Fahrenheit: „Blickt nicht weg, wenn Unrecht spricht!“

Christian Fahrenheit

„Blickt nicht weg, wenn Unrecht spricht. Denn Wegsehen und auch Schweigen gibt dem Dunkeln Licht. Fühlt mit und bleibt auch menschlich, hört zu, um zu versteh’n. Nur so könnt ihr in Zukunft in Freiheit vorwärtsgehen.“ Diese Botschaft will Christian Fahrenheit seinen Kindern mit seinem Song „Vom Wind verweht“ auf den Weg geben. Das Video zum Thema Erinnerungskultur wird er am 2. August anlässlich des Europäischen Holocaust-Gedenktages für Sinti und Roma auf seinem YouTube-Kanal hochladen. Der Titel des Liedes ist Teil einer Botschaft an VIELE: „Denn am Ende steht die Frage, bevor der Wind sich wieder dreht: Haben wir den Mut bewiesen? Oder ist es schon zu spät?“

Cover "Vom Wind verweht"

Entstehungsgeschichte

Den Text hat Fahrenheit nach einer Begebenheit kürzlich am Bahnhof in Göttingen geschrieben. Dort hat er eine Person gesehen, die offen einen tätowierten Reichsadler zeigte. Das offene Zeigen rechtsextremer Überzeugung sei für ihn ungewohnt und besorgniserregend gewesen. Geschichte werde heute verharmlost, der Ton rauer. „Dabei müssen wir uns für das größte Verbrechen der Menschheit verantworten.“ Mit dem Lied wolle er an „unsere gemeinsame Vergangenheit“ erinnern.

Bildnachweis: Christian Fahrenheit

5 Kommentare zu „Fahrenheit: „Blickt nicht weg, wenn Unrecht spricht!““

  1. Erinnern und mahnen sind wichtig, es darf jedoch nicht so weit gehen, dass sich Nachkommen dafür verantwortlich fühlen, was ihre Vorfahren getan haben.

    Und genau dieses Gefühl scheinen einige Menschen zu haben und tendieren dann dazu, eine Stimme zu suchen, die sie gegen die „gefühlte Mitschuld“ vertritt.

    Man darf auch nicht vergessen, dass nicht jeder den Mut aufbringen kann, sich dem Unrecht entgegen zu stellen. In Orten wo man zu der Minderheit gehört, nutzt die Solidarität von für eine Demo Angereisten spätestens nach der Abreise den Menschen vor Ort nichts mehr.

    Antworten
    • Die Verantwortung der nachkommenden Generationen ist nicht in persönlicher Schuld begründet, sondern liegt darin, als Gesellschaft vergangene Verbrechen zu reflektieren und daraus Schlussfolgerungen für gegenwärtiges Handeln abzuleiten.

      Eine dieser Schlussfolgerungen sollte sein, Zivilcourage auszuüben und auch von den Mitbürgern einzufordern; ein Hinwegducken vor der Drohkulisse einer Herrschaft des Stammtischs wäre fatal.

      Antworten
      • In der Theorie klingt alles so leicht, aber nehmen wir doch einfach mal die Zivilcourage im Alltag, wenn es um (verbale oder körperliche) Angriffe gegen Frauen geht.

        Ja ich weiß, das ist ein Äpfel-mit-Birnen-Vergleich, aber so fängt es manchmal auch an. Erst werden Frauen unterdrückt oder für ihre Zwecke missbraucht bis es sich auf andere Bereiche ausweitet und in Gewalt gegen andere umschlägt.

        Antworten
        • Zivilcourage ist niemals Theorie, sondern praktisches Einschreiten, wenn Menschenrechte oder die Würde von Mitmenschen bedroht sind oder verletzt werden.

          In unserer Geschichte haftet diesem Begriff meistens das Wort „Mangel“ an; es wird also ein Fehlen beklagt.

          Der Song versucht, diesem Mangel an Zivilcourage entgegenzuwirken.

          (Wer sich mit der Wortgeschichte beschäftigen möchte, kann hier weiterlesen: https://www.zdl.org/wb/wortgeschichten/Zivilcourage

          Antworten
          • Ich wurde schon von 2 Menschen umringt von einer Gruppe Männer angegriffen. Mir hat niemand geholfen. Aber damals galt noch: Wenn jemand am Boden liegt wird nicht nachgetreten. Deshalb entkam ich der Situation. In der Bahn, in die ich dann mit Nasenbluten geflüchtet bin habe ich aber Hilfe von 2 Frauen bekommen.

            Am Endpunkt einer Haltestelle wurden meine Begleitung und ich von 2 jungen Männern bedrängt. Ich konnte den einen in ein Gespräch verwickeln, während der andere meine Begleitung körperlich angriff. Dieser hat aber nicht mit der erfolgreichen Gegenwehr gerechnet.

