Abriss und Neubau Betriebshof Glocksee: ÜSTRA bleibt beim Lkw

Üstra Betriebshof Glocksee
Üstra Betriebshof Glocksee

Am Betriebshof Glocksee in Hannover stehen tiefgreifende Veränderungen bevor: Teile der bestehenden Anlagen werden abgerissen und durch moderne Gebäude ersetzt. Betroffen sind unter anderem die zentrale Betriebswerkstatt für Stadtbahnen, Verwaltungsgebäude sowie weitere betriebliche Einrichtungen. Die heutige Infrastruktur stammt teilweise aus den 1950er Jahren und gilt als technisch und energetisch nicht mehr sanierungsfähig (Punkt-Linden berichtete).

Mit dem Neubau verfolgt die ÜSTRA ein strategisch wichtiges Ziel: die langfristige Sicherstellung des Stadtbahnbetriebs. Denn der Standort Glocksee ist zentral im Netz gelegen, alternative Flächen mit vergleichbarer Anbindung sind kaum verfügbar. Gleichzeitig muss der Betrieb während der gesamten Bauzeit weiterlaufen – eine zusätzliche logistische Herausforderung. Hinzu kommt: Im Zuge der Bauarbeiten fallen große Mengen belasteten Bodens an – allein im ersten Bauabschnitt rund 50.000 Kubikmeter. Dieses Material muss aufwendig beprobt, klassifiziert und entsorgt werden.

Antrag fordert Alternativen zum Lkw-Verkehr

Vor diesem Hintergrund hatte die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Volt und Piratenpartei einen Antrag eingebracht, der den Abtransport des Bodens über Wasser- oder Schienenwege prüfen lassen sollte. Ziel war es, die erwarteten mehr als 5000 Lkw-Fahrten durch die Calenberger Neustadt zu reduzieren und Umwelt sowie Anwohner zu entlasten. Die Stadtverwaltung griff den Vorstoß auf und beauftragte die ÜSTRA mit einer umfassenden Prüfung.

Schiene: technisch möglich, praktisch kaum umsetzbar

Die Untersuchung zeigt: Ein Transport per Schiene wäre theoretisch denkbar, scheitert jedoch an grundlegenden Hürden. Geeignete Güterzüge müssten speziell für das Stadtbahnnetz angepasst oder neu beschafft werden – ein Prozess von mindestens zweieinhalb Jahren und Kosten im zweistelligen Millionenbereich. Auch der laufende Betrieb spricht gegen diese Lösung. Die stark ausgelasteten Strecken, insbesondere im Tunnel, lassen kaum Spielraum für zusätzliche Transporte. Zudem fehlen geeignete Umschlagflächen entlang der Strecke.

Wasserweg: Nähe zur Ihme reicht nicht aus

Auch der Wasserweg über die nahegelegene Ihme wurde detailliert geprüft. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Die Umsetzung wäre mit erheblichen baulichen Eingriffen und Risiken verbunden. So müsste der Aushub per Förderband über Gleise und Verkehrswege hinweg zum Fluss transportiert werden, teilweise über Höhenunterschiede von bis zu zehn Metern. Zudem wären ein neuer Anleger sowie Eingriffe in die Uferstruktur erforderlich – verbunden mit komplexen Genehmigungsverfahren.

Weitere Einschränkungen ergeben sich durch:

  • schwankende Wasserstände
  • begrenzte Schiffsgrößen
  • parallele Bauprojekte an Brücken und Wegen

Aus Sicht der ÜSTRA ist der Wassertransport damit nicht ausreichend flexibel und birgt erhebliche Risiken für den Bauablauf.

Lkw als einzige realistische Lösung

Im Ergebnis hält die ÜSTRA am Straßentransport fest. Zwar entstehen dadurch Belastungen für Anwohner, doch dieser Weg bietet die notwendige Flexibilität und Planungssicherheit. Die intensiven Transportphasen beschränken sich nach Angaben des Unternehmens auf bestimmte Bauabschnitte. Zudem sollen die Fahrten überwiegend zwischen 8 und 18 Uhr stattfinden.

Abwägung mit klarer Tendenz zur Dornröschenbrücke

Eine Gesamtbewertung der untersuchten Transportoptionen macht deutlich: Zwar schneiden Wasser- und Schienentransporte bei Umweltkriterien besser ab, doch bei Kosten, Zeitbedarf und betrieblicher Umsetzbarkeit überwiegen aus Sicht der ÜSTRA klar die Nachteile. Auch im Kontext anderer Infrastrukturprojekte wurde der Wasserweg bereits mitgedacht: So gab es im Zuge der Planungen für den Neubau der Dornröschenbrücke Überlegungen, die Leine zumindest teilweise für Materialtransporte zu nutzen.

Link: Vollständige Stellungnahme der ÜSTRA zum Antrag 1799/2025 N1 – Transport über den Wasserweg beim Neubau des Betriebshofs Glocksee

Bildnachweis: Martin Tönnies

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