† Horst Deuker – Urlindener im Alter von 89 Jahren verstorben

Zum Tode von Horst DeukerAm 17.4.2020 ist das Gründungsmitglied vom Netzwerk Archive Linden-Limmer e.V. Horst Deuker im Alter von 89 Jahren verstorben. Horst Deuker, 1931 in Linden-Süd geboren, war über ein Jahrzehnt unermüdlich aktiv in der Szene der Menschen, die sich mit der Geschichte des Stadtbezirks Linden-Limmer befassen.

Seine Bezugspunkte waren Quartier e.V. auf dem Lindener Berge, die Initiative Lebensraum Linden und das Netzwerk Archive Linden-Limmer. Horst Deuker war ein gefragter Zeitzeuge, vor allem, wenn es um Linden-Süd ging. Man musste nur eine Straße, ein Geschäft oder einen Personennamen nennen, und schon wusste Horst Deuker unendlich viel Spannendes zu berichten.

In zahlreichen Vorträgen begeisterte er sein Publikum mit historischen Dokumenten, aber auch mit vielen Geschichten und Anekdoten. Er liebte die Bühne, seit er nach dem zweiten Weltkrieg als junger Mann regelmäßig und häufig den Operetten-Vorstellungen des Lindener Thalia-Theaters im Saal der Hanomag beiwohnen durfte. Dazu brauchte er nur über die Straße zu gehen, denn das Blumengeschäft seiner Eltern an der Göttinger Straße lag ja schräg gegenüber der Hanomag. Familie Deuker war mit vielen Schauspielerinnen und Schauspielern persönlich bekannt und befreundet.

Horst Deuker wäre gerne auch Schauspieler geworden oder zumindest Conférencier. Doch statt der brotlosen Kunst fiel die Entscheidung für einen ordentlichen Beruf. Er machte eine Lehre zum Floristen. 1955 übernahm er das Geschäft seiner Eltern in der Göttinger Straße. Und er liebte diesen Beruf.

Vier Jahre nachdem er 1964 die Prüfung zum Blumenbindermeister abgelegt hatte, entschloss sich das Ehepaar Deuker, die Göttinger Straße zu verlassen und ein neues Geschäft in der List aufzumachen. Da Horst Deuker in Fachkreisen höchste Anerkennung zuteilwurde, war es nicht überraschend, dass er 1981 das Angebot annahm, Geschäftsführer des Niedersächsischen Floristen-Verbandes zu werden. Diese Tätigkeit übte er 15 Jahre lang aus. Und nun konnte er auch alljährlich seiner heimlichen Liebe frönen, der Schauspielerei. Auf großer Bühne beim Floristen-Ball in der Stadthalle führte er als Conférencier durchs Programm.

Seine Sammelleidenschaft geht auch auf die Thalia-Zeit zurück, es begann damit, dass alle Programmzettel aufgehoben und abgeheftet wurden. Sie sind heute ein wichtigstes Zeugnis eines weitgehend unbekannten Teils der Lindener Kulturgeschichte der Nachkriegszeit.

Viele Dokumente seiner immer umfangreicher gewordenen Sammlung zur Stadtteilgeschichte fasste der 82-jährige Horst Deuker kaleidoskopartig zu seinem ersten Buch zusammen, in dem es rund um die Göttinger Straße geht und das 2013 von Quartier e.V. herausgegeben wurde. Sein zweites Buch über Fritz Ahrberg erschien 2016. Bei seinem dritten Buch über die Deisterstraße gingen ihm nach und nach die Kräfte aus. Er ahnte, dass es unvollendet bleiben würde.

Sein Wunsch, seine umfangreichen Sammlung digital der Nachwelt zu erhalten, ging zu Beginn des Jahres zumindest teilweise noch in Erfüllung, als das Digitale Stadtteilarchiv ans Netz ging. Horst Deuker gehörte 2011 zu den Gründungsmitgliedern des Netzwerkes Archive. Er war – trotz seines hohen Alters – ein vehementer Verfechter der Idee, Materialien zur Stadtteilgeschichte, aber auch Dokumente aus der persönlichen Familiengeschichte einer interessierten Öffentlichkeit durch Digitalisierung zugänglich zu machen. Teile der Sammlung von Horst Deuker sind zu finden unter https://www.digitales-stadtteilarchiv-linden-limmer.de/sammlungen/sammlung-horst-deuker/.

In der Erinnerung an Horst Deuker bleibt eine Fähigkeit, mit der er schon in der Schule seine Lehrer verblüfft hatte. Er konnte aus dem Stegreif lange Gedichte rezitieren, am liebsten Schiller oder Kästner. Von den Vortragskünstlern der 20er Jahre war Otto Reutter sein Favorit, den er aber nur von der Schallplatte kannte, denn Otto Reutter war 1931, dem Geburtsjahr von Horst Deuker, gestorben. Immer mal wieder, aus heiterem Himmel und ohne erkennbaren Zusammenhang, trug Horst Deuker einzelne Strophen aus seinem Lieblings-Couplet „Mit der Uhr in der Hand“ vor, so auch die zwölfte und letzte Strophe:

So eil’n wir durchs Leb’n ohne Freud und Pläsier
mit der Uhr in der Hand, mit der Uhr in der Hand. – –
Da, plötzlich, steht einer, ist mächt’ger als wir,
mit der Uhr, mit der Uhr in der Hand.
Der sagt: „Du brauchst nicht auf die Uhr mehr zu sehn,
Denn meine geht weiter, und deine bleibt steh’n – –“
Und er winkt uns hinüber ins andere Land
mit der Uhr, mit der Uhr in der Hand.

Kurz vor seinem Tode sagte Horst Deuker zu seinem Freund Horst Bohne: „Ich glaube, meine Uhr ist abgelaufen.“ Das Sprechen fiel ihm schwer.

Horst Deuker verstarb am 17.4.2020. Wir vermissen ihn sehr.

Für das Netzwerk Archive Linden-Limmer e.V.
Walther Engel

Bildnachweis: Walther Engel

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