Update: Museum fordert Denkmalschutz für historisches Gebäude

Kurzfristig erreichte eine Stellungnahme der Baudenkmalpflege Hannover die Redaktion Punkt-Linden. Der Oberkonservator Dipl.-Ing. (FH) Rocco Curti M.A. schrieb darin:

„Im Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) gibt es neben örtlichen Zuständigkeiten (Abt. Baudenkmalpflege) zum Teil auch fachliche Zuständigkeiten (Abt. Baudenkmalinventarisation mit landesweiten Spezialgebieten). Siehe „Links“ unten anbei:

https://denkmalpflege.niedersachsen.de/landesamt/baudenkmalpflege/aufgaben-03-141222.html
https://denkmalpflege.niedersachsen.de/landesamt/inventarisation_und_spezialgebiete/inventarisation-und-spezialgebiete-141896.html

Nach erfolgter interner Aktenrecherche kann ich ihnen mitteilen, dass der betreffende Speicher mit Datum vom 22.02.1995 bereits den Status als „Nichtdenkmal“ erhalten hat. D.h. dem Objekt wurde nach damaliger Begutachtung und Bewertung keine Denkmaleigenschaft zugemessen. Insofern wird das Objekt nicht im Verzeichnis der Kulturdenkmale geführt. An die Altaussage sind wir fachlich gebunden. Ein nochmaliges oder erneutes Feststellungsinteresse besteht nicht bzw. ist nicht zu begründen, da sich die fachlichen Bewertungsmaßstäbe bei der Betrachtung der Bauten dieser Baugattung bis heute nicht geändert haben.“

Speichergebäude der Fa. Union am Lindener Hafen
Altes Speichergebäude der Fa. Union (Mitte) am Lindener Hafen

Am Lindener Hafen befindet sich ein Bauwerk von historischer Bedeutung für die Industriearchitektur, das gemäß den Angaben der Städtischen Häfen Hannover in naher Zukunft abgerissen werden soll. Es handelt sich dabei um das ehemalige Speichergebäude der Firma Union Am Lindener Hafen 26.

Doch dagegen regt sich nun Widerstand. Die Mitglieder des Lindener Werksmuseum Eisen & Stahl mit Andreas Kleine setzen sich dafür ein, das Gebäude zu erhalten – und haben eine Prüfung des Denkmalschutzes angeregt.

„Ich finde den Vorstoß von Andreas zum Speichergebäude sehr gut und unterstützenswert“, heißt es aus Punkt-Linden bekannten Kreisen. „Allerdings befürchte ich angesichts der vielen schlechten Erfahrungen, dass der Denkmalschutz leider keine große Hilfe sein wird.“

Es wurden so gut wie alle Bauten abgerissen

Kran am Ende des Lindener Hafens
Kran am Ende des Lindener Hafens

Das Union-Gebäude, ein Getreidesilo mit späteren Anbauten, gilt als das letzte hafentypische Speichergebäude am Lindener Hafen. Errichtet wurde es 1941 von der Firma Topf & Söhne aus Erfurt, einem damals bekannten Industrieausrüster. Trotz seines Alters befindet sich der Speicher laut Befürwortern in bemerkenswert gutem Zustand: Die Raumhöhen von rund 2,70 Metern sowie die vollständig erhaltene Maschinenanlage machen es weiterhin gut nutzbar. Auch die originale Ausstattung ist noch vorhanden. Fotos, die Andreas der Stadtverwaltung vorgelegt hat, zeigen die Fassade, eine typische Etage und die historische Technik im Inneren.

Für viele Linden-Bewohnerinnen und -Bewohner ist der Speicher ein Symbol der Hafengeschichte des Stadtteils – und ein seltenes Relikt aus einer Zeit, in der der Lindener Hafen noch ein bedeutender Umschlagplatz für Waren und Rohstoffe war. „Gerade weil es das letzte Gebäude seiner Art ist, sollte man genau prüfen, ob ein Abriss wirklich alternativlos ist“, fordert Andreas.

Ob das Gebäude tatsächlich unter Denkmalschutz gestellt werden kann, ist derzeit noch offen. Die Stadt Hannover prüft auf Antrag hin, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Kritiker befürchten jedoch, dass wirtschaftliche Interessen schwerer wiegen könnten als der historische Wert.

Sollte der Abriss kommen, ginge am Lindener Hafen ein weiteres Stück industrielles Erbe Hannovers verloren – und mit ihm ein sichtbares Zeichen der Geschichte des Stadtteils. So wie z. B. schon die zwischen der Badenstedter Straße und Davenstedter Straße Gebäude, in denen zwischen 1872 und 1968 die Lindener Eisen- & Stahlwerke tätig waren.

Andreas Kleine ist übrigens einer der FAUST-Gründer und gehörte auch zur ersten AG aus dem Jahre 1989 im Vorfeld von FAUST, die sich mit dem Kesselhaus beschäftigte und darin eine Geschichtsgalerie einrichten wollte.

Bildnachweis: Ralf Borchardt

7 Gedanken zu „Update: Museum fordert Denkmalschutz für historisches Gebäude“

  1. Ich habe Fragen: Eigentümer des Grundstücks sind sicher die Städtischen Häfen Hannover. aber wer ist Eigentümer des Gebäudes? Für mich nicht nur bzgl. des Denkmalschutzes interessant, sondern auch wegen der Verkehrssicherungspflicht. Bei starken Stürmen rissen in der Vergangenheit Teile des Dachbelags, einer Art Hartschaum, ab, die eingedenk der Fallhöhe und ihres Gewichts geeignet sind, Personen zu töten.

