Sackmannstraße: Sorge um alte Reihenhäuser

Wohnanlage Sackmannstraße
Wohnanlage Sackmannstraße 38–40 des Spar- und Bauvereins

Der Spar- und Bauverein hat die historische Mitte von Limmer an der Sackmannstraße unweit der St.-Nikolai-Kirche mit seinem Wohnquartier St. Nikolai maßgeblich geprägt. In Blicknähe liegt ihre weitaus ältere Wohnanlage mit Miet- und Reihenhäusern für rund 58 Mietparteien. Unter ihnen breitet sich die Sorge aus, wie lange noch bezahlbares Wohnen sicher ist. „Wir wünschen uns mehr Transparenz, wie es mit den Gebäuden weitergeht“, sagt die Sprecherin der dort Wohnenden, Katja Bicker, gegenüber Punkt-Linden. Doch Vorstand Rainer Detjen bleibt öffentlich zurückhaltend. „Wir prüfen noch alle Optionen: sanieren, modernisieren oder auch neu bauen.“

Auch der Routinier kommt ins Stocken

Wohnquartier Nikolai-Quartier
Ein Vorzeigeprojekt in der Sackmannstraße: Das St. Nikolai Quartier

Sie ist die älteste Wohnungsgenossenschaft in Hannover. Über 8.200 Wohnungen und Reihenhäuser in der Landeshauptstadt und der Region gehören aktuell in ihren Bestand. Mehr als 27.500 Mitglieder setzen auf das Versprechen auf sicheres und bezahlbares Wohnen in den Quartieren. Dafür setzt der Spar- und Bauverein eG seit 1885 auf Neubau und kontinuierliche Modernisierung seines Wohnungsbestandes.

Doch die derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen lassen auch den Routinier ins Stocken kommen. Detjen: „Der Mix aus hohen Baukosten, hohen Vorgaben an die energetische Sanierung, hohen Zinsen und Unsicherheiten über die Dauer von Förderprogrammen macht uns eine Entscheidung schwer.“ Keine Option seien für den Spar- und Bauverein die Förderprogramme des Landes für die Sanierung von Bestandsimmobilien. „Zusagen unterliegen immer einer Bindung des Wohnraums mit Belegrechten. Wir wehren uns als Genossenschaft dagegen, weil wir in unserer Genossenschaft selbst sehr viele Mitglieder haben, die die Anforderungen erfüllen würden. Wir möchten die Wohnungen selbst belegen können und nicht fremdbestimmt sein.“

In die Jahre gekommen

Reihenhäuser Sackmannstraße
Zukunft für acht Reihenhäuser offen

Die acht ebenerdigen Reihenhäuser sind jeweils rund 51 Quadratmeter groß und haben ein bis zwei Zimmer. Deren Bauweise eignet sich für Singles oder Personen mit Handicap bis ins hohe Alter. Die Mieten wurden in den vergangenen zehn Jahren um rund 11 Prozent angehoben und liegen aktuell durchschnittlich bei 5,64 Euro pro Quadratmeter für Kaltmiete. Modernisierungsbedarf besteht nach Angaben von Detjen vor allem bei Dämmung, Fenstern, Heizung und Elektrik. Bei den Mietshäusern geht es auch um die Balkone. „Wir können derzeit keine Aussage treffen, wie wir mit diesen Gebäuden umgehen werden“, hatte Detjen beim Politik-Forum Linden-Limmer „Wohin im Alter in Linden-Limmer?“ Anfang Februar gesagt.  Auch für die Mehrfamilienhäuser aus den 70er Jahren prüft bau+spar derzeit, ob eine Sanierung oder Modernisierung wirtschaftlich darstellbar ist. „Wir schauen auch, ob ein Neubau eine verträgliche Alternative darstellt.“

Mehr Transparenz

Die Bewohnerschaft wünscht sich mehr Transparenz von ihrem Vermieter, sagt Bicker. Für sie seien die bezahlbaren Mietpreise wichtig. Seit sich herumgesprochen hat, dass es bei Neuvermietungen nur noch befristete Verträge gibt, befürchten viele den drohenden Abriss der Gebäude. Detjen bestätigt, dass der Spar- und Bauverein seit 2023 nur noch Zeitmietverträge abschließe. Bicker äußert Verständnis für den schwierigen Abwägungsprozess. „Mehr direkte Information für die Bewohnerschaft ist aber trotzdem möglich und hilfreich für vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Mietenden.“

