
Der massive Protest in Linden-Nord zeigt Wirkung: Der Rapper und Influencer Mois wird nicht zur Eröffnung des neuen „Bang Bang“-Restaurants an der Limmerstraße kommen. Der Betreiber hat die Einladung zurückgezogen, sich von dem Musiker distanziert und eigene Fehler eingeräumt. Zuvor hatte sich im Stadtbezirk erheblicher Widerstand gegen den angekündigten Auftritt formiert.
Am Freitag, 11. September, soll an der Limmerstraße 40 „Bang Bang Hannover“ eröffnen. Das Schnellrestaurant gehört zu einer Franchise-Kette, die sich auf Philly-Cheesesteaks spezialisiert hat. Die Limmerstraße befindet sich derzeit auch an anderen Stellen im Wandel – unter anderem ist dort ein neues Mehrfamilienhaus geplant. Für Aufmerksamkeit zur Neueröffnung sollte ausgerechnet Mois sorgen. Eine Entscheidung, die dem Betreiber innerhalb weniger Tage massive Kritik einbrachte.
Vom Internetstar zur umstrittenen Figur
Mois, mit bürgerlichem Namen Zelemkhan Arsanov, war über Jahre eine bekannte Größe der deutschsprachigen YouTube- und Rap-Szene. Seit 2017 baute er sich mit Videos über Deutschrap eine enorme Reichweite auf, arbeitete mit bekannten Musikern zusammen und wurde zeitweise von mehr als einer Million Menschen in den sozialen Netzwerken verfolgt.
Von diesem Image ist wenig geblieben. Insbesondere 2024 geriet Arsanov wegen seines Verhaltens gegenüber seiner damaligen Ehefrau Anys massiv in die Kritik. Sie erhob schwere Vorwürfe gegen ihn und berichtete unter anderem von jahrelanger körperlicher und psychischer Gewalt, Freiheitsberaubung und einem versuchten Tötungsdelikt.
Zumindest die Gewalt gegen seine Frau räumte Mois selbst öffentlich ein. In einem viel beachteten Interview bestätigte er, sie geschlagen zu haben, und erklärte sogar, er sei dankbar, sie nicht getötet zu haben. Zudem bezeichnete er seine Frau öffentlich als sein „Eigentum“ und verlangte ihre Rückkehr. Medien dokumentierten weitere massive Drohungen gegen sie. Damit nicht genug: Mois veröffentlichte nach Medienberichten private Informationen, beleidigte seine Ex-Frau öffentlich und setzte schließlich ein „Kopfgeld“ auf sie aus. Gegen ihn wurden Strafverfahren wegen Bedrohung eingeleitet. Seine Ex-Frau und die gemeinsamen Kinder erhielten nach Medienberichten Polizeischutz.
Frauenverachtung und Antisemitismus
Die Kritik an Mois beschränkt sich deshalb längst nicht auf persönliche Auseinandersetzungen innerhalb der Rap-Szene. Seine öffentlichen Auftritte waren wiederholt von frauenverachtenden Äußerungen geprägt. In Streams erklärte er beispielsweise, eine Frau sei für Küchenarbeit da. Gleichzeitig äußerte er sich im Zusammenhang mit dem Rapper Sun Diego antisemitisch. Die Polizei in Nürnberg leitete seinerzeit Ermittlungen ein.
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk widmete dem Aufstieg und Absturz des einst erfolgreichen Internetstars inzwischen sogar einen mehrteiligen Dokumentar-Podcast. Der RBB beschreibt darin einen früheren YouTube-Star, dessen Auftreten zunehmend von Vorwürfen häuslicher Gewalt, Drogenmissbrauch, psychischer Manipulation sowie frauenverachtenden und antisemitischen Äußerungen bestimmt wurde.
Vor diesem Hintergrund sorgte die Ankündigung, Mois ausgerechnet zu einer Geschäftseröffnung auf der Limmerstraße einzuladen und damit öffentlich als Werbefigur einzusetzen, in Linden für erheblichen Unmut.
