
„Es ist ein großer Schritt für Ratsuchende, zu Einrichtungen wie unserer zu kommen“, sagt Jenny Lehnert-Ott, Leiterin der Fachstelle Sucht und Suchtprävention, prisma gGmbH. Das hat weniger etwas mit den versteckt liegenden Räumlichkeiten im Ihme-Zentrum zu tun. Menschen, die etwas an ihrem Konsum ändern oder eine Therapie beginnen wollen, müssen selbst erkannt haben, dass sie Hilfe brauchen. Dies ist häufig ein Prozess, der viele Jahre dauern kann und dessen Umsetzung Mut erfordert. Auf diejenigen, die sich dann für ein erstes Gespräch in der offenen Beratung entscheiden, warten auf zwei Etagen großzügige, hell und modern ausgestattete, barrierefreie Beratungsräume. „Wir setzen uns bewusst vom Klischee einer Drogenberatung ab“, sagt Lehnert-Ott, die seit 13 Jahren bei prisma arbeitet.
Beratung und Therapie

15 Fachkräfte unterstützen suchtgefährdete und abhängigkeitserkrankte Jugendliche und Erwachsene, Angehörige, Freunde, Arbeitskollegen und Vorgesetzte. Sie beraten Lehrkräfte und Mitarbeitende in der Jugend- und Bildungsarbeit und bieten Kurse in Grundschulen an. Zu den Angeboten in der Suchtprävention gehören etwa „real.life: Kompetenter Umgang mit Medien“, das Cannabis-Methodenpaket „Pack es an“ für Schüler und für Menschen mit Fluchterfahrungen Kurse zu „Flucht-Trauma-Sucht: die Spirale durchbrechen“. Angesprochen sind Eltern, Schüler, pädagogisches Fachpersonal, Betroffene und Lehrkräfte. „In meiner Jugend wollten viele Sänger oder Fußballer werden, heute eben Influencer“, berichtet die Suchttherapeutin. Der Umgang mit Cybermobbing sei ein zentrales Thema für Jugendliche. Doch auch Erziehungsberechtigte im Alter zwischen 35 und 42 Jahren wenden sich an prisma. „Selbst wenn sie in der digitalen Welt zu Hause sind, fällt ihnen die Entscheidung, was geht und was nicht für ihre Kinder, oft schwer.“
Peer-Schulung für Schüler
2024 nahmen rund 500 Personen an Beratungsgesprächen teil – mehrheitlich Männer. Das Durchschnittsalter lag bei 38 Jahren. Mit weiteren rund 3000 Menschen hatten die Fachkräfte Kontakt bei Kursen und Fortbildungen, vor allem zu den Themen digitale Medien, illegale Drogen und Cannabis. „Wir wollen, dass unsere Klienten ihr problematisches Verhalten erkennen und neue Bewältigungsstrategien entwickeln“, erläutert Lehnert-Ott. Bei Schüler*innen habe sich das Konzept der Peer-Schulung bewährt. „Sechstklässler sind offen für Hilfestellungen älterer Schüler.“

Arbeit im Netzwerk
Gegründet wurde der Verein prisma 1989 „parteiübergreifend aus dem Rathaus heraus“ als Ergänzung zur Drogenberatung Drobs Hannover. Einer der Initiatoren war der ehemalige Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg. Lag der Schwerpunkt zunächst auf illegalen Drogen, ist die Fachstelle seit vielen Jahren in der Suchtberatung und der Präventionsarbeit aktiv. 2015 ist dieser ins Ihme-Zentrum gezogen. Zwei Jahre später haben Geschäftsführerin Heidi Schröder und die Mitgesellschafter Stephan Korb und Jürgen Meyer prisma von einem Verein in eine gemeinnützige Gesellschaft umgewandelt. Prisma finanziert sich über die Förderung von Stadt und Region Hannover, des Landes und weiterer Projektpartner. Im Laufe der Jahre wurde das Netzwerk erweitert. prisma ist heute unter anderem Partner im EU-Projektes „Flucht-Trauma-Sucht“, im Alkoholpräventionsprojekt „Hart am LimiT“ in der Region Hannover oder im bundesweiten Programm „1000 Schätze“ zur Stärkung der psychosozialen Gesundheit von Schülerinnen und Schülern der ersten und zweiten Klasse. Mit dem Studiengang Soziale Arbeit an der Hochschule Hannover arbeitet prisma zusammen.
prisma gGmbH – Fachstelle für Sucht und Suchtprävention
Ihmeplatz 4, 30449 Hannover
Telefon: 0511 921750
Web: prismahannover.de