
Die Lindener Hafen-Schleuse ist ein wichtiger Bestandteil der Wasserstraßeninfrastruktur im Stadtbezirk Linden-Limmer. Doch nach Informationen, die bislang vom zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Braunschweig nicht offiziell bestätigt wurden, könnte die Anlage zunehmend sanierungsbedürftig sein. Immer wieder komme es zu technischen Störungen und Sperrpausen. Auch umfangreichere Reparaturarbeiten hätten in der Vergangenheit Auswirkungen auf den Schiffsverkehr zum und vom Lindener Hafen gehabt oder diesen zeitweise vollständig verhindert.
Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube hat die Entwicklung nun zum Anlass genommen, eine Anfrage an die Stadtverwaltung zu richten. Er möchte wissen, wie es um die Funktionalität der Schleuse tatsächlich bestellt ist und welche Perspektiven es für die Anlage gibt.
Sanierung oder Neubau?
Im Zentrum der Anfrage steht zunächst der bauliche Zustand der Lindener Hafen-Schleuse. Grube fragt, ob eine grundlegende Sanierung erforderlich ist oder die Anlage möglicherweise sogar als abgängig angesehen werden muss. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob ein Neubau notwendig werden könnte.
Dabei verweist der Bezirksbürgermeister auf ältere Überlegungen aus den Jahren 2006 und 2008. Sollten sich größere Baumaßnahmen als notwendig erweisen, könnte möglicherweise auf frühere Planungen zurückgegriffen werden.

Wirtschaftlichkeit spielt eine entscheidende Rolle
Gleichzeitig steht jede mögliche Investition unter einem erheblichen wirtschaftlichen Vorbehalt. Nach Angaben in der Anfrage wird die Schleuse derzeit lediglich von etwa ein bis zwei Schiffen, überwiegend Tankschiffe, pro Woche genutzt. Angesichts dieser vergleichsweise geringen Nutzung stellt sich die Frage, ob sich millionenschwere Investitionen in eine umfassende Sanierung oder einen Neubau überhaupt rechtfertigen lassen.
Grube möchte deshalb von der Stadtverwaltung wissen, bis zu welcher Höhe Investitionen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten noch vertretbar wären. Umgekehrt stellt sich die Frage, ab welchem finanziellen Aufwand der Erhalt der Schleuse nicht mehr wirtschaftlich wäre.
Droht eine endgültige Schließung?
Besonders weitreichend wäre eine Entscheidung, die Schleuse bei einer festgestellten Unwirtschaftlichkeit ersatzlos zu schließen. Auch dieses Szenario greift der Bezirksbürgermeister in seiner Anfrage auf.
Eine Schließung hätte unmittelbare Folgen für die Unternehmen und Verkehre, die den Lindener Hafen weiterhin über den Wasserweg erreichen. Welche Auswirkungen ein Wegfall der Schleuse konkret auf die verbliebenen Transporte hätte und ob alternative Transportmöglichkeiten zur Verfügung stünden, soll nun ebenfalls geprüft werden.
Nun bleibt abzuwarten, welche Erkenntnisse die Stadtverwaltung vorlegen kann – und welche Informationen sie beim zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt einholen wird. Erst dann dürfte sich genauer beurteilen lassen, ob der Lindener Hafen auch künftig über eine funktionierende Schleusenverbindung verfügen wird.
Die Anfrage wirft damit eine grundsätzliche Frage über die Zukunft des Lindener Hafens auf: Welche Bedeutung soll der Gütertransport auf dem Wasserweg künftig noch haben? Die Antworten der Verwaltung dürften deshalb nicht nur für den technischen Zustand der Schleuse von Interesse sein, sondern auch für die langfristige Entwicklung des Hafenstandorts insgesamt.
Nun bleibt abzuwarten, welche Erkenntnisse die Stadtverwaltung vorlegen kann – und welche Informationen sie beim zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt einholen wird. Erst dann dürfte sich genauer beurteilen lassen, ob der Lindener Hafen auch künftig über eine funktionierende Schleusenverbindung verfügen wird.
Zusammenfassung der Anfrage mit Antworten
Hier noch einmal die Fragen von Rainer Grube an die Verwaltung:
- Ist die Lindener Hafenschleuse grundreparaturbedürftig bzw. sogar abgängig und ist eventuell sogar ein Neubau erforderlich und würden dazu alte Planungen (aus 2006/8) aufleben?
- Bis zu welcher Höhe wären Investitionen bei wirtschaftlicher Betrachtung (angesichts des geringen Schiffsverkehrs) vertretbar / nicht vertretbar?