    Wer sind die besagten, Punkt Linden bekannten Kreise?

  2. Grundsätzlich ist Denkmalschutz wichtig, dessen amtlich bestellten Protagonisten sind aber häufig zu dogmatisch und detailverliebt. Das Speichergebäude könnte als Solitär das ganze Areal aufwerten. Ohne Auflagen durch den Denkmalschutz wird die Umsetzung deutlich einfacher und möglicherweise rentabel. – Im Drohnenflug über Limmer-Linden ist der Speicher zu sehen. Der Filmtitel „Nichts weniger als die Zukunft“ könnte ein Fingerzeig in die richtige Richtung sein.

  3. Warum sollte man ein Gebäude was aus den 1940ern und nichts besonderes ist unter Denkmalschutz stellen?

    Und klar, für Projekte und Escape-Room? Die Kassen sind eh leer, das Geld könnte man sinnvoller investieren. Direkt am Lindener Hafen, Fuß- und Radwege hätten es nötiger und da hätten alle was von. nicht nur wenige.

    Wenn sich der Erhalt nicht lohnt durch eine andere Nutzung die unabhängig vom Land oder Bund unterstützt werden muss, meine Meinung, dann weg damit.

  4. Hannover und seine geschichtsträchtigen Gebäude aus der Industrie? Gibt soviele Beispiele wo nur der Kommerz das Sagen und die Stadt kein Interesse hat.

    Themen wie Nachhaltigkeit, Umnutzung, echte bezahlbare und sinnvolle Wohnraumutzung und damit idealerweise zu verbinden, ist eine utopische Wahnvorstellung vermute ich.

    Wir sind im Jahr 2025?

  5. Den Erhalt des Speichers würde ich auch begrüßen, allerdings nicht auf den Denkmalschutz setzen. Erstens lassen sich Denkmalschützer ungern Objekte zeigen, auf deren Schutz sie nicht selbst gekommen sind. Zweitens macht es die Umnutzung deutlich komplizierter. Besser wäre ein Gespräch mit dem Eigentümer über dessen Absichten.

    • Der Ordnung halber möchte ich darauf hinweisen, dass ich meinen Gedanken vor dem Update aufgeschrieben habe. Die Stellungnahme des Oberkonservators bestätigt meine Einschätzung zu „Erstens“. „Zweitens“ ist allgemeingültig.

Die Kommentare sind geschlossen.

7 Gedanken zu „Update: Museum fordert Denkmalschutz für historisches Gebäude“

  1. Ich habe Fragen: Eigentümer des Grundstücks sind sicher die Städtischen Häfen Hannover. aber wer ist Eigentümer des Gebäudes? Für mich nicht nur bzgl. des Denkmalschutzes interessant, sondern auch wegen der Verkehrssicherungspflicht. Bei starken Stürmen rissen in der Vergangenheit Teile des Dachbelags, einer Art Hartschaum, ab, die eingedenk der Fallhöhe und ihres Gewichts geeignet sind, Personen zu töten.

    Wer sind die besagten, Punkt Linden bekannten Kreise?

  2. Grundsätzlich ist Denkmalschutz wichtig, dessen amtlich bestellten Protagonisten sind aber häufig zu dogmatisch und detailverliebt. Das Speichergebäude könnte als Solitär das ganze Areal aufwerten. Ohne Auflagen durch den Denkmalschutz wird die Umsetzung deutlich einfacher und möglicherweise rentabel. – Im Drohnenflug über Limmer-Linden ist der Speicher zu sehen. Der Filmtitel „Nichts weniger als die Zukunft“ könnte ein Fingerzeig in die richtige Richtung sein.

  3. Warum sollte man ein Gebäude was aus den 1940ern und nichts besonderes ist unter Denkmalschutz stellen?

    Und klar, für Projekte und Escape-Room? Die Kassen sind eh leer, das Geld könnte man sinnvoller investieren. Direkt am Lindener Hafen, Fuß- und Radwege hätten es nötiger und da hätten alle was von. nicht nur wenige.

    Wenn sich der Erhalt nicht lohnt durch eine andere Nutzung die unabhängig vom Land oder Bund unterstützt werden muss, meine Meinung, dann weg damit.

  4. Hannover und seine geschichtsträchtigen Gebäude aus der Industrie? Gibt soviele Beispiele wo nur der Kommerz das Sagen und die Stadt kein Interesse hat.

    Themen wie Nachhaltigkeit, Umnutzung, echte bezahlbare und sinnvolle Wohnraumutzung und damit idealerweise zu verbinden, ist eine utopische Wahnvorstellung vermute ich.

    Wir sind im Jahr 2025?

  5. Den Erhalt des Speichers würde ich auch begrüßen, allerdings nicht auf den Denkmalschutz setzen. Erstens lassen sich Denkmalschützer ungern Objekte zeigen, auf deren Schutz sie nicht selbst gekommen sind. Zweitens macht es die Umnutzung deutlich komplizierter. Besser wäre ein Gespräch mit dem Eigentümer über dessen Absichten.

    • Der Ordnung halber möchte ich darauf hinweisen, dass ich meinen Gedanken vor dem Update aufgeschrieben habe. Die Stellungnahme des Oberkonservators bestätigt meine Einschätzung zu „Erstens“. „Zweitens“ ist allgemeingültig.

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