Digitales Stadtteilarchiv Linden-Limmer: Linden vorn – Erstes digitales Stadtteilarchiv jetzt online

Lindener Stadtteilgeschichts Netzwerk
Lindener Stadtteilgeschichts Netzwerk

Die geschichtsinteressierte Öffentlichkeit, die tiefer in die Geschichte des Stadtteils Linden-Limmer eintauchen will bekommt jetzt einen besonderen kostenlosen Service geboten: Das Netzwerk Archive Linden-Limmer e.V. stellt ein Projekt vor, an dem Mitglieder des gemeinnützigen Vereins seit drei Jahren intensiv gearbeitet haben. Das „Digitale Stadtteilarchiv Linden-Limmer“ ging zum Jahreswechsel ans Netz.

Als 2011 das Lindener Stadtteilgeschichts-Netzwerk gegründet wurde, war die Idee, die bei vielen Vereinsmitgliedern schlummernden Schätze öffentlich zugänglich zu machen. Stand anfangs noch die Suche nach Räumlichkeiten für ein „analoges“ Stadtteilarchiv im Vordergrund, so wurde im Laufe der Zeit immer deutlicher, dass ein digitales Archiv – insbesondere für die Nutzerinnen und Nutzer – erhebliche Vorteile hat: rund um die Uhr geöffnet, ohne Beschränkungen bequem zugänglich und kostenlos zu nutzen.

Digitalisierung und kostenlose Bereitstellung privater Schätze

Ganz selbstlos ist die Arbeit allerdings nicht, denn für einige Vereinsmitglieder, die sich schon länger Gedanken gemacht hatten, was mit ihren Bildern, Broschüren, Büchern und anderen Materialien passiert, wenn sich Kinder und Enkel nicht dafür interessieren, ist die digitale Lösung ein großer Gewinn. So können zumindest Teile ihrer wertvollen Erinnerungen für die Nachwelt erhalten werden, ohne dass sie auf dem Müll landen.

Ein kleiner Wermutstropfen ist allerdings das mühselige, zeitaufwendige Scannen und Beschreiben von Dokumenten. Diese Arbeit fällt nicht allen Vereinsmitgliedern gleichermaßen leicht, vor allem, wenn man bedenkt, dass einige bald ihren 90. Geburtstag feiern werden. Im Gegensatz zu anderen Webseiten zur Regionalgeschichte, die schwerpunktmäßig auf thematisch-inhaltliche Textbeiträge ausgerichtet sind, stellt das Lindener Digitalarchiv ganz bewusst das Einzeldokument in den Mittelpunkt. Durch verschiedene Suchroutinen kann sich jeder selbst Dokumente nach seinen speziellen Erkenntnisinteressen zusammenstellen und so auch inhaltliche Querverbindungen herstellen. Dabei helfen knappe erläuternde Texte unter fast allen Dokumenten.

Ein Zusatzangebot zu anderen vorhandenen Archiven

In Konkurrenz zu professionellen Archiven sehen sich die Lindener Netzwerker nicht. Ihnen geht es vorrangig um die Darstellung von allen Facetten des Alltagslebens. Dazu zählen Familienbilder, Klassenfotos oder Privatdokumente ebenso wie Vereinschroniken, Festschriften oder historische Anzeigen von Lindener Geschäften und Firmen. Das müssen nicht immer Original-Dokumente in vollständiger Länge sein. Damit gehen die Lindener Netzwerker relativ entspannt um. Auch Kopien oder kurze Textauszüge aus umfangreicheren Schriften können interessante historische Informationen beinhalten. Bei alten Karten und Stadtplänen, die sich aufgrund ihres sperrigen Formats sowieso nicht leicht scannen lassen, sind in der Regel nur die den Stadtteil betreffenden Ausschnitte wiedergegeben.

1979: Protest gegen die Sanierung der Häuser in der Viktoriastraße.
1979: Protest gegen die Sanierung der Häuser in der Viktoriastraße.

Das Archiv umfasst aktuell bereits mehr als 700 Dokumente

Mit über 700 Dokumenten bietet das Lindener Digitalarchiv schon jetzt vielfältige Anregungen, sich mit der Geschichte seines unmittelbaren Wohnumfeldes zu beschäftigen. Die Lücken sollen nach und nach, auch mit Unterstützung aus dem Stadtteil, geschlossen werden.

Oft sagen Bilder mehr als Worte. Zu den Sahnestückchen im Digitalen Stadtteilarchiv zählt zweifellos die Sammlung der MedienWerkstatt Linden. Hier gibt es eine einzigartige Fülle bisher unveröffentlichten Fotos von Heinz-Jörgen Kunze-von-Hardenberg über die Stadtteilsanierung in den 1970er Jahren oder die Schwarz-Weiß-Fotoserien von Horst Bohne zum Bau des West-Schnellwegs (1959), des Heizkraftwerks (1960) oder des Ihme-Zentrums (1973).

Auf ein Dokument darf man besonders gespannt sein: Genau 100 Jahre nach der Vereinigung der Städte Hannover und Linden am 1.1.1920 wird die Öffentlichkeit zum ersten Mal die vom Magistrat Hannovers herausgegebenen Protokolle der Verhandlungen mit der Stadt Linden aus dem Jahre 1919 einsehen können. Bequem zu Hause am Bildschirm unter www.digitales-stadtteilarchiv-lindenlimmer.de

Das Digitale Stadtteilarchiv Linden-Limmer steht nicht nur Vereinsmitgliedern offen, es kann von allen genutzt werden, die ihre Bilder und Texte veröffentlichen wollen, ohne sich von ihren Schätzen trennen zu müssen. Das Netzwerk Archive bietet Unterstützung beim Digitalisieren und Beschreiben von Dokumenten an – allerdings alles nur im Rahmen der zur Verfügung stehenden Arbeitskapazitäten. Unterstützt werden sollen vor allem Menschen, die keinen Computer bedienen können.

Lindenspiegel 02-2020 – Walther Engel/Wolfgang Becker

Bildnachweis: Lindenspiegel - Foto: Wolfgang Becker, Lindenspiegel - Foto: Kunze von Hardenberg

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