            In der Stadt stand ich einem Mann direkt gegenüber der Glasflaschen in der Hand hielt und sie mit voller Wucht vor mir auf den Boden geschmissen hat, er wirkte sehr durch verwirrt und ein wenig bedrohlich auf mich. Die umstehenden Menschen sahen zwar zu, aber reagiert hat keiner. Ich bin dann schnell weiter gegangen um der Situation zu entkommen.

            Zivilcourage hätte ich mir in allen Fällen auch gewünscht. Und genau diese fehlende Zivilcourage ist der Grund, warum ich mich von Jahr zu Jahr unsicherer fühle wenn ich allein in weniger belebten Ecken unterwegs bin. Nicht die Sorge in so eine Situation zu kommen macht mir Angst, sondern die Erfahrung, dass keiner eingreift.

            Ich kann es verstehen, weil man mittlerweile Angst um sein eigenes Leben haben muss wenn man hilft.

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5 Kommentare zu „Fahrenheit: „Blickt nicht weg, wenn Unrecht spricht!““

  1. Erinnern und mahnen sind wichtig, es darf jedoch nicht so weit gehen, dass sich Nachkommen dafür verantwortlich fühlen, was ihre Vorfahren getan haben.

    Und genau dieses Gefühl scheinen einige Menschen zu haben und tendieren dann dazu, eine Stimme zu suchen, die sie gegen die „gefühlte Mitschuld“ vertritt.

    Man darf auch nicht vergessen, dass nicht jeder den Mut aufbringen kann, sich dem Unrecht entgegen zu stellen. In Orten wo man zu der Minderheit gehört, nutzt die Solidarität von für eine Demo Angereisten spätestens nach der Abreise den Menschen vor Ort nichts mehr.

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    • Die Verantwortung der nachkommenden Generationen ist nicht in persönlicher Schuld begründet, sondern liegt darin, als Gesellschaft vergangene Verbrechen zu reflektieren und daraus Schlussfolgerungen für gegenwärtiges Handeln abzuleiten.

      Eine dieser Schlussfolgerungen sollte sein, Zivilcourage auszuüben und auch von den Mitbürgern einzufordern; ein Hinwegducken vor der Drohkulisse einer Herrschaft des Stammtischs wäre fatal.

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      • In der Theorie klingt alles so leicht, aber nehmen wir doch einfach mal die Zivilcourage im Alltag, wenn es um (verbale oder körperliche) Angriffe gegen Frauen geht.

        Ja ich weiß, das ist ein Äpfel-mit-Birnen-Vergleich, aber so fängt es manchmal auch an. Erst werden Frauen unterdrückt oder für ihre Zwecke missbraucht bis es sich auf andere Bereiche ausweitet und in Gewalt gegen andere umschlägt.

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        • Zivilcourage ist niemals Theorie, sondern praktisches Einschreiten, wenn Menschenrechte oder die Würde von Mitmenschen bedroht sind oder verletzt werden.

          In unserer Geschichte haftet diesem Begriff meistens das Wort „Mangel“ an; es wird also ein Fehlen beklagt.

          Der Song versucht, diesem Mangel an Zivilcourage entgegenzuwirken.

          (Wer sich mit der Wortgeschichte beschäftigen möchte, kann hier weiterlesen: https://www.zdl.org/wb/wortgeschichten/Zivilcourage

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          • Ich wurde schon von 2 Menschen umringt von einer Gruppe Männer angegriffen. Mir hat niemand geholfen. Aber damals galt noch: Wenn jemand am Boden liegt wird nicht nachgetreten. Deshalb entkam ich der Situation. In der Bahn, in die ich dann mit Nasenbluten geflüchtet bin habe ich aber Hilfe von 2 Frauen bekommen.

            Am Endpunkt einer Haltestelle wurden meine Begleitung und ich von 2 jungen Männern bedrängt. Ich konnte den einen in ein Gespräch verwickeln, während der andere meine Begleitung körperlich angriff. Dieser hat aber nicht mit der erfolgreichen Gegenwehr gerechnet.

            In der Stadt stand ich einem Mann direkt gegenüber der Glasflaschen in der Hand hielt und sie mit voller Wucht vor mir auf den Boden geschmissen hat, er wirkte sehr durch verwirrt und ein wenig bedrohlich auf mich. Die umstehenden Menschen sahen zwar zu, aber reagiert hat keiner. Ich bin dann schnell weiter gegangen um der Situation zu entkommen.

            Zivilcourage hätte ich mir in allen Fällen auch gewünscht. Und genau diese fehlende Zivilcourage ist der Grund, warum ich mich von Jahr zu Jahr unsicherer fühle wenn ich allein in weniger belebten Ecken unterwegs bin. Nicht die Sorge in so eine Situation zu kommen macht mir Angst, sondern die Erfahrung, dass keiner eingreift.

            Ich kann es verstehen, weil man mittlerweile Angst um sein eigenes Leben haben muss wenn man hilft.

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