Querung Ihme-Zentrum: „Verschiebebahnhof“ bei Verantwortung?

Die provisorische Durchwegung ist seit langem gesperrt
Die provisorische Durchwegung ist seit Langem gesperrt

Seit März 2025 ist die provisorische Durchwegung durch das Ihme-Zentrum zwischen Blumenauer Straße und Ida-Arenhold-Brücke gesperrt (Punkt-Linden berichtete u. a. am 29. August 2025). Begründet wird dies mit Baumängeln und Sicherheitsproblemen, erklärt Ulrich Berding vom Büro plan zwei. Der Architekt spricht von einem „Gordischen Knoten“, der zur Realisierung des schon lange geplanten Ausbaus durchzuschlagen sei.

„Die Stadt Hannover hat uns mit einem Moderationsverfahren beauftragt. Zwischen den einzelnen Akteur*innen des Ihme-Zentrum soll vermittelt und moderiert werden“, heißt es auf der von der Stadt geförderten Website PFADFINDER. Das Verfahren zum Ihme-Zentrum bildet einen Baustein im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“, so Berding auf Anfrage.

Gutachten zu städtischen Handlungsmöglichkeiten offenbar unter Verschluss

Tunneleingang an der Blumenauer Straße 2015
Tunneleingang an der Ida-Arenhold-Brücke 2015

Begonnen hätte das Thema des Ausbaus der Durchwegung für plan zwei im Frühsommer 2020. Damals führte das Büro ein lebhaftes Beteiligungsverfahren durch. Mehrere Bauanträge folgten, Bundesmittel in Höhe von zwei Millionen Euro wurden eingeworben und die Frist zu deren Abrufung immer wieder verlängert.

Klarheit über die Zuständigkeiten hätte ein Anfang 2025 von der Landeshauptstadt in Auftrag gegebenes Gutachten bringen können. Darin ging es darum, die eigenen Handlungsmöglichkeiten zur Causa Ihme-Zentrum zu erkunden. Die Ergebnisse liegen vor, sind aber noch nicht öffentlich, so Stadtsprecherin Janine Herrmann: „Zunächst müssen sie den politischen Gremien vorgestellt werden.“

Zur Tunnelfrage betont die Stadtsprecherin gegenüber Punkt-Linden die klare Zuständigkeit der insolventen Projektgesellschaft PIZ aus dem Windhorst-Konsortium: „Die PIZ und damit der Insolvenzverwalter konnten und können sich entscheiden, die fertigen Pläne umzusetzen“, so Herrmann: „Wir sind regelmäßig mit dem Insolvenzverwalter im Austausch, dieser lehnt die Umsetzung bisher ab.“

Stadt hat Verlängerung der Förderfrist beantragt

Die Landeshauptstadt würde das Projekt vollständig finanzieren, wenn die Städtebauförderung kommt. „Auch die mangelnde Liquidität der PIZ würden wir für dieses Projekt durch städtische Mittel sichern können“, so Herrmann. Die Verlängerung der Förderfrist sei beantragt, aber noch nicht entschieden. „Es gäbe auf jeden Fall eine Verlängerung, wenn wir die Umsetzung zusagen könnten. Dafür ist aber die positive Entscheidung des Insolvenzverwalters erforderlich.“

Im April 2025 war in einer Gläubigerversammlung der insolventen PIZ der hannoversche Rechtsanwalt Jens Wilhelm V als Insolvenzverwalter abgewählt worden. Er wurde – dem Vernehmen nach auf Vorschlag des Hamburger Großgläubigers Ulrich Marseille – durch Dr. Malte Köster aus der Kanzlei Kösterberner in Bremen ersetzt. Auf Anfrage von Punkt-Linden teilte die auf Insolvenzrecht spezialisierte Kanzlei jetzt zum Thema Durchwegung mit: „Wir befinden uns derzeit in Gesprächen mit allen Beteiligten zu genau diesem, sicherlich wichtigen Thema. Den laufenden Gesprächen wollen wir nicht vorgreifen. Daher bitten wir um Verständnis, dass wir uns derzeit nicht äußern möchten.“

Verschieben wie eine heiße Kartoffel

Tunneleingang an der Blumenauer Straße
Tunneleingang an der Blumenauer Straße

Rainer-Jörg Grube spricht von einem „Verschiebebahnhof“ zwischen Stadt und Insolvenzverwalter. Wie eine heiße Kartoffel würde die Verantwortlichkeit für das Bauvorhaben hin- und hergeschoben. „An der Durchwegung für Fußgänger und Radfahrer besteht ein großes, öffentliches Interesse. Wenn die Stadt den Tunnel wirklich will, sollte sie sich die erforderlichen Flächen über eine Enteignung sichern“, meint der Bezirksbürgermeister.

