Mietwucher in Linden-Mitte: Möblierung als Trick

Mietwucher in der Badenstedter Straße 76
Mietwucher in der Badenstedter Straße 76

Wohnraum ist knapp – auch im Stadtbezirk Linden-Limmer. Besonders Studierende suchen verzweifelt nach bezahlbaren Zimmern. Umso irritierender ist eine Beobachtung aus Linden-Mitte: Seit dem 1. November 2025 stehen dort Studentenzimmer leer. Nicht, weil niemand sie braucht, sondern weil sich offenbar kaum jemand die geforderten Preise leisten kann oder will.

Ein Block, ein Eigentümer, ein Preissprung

Es geht um den früheren Körting-Wohnblock an der Badenstedter Straße, auf Höhe der Stadtbahnhaltestelle Bauweg. Nach vorliegenden Informationen wurde der Komplex vor einigen Jahren von der Krasemann Immobilien Holding GmbH übernommen. Unter dem Vorbesitzer galten die Mieten als niedrig, da die Wohnungen einfach und unsaniert waren. Einige Mieter hatten ihre Wohnung selbst hergerichtet.
Krasemann Immobilien investierte: Fassadendämmung, neue Fenster, energetische Aufwertung. Das allein erklärt steigende Mieten. Doch langjährige Mieter berichten, dass inzwischen auch für unsanierte Wohnungen Quadratmeterpreise von 10 Euro und mehr verlangt werden. Für Linden-Mitte ist das bereits die obere Kante.

Lage mittelmäßig, Preise maximal

Wer auszieht, hinterlässt Platz für Sanierung – und für neue Preisstufen. Die Lage jedoch bleibt unverändert: keine Balkone, kein grüner Innenhof, vorne Verkehr an der Badenstedter Straße, hinten Gewerbeflächen Richtung Lindener Hafen. Das sind keine „besten Ecken“ von Linden-Mitte.
Der aktuelle hannoversche Mietspiegel weist für diese Anschrift eine durchschnittliche Kaltmiete von 8,14 € (6,91–9,53 €) pro Quadratmeter aus.*

Der legale Umweg: Zeitmiete und Möblierung

Wie also mehr verlangen, ohne formal gegen den Mietspiegel zu verstoßen? Die Branche kennt die Antwort: Zeitmietverträge und möblierte Vermietung. Ein paar Möbel, ein kurzer Vertrag – schon lassen sich Grenzen verschieben.

Genau dieses Modell wird in der Badenstedter Straße 76 angewandt. Eine frisch renovierte Drei-Zimmer-Wohnung wird zur studentischen Wohngemeinschaft umgewidmet. Die Aufteilung:

  • Zimmer 1: 20 Quadratmeter
  • Zimmer 2 und 3: jeweils 14 Quadratmeter
  • Gemeinschaftlich: Küche (10 qm), Bad (8 qm)
  • Der lange Flur wird als „Gemeinschaftsraum“ deklariert.

Zahlen, die für sich sprechen

Die geforderten Preise sind eindeutig:

  • 20-qm-Zimmer: 525 Euro kalt plus 115 Euro für Nebenkosten, Heizung und Strom
  • 14-qm-Zimmer: jeweils 450 Euro kalt plus 115 Euro Nebenkosten

In Summe ergibt das 1.425 Euro Kaltmiete für eine rund 80 Quadratmeter große Wohnung – deutlich über dem, was der Mietspiegel für unmöblierte Wohnungen nahelegt. Die Möblierung dient als Hebel.

„Voll ausgestattet“ – aber zu welchem Preis?

Beworben wird das Angebot mit vertrauten Schlagworten: moderne Einbauküche, Geschirrspüler, Kühlschrank, neue Betten, Kleiderschränke, Schreibtische, Nachttische mit Lampen. Dazu Tisch, Bank und Beleuchtung im Gemeinschaftsbereich. Doch der Mehrwert ist überschaubar. Günstige Möbel rechtfertigen keine dauerhafte Überhöhung der Miete – schon gar nicht in einer Lage, die objektiv keine Premiumqualität bietet.