- Könnte es bei einer Unwirtschaftlichkeit zur ersatzlosen Schließung der Schleuse kommen und welche Folgen hätte das dann für die verbliebenen Verkehre im Lindener Hafen?
Darauf kamen folgende Antworten von der Stadtverwaltung:
zu 1.:
Die Schleuse zum Stichkanal Lindener Hafen wird von dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mittellandkanal / Elbe-Seitenkanal (WSA MLK / ESK) betrieben. Aus Gesprächen mit der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) ist bekannt, dass eine schwierige bauliche Situation vorliegt und ein Neubau der Schleuse aus haushalterischen Erwägungen abgelehnt wird (Stand 2025). Aktuell ist die Funktionsfähigkeit der Schleuse gegeben. Weiterhin gibt es die Zusicherung des WSA MLK / ESK, dass die Schleuse bis 2031 so instandgehalten wird, dass die Zufahrt von Schiffen in der derzeitigen Größe möglich ist.
zu 2.:
Die Verwaltung hat keine Kenntnis über die Höhe möglicher Investitionen des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mittellandkanal / Elbe-Seitenkanal (WSA MLK / ESK).
zu 3.:
Ob es definitiv zu einer ersatzlosen Schließung der Schleuse kommen wird, kann die Verwaltung nicht abschätzen. Die Verwaltung setzt sich dafür ein, dass der Lindener Hafen seine Funktion nicht verliert. Der Lindener Hafen ist ein wichtiger Logistik- und Industriestandort. Vor allem die Kombination aus Hafen- und leistungsstarker Bahnlogistik sichert die regionale Versorgung. Eine Wirtschaftlichkeit wird auch durch den vorliegenden Branchenmix (Logistik, Recycling, Baustoffe, Getreide/Umschlag, ansässige mittelständige Industrie- und Handwerksbetriebe) verstärkt.
Da stimme ich Martin zu.
Der Lindener Hafen ist immer noch ein wichtiger Umschlagplatz für Linden.
Raubt doch Linden die Wirtschaft nicht. Die sollte man auch aufgrund der Arbeitsplätze eher fördern, als sie abzubauen.
Das ist nicht unbedingt meine Aussage. Ich finde es nur befremdlich, irgendwelche Aussagen zu Sinn und Unsinn des Hafens aufgrund persönlicher Gefühlslagen getroffen werden, ohne sich mal die Zahlen genauer anzuschauen und Pros und Cons abzuwägen. Mal ganz abgesehen, von der Rechtslage und deren politischer Bedeutung.
Die geringen Transportmengen, die mit ein bis zwei Schiffen pro Woche den Hafen erreichen, könnten auch über die Schiene transportiert werden. Die Infrastruktur der Hafenbahn ist gut, Gleisanschlüsse sind vorhanden. Das Geld für Reparatur oder Neubau der Schleuse – egal aus welchem Topf es kommt – stammt vom Steuerzahler, also von uns allen, und könnte eingespart werden. Ebenso könnte viel Geld bei der Erneuerung der abgängigen Straßenbrücken Wunstorfer Straße und Eichenbrink eingespart werden, wenn endlich einmal rechtzeitig die richtigen Entscheidungen getroffen werden, nämlich den Schiffsbetrieb zum/vom Lindener Hafen aufzugeben. Jetzt.
👏👏👏
“ Stimme dem genauso zu „
Bei ein bis zwei Schiffen pro Woche sollte man/frau überlegen, ob das Ganze noch rentabel ist und vielleicht den Lindener Hafen zum Wohnen und Arbeiten umwidmet, so, wie es andere Städte vormachen. Außer Schrottplätzen und ein Öllager gibt es dort nichts mehr. Der Getreidesilo von Union von 1941, der leider nicht denkmalgeschützt ist, steht schon seit 15 Jahren leer. Es gibt viel Brachland und Bahnwaggons habe ich dort auch noch nie gesehen. Die Krähne sind stumme Zeugen einer vergangenen Epoche. Alles spricht für eine Umnutzung.
Sicherlich steht die Frage im Raum, ob der Schiffsverkehr im Hafen und damit dessen Betrieb wirtschaftlich sinnvoll sind. Daneben steht eben die verkehrspolitische Frage, was passiert, wenn dort keine Schiffe mehr fahren. Die subjektiv bewertet wenigen Schiffe bringen pro Jahr viele tausend Tonnen Treibstoffe, die nach Hannover müssen. Ebenfalls zu überlegen ist die Frage, ob man auf die Arbeitsplätze bei den betreffenden Unternehmen verzichten möchte. Entscheidungen zur Zunkunft sollten auf fundierten Daten fußen. Das ist nichts, was man nach Gefühlslage entscheiden sollte.
