Tempo 30: Verwaltung blockiert Vorstoß für Wunstorfer Straße

Tempo 30 ZoneDie Diskussion um eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Wunstorfer Straße in Limmer geht in die nächste Runde – und wird zunehmend konfliktreicher. Trotz einer Petition aus dem Stadtteil und eines mehrheitlich beschlossenen Antrags im Bezirksrat Linden-Limmer hat die Stadtverwaltung nun sowohl Tempo 30 als auch die Einrichtung eines „Runden Tisches“ abgelehnt.

Der Antrag war vom CDU-Einzelvertreter Michael Klenke eingebracht worden. Ziel war es, Verwaltung, Verkehrsunternehmen, Politik sowie Initiativen und Anwohnende an einen Tisch zu bringen, um Lösungen für mehr Verkehrssicherheit zu erarbeiten. Der Bezirksrat hatte diesem Vorschlag zugestimmt.

Verwaltung verweist auf Bundesrecht und Verkehrsfluss

Die Stadt begründet ihre Entscheidung vor allem mit der übergeordneten Bedeutung der Straße. Die Wunstorfer Straße sei eine Hauptverkehrsachse mit mehr als 10.000 Fahrzeugen täglich und erfülle eine wichtige Verbindungsfunktion – unter anderem auch als Ausweichstrecke bei Störungen auf der Autobahn A2.

Zudem liege die Entscheidung über Tempo-30-Anordnungen auf solchen Straßen im Rahmen von Bundesrecht bei der Verwaltung selbst. Ein „Runder Tisch“ könne nach Einschätzung der zuständigen Stellen keine neuen Erkenntnisse bringen.

Auch die Unfallstatistik spreche aus Sicht der Behörden gegen Handlungsbedarf: Zwischen Januar 2023 und Januar 2026 wurden 80 Unfälle registriert, davon lediglich fünf mit überhöhter Geschwindigkeit als Ursache – jeweils in Kombination mit weiteren Faktoren wie Alkohol. Eine Unfallhäufung liege nicht vor.

Bürgerinitiative sieht „Auto-zentriertes Denken“

Scharfe Kritik kommt hingegen von der Bürgerinitiative Wasserstadt Limmer. In einer Stellungnahme wirft sie der Verwaltung vor, einseitig den Verkehrsfluss zu priorisieren: „Weil der Verkehr abfließen muss. Weil eine Unfallhäufung nicht existiert. Vielleicht ja auch, weil die entscheidenden Menschen in der Verwaltung nur Autos im Kopf haben.“

Die Initiative schildert zudem konkrete Probleme im Alltag: So sei etwa die Ampelschaltung an der Tegtmeyerstraße kürzlich so verändert worden, dass Fußgängerinnen und Fußgänger länger warten müssten. Gleichzeitig komme es zu riskanten Situationen, etwa wenn Autos Busse überholen. Immer häufiger würden Menschen die Ampel meiden und die Straße unsicher überqueren.

Aus Sicht der BI könnten Tempo 30 und eine sogenannte Bereichsampel die Situation deutlich entschärfen.

Politische Brisanz: Kritik auch am Oberbürgermeister

Für zusätzlichen Zündstoff sorgt der Umgang mit der zuvor übergebenen Petition. Vertreter der Initiative hatten diese persönlich an Oberbürgermeister Belit Onay überreicht. Laut BI habe dieser Unterstützung für Tempo 30 zugesagt.

„Nun kommt von der Bauverwaltung die schlichte Absage. Von einem Oberbürgermeister, dem Chef der Verwaltung, könnte man mehr erwarten“, kritisiert Ernst Barkhoff von der Initiative.

Konflikt dürfte weitergehen

Die Ablehnung dürfte den Konflikt nicht beenden. Die BI Wasserstadt Limmer kündigt an, weiter Druck zu machen und das Thema erneut auf die Agenda zu setzen. Auch in anderen Stadtteilen Hannovers habe es lange gedauert, bis Tempo-30-Regelungen durchgesetzt wurden.