Leere Zimmer als stiller Protest

Dass die Zimmer seit Monaten leerstehen, ist ein Signal. Es zeigt, wo die Schmerzgrenze liegt. Der Markt ist angespannt, ja. Aber selbst in Linden-Mitte gilt offenbar: Nicht jeder Preis findet einen Mieter.

Die Praxis mag juristisch zulässig sein. Sozialpolitisch wirft sie Fragen auf. Wenn Studierende und Normalverdiener trotz Wohnungsnot außen vorbleiben, weil legale Schlupflöcher systematisch ausgereizt werden, dann ist das mehr als nur cleveres Immobilienmanagement. Es ist ein Symptom eines Marktes, der seine soziale Balance verliert.

*Korrekturhinweis: Die ursprünglichen Preisangaben zum Mietspiegel waren fehlerhaft und wurden am 05.02.26 korrigiert.

Bildnachweis: Stefan Ebers

9 Gedanken zu „Mietwucher in Linden-Mitte: Möblierung als Trick“

  1. Ganz generell ist gegen befristete Vermietung voll ausgestatteter Wohnungen nichts einzuwenden. Es gibt einen Markt dafür und normalerweise treffen Angebot und Nachfrage hier so aufeinander, dass beide Seiten zufrieden sind. Positiv wirken hier auch Makler, die sich auf dieses Marktsegment spezialisiert haben und beratend tätig sind, was die angemessene Preisfindung anbelangt.
    Hier scheint es aber jemand gehörig übertrieben zu haben. Damit schadet er sich nicht nur selbst (Leerstand), sondern wirft auch ein ungutes Licht auf den gesamten Sektor. Schon kommen Vorschläge aus der Politik, den Markt so zu regulieren, dass quasi nichts mehr davon übrig bleibt. Schlecht für beide Seiten, finde ich!

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  2. Normaler Wohnraum muss normal bezahlbar sein. Das Thema ist in ihren Auswirkungen mittlerweile ein breites gesellschaftliches, soziales Problem und wird der Politik neben der Rente / Kramkenkassen bei dem immer weiter so um die Ohren fliegen.

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  3. Nur zur Erwähnung von dem bösem Asbest: „ Bei fest gebundenem Asbest, wie er in Dach- oder Fassadenplatten vorkommt, besteht im Normalfall keine akute Gefahr.“

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  4. Habe dort jahrelang gewohnt, als der komplex noch einem privaten Vermieter gehörte. Habe immer gern dort gewohnt, die Mieten waren angemessen. Dann kommt Fa. Krasemann und alles wird problematisch und Mieten ständig teurer. Zumal die Sanierungsarbeiten nicht mal fachgerecht fertiggestellt wurden! Wie man an vielen Stellen sehen kann sind die Arbeiten nicht fertiggestellt „ Treppenhäuser, Fassade, Dämmung vom Dachgeschoss, Wohnungstüren usw. „ Ich könnte noch weiteres aufzählen. Und wenn es ein Problem gibt, ist niemand ansprechbar. Und nach dem Brand geht auch nichts weiter, die Mieterin im Obergeschoss sitzt nur noch in einer Einraumwohnung, mehr ist nach dem Brand nicht bewohnbar und es zieht an allen Ecken und enden. Aber die Mieten werden ständig angehoben. Der Knaller ist, das dort Kosten erhoben werden, die sie rechtmäßig nicht erheben dürften. Holt der Mieter sich Informationen darüber ein ob es rechtens ist und fordert sie dann zurück, zahlt die Fa. Krasemann zurück! Was sagt uns das? In Hannover werden so viele Wohnungen gebraucht.

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  5. Wir brauchen keine Mietpreisbremse, sondern endlich einen Mietendeckel. Auch sollte eine Mieterhöhung nur möglich sein, wenn in die Immobilie investiert wurde und nicht weil die Preise allgemein gestiegen sind. Wer in seine Immobilien investiert hebt dadurch den Mietspiegel automatisch für Vermieter mit an, die gar nichts machen.
    Selbst wenn man immer noch Fenster aus den 80er Jahren, Asbest in der Balkonverkleidung, alte Rohre usw. hat, bezahlt man durch diese Regelung plötzlich mehr Miete, als andere bei denen neue Fenster und eine neue Heizung eingebaut, das Haus gedämmt, das Dach erneuert und Parkplätze vor dem Haus geschaffen wurden. Das darf nicht sein!