Vielleicht hat ja Punkt-Linden Lust, mal bei der Wasserstraßen und Schifffahrtsverwaltung Daten zum Schiffsverkehr zu erfragen. Die könnte man dann auch mal mit den Angaben des städtischen Eigenbetriebs Städtische Häfen abgleichen. Da stand ja auch mal so eine Gefühlslage im Raum, dass die veröffentlichten Zahlen teilweise ein bisschen hübsch gefönt werden.
Beim Begriff Lindener Hafen muss man übrigens genau sein. Der allergrößte Teil des Gewerbegebiets „Lindener Hafen“ auf der Westseite des Kanals wird aktiv gewerblich genutzt.
Mit der Schleuse hat das aber alles wenig zu tun. Diese ist Teil eines Bundeswasserstraße und die muss der Bund gemäß Bundeswasserstraßengesetz benutzbar halten. Wenn die Bundeswasserstraße entwidmet werden soll, muss dazu in Berlin ein Gesetz gemacht werden. Und das passiert garantiert nicht. Entsprechend gehe ich davon aus, dass das WSA MLK-ESK die Schleuse irgendwie mit Tüddeldraht und Silikonmumpe in Betrieb halten wird, bis sie komplett auseinander bröselt. Und dann baut man eben eine Neue.
Letztlich sollte man sich aber auch bewusst sein, dass wir Kommunalwahlkampf haben. Das Thema Lindener Hafen wird von der Politik hier immer mal wieder aus dem Hut gezaubert, wenn den Akteuren wirklich gar nichts anderes mehr einfällt, über das man herumlabern kann.
Die Kräne werden übrigens dann genutzt, wenn Schrott geladen wird. Wenn sie nicht gerade von Kupferdieben geschlachtet werden. Der vor wenigen Jahren modernisierte Kran Nr. 3 wurde unlängst erheblich beschädigt.
…“Nach Angaben in der Anfrage wird die Schleuse derzeit lediglich von etwa ein bis zwei Schiffen, überwiegend Tankschiffe, pro Woche genutzt.“…
…“Eine Schließung hätte unmittelbare Folgen für die Unternehmen und Verkehre, die den Lindener Hafen weiterhin über den Wasserweg erreichen. „…..
Was denn nun? Fahren wöchentlich nur 2 Frachtschiffe oder doch noch weitere Schiffe durch die Schleuse?
Das ist kein Widerspruch. Könnten die Tanker den Kanal nicht mehr befahren, müsste die VARO Energy Tankstorage GmbH sämtliche Kraftstoffe per Bahn herankarren. Dabei ist fraglich, ob die Bahn-Entladeanlage des Varo Tanklagers mehr als einen täglichen Zug abfertigen könnte. Tankschiffe sind hier relativ häufig zu sehen, mit einer gewissen Abhängigkeit zu den Treibstoffpreisen.
Auch die beiden Schrotthändler NRH-Norddeutsche Rohstoffhandelsgesellschaft mbH und TSR Deutschland GmbH & Co. KG hätten wohl erhebliche Probleme, ihren Schrott abzutransportieren, wäre der Kanal nicht befahrbar. Zwar verfügen beide über Gleisanschlüsse, aber der Aufwand zum Verladen auf Wagons oder LKW wäre ungleich größer. Auf die hier verkehrenden Binnenschiffe können 1300 bis 1400 Tonnen Schrott geladen werden. Das sind pro Schiff 56 bis 70 LKW.
Universal Eisen und Stahl GmbH wird gelegentlich per Schiff beliefert. Ob die gelieferten Stahlplatten ob ihrer Größe überhaupt per Bahn oder Straße geliefert werden könnten, kann ich nicht beurteilen.
Rein subjektiv ist im Lindener Hafen nicht viel Verkehr. Aber der ist für die besagten Unternehmen essenziell. Wollte man zur Bedeutung des Hafens und damit zur Schleuse wirklich fundierte Aussagen machen, müsste man die Verkehre mal mit einem Daten-Dienst wie marinetraffic.com auswerten.
Wer weiß, wozu dieser Abschnitt noch wichtig werden könnte, Gleise sind einfacher zu sabotieren.
hält noch 50 Jahre!!! man findet Dreck in der kleinsten Ecke…LG