Ihme-Zentrum: Stadt Hannover will sich finanziell engagieren

Ihme-Zentrum - Verfallenes Basement an der Blumenauer Straße
Problemimmobilie Ihme-Zentrum – Verfallenes Basement an der Blumenauer Straße

Lange galt der Stadt das Ihme-Zentrum als „Privatimmobilie“. In deren Geschäfte wollte sich die öffentliche Hand nicht einmischen, hieß es immer wieder unisono auf Anfragen bei der Stadtverwaltung. Nun will die Landeshauptstadt zur „Revitalisierung“ der Großimmobilie selbst Geld in die Hand nehmen. Helfen soll auch ein neuer Bebauungsplan mit der Festsetzung „Urbanes Gebiet“. Auch städtebauliche Gebote und sogar Enteignungen stehen im Raum.

Wie erst gestern bekannt wurde, will die Stadt dem Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Dr. Malte Köster mit Hauptsitz in Bremen, jetzt sogar ein Darlehen geben, um eine fragwürdige, vom Spekulanten Windhorst eingetragene Grundschuld von 290 Millionen € zugunsten des Altenheim-Unternehmers Ulrich Marseille rechtlich überprüfen zu lassen. Ziel ist es, mit solchen Maßnahmen und Finanzspritzen die auf das Ihme-Zentrum gerichteten Rendite-Interessen privater „Finanzjongleure“ in positive Bahnen zu lenken.

Stadt gibt jetzt eine Million zur juristischen Anfechtung der Grundschuld

Die Landeshauptstadt Hannover verlautete gestern in einer Pressemitteilung, sie stelle dem Insolvenzverwalter des Ihme-Zentrums ein sogenanntes Massedarlehen von bis zu einer Million Euro zur Verfügung. „Hiermit sollen die aus Sicht der Landeshauptstadt unrechtmäßigen Grundschulden von Ulrich Marseille angefochten werden. Ein Erfolg des Klageverfahrens würde die Aussichten deutlich verbessern, Forderungen der Landeshauptstadt an den insolventen Großeigentümer im Ihme-Zentrum realisieren zu können, und gleichzeitig die Zukunftsaussichten des Ihme-Zentrums deutlich verbessern, so die Stadt.

„Die kommenden Monate sind richtungsweisend für die Zukunft des Ihme-Zentrum. Das Insolvenzverfahren der PIZ, die dem früheren Investor Lars Windhorst gehört, ist überschattet von zwei Grundschulden des Immobilienunternehmers Ulrich Marseille von zusammen 290 Millionen Euro. Die Grundschulden auf dem Ihme-Zentrum sind vermutlich Teil von spekulativen Anleihegeschäften von Lars Windhorst.

Die Landeshauptstadt, die selbst Ansprüche in dem Insolvenzverfahren hat, zweifelt die Rechtmäßigkeit dieser Grundschuld an. Der Gläubigerausschuss hat am 12. Juni 2026 den Insolvenzverwalter Dr. Malte Köster damit beauftragt, die Grundschuld auf dem Klagewege anzufechten. Um dieses Verfahren finanzieren zu können, stellt die Landeshauptstadt dem Insolvenzverwalter ein Darlehen von maximal einer Million Euro zur Verfügung. Ob dieser Rahmen ausgeschöpft wird, entscheidet sich, wenn das zuständige Gericht den realen Streitwert festlegt“, heißt es von der Stadt weiter.

Stadt will sich den Interessen dieser Finanzjongleure nicht unterwerfen

„Eine Grundschuld in Höhe von 290 Millionen Euro auf dem Ihme-Zentrum ist absurd und nur mit buchhalterischen Taschenspielertricks zwischen Ulrich Marseille und Lars Windhorst zu erklären“, sagt dazu Oberbürgermeister Belit Onay: „Als Stadt werden wir uns den Interessen dieser Finanzjongleure nicht unterwerfen. Ich bin froh, dass die Ratspolitik das Vorhaben mit breiter Mehrheit unterstützt. Unsere klare Botschaft lautet: Spekulanten sind in Hannover nicht willkommen.“

Der Kämmerer und Erste Stadtrat Axel von der Ohe führt aus: „Die immens hohe Grundschuld wirkt wie ein Totalstopp für das Ihme Zentrum, da sie massiv über dem Verkehrswert des gesamten Objektes liegt. Wenn in Folge einer erfolgreichen Anfechtung der Grundschuld ein leistungsfähiger Eigentümer der PIZ-Anteile gewonnen werden kann, würde das eine ersehnte Perspektive für das Ihme‑Zentrum bringen können.“

Dr. Malte Köster, als Insolvenzverwalter im Verfahrenskomplex „Ihme-Zentrum“: „Wir begrüßen es, dass sich die Landeshauptstadt Hannover nunmehr bereit erklärt hat, den Prozess zur gerichtlichen Klärung von möglichen Anfechtungsansprüchen zu finanzieren. Den eingeschlagenen Weg werden wir kontinuierlich weiterverfolgen, um die offenen Fragen und hochkomplexen Problemstellungen beim Ihme-Zentrum zu klären.“

Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum lädt heute zu einer „Wahlkampfveranstaltung“ ein

Im Freizeitheim Linden findet dazu am heutigen Dienstag, 23. Juni, ab 18 Uhr eine  Diskussion von vier Kandidat*innen für das Amt des Oberbürgermeisters statt. Eingeladen dazu hat die Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum. Für eine Podiumsdiskussion unter Moderation des HAZ-Journalisten Conrad von Medien werden erwartet: Belit Onay (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Dr. Axel von der Ohe (SPD), Peter Karst (CDU) und Maren Kaminski (Die Linke).

Bildnachweis: Wolfgang Becker

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