Nicht jeder Quadratmeter muss von uns genutzt werden: Ein Radweg reicht!

Die Forderung, die in der letzten Ausgabe des LINDENSPIEGEL zu lesen war, nämlich eine „Veloroute im Grünen“ für die Strecke zwischen Bardowicker Straße und Küchengarten herzustellen, ist längs erfüllt: Es existiert oberhalb der Böschung – begleitet von einer Schneebeerenhecke und zahlreichen Bäumen – ein gut ausgebauter und befahrbarer Radweg bis zur Nieschlagstraße. Weiter geht es dann auf der von Kastanien bestandenen, leicht holprigen Rampenstraße oder leicht verschwenkt entlang der Fössestraße zum Küchengarten.

Der Ausbau eines Radweges auf der Kohlebahntrasse im Hohlweg von der Bardowicker Straße unter der Nieschlagstraßenbrücke würde das Grünerlebnis beim Radeln daher nur unmerklich erhöhen , dafür müssten einige schwerer wiegende Nachteile für Natur und Umwelt erkauft werden: Die zusätzliche Versiegelung des Bodens durch Asphalt oder anderes Material auf zirka 600 Metern, das entspricht einer Gesamtfläche von mindestens 1500 Quadratmetern im schon stark verdichtetem Linden, dann die Zerstörung von Biotopstrukturen östlich der Bahntrasse, wenn der Radweg auf den letzten Metern auf die Fössestraße geführt wird, dann die Vernichtung von Brombeerenbüsche, die auf dem Gleiskörper sich angesiedelt haben und Nahrungspflanze und Nistplatz für viele Wildbienenarten sind und gleichzeitig Habitat für brütende Zaunkönige, Amseln oder Gartengrasmücke. Mit einem möglichen Freigeben der Tunnelstrecke für Radler, Skater und somit auch für „entdeckungsfreudige“ BürgerInnen beschneiden wir den Lebensraum von vielen Pflanzen und Tieren, die ihn in den letzten zehn Jahren eroberten, weil wir es zugelassen haben. Uns sollte es wert sein, das zu respektieren. Nicht jeder Quadratmeter muss von uns genutzt werden, denn wir leben nicht allein in dieser Stadt. Wir sollten diesen Kohlebahnabschnitt ganz den Tieren und Pflanzen lassen, zumal wir ihn nicht wirklich brauchen. Die Freude an einer reichhaltigeren Natur wird der Dank dafür sein.

Lindenspiegel Ausgabe 04-2019 – Gerd Wach