbst von den Marktbeschickern wussten nicht alle von dem Jubiläum – wer auch immer hier die Vorauswahl traf. Die Markthändler haben sich sehr empört, dass von der „Prominenz“ niemand ein Gespräch mit ihnen gesucht hat. Wirklich traurig und dann doch wohl mehr Selbstdarstellung derer, die selbst fast nie als Kunden den Markt besuchen, nur nebenan irgendwann aufgewachsen sind, wenn überhaupt.
    Ganz egal, der Wochenmarkt ist für mich jede Woche ein Fest, wichtige Begegnungen für mich persönlich, wenn der Korb schon mit Lieblingswaren gefüllt ist, wenn wir kommen. Tradition eben. Und die kann uns keine Prominenz nehmen. Feiert eure Beliebigkeit oder euch selbst an anderer Stelle in den nächsten 100 Jahren. Wir sind und bleiben treu mit Herz.

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