100 Jahre Vereinigung von Hannover und Linden – Jubiläum

Einweihung des Nachtwächterbrunnen 1886
Einweihung des Nachtwächterbrunnen 1886

War es eine Vereinigung zweier unabhängiger Städte oder wurde Linden von Hannover eingemeindet? Am 01. Januar 2020 jährt sich dieses Ereignis zum 100. Mal. Die ersten Überlegungen in dieser Richtung gingen tatsächlich von Hannover aus. Viele Lindener Butjer fahren aber auch heute noch nach Hannover hin, wenn sie ausnahmsweise mal die Ihme oder Leine überqueren.

„Nur durch die Einverleibung des benachbarten Linden [kann] Hannover ein Ort von Bedeutung werden. Je näher die Stadt [Hannover] daher der Ihme gebracht werden kann, umso mehr wird man sich dieser Vereinigung nähern.“ Schrieb Georg Hoeltje bereits im Mai 1817 (aus Laves – Baumeister seiner Zeit, Hannover 1964).

Auf Betreiben von Linden kam es 1865 schon zum vierten Fusionsversuch. Dies wurde allerdings von der Stadt Hannover mit dem Hinweis, man müsse erst Auswirkungen einer Verbindung mit Linden auf die Schuldenentwicklung abklären, abgelehnt. Heinrich Niemeyer, der Gemeindevorsteher von Linden, bemühte sich daher erst einmal weiter um die Erlangung der Stadtrechte. Diese Stadtrechte bekam Linden am 1. April 1885. Erster Bürgermeister der Stadt wurde der hannoversche Senator Georg Lichtenberg.

Im November 1918 wird geplant

Schon wenige Tage nach dem Ende des 1. Weltkrieges im November 1918 stand die Vereinigung der Städte wieder einmal auf der Tagesordnung. Bei den Verhandlungen handelte es sich nunmehr bereits um den neunten Versuch in dieser Sache. Verhandlungsführer waren die Oberbürgermeister Robert Leinert für die Stadt Hannover und Hermann Lodemann für die Stadt Linden.

Wie diese Verhandlung vermeintlich abgelaufen sein könnte beschreibt Hans-Jörg Hennecke in seinem Kultbuch „Linden – eine wahnsinnige Geschichte“.

Die staunende Nachwelt fragt sich entsetzt: Wie konnte man so etwas bauen? Natürlich will es jetzt keiner mehr gewesen sein. Nehmen wir im Sinne unserer Vorfahren also mal eine ganz und gar unkonventionelle Erklärung, die immerhin denkbar und entschuldbar wäre.
Das aus wuchtigen viereckigen Betonteilen bestehende Ihme-Zentrum ist zweifellos das wichtigste Zentrum in Linden. Seine Existenz verdankt es einem gigantischen historischen Irrtum, unwissenschaftlich könnte man auch sagen: es existiert dank der zeitweiligen Trunksucht der Oberbürgermeister Leinert (Hannover) und Lodemann (Linden). Die haben beim Vereinigungsvertrag kräftig einen geschmettert. Das war 1919, nach einem großen Krieg, der wie alle Kriege auch Armut produzierte. Das hieß: Kaffee-Ersatz, Brot-Ersatz, Cognac-Ersatz – um letzteren geht es. Braungefährbter Sprit, eine Art trinkfähige Möbel-Politur. Damit stießen die Herren Leinert und Lodemann ein ums andere Mal heftig an. Auf dem Tisch lag eine Vereinigungserklärung, in der stand: „Bisher war die Ihme Grenze unserer Städte. Von nun an ist die Ihme Zentrum der gemeinsamen Stadt. Lasst uns die Zukunft bauen.“
Der Ersatz-Cognac schwappte Herrn Leinert oder Herrn Lodemann oder auch beiden aus dem Glas und verbreitete sich auf der Erklärung, fraß sich ins Papier ein. Als man das Papier Jahrzehnte später wiederfand, war da nur noch zu lesen: „Ihme … Zentrum … bauen.“

Wer mehr von der wahnsinnigen Geschichte lesen möchte der kann noch eines der wenigen Rest-Exemplare über Kersten Flenter unter www.flenter.de beziehen.

Lindener Rathaus um 1900
Das Lindener Rathaus um 1900 – Einst Verwaltungssitz der Stadt Linden

In einer gemeinsamen Sitzung der Städte am 31. Oktober 1919 kam es noch einmal zu kontroversen Diskussionen. Schließlich wurde einzeln und namentlich abgestimmt. Für den Zusammenschluss von Hannover und Linden stimmten geschlossen die 48 Bürgervorsteher der SPD und der USPD, dagegen standen die 36 Stimmen der „Bürgerlichen Mitte“. Im hannoverschen Magistrat fand sich eine deutliche Mehrheit für die Eingemeindung Lindens von 16:6 Stimmen bei einer Enthaltung. Den Abschluss der Verhandlungen bildete das Gesetz vom 15. Dezember 1919, mit dem die Vereinigung der Städte Hannover und Linden Rechtskraft erlangte. Es trat am 1. Januar 1920 in Kraft.

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