Bienen-Forschungsprojekt am Lindener Berg vor dem Aus

Ladestation
Die Ladestation für die Solaranlage zur Stromgewinnung.

Am Hochwasserbehälter auf dem Lindener Berg, hat Imkermeister Hartmut Münch ehrenamtlich seit 2022 einen Lern- und Forschungsort  für Honig- und Solitärbienen geschaffen. Doch am 30. September endet das Projekt, denn  die Grundstückseigentümerin Enercity hat den Gestattungsvertrag gekündigt. Der Stadtbezirksrat Linden-Limmer hat deshalb die Stadt als Haupteigentümerin aufgefordert, sich für den dauerhaften Erhalt der Imkerei einzusetzen. Doch Enercity bleibt bei seiner Haltung und verweist auf besondere Sicherheitsanforderungen.

Mission Bienen schützen

Seit Jahrzehnten engagiert sich Münch für den Erhalt von Bienen, die wegen ihrer Bestäubungstätigkeit für das Überleben der Menschen und die weltweite Ernährungssicherheit sehr wichtig sind. Sein Wissen vermittelt der Vorsitzende des Vereins „Hannover summt“ und Mitglied im Insektenbündnis der Stadt Schüler*innen und Interessierten. Der mehrere tausend Quadratmeter große Bienengarten auf dem Lindener Berg mit vielen ganz unterschiedlichen Solitärbienenwohnungen und Standorten für 16 Honigbienen-Völkern ist für ihn dafür „ideal“. Hinzu komme, dass er in der benachbarten Sternwarte den Vortragsraum für seine Veranstaltungen nutzen könne, sagt er in einem Pressegespräch.

Forschung voranbringen

Bienen-Windel
Das Ein-Euro-Stück auf der Bienen-Windel soll der KI den Größenvergleich zu den Milben erleichtern

Genauso wichtig ist ihm die Bienenforschung, „damit wir sachlich diskutieren können“. Denn immer wieder gebe es Nutzungskonflikte, etwa bei der Entscheidung, ob heimische oder ausländische Bäume gepflanzt werden. Oft würden auch falsche Gründe für plötzliches Bienensterben im August genannt. „Wir haben einen klaren Zusammenhang mit dem Ende der Lindenblüte festgestellt“, sagt Münch, der deshalb auch „intelligentes Pflanzen“ fordert. „Alles, was nach der Linde blüht und Bienen Nahrung gibt, ist gut.“ Seit einiger Zeit arbeitet er deshalb mit den Universitäten Bremen und Münster zusammen und hat die Bienenstöcke digitalisiert, um das Leben der Bienen minimalinvasiv zu erforschen.

Fotos von Bienen-Windel für KI

„Per W-LAN und App füttern wir von hier aus eine KI, damit sie künftig anhand von Bildern der sogenannten Bienen-Windel (Kunststoffeinlagen) am Boden des Wabenhauses herunterfallende Milben automatisch erkennt und Aussagen über den Zustand des Bienenvolkes machen kann.“

Neuer Forschungsstandort gesucht

Auch wenn er die Kündigung nur schwer akzeptieren kann, hat Münch mit dem Abtransport der Bienenvölker begonnen. „Im Sommer vertragen sie den Umzug besser.“ Er nutzt dafür auch den mobilen Bienenwagen, den die proWIN pro nature Stiftung  ihm gestiftet hat. „Das ist die einzige Unterstützung, alles andere habe ich selbst bezahlt.“ Er benötige nicht nur ein großes Areal, sondern auch Strom- und Wasseranschluss sowie Platz für den Bienenwagen. „Ideal wäre dann noch ein Vortragsraum in unmittelbarer Nähe.“

Schwierige Zusammenarbeit

Bienenwagen
In der grünen Oase leben Honig- und Solitärbienen

Schon lange arbeitet Münch mit Enercity zusammen. „Ich wurde gefragt, ob ich Imker gewinnen kann für ihr Förderprogramm. Das Unternehmen erlaubt Imkern – einer von ihnen ist Münch – an über 100 geschützten Brunnen- und Betriebsstandorten Bienenvölker aufzustellen. Doch die Zusammenarbeit am Lindener Berg lief nicht rund. 2024 gab es eine Mediation. „Damals hieß es, es sei alles geklärt, wir würden noch einen Anruf von enercity erhalten“, erinnert sich seine Frau Monika. Den hat es bis heute nicht gegeben – stattdessen nun die Kündigung. Münch fühlt sich nicht verstanden und betont, alle Auflagen, wie etwa die Umstellung von Gasflaschen auf Strom für das Auskochen alter Wabenrahmen, um das Holz für den erneuten Einsatz im Bienenstock zu recyceln. Enercity-Sprecher Kallen will nicht ins Detail gehen, betont aber: „Unabhängig von den stets hohen Sicherheitsanforderungen am Standort wird in diesem Fall weit über die im Nutzungsvertrag gestattete Aufstellung von Bienenstöcken hinaus agiert. Dies ist mit den Maßgaben von enercity nicht vereinbar.“ Ein möglicher neuer Standort könne in Empelde liegen.

Sanierung Hochwasserbehälter
Bis Ende des Jahres wird die Fassade mit den historischen Klinkern saniert.

Bildnachweis: Katharina Kümpel

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