„Die WEG ist bei dem Thema raus!“, erklärt Verwaltungsbeirat Jürgen Oppermann auf Anfrage. „Damit haben wir Wohnungseigentümer überhaupt nichts zu tun.“ Schon seit bald neun Jahren habe die WEG, der auch Flächen im Bereich der Durchwegung gehören, dem Ausbau zugestimmt. Das Procedere und die Zuständigkeiten seien vertraglich zwischen Stadt und PIZ verbindlich vereinbart worden. „Ich kann nur schmunzeln über so viel Unvermögen der Verantwortlichen“, sagt der langjährige Bewohner.

Bildnachweis: Wolfgang Becker, Stefan Ebers

6 Gedanken zu „Querung Ihme-Zentrum: „Verschiebebahnhof“ bei Verantwortung?“

  1. Die Stadt soll den verdammten Weg wieder frei geben. Offensichtlich ist er nicht gesperrt, weil er nicht befahrbar ist, sondern einzig und allein, weil er modernisiert werden soll. Es ist doch der Stadt bislang auch egal, ob wir an anderen Stellen des Ihmezentrums in Taubenkacke ersticken, und ganze Bereiche nicht nutzbar sind, der Durchgang spielt da keine signifikante Rolle. Die Verantwortlichen können den Weg ja wieder frei geben, wenn sie sich über ihre Verantwortung einigen konnten. Das kann ja noch ein paar Jahre dauern. Das ist eine absolute Frechheit den Bewohner:innen gegenüber und ein reines Machtspielchen, dem sich die Stadt Hannover bereitwillig hingibt bzw. gab. Generell peinlich des Todes, was die Stadt hier abzieht. Unsozial und beschämend. Wie die Bewohner:innen hängen gelassen und sämtliche Ideen zur Um-und Weiternutzung einfach abgeschmettert werden, Wahnsinn. Offenbar glaubt man immer noch, irgendwann kommt der Investor auf einem weißen Pony angeritten. Eine Bitte an alle Einwohner:innen: Lasst uns das Ihmezentrum wieder zurück holen! Lasst uns die Gemeinschaftsflächen wieder nutzbar machen und wieder eine Gemeinschaft werden, die sich gegenseitig unterstützt. Wie haben hier absolut gar nichts zu erwarten und müssen das selbst in die Hand nehmen.

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  2. Tja,

    wenn man sich die Webseite des Insolvenzanwalts so anguckt, findet man keinerlei Hinweise darauf, dass er überhaupt etwas mit dem Ihme-Zentrum zu tun hat.

    https://www.koesterberner.de/verfahren

    Auch ein kürzlich in der HAZ erschienenes Interview (Paywall)

    https://www.haz.de/der-norden/ein-insolvenzverwalter-berichtet-so-wuetet-die-krise-in-der-deutschen-wirtschaft-P6DGUWJ4S5HLRKQITD3PFF6P24.html

    hat keinen Verweis darauf. Besondere Priorität scheint es in seinen Planungen also nicht zu spielen. Und insofern dürfte das auch in seinem Portfolio nur die berühmten „Peanuts“ ausmachen, sich mit der Durchwegung zu beschäftigen.

    Insofern ist auch nicht zu erwarten, dass nach der angepeilten Verlängerung der Bundesmittel etwas Substanzielles passiert.