Bereits Anfang Mai beabsichtigt die Initiative, sich zu treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Parallel mobilisiert ein Bündnis für bessere Mobilität in Hannover und übergibt einen offenen Brief an Kandidierende für das Amt des Oberbürgermeisters sowie der Regionspräsidentin.

Bildnachweis: Stefan Ebers

7 Kommentare zu „Tempo 30: Verwaltung blockiert Vorstoß für Wunstorfer Straße“

  1. Wem die Ampelbereiche und der Zebrastreifen zu gefährlich sind, um sicher die Straße überqueren zu können, der sollte eine Petition dafür starten, diese Bereiche sicherer zu gestalten.

    Im Umland gibt es meist keine oder weniger Ampeln und die Kinder schaffen es auch sicher zur Schule. Vielleicht liegt es daran, dass sie ein anderes Verhältnis zum Auto haben, da dies meist das einzige Verkehrsmittel ist, Busse fahren da nicht selten nur 3 x am Tag.

    Antworten
    • Mit klaren Ansagen können auch heutige Kinder dazu gebracht werden, nicht einfach auf die Straße zu laufen.
      Mit „EitiTeimeinSonnenschein“ wohl eher nicht.
      Was die ‚Schleicherei auf der Hauptstraße angeht: Liebe Leute, ihr wollt doch bestimmt, dass der Handwerker pünktlich zu euch kommt und das Supermarktregal pünktlich mit veganen oder (auch nicht veganen) Produkten gefüllt wird…und alle anderen müssen auch mal ankommen, z. B. auf ihrer Arbeit.

      Antworten
      • Tja, die meisten wollen zentral leben, aber die dörfliche Idylle vor der Haustür.

        Es hat eben Nachteile in die Nähe einer Bundesstraße zu ziehen.
        Es ist doch aber paradox, sich bewusst für eine Wohnimmobilie in der Nähe einer vielbefahrenen Straße zu entscheiden und sich dann gegen die schon vorher bestandene Verkehrssituation zu wehren.

        Antworten
  2. Man kann nicht alles haben.
    Auch ich habe mir von der BI Wasserstadt ( ich erinnere mich nicht mehr, ob ich da Mitglied war, oder bin, aber ich bekomme immer noch den Newsletter, und Einladungen) etwas anderes erwartet. Als die startete ging es darum auf dem ehemaligen Conti-Gelände bezahlbare Wohnungen zu errichten, und die Gebäude am Kanal zu erhalten, und für der Allgemeinheit dienende Zwecke ( Stichwort: Landesarchiv) umzubauen.
    Was ist daraus geworden? Inzwischen ist der größte Teil des „neuen Stadtteils“ gebaut und bezogen worden, und die bezahlbaren Wohnungen haben sich in Luft aufgelöst. Die alten Gebäude hat man verfallen lassen, so dass sie jetzt abgerissen werden müssen. Und die neuen Bewohner möchten jetzt neben der Bushaltestelle, die den Contiarbeitern immer genug war, und auch sein mußte auch noch eine eigene Straßenbahnlinie (im Moment fünf Minuten Fußweg bis zur Brunnenstr.), und ein – auf lange Sicht – KFZ-Verbot für die Wunstorfer Straße. 1200 Unterschriften sprechen dafür? Dann fragt doch mal die 20.000 Pendler, die jeden Tag aus dem westlichen Umland zu ihren Arbeitsplätzen nach, und durch Hannover fahren müssen, ob die auch so denken. Sammelt doch dort einmal Unterschriften!
    Ich kann mich nur wiederholen: Auf der Wunstorfer ist heute schon nicht mehr als 30 Km/h möglich, und bei einer Sperrung wird der Verkehr über den schon jetzt überlasteten Schnellweg, und die OTs Ahlem, Davenstedt und Badenstedt umgeleitet. Da ist der nächste Ärger vorprogrammiert.

    Antworten
  3. Gerhard hat es kommen sehen: „Das Anliegen ist berechtigt, gleichwohl sind die Erfolgsaussichten gleich null.“ (Mein Kommentar vom 08.01.2026) Die Stadtverwaltung vertritt nicht die Interessen der Bürger, sondern die der Autolobby und erhält ihren Segen durch unseren Ministerpräsidenten.