Protest formiert sich in Linden-Limmer
In den sozialen Netzwerken verbreitete sich die Nachricht schnell. Auch in der Facebook-Gruppe von Punkt-Linden wurde heftig über die Einladung diskutiert. Nutzer riefen unter anderem dazu auf, das neue Restaurant zu boykottieren.
Parallel wurde eine Online-Petition unter dem Titel „Für unser friedliches Linden“ gestartet. Darin wird ausdrücklich auf die Gewaltvorwürfe sowie die frauenfeindlichen und antisemitischen Äußerungen des Rappers verwiesen. Die Initiatoren fordern, dass Linden ein „offener, vielfältiger und friedlicher Ort“ bleiben müsse. Bis Montag hatten bereits mehr als 1900 Menschen die Petition unterschrieben.
Link zur Petition: „Für unser friedliches Linden“
Auch Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube findet für den geplanten Auftritt deutliche Worte. Gegenüber Punkt-Linden bringt er seine Kritik knapp auf den Punkt: „Falscher Ort, falscher Inhalt.“
Der Protest blieb allerdings nicht auf Diskussionen und eine Petition beschränkt. Die Fensterfront und Teile der Fassade des neuen Restaurants wurden großflächig mit Graffiti beschmiert. Zu lesen sind unter anderem Parolen wie „Fuck Mois“ und „Antifa“. Selbst am gegenüberliegenden Gebäude wurde „Kein Platz für Täter“ aufgebracht.
Betreiber räumt Fehler ein
Inzwischen hat Betreiber Saman Hosseinzadeh die Reißleine gezogen. Gegenüber der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ erklärte er, man habe sich nicht ausreichend mit der Vergangenheit des eingeladenen Gastes beschäftigt.
„Ich habe mit dieser Einladung Menschen in Linden verletzt, das war nicht mein Ziel“, sagte Hosseinzadeh. Er habe ein „ehrlich schlechtes Gewissen“. Mois sei deshalb ausgeladen worden. Gleichzeitig distanziert sich der Betreiber nun ausdrücklich von dem Rapper: „Es war mein Fehler. Ich hätte mich besser informieren müssen.“
Die zuvor veröffentlichten Werbevideos mit Mois sind inzwischen vom Instagram-Auftritt von „Bang Bang Hannover“ gelöscht.
Auch Reaktion auf Kritik sorgt für Ärger
Allerdings muss Hosseinzadeh nicht nur die ursprüngliche Einladung erklären. In Linden kursierte anschließend die Darstellung, er habe auf erste Kritik unter anderem sinngemäß mit „Ich fick auf Linden“ und einer abfälligen Bemerkung über die Antifa reagiert. Der Betreiber bestreitet die grundsätzliche Richtung dieser Aussagen inzwischen nicht. Die Worte seien zwar nicht exakt so gefallen, aber „sehr ähnlich“. Auch dafür entschuldigt er sich. Als er erstmals mit den Vorwürfen gegen seinen angekündigten Gast konfrontiert worden sei, habe er wütend reagiert. „So redet man nicht, das tut mir leid, ich hätte mich lieber gleich informieren sollen“, erklärte Hosseinzadeh.
Damit vollzieht der Betreiber innerhalb weniger Tage eine deutliche Kehrtwende: vom öffentlich beworbenen Auftritt des Rappers über eine zunächst konfrontative Reaktion auf die Kritik bis zur Absage und ausdrücklichen Distanzierung.
Bei einer Entschuldigung allein soll es nach Angaben des Betreibers nicht bleiben. Hosseinzadeh kündigt an, die Einnahmen eines Tages an ein Frauen- oder Antigewaltprojekt zu spenden – und zwar noch im September. Dies geschehe nicht aus Angst vor weiteren Auseinandersetzungen, betont er. Vielmehr wolle er Verantwortung für seine Entscheidung übernehmen: Er habe einen Fehler gemacht und wolle zeigen, dass ihm dieser tatsächlich leidtue.
