
Ein neu erschienenes Buch mit Berichten von Opfern aus dem ehemaligen Frauen-KZ der Conti-Limmer ist am 29. April 2026 im Kulturtreff Kastanienhof in Limmer vorgestellt worden.
Die Protagonisten des 2008 gegründeten Arbeitskreises „Ein Mahnmal für das Frauen-KZ in Limmer“, Horst Dralle und Matthias Waselowsky, berichteten im Kulturtreff über ihre geradezu mit „detektivischem Spürsinn“ erfolgte Forschungsarbeit. Zusammen mit Sebastian Winter haben sie die vorliegenden Berichte von KZ-Gefangenen recherchiert und nunmehr in einem umfangreichen Buch dokumentiert. Dieses trägt den Titel „Nichts wird wie vorher sein“ und gibt vielen dieser Opfer des Nationalsozialismus einundachtzig Jahre nach der Befreiung erstmals eine Stimme im Land der Täter*innen, so die Autoren.
Buchvorstellung wurde filmisch dokumentiert
Katja Bicker vom Kulturtreff Kastanienhof – auch liebevoll „Villa Kastanie“ genannt – begrüßte am letzten Mittwoch als Gastgeberin die gut zwei Dutzend Besucher*innen sowie die Mitglieder des Arbeitskreises. Neben Dralle und Waselowsky trugen auch Friederike Apelt und Karola Hagemann aus Berichten der gefangenen Frauen vor. Die bewegende Veranstaltung wurde von der MedienWerkstatt Linden gefilmt. Es entstanden Bilder zu einem Dokumentarfilm über den in der Wasserstadt Limmer geplanten Gedenkort. Das Filmprojekt wird von der LindenLimmerStiftung und vom Stadtbezirksrat finanziell gefördert.
Ein wichtiger Beitrag zur Erinnerungskultur
Erinnerungen an das ehemaligen Konzentrationslager der Conti-Limmer – einer von der SS bewachten Außenstelle des KZ Neuengamme. Von den Nationalsozialisten verschleppte Frauen mussten hier Zwangsarbeit leisten. In der Rüstungsproduktion der Continental AG – den früheren Excelsior Gummiwerken im Stadtteil Limmer. Mehr als tausend Frauen waren hier zwischen Juni 1944 und April 1945 inhaftiert: Französische Résistance-Angehörige, während des Warschauer-Aufstands verhaftete Polinnen, Soldatinnen der Roten Armee, sowjetische Zivilistinnen, Romnija aus dem Baltikum und andere. Viele Gefangene hatten nach ihrer Befreiung das Bedürfnis, über ihre Deportation und das KZ Conti-Limmer zu berichten. Doch kaum eines dieser persönlichen Zeugnisse wurde bisher ungekürzt oder überhaupt in deutscher Sprache veröffentlicht.


