
Mit einem neuen Unterstützungsangebot für Drogengebraucher will die Landeshauptstadt Hannover die Situation rund um die Drägerwiese in Linden-Süd verbessern. Das Konzept wurde jetzt bei einer Informationsveranstaltung im Lindener Rathaus vorgestellt. Gleichzeitig nutzten zahlreiche Anwohner die Gelegenheit, ihre Sorgen über die anhaltenden Probleme im Umfeld der Grünanlage deutlich zu machen.
An der Veranstaltung am 6. Juli nahmen unter anderem Dezernentin für Soziales und Integration Sylvia Bruns, Ordnungsdezernent Dr. Axel von der Ohe, Hannovers Drogenbeauftragter Frank Woike, Sozialarbeiter der Einrichtungen La Strada und Stellwerk sowie Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube teil. Vertreter der Polizei waren aus Termingründen nicht anwesend. Weitere Mitglieder des Stadtbezirksrates Linden-Limmer waren seitens der Stadtverwaltung nicht eingeladen.
Anwohner berichten von unveränderten Problemen

Die Schilderungen der Anwohner zeichneten ein deutliches Bild der aktuellen Situation. Genannt wurden unter anderem offener Drogenkonsum, Drogenhandel, das Aufkochen von Betäubungsmitteln sowie regelmäßig auftretende Straftaten wie Diebstähle, Einbrüche, sexuelle Belästigungen und Dealergeschäfte.
Mehrere Anwohner berichteten, dass Patienten der Substitutionspraxis im Alten Lindener Rathaus häufig direkt zur Drägerwiese gingen. Zudem würden Drogenabhängige offene Müllbehälter durchsuchen. Bei Polizeieinsätzen verlagere sich die Szene oftmals kurzfristig in den benachbarten Milchgang.
Nach Einschätzung vieler Anwohner hätten die bisherigen Maßnahmen bislang kaum spürbare Verbesserungen gebracht. Der offene Drogenkonsum finde ohne erkennbare Hemmschwellen statt. Besonders eindrücklich schilderte eine Anwohnerin, dass sich ihr elfjähriges Kind anlässlich seines Geburtstags bereits bei eingeladenen Freunden für das belastende Umfeld mit den Drogenabhängigen entschuldigt habe.
Teilweise entstand bei Anwohnern der Eindruck, die Drägerwiese entwickle sich zu einer Drogen-Akzeptanzstelle. Dies wurde von Vertretern der Stadt während der Veranstaltung ausdrücklich zurückgewiesen.
Stadt setzt auf Sozialarbeit statt Verdrängung
Im Mittelpunkt des Abends stand die Vorstellung eines neuen sozialarbeiterischen Unterstützungsangebots, das gemeinsam von der Landeshauptstadt Hannover, der Paritätischen Suchthilfe Niedersachsen (Stellwerk) und der Fachberatungsstelle La Strada umgesetzt werden soll. Grundlage ist ein Konzept, das auf akzeptanzorientierter Sozialarbeit, Gesundheitsförderung und Schadensminderung („Harm Reduction“) basiert.
Ziel ist es, drogengebrauchende Menschen niedrigschwellig zu erreichen, gesundheitliche Risiken zu verringern und sie schrittweise an weiterführende Hilfen heranzuführen. Vorgesehen sind unter anderem:
- Sozialberatung und Krisenintervention
- Vermittlung in medizinische und therapeutische Angebote
- Erste Hilfe und Wundversorgung
- Informationen zu sicherem Konsum und Infektionsschutz
- Ausgabe von Konsumutensilien und Materialien zur Schadensminderung
- Versorgung mit Getränken und kleinen Snacks
- Deeskalation von Konflikten im öffentlichen Raum
- enge Zusammenarbeit mit den bestehenden Streetwork-Angeboten.
Das Angebot soll in einem Bauwagen stattfinden, der montags, mittwochs und freitags jeweils von 12 bis 15 Uhr besetzt ist. Pro Schicht sind mindestens zwei Fachkräfte aus den Bereichen Soziale Arbeit oder Pflege vorgesehen. Nach einer Erprobungsphase soll das Konzept an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden.
Austausch mit Anwohnern soll dauerhaft stattfinden
Neben der direkten Hilfe für Drogengebraucher setzt das Konzept auch auf eine stärkere Einbindung des Stadtteils. Während der Öffnungszeiten sollen Anwohner ihre Beobachtungen unmittelbar an die Sozialarbeiter weitergeben können. Zusätzlich ist eine telefonische Erreichbarkeit eingerichtet.
Überdies plant die Stadt einen regelmäßigen „Runden Tisch“, an dem Anwohner, Bezirkspolitik, Stadtverwaltung, Ordnungsdienst, Polizei, Sozialarbeiter und Vertreter der Drogenszene gemeinsam über Probleme und mögliche Lösungen beraten sollen. Auch gemeinsame Aktionen im Stadtteil sind vorgesehen, um das gegenseitige Verständnis zu stärken.
Woike: Substitutionspraxis ist Teil der Lösung
Auf Kritik an der benachbarten Substitutionspraxis reagierte Hannovers Drogenbeauftragter Frank Woike wie bereits in der Veranstaltung am 27. Januar 2026 mit einer klaren Einordnung. Die Praxis sei nicht Ursache der Probleme, sondern vielmehr Teil der Lösung.