Kommentar: Bewohner haben eine Grenze gezogen
Ob diese Kehrtwende in Linden-Nord ausreicht, um das verlorene Vertrauen wiederherzustellen, dürfte sich erst zeigen. Eines hat der Protest jedoch bereits erreicht: Der geplante prominente Gast wird am Freitag nicht über die Limmerstraße laufen. Aus einer vermeintlich werbewirksamen Einladung zur Neueröffnung ist innerhalb weniger Tage eine Debatte über Gewalt gegen Frauen, Antisemitismus und gesellschaftliche Verantwortung geworden. Die heftigen Reaktionen zeigen zugleich, wie sensibel in Linden-Limmer darauf reagiert wird, wem im Stadtteil eine öffentliche Bühne geboten wird. Dass Mois nun ausgeladen ist, ist zunächst ein Erfolg des zivilgesellschaftlichen Protests. Dabei sollte allerdings zwischen legitimer Kritik, Boykottaufrufen und einer Petition einerseits sowie Sachbeschädigungen andererseits unterschieden werden. Wer gegen Gewalt und Einschüchterung protestiert, kann Beschädigungen fremden Eigentums kaum zum notwendigen Bestandteil dieses Protests erklären.
Ach so nette Kommentare. Frage mich gerade ob Lina nicht auch Rap machen sollte? Hat schon fast etwas von Gewalt mit Gewalt zu begegnen. Ist das besser?
Und man sollte auch mal bei den Tatsachen bleiben, der Laden wird so oder so seine Umsätze machen. Nicht rassistisch gemeint, aber der Laden ist halal und der hat nicht nur gegen Frauen gehetzt… Nun darf bitte jeder nachdenken welches Publikum da garantiert essen wird?
Ach ja, nun kommt mir bitte nicht mit sonderbaren rassistischen Unterstellungen, bin offen schwul und gerade in diesem multikulti Stadtteil Linden wird man oft angefeindet und beleidigt und das sind zu 95% Männer mit Migrationshintergrund. Das bemerkt man auch sonst sehr oft, beim Verhalten gewisser Personen, wo andere Menschen nicht in das Bild dieser Personen passen und ja, Linden ist bunt, aber Linden ist nicht ehrlich. Jetzt hat man einen Punkt, dagegen geht man an, aber sonst? Sonst halten die Menschen brav ihre Klappe.
Achtet doch alle einmal darauf, wer lästert und beleidigt wenn junge Menschen nicht der „Norm“ entsprechen? Also Männer bauchfrei, Nagellack oder ähnliches. Weitere Frage, wer hat dann den Mut etwas zu sagen? Sehr wenige, auch im so bunten Linden.
Und somit warte ich auf die Schlangen vor den Bang Bang und nein, dieses sich entschuldigen und abbitte leisten und plötzlich ganz anders denken. Glaubt das jemand? Die präsentieren sich facebook, insta, usw. und können bei der Google Suche keinen Namen eingeben wo sofort diese Vorwürfe gezeigt werden?
Wer das glaubt, da glaubt auch an den Weihnachtsmann.
Junge wenn der schon mois einlädt kommt dann als nächstes redstein (apored) oder was
Hauptsache Aufmerksamkeit, für so nen Dreck, durch frauenschläger und kriminelle in zig anderen Fällen
Warum ziehen sich eigentlich so viele Menschen Content von solchen Arschlöchern rein?
BTW: So geht Rap: https://www.youtube.com/watch?v=prmQgSpV3fA
Einer dieser kleinen Pisser, die in ihrer Jugend nicht genug von starken Frauen auf die Fresse bekommen haben! This is Linden, baby! Hier bekommst du als Gewalttäter und Frauenhasser keinen Fuß auf die Erde! Den Drecksladen kannst du gleich wieder dicht machen!
Compañera, ¿don’t you think this is a little bit toxic?