Bildnachweis: Katharina Kümpel, Spar- und Bauverein

3 Gedanken zu „Sackmannstraße: Sorge um alte Reihenhäuser“

  1. Belegrecht heißt, das Wohnungsamt schickt Menschen die akut von Wohnungslosigkeit bedroht sind, mehr nicht.
    Trotz Zuweisung können diese abgelehnt werden, das habe ich selbst schon bei unterschiedlichen Wohnungsgenossenschaften erlebt und wäre damals deshalb mit 2 Kleinkindern beinahe obdachlos geworden. Und ohne Genossenschaftsanteile bekommt man sowieso keine Wohnung, also sind auch diese Wohnungssuchenden automatisch Mitglied.

    Ich finde die Einstellung gegenüber Wohnungssuchenden beschämend. Nicht jeder, der von Wohnungslosigkeit bedroht ist, hat diese Situation selbst verursacht. Allein eine Mieterhöhung die man sich trotz Arbeit nicht mehr leisten kann, kann zum Wohnungsverlust ( durch Mietschulden) führen! Und wenn man dann mit 100 anderen Menschen um eine Wohnung konkurriert, zieht man bei solchen Kriterien immer den Kürzeren.

    Die Wohnungen in der Sackmannstraße sind augenscheinlich günstig, aber dafür, dass in den letzten Jahren scheinbar nicht investiert wurde, ist die Miete eher am oberen Limit, es sind ja Genossenschaftswohnungen, die „günstiger“ sein sollen als andere.

    Antworten
  2. Hallo, seit 20 Jahren bin ich Mieter in besagter Anlage. Als ich mit 43 Jahren dort einzog, war ich der festen Überzeugung dort ggf. meinen Lebensabend zu verbringen. Bei einer Genossenschaft, dachte ich in sicheren Verhältnissen zu wohnen. Leider hat nun auch diese Gewissheit das Zeitliche gesegnet. Seit Jahren verschwindet eine Gewissheit nach der nächsten. So muss ich nun damit rechnen im Alter meine sicher geglaubte Wohnung zu verlieren. Schöne neue Welt. Und zu allem Überfluss schaltet Spar und Bau auf Vernebelung. Sehr schade.

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3 Gedanken zu „Sackmannstraße: Sorge um alte Reihenhäuser“

  1. Belegrecht heißt, das Wohnungsamt schickt Menschen die akut von Wohnungslosigkeit bedroht sind, mehr nicht.
    Trotz Zuweisung können diese abgelehnt werden, das habe ich selbst schon bei unterschiedlichen Wohnungsgenossenschaften erlebt und wäre damals deshalb mit 2 Kleinkindern beinahe obdachlos geworden. Und ohne Genossenschaftsanteile bekommt man sowieso keine Wohnung, also sind auch diese Wohnungssuchenden automatisch Mitglied.

    Ich finde die Einstellung gegenüber Wohnungssuchenden beschämend. Nicht jeder, der von Wohnungslosigkeit bedroht ist, hat diese Situation selbst verursacht. Allein eine Mieterhöhung die man sich trotz Arbeit nicht mehr leisten kann, kann zum Wohnungsverlust ( durch Mietschulden) führen! Und wenn man dann mit 100 anderen Menschen um eine Wohnung konkurriert, zieht man bei solchen Kriterien immer den Kürzeren.

    Die Wohnungen in der Sackmannstraße sind augenscheinlich günstig, aber dafür, dass in den letzten Jahren scheinbar nicht investiert wurde, ist die Miete eher am oberen Limit, es sind ja Genossenschaftswohnungen, die „günstiger“ sein sollen als andere.

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  2. Hallo, seit 20 Jahren bin ich Mieter in besagter Anlage. Als ich mit 43 Jahren dort einzog, war ich der festen Überzeugung dort ggf. meinen Lebensabend zu verbringen. Bei einer Genossenschaft, dachte ich in sicheren Verhältnissen zu wohnen. Leider hat nun auch diese Gewissheit das Zeitliche gesegnet. Seit Jahren verschwindet eine Gewissheit nach der nächsten. So muss ich nun damit rechnen im Alter meine sicher geglaubte Wohnung zu verlieren. Schöne neue Welt. Und zu allem Überfluss schaltet Spar und Bau auf Vernebelung. Sehr schade.

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