
„Das Limmerquartier bietet eine attraktive Mischung aus durchdachter Architektur und hochwertigen Ausstattungsmerkmalen“, so vor Jahren schon die vollmundige Werbung der hannoverschen Immobiliengruppe Meravis für ihr großes Wohnprojekt im Herzen von Limmer. Schon 2020 erfolgte der Abriss der Altbauten der Kesselfabrik Conrad Engelke.
Auf der rund 12 500 Quadratmeter großen Gewerbebrache hat Meravis vom Generalunternehmer Lenz Bau eine Reihe zumeist viergeschossiger, rotverklinkter Geschossbauten errichten lassen.
Eine „Baupleite“ voller „Planungsfehler“?

Deren Leerstand bietet derzeit einen erschreckenden Anblick: Die meisten bereits fertiggestellten Wohnungen sind noch nicht bezogen. Im Block zwischen Kesselstraße, Kirchhöfnerstraße und Eichenbrink sind insgesamt 211 Wohneinheiten entstanden, überwiegend frei finanziert und entsprechend hochpreisig. Auch 56 Sozialwohnungen waren geplant. Aktuell sind nach Angaben von Meravis erst 71 Wohnungen bezogen, vermietet sind seit Juni 2025 einige Wohnungen an der Kirchhöfnerstraße. Zudem wurden ein Backshop mit Café und eine Physiopraxis eröffnet.
In Limmer spricht man bereits von einer „Baupleite“ und von „Planungsfehlern“. Davon könne nicht die Rede sein, beteuert hingegen Meravis-Sprecher Jörg Schreiber gegenüber Punkt-Linden. „Wir sind dran und wir sind die letzten, die das Projekt verzögern.“ Verzögerungen habe es durch die Corona-Pandemie und Lieferengpässe gegeben, derzeit gäbe es Probleme bei der Fertigstellung einer Tiefgarage, durch die wichtige Versorgungsleitungen für die Wohnungen liefen. Seit sechs Wochen ruhten aktuell winterbedingt die Außenarbeiten, so die Auskunft von Meravis.
Stadt ignoriert vereinbarte Fertigstellungs-Fristen

Sind der Landeshauptstadt Hannover (LHH) Gründe für die verzögerte Fertigstellung der geplanten Wohneinheiten bekannt? „Dazu müssen Sie Meravis anfragen“, so die Antwort der Stadtsprecherin Janine Herrmann. „Das Bauvorhaben Limmerquartier ist Gegenstand des vorhabenbezogenen Bebauungsplans Nr. 1808 „Kesselstraße“. Demgemäß besteht entsprechend dem Baugesetzbuch ein Durchführungsvertrag, der u. a. die erforderlichen Fristen zur Durchführung des Bauvorhabens regelt. Diese sind verstrichen“, teilt Herrmann auf Anfrage von Punkt-Linden mit.
Tatsächlich ist im Jahr 2018 ein Durchführungsvertrag zwischen der LHH und einer LeineKess GmbH geschlossen worden. Darin heißt es: „Das Bauvorhaben ist innerhalb von 48 Monaten nach Baubeginn fertigzustellen.“ Gegenstand der GmbH ist auch die „Erstellung von Neubauten als Generalunternehmer“. Deren Geschäftsführer Dirk Lenz ist von Punkt-Linden vergeblich um eine Stellungnahme gebeten worden. Seine Firma Lenz Bau ist dem Vernehmen nach für Meravis als Generalunternehmen tätig und hat sich verpflichtet, die Wohneinheiten im Limmerquartier „schlüsselfertig“ zu übergeben.
„Die LHH befindet sich im regelmäßigen Austausch und in konstruktiven Gesprächen mit der Vorhabenträgerin/Meravis Wohnungsbau- und Immobilien GmbH“, teilt Stadtsprecherin Herrmann weiter mit. „Die Realisierung des Vorhabens stellt hierbei das vorderste Ziel dar, welches kontinuierlich und zielstrebig weiterverfolgt wird.“ „Schöne Worte, denen auch Taten folgen sollten“, meint dazu auf Anfrage von Punkt-Linden Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube. „Was nutzen städtebauliche Verträge, wenn die Stadt deren Einhaltung nicht kontrolliert?“
Mensch.Raum.Vision.