    Und noch ein Wort zu der ins Spiel gebrachten Enteignung. Mal abgesehen davon, dass auch das ein jahrelanges Verfahren nach sich ziehen würde, ist es nicht im Interesse der Stadt, Eigentum im IZH zu haben. Das hat sie nicht nur mit den Absichten, sich der Kita im IZH zu entledigen deutlichst gemacht, sondern auch in den vertraglichen Regelungen zur Durchwegung. Dafür hat sie sich zwar eine 20jährige Nutzung ausbedungen, will aber nur einen Teil davon die Unterhaltskosten tragen. Ein typischer Fall von „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“.Und das zeigt klar, dass die aufgestellten Forderungen von Seiten der Stadt nur Schaufensterpolitik sind und man nicht wirklich bereit ist, alles zu tun, was möglich wäre, um diese Durchwegung zu realisieren.

    Der Lackmustest ist das angesprochene Gutachten. Auch wenn die Stadt beteuert, dass eine Veröffentlichung der Ergebnisse erst nach der Information der Politik erfolgen soll, so hat sie doch in der Vergangenheit deutlich klargemacht, dass sie an Transparenz nicht interessiert ist.

    Antworten
    • Gerade weil es sich bei der Durchwegung um Peanuts handelt, habe ich die Hoffnung, dass sich jetzt etwas tut. Die LHH hat den Fehler gemacht, die Durchwegung an die Revitalisierung zu knüpfen, obwohl beide auch vertraglich „zwei verschiedene Schuhe“ sind. Dadurch hat sie sich selbst gelähmt. Gegenüber dem „Betongroßklotz“ als Ganzes ist die Realisierung der Durchwegung ein Kinderspiel. Es muss nur jemand den sprichwörtlichen Gordischen Knoten durchschlagen. Herrn Dr. Berding traue ich das zu.

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    • Die LHH und ihr OB müssen liefern, denn immerhin soll durch die Durchwegung auch die Veloroute führen. Wenn man sich damit nicht auch noch blamieren will, muss man jetzt also liefern.

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  3. An die Freude: „Bis September 2022 muss die Durchwegung fertiggestellt werden. Der Bauantrag ist genehmigt, die Vergabeverfahren für die Bauleistungen sind im Gang. Sowohl die LHH als auch die Projekt IZ Hannover GmbH als Bauherrin freuen sich, dass das Projekt nun wie geplant mit der Bundesförderung umgesetzt werden kann.“ (Pressemitteilung der LHH vom 21.10.2021) – Die Bauleistungen kamen nie in Gang; vom Rückwärtsgang einmal abgesehen.

    „Freude heißt die starke Feder in der ewigen Natur. Freude, Freude treibt die Räder in der großen Weltenuhr.“ (Friedrich Schiller) – Es freut mich, dass die LHH nun Herrn Dr. Berding damit beauftragt hat, den „Gordischen Knoten“ durchzuschlagen. Mein Vertrauen hat er.

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6 Gedanken zu „Querung Ihme-Zentrum: „Verschiebebahnhof“ bei Verantwortung?“

  1. Die Stadt soll den verdammten Weg wieder frei geben. Offensichtlich ist er nicht gesperrt, weil er nicht befahrbar ist, sondern einzig und allein, weil er modernisiert werden soll. Es ist doch der Stadt bislang auch egal, ob wir an anderen Stellen des Ihmezentrums in Taubenkacke ersticken, und ganze Bereiche nicht nutzbar sind, der Durchgang spielt da keine signifikante Rolle. Die Verantwortlichen können den Weg ja wieder frei geben, wenn sie sich über ihre Verantwortung einigen konnten. Das kann ja noch ein paar Jahre dauern. Das ist eine absolute Frechheit den Bewohner:innen gegenüber und ein reines Machtspielchen, dem sich die Stadt Hannover bereitwillig hingibt bzw. gab. Generell peinlich des Todes, was die Stadt hier abzieht. Unsozial und beschämend. Wie die Bewohner:innen hängen gelassen und sämtliche Ideen zur Um-und Weiternutzung einfach abgeschmettert werden, Wahnsinn. Offenbar glaubt man immer noch, irgendwann kommt der Investor auf einem weißen Pony angeritten. Eine Bitte an alle Einwohner:innen: Lasst uns das Ihmezentrum wieder zurück holen! Lasst uns die Gemeinschaftsflächen wieder nutzbar machen und wieder eine Gemeinschaft werden, die sich gegenseitig unterstützt. Wie haben hier absolut gar nichts zu erwarten und müssen das selbst in die Hand nehmen.

