
Das Kulturzentrum Faust könnte schon bald vollständig auf eigenem Grund stehen. Die Faust-Stiftung will das Grundstück der ehemaligen Bettfedernfabrik Werner & Ehlers von der Berliner Stiftung Umverteilen kaufen. Diese hat dem Verkauf bereits grundsätzlich zugestimmt. In den kommenden Tagen sollen noch letzte Details verhandelt werden.
Damit würde eine Konstruktion enden, die seit den Anfängen des Kulturzentrums besteht: Zwar gehören der Faust-Stiftung alle Gebäude auf dem Gelände an der Zur Bettfedernfabrik in Linden-Nord, Grund und Boden des Kulturzentrums befinden sich jedoch weiterhin im Eigentum der Stiftung Umverteilen. Dafür zahlt Faust monatlich Erbpacht.
Der geplante Grundstückskauf wäre deshalb ein wichtiger Schritt, um das Kulturzentrum langfristig abzusichern. Stiftungsvorstand Peter Hoffmann-Schoenborn nannte den „Kauf von Grund und Boden“ am Samstag bei der Feier zum 35-jährigen Bestehen ausdrücklich als eine der zentralen kommenden Aufgaben der Stiftung.
Vom Erbpachtvertrag zum eigenen Grundstück
Die ungewöhnliche Eigentumskonstruktion reicht bis in die Anfangsjahre von Faust zurück. Im Januar 1991 wurde der gemeinnützige Trägerverein FAUST gegründet. Die Berliner Stiftung Umverteilen kaufte damals das gesamte Areal der ehemaligen Bettfederfabrik Werner & Ehlers und schloss mit dem Verein einen Erbpachtvertrag. Mit öffentlicher Unterstützung erwarb Faust anschließend die alten Fabrikgebäude und baute sie für kulturelle und soziale Nutzungen um.
Ein schwerer Einschnitt folgte im März 2005: Der FAUST e. V. musste Insolvenz anmelden. Das Insolvenzverfahren konnte nach mehr als fünf Jahren im Januar 2011 mit einer neuen Struktur abgeschlossen werden.
Heute sind die Aufgaben zwischen Verein und Stiftung getrennt. Die Faust-Stiftung besitzt die Gebäude, kümmert sich um deren Erhalt und vermietet Flächen an den Gewerbehof und die auf dem Gelände ansässigen Vereine. Der Faust e. V. kann seine Räume kostenfrei nutzen. Eigentümerin des Grundstücks blieb bislang die Stiftung Umverteilen.
Faust-Stiftung ist schuldenfrei
Die wirtschaftliche Ausgangslage für die nächsten Schritte scheint vergleichsweise solide zu sein. Nach Angaben von Hoffmann-Schoenborn ist die Faust-Stiftung schuldenfrei. In den vergangenen Jahren seien rund 800.000 Euro in investive Baumaßnahmen geflossen – laufende Instandhaltungen nicht eingerechnet.
Zu den größeren Projekten gehörten der Umbau der Kunsthalle zum Tanzraum samt Lift, die Sanierung des Kesselhauses, neue Sanitäranlagen und erhebliche Investitionen in den Brandschutz. Weitere Aufgaben stehen bereits an: Unter anderem müssen die denkmalgeschützten Fassaden und das Dach der Zinsser-Halle angegangen werden.
Gleichzeitig steht auch organisatorisch ein Generationswechsel bevor. Hoffmann-Schoenborn machte deutlich, dass es künftig nicht nur um den Erhalt der Gebäude gehen könne. Auch die besondere Identität von Faust müsse immer wieder neu vermittelt und weiterentwickelt werden.
35 Jahre Faust: „Ausgeschlafen wird später“
Genau darum ging es auch bei der Jubiläumsfeier am gestrigen Samstag. Unter dem Motto „35 Jahre wach – ausgeschlafen wird später“ feierte Faust sein 35-jähriges Bestehen mit einem umfangreichen Programm.

Hoffmann-Schoenborn würdigte dabei die Arbeit von Geschäftsführerin Luna Jurado (musste krankheitsbedingt leider absagen), Vorstand und Team, die Aktivitäten der auf dem Gelände ansässigen Vereine sowie das ehrenamtliche Engagement. Zugleich erinnerte er an die „Altvorderen“, die Faust zu einem Ort für Menschen, Begegnung, Kultur und gelebte Demokratie gemacht hätten.
Faust sei inzwischen längst eine etablierte Institution. Das bedeute jedoch nicht, dass sich das Kulturzentrum auf dem Erreichten ausruhen könne. Es gehe heute weniger um Aufbau und Rechtfertigung als um den Bestandserhalt – baulich ebenso wie inhaltlich. Der geplante Grundstückskauf dürfte dabei eine besondere Bedeutung bekommen: Nach 35 Jahren könnte Faust erstmals nicht nur Eigentümer der historischen Gebäude, sondern auch des Bodens darunter werden.