
Zwölf Jahre haben sie sich gemeinsam für den Erhalt und die Weiterentwicklung der historischen Produktionsgebäude auf dem Conti-Gelände eingesetzt. Heute fand sich ein kleiner Kreis zur Trauerfeier mit Leichenschmaus ein, denn deren Abriss für die neue Wasserstadt ist für Mitte September angekündigt.
Die Stadtteilaktivist*innen um den langjährigen Sprecher der Initiative, Uwe Staade hat argumentiert, protestiert, für Alternativen geworben, Gutachten erstellt und in den Beteiligungsformaten zur Entwicklung des Areals mitgewirkt. Sie hatten Erfolge wie etwa die Entscheidung des Verwaltungsgerichtes 2019, mit der der Abriss untersagt worden war. Doch 2023 kündigte die Stadt den Abriss an, weil das Land und die Region als Gesundheitsbehörden einem Sanierungskonzept nicht zugestimmt hatten. Die Gebäude seien, so deren Argumentation, mit krebserregenden Nitrosaminen belastet und eine Lösung für den Erhalt der Gebäude hätte nicht gefunden werden können. Sie lehnten damit das Haus-in-Haus-Konzept des Architekten Sven Meinhof ab, der dies im Auftrag der Stadt erarbeitet hatte.
Mit dem nun bevorstehenden Abriss der Altgebäude beginnt der zweite Bauabschnitt. Dieser soll 2034 fertig werden, hatte Eigentümer Papenburg Punkt-Linden mitgeteilt. Die Gebäudekubaturen sollen unter Verwendung nicht kontaminierter Originalsubstanz wiedererrichtet werden.
Scharfe Kritik des Bauhistorikers

„Die Altgebäude am Kanal werden zerstört und alles ist gut? Da es ja in ähnlicher Form wieder neu entsteht? Nichts ist gut! Weil Echtheit und Glaubwürdigkeit der Bauten am Kanal verloren gehen. Und weil eine Neufassung der Architektur nur eine historische Lüge sein kann.“ Bauhistoriker Sid Auffarth wählte scharfe Abschiedsworte vor der noch bestehenden historischen Kulisse. Die Kanalbauten sind Zeugen der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, als die Produktion wieder anzog und Bautätigkeit in Gang setzte. „Dabei stieg die Beschäftigtenzahl auf knapp 6000.
Daraufhin wurden die Baupläne des Architekten Franz Lutz von 1916, die anlässlich des Kanalbaus entstanden waren, wieder hervorgeholt und zunächst mit dem Bau am Kanalufer realisiert. 1920 entstand das erste von zwei fünfgeschossigen Fabrikationsgebäuden, deren monumentale Pfeilerfront am Wasser zum unverwechselbaren Erkennungszeichen der Excelsior und Limmer wurde. 1929 wurde sie dann von den Continental-Gummiwerken geschluckt. Rotblaue Klinkerpfeiler von gut einem Meter Breite ragen 17 Meter bis zum Gebälk über vier Geschosse auf, wo sie in einem Kapitell mit Deckplatte und Zahnschnitt enden.
Diese reduzierte klassizistische Architekturform sowie das Thema Stütze und Balken in monumentalisierter Form hatte wenige Jahre zuvor der Architekt Peter Behrens an der Vahrenwalder Straße beim Verwaltungsbau der Continental eingesetzt, der 1912 begonnen und nach dem Weltkrieg 1920 fertiggestellt wurde. (…) Und da wollte die Excelsior nicht nachstehen. Deren Wille zur Repräsentation äußerte sich in der imposanten Pfeilerfront am Kanal. Das bündige Fazit von Auffarth: Das endgültige Aus der Wasserfront „ist eine weitere kulturelle Barbarei in Hannover.“
Ich lese immer wieder, dass die Conti-Altgebäude mittlerweile Fledermausquartiere sind.
Da diese Fledermausquartiere nach Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt sind („Alle besetzten und auch zeitweise unbesetzten Fledermausquartiere sind durch das Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. (…) Auch die Winterquartiere dürfen keinesfalls zerstört werden.“, siehe https://www.fledermausschutz.de/fledermausschutz/schutz-der-fledermausquartiere/) dürften die Altgebäude doch gar nicht abgerissen werden, oder?
..ein herausragendes Denkmal aus der Zeit vor dem – bislang- letzten Weltkrieg, der in Hannover, außer Industriearchitektur, nicht viel übrig gelassen hat. Wenigstens die!
Der Nutzen liegt im Erzählen der Geschichte, auch der hässlichen.
Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
weg mit dem Ding…stand für Ausbeutung, Tot und Teufel… und Gift…Gedenkstein reicht doch…Erdreich abtragen und schöne, interessante Gebäde dort hinsetzen: Fertig!!!
Kulturelle Barberei? Geht’s noch ein wenig härter? Auch wenn ich den Papenburg überhaupt nicht sympathisch finde, hier hat man schon das Gefühl, dass eine kleine Gruppe darüber bestimmen will, wie und was gebaut wird. Wahrscheinlich alles Menschen, die selbst seit Jahrzehnten im Eigenheim wohnen… Und beim Blick auf das Foto kann ich nur fragen: Welche Gesellschaft soll das darstellen?
Wer will in einer Sondermülldeponie wohnen?
Man hätte aus dem Gebäude ein Parkhaus mit abschließbaren „Garagen“ machen können. Dann hätte man das Wasserstadtgelände autofrei gehabt.
Statik?
Statisch wäre das kein Problem gewesen, denn es standen ja dort vorher überall tonnenschwere Maschinen
sowieso…ein „Absackeffekt wäre eh absehbar!
..ein herausragendes Denkmal aus der Zeit vor dem – bislang- letzten Weltkrieg, der in Hannover außer Industriearchitektur nicht viel übrig gelassen hat.
Der Nutzen liegt im Erzählen der Geschichte, wie bei Burgruinen auch.
Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Ich habe mich auch gefragt, warum das nicht in Betracht gezogen wurde. Aber mit Wohnraum lässt sich einfach mehr Geld verdienen., auch wenn man dafür vorher viel (Förder-)Geld in die Hand nehmen muss.
Herr Papenburg wollte die Gebäude schon von Anfang an abreißen, nun bekommt er seinen Willen.
Parkhaus im Hochwassergebiet; ich bitte dich…LG
Es war von Parkhaus und nicht von einer Tiefgarage die Rede, welche es übrigens an jeder Baugruppe des Bauabschnittes 1 und vermutlich auch bei allen anderen Bauten geben wird.
Außerdem wurde das gesamte Gelände auf ein Niveau gebracht so dass man da überhaupt bauen durfte.