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  2. Tja,

    wenn man sich die Webseite des Insolvenzanwalts so anguckt, findet man keinerlei Hinweise darauf, dass er überhaupt etwas mit dem Ihme-Zentrum zu tun hat.

    https://www.koesterberner.de/verfahren

    Auch ein kürzlich in der HAZ erschienenes Interview (Paywall)

    https://www.haz.de/der-norden/ein-insolvenzverwalter-berichtet-so-wuetet-die-krise-in-der-deutschen-wirtschaft-P6DGUWJ4S5HLRKQITD3PFF6P24.html

    hat keinen Verweis darauf. Besondere Priorität scheint es in seinen Planungen also nicht zu spielen. Und insofern dürfte das auch in seinem Portfolio nur die berühmten „Peanuts“ ausmachen, sich mit der Durchwegung zu beschäftigen.

    Insofern ist auch nicht zu erwarten, dass nach der angepeilten Verlängerung der Bundesmittel etwas Substanzielles passiert.

    Und noch ein Wort zu der ins Spiel gebrachten Enteignung. Mal abgesehen davon, dass auch das ein jahrelanges Verfahren nach sich ziehen würde, ist es nicht im Interesse der Stadt, Eigentum im IZH zu haben. Das hat sie nicht nur mit den Absichten, sich der Kita im IZH zu entledigen deutlichst gemacht, sondern auch in den vertraglichen Regelungen zur Durchwegung. Dafür hat sie sich zwar eine 20jährige Nutzung ausbedungen, will aber nur einen Teil davon die Unterhaltskosten tragen. Ein typischer Fall von „Wasch mich, aber mach mich nicht nass“.Und das zeigt klar, dass die aufgestellten Forderungen von Seiten der Stadt nur Schaufensterpolitik sind und man nicht wirklich bereit ist, alles zu tun, was möglich wäre, um diese Durchwegung zu realisieren.

    Der Lackmustest ist das angesprochene Gutachten. Auch wenn die Stadt beteuert, dass eine Veröffentlichung der Ergebnisse erst nach der Information der Politik erfolgen soll, so hat sie doch in der Vergangenheit deutlich klargemacht, dass sie an Transparenz nicht interessiert ist.

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    • Gerade weil es sich bei der Durchwegung um Peanuts handelt, habe ich die Hoffnung, dass sich jetzt etwas tut. Die LHH hat den Fehler gemacht, die Durchwegung an die Revitalisierung zu knüpfen, obwohl beide auch vertraglich „zwei verschiedene Schuhe“ sind. Dadurch hat sie sich selbst gelähmt. Gegenüber dem „Betongroßklotz“ als Ganzes ist die Realisierung der Durchwegung ein Kinderspiel. Es muss nur jemand den sprichwörtlichen Gordischen Knoten durchschlagen. Herrn Dr. Berding traue ich das zu.

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    • Die LHH und ihr OB müssen liefern, denn immerhin soll durch die Durchwegung auch die Veloroute führen. Wenn man sich damit nicht auch noch blamieren will, muss man jetzt also liefern.

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  3. An die Freude: „Bis September 2022 muss die Durchwegung fertiggestellt werden. Der Bauantrag ist genehmigt, die Vergabeverfahren für die Bauleistungen sind im Gang. Sowohl die LHH als auch die Projekt IZ Hannover GmbH als Bauherrin freuen sich, dass das Projekt nun wie geplant mit der Bundesförderung umgesetzt werden kann.“ (Pressemitteilung der LHH vom 21.10.2021) – Die Bauleistungen kamen nie in Gang; vom Rückwärtsgang einmal abgesehen.

    „Freude heißt die starke Feder in der ewigen Natur. Freude, Freude treibt die Räder in der großen Weltenuhr.“ (Friedrich Schiller) – Es freut mich, dass die LHH nun Herrn Dr. Berding damit beauftragt hat, den „Gordischen Knoten“ durchzuschlagen. Mein Vertrauen hat er.

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