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7 Kommentare zu „Tempo 30: Verwaltung blockiert Vorstoß für Wunstorfer Straße“

  1. Wem die Ampelbereiche und der Zebrastreifen zu gefährlich sind, um sicher die Straße überqueren zu können, der sollte eine Petition dafür starten, diese Bereiche sicherer zu gestalten.

    Im Umland gibt es meist keine oder weniger Ampeln und die Kinder schaffen es auch sicher zur Schule. Vielleicht liegt es daran, dass sie ein anderes Verhältnis zum Auto haben, da dies meist das einzige Verkehrsmittel ist, Busse fahren da nicht selten nur 3 x am Tag.

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    • Mit klaren Ansagen können auch heutige Kinder dazu gebracht werden, nicht einfach auf die Straße zu laufen.
      Mit „EitiTeimeinSonnenschein“ wohl eher nicht.
      Was die ‚Schleicherei auf der Hauptstraße angeht: Liebe Leute, ihr wollt doch bestimmt, dass der Handwerker pünktlich zu euch kommt und das Supermarktregal pünktlich mit veganen oder (auch nicht veganen) Produkten gefüllt wird…und alle anderen müssen auch mal ankommen, z. B. auf ihrer Arbeit.

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      • Tja, die meisten wollen zentral leben, aber die dörfliche Idylle vor der Haustür.

        Es hat eben Nachteile in die Nähe einer Bundesstraße zu ziehen.
        Es ist doch aber paradox, sich bewusst für eine Wohnimmobilie in der Nähe einer vielbefahrenen Straße zu entscheiden und sich dann gegen die schon vorher bestandene Verkehrssituation zu wehren.

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  2. Man kann nicht alles haben.
    Auch ich habe mir von der BI Wasserstadt ( ich erinnere mich nicht mehr, ob ich da Mitglied war, oder bin, aber ich bekomme immer noch den Newsletter, und Einladungen) etwas anderes erwartet. Als die startete ging es darum auf dem ehemaligen Conti-Gelände bezahlbare Wohnungen zu errichten, und die Gebäude am Kanal zu erhalten, und für der Allgemeinheit dienende Zwecke ( Stichwort: Landesarchiv) umzubauen.
    Was ist daraus geworden? Inzwischen ist der größte Teil des „neuen Stadtteils“ gebaut und bezogen worden, und die bezahlbaren Wohnungen haben sich in Luft aufgelöst. Die alten Gebäude hat man verfallen lassen, so dass sie jetzt abgerissen werden müssen. Und die neuen Bewohner möchten jetzt neben der Bushaltestelle, die den Contiarbeitern immer genug war, und auch sein mußte auch noch eine eigene Straßenbahnlinie (im Moment fünf Minuten Fußweg bis zur Brunnenstr.), und ein – auf lange Sicht – KFZ-Verbot für die Wunstorfer Straße. 1200 Unterschriften sprechen dafür? Dann fragt doch mal die 20.000 Pendler, die jeden Tag aus dem westlichen Umland zu ihren Arbeitsplätzen nach, und durch Hannover fahren müssen, ob die auch so denken. Sammelt doch dort einmal Unterschriften!
    Ich kann mich nur wiederholen: Auf der Wunstorfer ist heute schon nicht mehr als 30 Km/h möglich, und bei einer Sperrung wird der Verkehr über den schon jetzt überlasteten Schnellweg, und die OTs Ahlem, Davenstedt und Badenstedt umgeleitet. Da ist der nächste Ärger vorprogrammiert.

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  3. Gerhard hat es kommen sehen: „Das Anliegen ist berechtigt, gleichwohl sind die Erfolgsaussichten gleich null.“ (Mein Kommentar vom 08.01.2026) Die Stadtverwaltung vertritt nicht die Interessen der Bürger, sondern die der Autolobby und erhält ihren Segen durch unseren Ministerpräsidenten.

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