„Aus diesem Dreiklang setzt sich der Name Meravis zusammen. Mit Leidenschaft vermieten, verkaufen und erschaffen wir mit unserem 220-köpfigen Team Wohnräume zum Wohlfühlen. Innovativ und nachhaltig“, so die Selbstdarstellung im Internet. Der Konzern entstand aus der 1949 gegründeten, gemeinnützigen Reichsbund Wohnungsbau GmbH und firmiert seit 2008 unter dem Namen Meravis. Firmensitz ist Hannover, es gibt 2024 insgesamt zehn Tochterunternehmen. Bewirtschaftet werden nach eigener Angabe derzeit 12.375 Wohnungen.
Mit dem Slogan „Das Limmerquartier – mittendrin zuhause“ wirbt das Unternehmen unentwegt im Internet: „Willkommen in Hannovers neuem Szeneviertel! Hier ist für jeden Wunsch das Richtige dabei: Etagenwohnungen verschiedener Größen und Preisklassen ebenso wie Reihenhäuschen mit kleinem Garten. Wir bauen hier, um in diesem zukunftsorientierten Viertel langfristig faire Neubaumieten anbieten zu können.“
Ist ja mittlerweile wie in der Politik. Das genaue Gegenteil zum Bedarf.
Versiegelung und Verschwendung von Resssourcen und dann wird es nicht mal genutzt aus bekannten Gründen.
Kapitalismuss siegt, aber er tötet.
Ekki
Zum Thema Baufortschritt: vor ca. 2 Wochen war die Fa. Uretek (Fachfirma für Bauuntergrundstabilisierung) am Eichenbrink dabei, unter die Fundamente Zweikomponentenharze über Bohrungen in den Boden einzuleiten. Sollten hier etwa die Fundamente instabil sein? Hätte man das nicht schon in der Planungsphase erkennen müssen?
Sollte man hier nochmal bei Meravis nachfragen?
Es wurde schon mehrfach berichtet das es Probleme mit der Abdichtung der Tiefgarage gibt.
Solange das nicht behoben ist verstehe warum man die Außenflächen nicht angeht da man da ja noch Arbeiten im Untergrund durchführen muss.
Schade, dass die LHH keine Stellungnahme zur Kesselstraße abgibt. Der Zugang über alle Häuser in der Kesselstraße erfolgt über den öffentlichen Grund der Stadt Hannover. Laut Bauplan gab es damals sogar einen Tausch von Flächen zwischen Meravis und Stadt Hannover. Damals ging die komplette Fläche vor den Häusern der Kesselstraße an die Stadt Hannover über.
Heißt: Für die Misere ist auch die Stadt Hannover zum Teil mitverantwortlich. Wie sollen Mieter in die aktuell freistehenden Wohnungen der Kesselstraße kommen, wenn die Stadt nicht endlich die notwendigen Gehwege schafft?
Man darf die LHH nicht für alles verantwortlich machen. Ich habe mir die Baustelle gerade angesehen. Die Baufreiheit für den Anschluss öffentlicher Gehwege ist nicht erfüllt. Dafür müssten die nichtöffentlichen Außenanlagen annähernd fertig sein. Davon ist die Baustelle weit entfernt. Selbst wenn es nach den Frosttagen sofort weiterginge, würden die Arbeiten schätzungsweise ein halbes Jahr in Anspruch nehmen. Das heißt, erst im Herbst dieses Jahres könnten die öffentlichen und nichtöffentlichen Außenanlagen fertiggestellt sein. – Für den Leerstand der Häuser, die äußerlich bezugsfertig aussehen, muss es andere Gründe geben. Darüber möchte ich an dieser Stelle nicht spekulieren.
Zwar gab es damalig noch keine Landeswohnungsbaugesellschaft aber doch die städtische namens Hannova, die im allgemeinen auch für den kleinen Geldbeutel baut. Warum man es als Stadt also überhaupt zulässt, dass andere Unternehmen Wohnungsbauprojekte auf den immer knapper werdenden Flächen für einen hohen Profit (von maximalem spreche ich bei Meravis nicht, dass passt eher zur Wasserstadt) bauen können, werde ich nie verstehen.
Wenn die entstandenen Wohnungen dann noch nicht mal vom Zuschnitt her dem Bedarf angepasst sind, muss man aber auch fragen, was die Bauverwaltung beruflich macht. Denn die sollte eigentlich wissen, wie sich der Bedarf gestaltet und dann entsprechende Vorgaben machen.