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  6. Und wer noch weiter die CDU wählt, wird immer wieder solchen Ausnahmen in eigentlich sozial gedachten Gesetzen haben. War bei der Mietpreisbremse auch der Fall.

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9 Gedanken zu „Mietwucher in Linden-Mitte: Möblierung als Trick“

  1. Ganz generell ist gegen befristete Vermietung voll ausgestatteter Wohnungen nichts einzuwenden. Es gibt einen Markt dafür und normalerweise treffen Angebot und Nachfrage hier so aufeinander, dass beide Seiten zufrieden sind. Positiv wirken hier auch Makler, die sich auf dieses Marktsegment spezialisiert haben und beratend tätig sind, was die angemessene Preisfindung anbelangt.
    Hier scheint es aber jemand gehörig übertrieben zu haben. Damit schadet er sich nicht nur selbst (Leerstand), sondern wirft auch ein ungutes Licht auf den gesamten Sektor. Schon kommen Vorschläge aus der Politik, den Markt so zu regulieren, dass quasi nichts mehr davon übrig bleibt. Schlecht für beide Seiten, finde ich!

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  2. Normaler Wohnraum muss normal bezahlbar sein. Das Thema ist in ihren Auswirkungen mittlerweile ein breites gesellschaftliches, soziales Problem und wird der Politik neben der Rente / Kramkenkassen bei dem immer weiter so um die Ohren fliegen.

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  3. Nur zur Erwähnung von dem bösem Asbest: „ Bei fest gebundenem Asbest, wie er in Dach- oder Fassadenplatten vorkommt, besteht im Normalfall keine akute Gefahr.“

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  4. Habe dort jahrelang gewohnt, als der komplex noch einem privaten Vermieter gehörte. Habe immer gern dort gewohnt, die Mieten waren angemessen. Dann kommt Fa. Krasemann und alles wird problematisch und Mieten ständig teurer. Zumal die Sanierungsarbeiten nicht mal fachgerecht fertiggestellt wurden! Wie man an vielen Stellen sehen kann sind die Arbeiten nicht fertiggestellt „ Treppenhäuser, Fassade, Dämmung vom Dachgeschoss, Wohnungstüren usw. „ Ich könnte noch weiteres aufzählen. Und wenn es ein Problem gibt, ist niemand ansprechbar. Und nach dem Brand geht auch nichts weiter, die Mieterin im Obergeschoss sitzt nur noch in einer Einraumwohnung, mehr ist nach dem Brand nicht bewohnbar und es zieht an allen Ecken und enden. Aber die Mieten werden ständig angehoben. Der Knaller ist, das dort Kosten erhoben werden, die sie rechtmäßig nicht erheben dürften. Holt der Mieter sich Informationen darüber ein ob es rechtens ist und fordert sie dann zurück, zahlt die Fa. Krasemann zurück! Was sagt uns das? In Hannover werden so viele Wohnungen gebraucht.

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  5. Wir brauchen keine Mietpreisbremse, sondern endlich einen Mietendeckel. Auch sollte eine Mieterhöhung nur möglich sein, wenn in die Immobilie investiert wurde und nicht weil die Preise allgemein gestiegen sind. Wer in seine Immobilien investiert hebt dadurch den Mietspiegel automatisch für Vermieter mit an, die gar nichts machen.
    Selbst wenn man immer noch Fenster aus den 80er Jahren, Asbest in der Balkonverkleidung, alte Rohre usw. hat, bezahlt man durch diese Regelung plötzlich mehr Miete, als andere bei denen neue Fenster und eine neue Heizung eingebaut, das Haus gedämmt, das Dach erneuert und Parkplätze vor dem Haus geschaffen wurden. Das darf nicht sein!

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  6. Und wer noch weiter die CDU wählt, wird immer wieder solchen Ausnahmen in eigentlich sozial gedachten Gesetzen haben. War bei der Mietpreisbremse auch der Fall.

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