
Fehlende mehrsprachige Sozialberatung, Sprachkurse für multilinguale Kinder und Räume für Ganztags- und Kulturangebote in der Grundschule Egestorffschule, wilder Müll an der Straße und zugeparkte Gehwege, Stillstand beim Anliegerparken, Verkehrslärm und später Sanierungsbeginn für den Treffpunkt Allerweg: Der Frust bei Bewohner*innen, Beschäftigten und gesellschaftspolitisch Aktiven sitzt tief, zeigte die Diskussion beim Kommunalwahlforum des Stadtteilforums Linden-Süd. Auch die teilnehmenden Stadtteilpolitiker*innen blieben bei allgemeinen Positionierungen.
Leerstand bei städtischen Immobilien

Die jahrelangen Leerstände in den städtischen Immobilien Großkopfstraße 6 und in den Hausmeisterwohnungen in der Grundschule Salzmannstraße stehen für Stadtteil-Aktive wie Marit Kukat sinnbildlich für die Missstände in Linden-Süd. Die ehrenamtliche Sprecherin des Stadtteilforums hatte mit ihrem Team zur Diskussion über die Themen Strukturen für eine solidarische und demokratische Zukunft, Wohnen und Nachbarschaft sowie öffentlicher Raum & Verkehr in das Café Allerlei am Allerweg eingeladen. „Verwaltung und Ratspolitik kennen die Probleme und doch werden wir nur vertröstet. Mal fehlt Geld und ein anderes Mal Personal“, sagt die ehrenamtliche Sprecherin des Stadtteilforums, Marit Kukat. „Es kann nicht sein, dass neben der Egestorffschule Wohnungen leer stehen und wir für unsere Kultur- und Sprachangebote für Kinder keine geeigneten Räumlichkeiten haben“, kritisierte auch Bettina Kahle vom Kulturbüro Linden-Süd. Der Hinweis, mit den Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen in Linden-Nord zu gehen, helfe nicht. „Mit Bus und Bahn brauchen wir über eine Stunde dorthin, das ist doch kein Angebot für sie.“
Sprachförderung in superdiverser Gesellschaft
Notwendig sei zudem der Ausbau unabhängiger Sozialberatung. „Wir brauchen Beratende, die täglich in Linden-Süd sind, die Wohngeldanträge oder Mitteilungen des Jobcenters sachkundig bearbeiten können“, ergänzt Wolfgang Dahle, der die Sprachkurse des Kulturbüros leitet. Er berichtete von einem Mann aus der Ukraine, der mit fünf unterschiedlichen Unterlagen aus dem Jobcenter gekommen sei. Dass die Anträge kompliziert sind, bestätigte die stellvertretende Bürgermeisterin des Stadtbezirkes Linden-Limmer, Katharina-Sophia Gerking (SPD), die selbst im Jobcenter arbeitet. Sie sprach sich klar für den Ausbau unabhängiger Beratungsangebote aus. Einig war sie sich mit den Anwesenden und den Kommunalpolitikern Dr. Daniel Gardemin (Bündnis 90/Die Grünen), Alexander Bandmann (FDP) und Harald Haupt (DIE LINKE), dass mehr Investitionen in die Sprachförderung von Kindern und Jugendlichen notwendig seien. Haupt reicht das nicht. Die Grundschulen in Linden-Süd würden durch „Superdiversität“ eine beispiellose Vielfalt erleben: Klassen seien geprägt von dutzenden Sprachen, Kulturen, Religionen und unterschiedlichen Familienstrukturen, oft mit einem hohen Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund. „KiTas und Grundschulen sind die wichtigsten Bildungseinrichtungen in einer superdiversen Gesellschaft. Sie müssen gezielter und besser gefördert werden.“ In Niedersachsen befasst sich das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung in Osnabrück mit den Folgen der Superdiversität für die Bildungseinrichtungen.
Keine Zusagen
Für ihre dringenden Anliegen konnten die Kommunalpolitiker den Anwesenden keine konkreten Zusagen machen. Es bleibe beim Starttermin 2029 für die beabsichtigte Sanierung des Treffpunkts Allerweg. Bandmann regte öffentlich-private Partnerschaften an, damit Bildungseinrichtungen schneller gebaut werden. Einzig Dr. Gardemin konnte auf Gespräche zur städtischen Immobilie Großkopfstraße 6 verweisen. Die Wohnungsgenossenschaft Selbsthilfe Linden versucht seit Herbst 2023, mit der Stadt in den Dialog über die Zukunft des sogenannten Bürgerhauses an der Großkopfstraße 6 zu kommen. Sie war Anfang der 70er Jahre Mieterin in dem Gebäude.
Ein Vater gab den Kommunalpolitiker*innen die dringende Botschaft mit: „Auch in Linden-Süd kann die politische Stimmung kippen, wenn ständig nichts passiert.“ Regelmäßige Müllentsorgung und konsequentes Verteilen von Strafzetteln bei Falschparkern seien machbar und brächten der Stadt zudem Einnahmen.