Wie gesagt, „sollte“ und „eigentlich“…
„Unsere Leistungen: Gut geplant ist halb gebaut. Damit ein Bauvorhaben Wirklichkeit wird, braucht es eine zuverlässige Planung. Wir gehen mit Ihnen jeden Quadratmeter Schritt für Schritt durch.“ So steht es auf der Website des Generalunternehmers. Von Fehlplanung kann also keine Rede sein. Oder!? Ich habe keine Ahnung, wer für die Probleme verantwortlich ist, deshalb halte ich mich mit Schuldzuweisungen zurück. Wohnungsbau ist hochkomplex. Niemand lässt sich dabei in die Karten schauen. Laut Meravis sind nur noch 2 Wohnungen verfügbar; allerdings 75 reserviert. Wie ernst sind die Reservierungen? – So oder so ist dieses Projekt exemplarisch für die Misere im deutschen Wohnungsbau. Wenn diejenigen, die „Wohnglück“ versprechen, bei der Realisierung nicht unglücklich sein wollen, müssen die Wohnungen so teuer sein, wie sie derzeit angeboten werden. Es gäbe mehrere Stellschrauben, diese Preisspirale zu stoppen, allein es fehlen wirksame Maßnahmen seitens der Politik.
„Willkommen in Hannover’s neuem SZENE (!!!) – viertel…“
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Habe mal auf die Preise geguckt. Die passen leider nicht zu meinem Einkommen (oberhalb des Meridians ! ).
eine Schande das man keine geförderten Rollstuhlgerechten Wohnungen hinbekommen tut , wo der Vermieter akzeptiert das dass Geld vom Amt kommt
Was kostet denn hier eine 2 Zimmer Wohnung? Ichbin Rollstuhlfahrer und suche was geeignetes bis max. 700€ kalt.
das ist nur was für Millionäre deswegen steht das doch alles leer man muss sich normal die Umgebung da angucken einfach zum kotzen
Eine nicht geförderte 1-Zimmer-Wohnung mit 47, 78 qm Wohnfläche kostet 846 € inklusive Heizkosten.
Einen B-Schein kann man als Einzelperson bis zu einem Einkommen von knapp 40 000 € brutto/ Jahr bekommen.
Damit liegen die Mieten dann im Rahmen der Mietstufe 5 beim Wohngeld, vielleicht auch noch drunter.
Was die Wohnungen auch so teuer macht, sind die Einbauküche und der verlegte Fußboden.
Wenn man nur eine „normale“ Ausstattung anbieten würde, ließen sich sicher auch Gelder einsparen, nur dann könnten man das gewünschte Klientel nicht als Mieter gewinnen.
Ich glaube die Ausstattung bei den geförderten Wohnungen ist einfacher.
Ich dachte anfangs, da wäre auch eine Wohnung für mich dabei. Nachdem ich dann die Grundrisse und Bilder der Wohnungen gesehen habe, war mir klar: Nein, das passt für mich doch nicht!
Ich habe bisher nur ein Neubauprojekt erlebt, wo der Grundriss bei kleinen Wohnungen so gut ist, dass bei einer 1-Zimmer-Wohnung zwei von einander getrennte Wohnbereiche geschaffen wurden und das auf unter 45 qm. Dazu wurden einfach die einzelnen Bereiche durch das Badezimmer in der Mitte des großen Raumes geteilt. Dadurch hat man, obwohl es laut Definition nur 1 Zimmer ist, einen separaten Schlafbereich, der auch noch mehr als 10 qm Wohnfläche bietet, was bei den meisten kleinen Wohnungen ja auch ein Problem ist.
Der Schlafbereich ist sehr oft nur 6-8 qm groß und meist nur als Nische vorhanden, ein angrenzender Balkon dagegen ist aber häufig doppelt so groß. Bei einer erst kürzlich angeschauten Wohnung war er mit 19 qm sogar größer als der größte Raum der Wohnung.
Gerade wenn man plant Senioren aus ihren Häusern oder großen Wohnungen zum Umzug in kleinere Wohnungen zu ermutigen, muss es ein attraktives Angebot geben. Wer vorher 100 qm zur Verfügung hatte, wird sich schwer tun, wenn die Alternative nur 1 Zimmer sein soll, so wie die Seniorenwohnungen in der Sackmannstraße oder an anderer Stelle. Meist sind diese Wohnungen auch noch teurer als größere Mietwohnungen, selbst Wohnungen im Bestand und nicht nur Neubau. So lassen sich auch für Familien benötigte Wohnungen/ Häuser gewinnen.
Was ich wichtig finde: Neu gebaute Wohnungen sollten sich vorrangig am Bedarf der vor Ort lebenden Wohnungssuchenden orientieren, bevor sie an Menschen vermietet werden die aus anderen Bundesländern herziehen möchten.