Die Verteilung der Patienten auf die verschiedenen Substitutionspraxen in Hannover erfolge durch die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen und liege nicht im Einflussbereich der Stadt. Nach seinen Angaben werden derzeit rund 2300 Menschen in Hannover substituiert, etwa 400 davon in den Praxen in Linden.
70 Polizeieinsätze im vergangenen Jahr
Wie während der Veranstaltung ebenfalls bekannt wurde, registrierte die Polizei im Jahr 2025 insgesamt 70 Einsätze im Bereich der Drägerwiese. Die Zahl verdeutlicht, dass der Bereich bereits seit längerer Zeit einen besonderen polizeilichen Schwerpunkt darstellt.
Ob das neue Unterstützungsangebot tatsächlich zu einer spürbaren Entlastung für Anwohner und einer Verbesserung der Situation im Stadtteil führen wird, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen. Die Stadt setzt dabei auf den Ansatz, soziale Hilfen, Gesundheitsförderung und eine engere Zusammenarbeit aller Beteiligten miteinander zu verbinden.
Die Anwohner haben verständlicherweise keine Lust mehr auf diese Politik gegen den Bürger.
Ich denke mit diesen Bauwagen ist für viele die Grenze des Tolerierbaren überschritten. Zudem wurde bei der Sitzung im GiG am 06.07. der Anstiegt von Straftaten bestätigt.
Ich kann nicht ganz verstehen wie die Praxis von Dr. Reza Nasseri Lösung des Problems sein soll wenn seine Patienten wie mehrfach berichtet nach dem Besuch dann den guten Stoff an der Drägerwiesen als Nachtisch konsumieren.
Noch haben wir keine Verhältnisse wie etwa an der Stärkestrasse wo nach Angaben von Eltern und Kitaleitung ein Spielplatz regelmäßig von Drogenkonsumenten und mutmaßlichen Dealern genutzt wird. Wäre vielleicht etwas für den Skaterpark?
https://punkt-linden.de/news/ortstermin-spielplatz-staerkestrasse/
Potenziellen Wähler wird mehr und mehr Sicherheit wichtiger als andere „Experimente“.
Wenn man die Ausgabestelle woanders hin verlegen würde, würde sich das Problem vielleicht etwas reduzieren. Ein ähnliches Problem kann man in der Marienstraße erleben, wo der Friedhof zweckentfremdet wird. Die Ausgabestelle ist somit schon ein Teil des Problems und kann zum Teil der Lösung werden. Am Kantplatz sitzen sie auch beim Kiosk, aber die Situation ist dort (noch) nicht so dramatisch. Wenn die Aufenthaltsqualität im Umfeld „ansprechend“ ist, halten sich die Menschen auch dort auf, wo sie auf Gleichgesinnte treffen.
Es gibt Orte, wo sich keiner an ihnen stören würde, daher wäre es die beste Lösung die Ausgabe an einen dieser Orte zu verlegen. Es gibt ja auch einige Praxen in deren Umfeld es keine Probleme gibt. Eine davon in Linden-Nord, ich weiß nicht ob die in Limmer noch aktiv ist.
Wie wäre es denn mal mit einem Wohnungstausch…damit die Sesselhelden mal sehen was da und dort so abgeht. Ich glaube dann würden Sie auch die Anwohner VERSTEHEN. Nachdem ich vor 3 Jahren mitbekommen hab wie 2 Abhängige Monate im Eingang des Geschäftes von Beinsen gelebt haben. Bzw ein Mann dort verstorben ist. Habe ich kein Verständnis mehr für soetwas. Viele von den Abhängigen haben Wohnungen und nutzen diese nicht (so auch damals doe Frau des Verstorbenen)- ( Info des Betreuer)
wenn die Überdosis steigt löst sich das Problem von alleine
Die Stadt ist mal wieder auf ihrer soften Sozialwolke. „Was können wir denn noch mehr für unsere armen Suchtis tun“
Und vergessen … mal wieder die Bewohner.
Hier das nicht in den Griff zu bekommene Problem mit den Sucht“kranken“ im Umfeld der Anwohner. Ein paar Strassen weiter die lasche Vorgehensweise mit den immer mehr ausufernden Partyzonen befeuert durch planlose Verpachtungen weiterer Kioske, auf Kosten der Nachtruhe von den Anwohner, die das Gegröhle und Gekreische sicher nicht so geil finden wie diese rücksichtslosen „Nachtschwärmer“.
Beides kann man nicht vergleichen, dafür ist die Problematik des Drogenkonsums in aller Öffentlichkeit viel zu groß. Ich kann das Verhalten des Kindes bei seinen Freunden gut nachvollziehen. Einige Strassen verkommen in Linden meiner Meinung immer mehr zum Ghetto.
Und keiner merkt es.
Und der Stadt ist es egal.
Ja, der Drogenkonsum in der Öffentlichkeit: Die ganzen rotzbesoffenen Hoffnungsträger (meist junge Leute, häufig Studierende), die regelmäßig Linden-Nord nachts verwüsten, haben den Vorteil, dass Saufen legal ist und sie dafür keine Straftaten begehen müssen. Dafür gehen sie aufgrund ihrer großen Zahl auch einer gehörigen Zahl an Anwohnenden ordentlich auf den Sack.
„70 Polizeieinsätze“ ist ziemlich allgemein gehalten. Wieviel Straftaten? ist eigentlich die interessantere Frage.
Und dass das Anreichen von Snacks und Getränken die unbekannte Zahl der Einbrüche zu senken vermag, wage ich dann doch zu bezweifeln.