
Seit März 2025 ist die provisorische Durchwegung durch das Ihme-Zentrum zwischen Blumenauer Straße und Ida-Arenhold-Brücke gesperrt (Punkt-Linden berichtete u. a. am 29. August 2025). Begründet wird dies mit Baumängeln und Sicherheitsproblemen, erklärt Ulrich Berding vom Büro plan zwei. Der Architekt spricht von einem „Gordischen Knoten“, der zur Realisierung des schon lange geplanten Ausbaus durchzuschlagen sei.
„Die Stadt Hannover hat uns mit einem Moderationsverfahren beauftragt. Zwischen den einzelnen Akteur*innen des Ihme-Zentrums soll vermittelt und moderiert werden,“ heißt es auf der von der Stadt geförderten Website PFADFINDER. Das Verfahren zum Ihme-Zentrum bildet einen Baustein im Rahmen des Bundesprogramms „Nationale Projekte des Städtebaus“, so Berding auf Anfrage.
Gutachten zu städtischen Handlungsmöglichkeiten offenbar unter Verschluss

Begonnen hätte das Thema des Ausbaus der Durchwegung für plan zwei im Frühsommer 2020. Damals führte das Büro ein lebhaftes Beteiligungsverfahren durch. Mehrere Bauanträge folgten, Bundesmittel in Höhe von zwei Millionen Euro wurden eingeworben und die Frist zu deren Abrufung immer wieder verlängert.
Klarheit über die Zuständigkeiten hätte ein Anfang 2025 von der Landeshauptstadt in Auftrag gegebenes Gutachten bringen können. Darin ging es darum, die eigenen Handlungsmöglichkeiten zur Causa Ihme-Zentrum zu erkunden. Die Ergebnisse liegen vor, sind aber noch nicht öffentlich, so Stadtsprecherin Janine Herrmann: „Zunächst müssen sie den politischen Gremien vorgestellt werden“.
Zur Tunnelfrage betont die Stadtsprecherin gegenüber Punkt-Linden die klare Zuständigkeit der insolventen Projektgesellschaft PIZ aus dem Windhorst-Konsortium: „Die PIZ und damit der Insolvenzverwalter konnten und können sich entscheiden, die fertigen Pläne umzusetzen“, so Herrmann: „Wir sind regelmäßig mit dem Insolvenzverwalter im Austausch, dieser lehnt die Umsetzung bisher ab“.
Stadt hat Verlängerung der Förderfrist beantragt
Die Landeshauptstadt würde das Projekt vollständig finanzieren, wenn die Städtebauförderung kommt. „Auch die mangelnde Liquidität der PIZ würden wir für dieses Projekt durch städtische Mittel sichern können“, so Herrmann. Die Verlängerung der Förderfrist sei beantragt, aber noch nicht entschieden. „Es gäbe auf jeden Fall eine Verlängerung, wenn wir die Umsetzung zusagen könnten. Dafür ist aber die positive Entscheidung des Insolvenzverwalters erforderlich“.
Im April 2025 war in einer Gläubigerversammlung der insolventen PIZ der hannoversche Rechtsanwalt Jens Wilhelm V als Insolvenzverwalter abgewählt worden. Er wurde – dem Vernehmen nach auf auf Vorschlag des Hamburger Großgläubigers Ulrich Marseille – durch Dr. Malte Köster aus der Kanzlei Kösterberner in Bremen ersetzt. Auf Anfrage von Punkt-Linden teilte die auf Insolvenzrecht spezialisierte Kanzlei jetzt zum Thema Durchwegung mit: „Wir befinden uns derzeit in Gesprächen mit allen Beteiligten zu genau diesem, sicherlich wichtigen Thema. Den laufenden Gesprächen wollen wir nicht vorgreifen. Daher bitten wir um Verständnis, dass wir uns derzeit nicht äußern möchten.“
Verschieben wie eine heiße Kartoffel

Rainer-Jörg Grube spricht von einem „Verschiebebahnhof“ zwischen Stadt und Insolvenzverwalter. Wie eine heiße Kartoffel würde die Verantwortlichkeit für das Bauvorhaben hin und her geschoben. „An der Durchwegung für Fußgänger und Radfahrer besteht ein großes, öffentliches Interesse. Wenn die Stadt den Tunnel wirklich will, sollte sie sich die erforderlichen Flächen über eine Enteignung sichern“, meint der Bezirksbürgermeister.
„Die WEG ist bei dem Thema raus!“, erklärt Verwaltungsbeirat Jürgen Oppermann auf Anfrage. „Damit haben wir Wohnungseigentümer überhaupt nichts zu tun.“ Schon seit bald neun Jahren habe die WEG, der auch Flächen im Bereich der Durchwegung gehören, dem Ausbau zugestimmt. Das Procedere und die Zuständigkeiten seien vertraglich zwischen Stadt und PIZ verbindlich vereinbart worden. „Ich kann nur schmunzeln über soviel Unvermögen der Verantwortlichen“, sagt der langjährige Bewohner.