
Die sogenannte Drägerwiese am Alten Lindener Rathaus in Linden-Süd soll feste Aufenthaltsfläche für mehrfachabhängige Menschen bleiben. Mit einem einjährigen Pilotprojekt aus mobiler Sozialarbeit, vierteljährlichen Dialogen mit der Anwohnerschaft und einer Stärkung der Kontrollen von Polizei und Ordnungsdienst will die Stadt laut Oberbürgermeister Belit Onay beiden Gruppen ein „akzeptierendes Nebeneinander“ ermöglichen. Er warb um Geduld und versicherte, die Anliegenden „nicht allein zu lassen mit ihren Sorgen“. Beim öffentlichen Dialog im voll besetzten Ratssaal am Lindener Markt konnte die Stadtspitze aber noch nicht überzeugen. Auf die Sozialarbeiter, die ab Ostern vor Ort sein wollen, warten daher sehr große Herausforderungen.
Seit 2012 ist Linden-Süd im Fokus
Die schwierige Situation rund um die Methadon-Ausgabepraxis im Alten Lindener Rathaus an der Deisterstraße ist seit 2012 Stadt und Politik bekannt. Den Anstieg Methadon-Abhängiger begründete der damalige Drogenbeauftragte der Stadt laut einem Artikel der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung mit der zu geringen Anzahl an Ärzten, die den Heroin-Ersatzstoff ausgeben würden. Stadt und Region stünden deshalb mit der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) im Dialog. Dieses Argument brachte nun auch Bruns vor: „Wir haben zu wenig Nachwuchs in der Substitutionsmedizin und führen Gespräche mit der KVN wegen der Bedarfsplanung.“
Argumentation der Stadt
„Wir wollen die Menschen erreichen und eine Zersplitterung in den Stadtteil verhindern“, begründete Sozialdezernentin Sylvia Bruns die Entscheidung der Stadt für die Grünfläche an der Deisterstraße Ecke Ricklinger Straße. Einen unmittelbaren Zusammenhang mit der Neugestaltung des Raschplatz schloss sie ebenso aus wie Ordnungsdezernent Dr. Axel von der Ohe und Onay. „Wir können anhand der Ausweise der Praxisbesuchenden sagen, dass die meisten Menschen aus Linden und der näheren Umgebung kommen“, sagte der Oberbürgermeister. Bruns wies auf die geringe Zahl an Methadon-Ausgabestellen hin. Von der Ohe zeigte sich überzeugt von dem neuen integrierten Ansatz. „Es geht nicht um Eventisierung, sondern darum, klare Gründe für den Aufenthalt dort und die Regeln für den Umgang festzulegen.“ Die Stadt habe die Präsenz von Polizei und Ordnungsdienst in Linden-Süd seit September erhöht. Im Januar waren wir 60 Mal dort und haben auch Platzverweise ausgesprochen. Er sei offen für eine Videoüberwachung, wenn die Drägerwiese ein Kriminalitätsschwerpunkt sei. Allen müsse aber klar sein, dass sich in Hannover jede Person auf öffentlichen Plätzen aufhalten könne, solange sie sich nicht strafbar mache, betonte Onay.
Anwohner bleiben kritisch

Die Anwohnenden griffen das Gesprächsangebot über die geplanten präventiven sozialen Angebote auf, zeigten sich aber wenig überzeugt. Zu lange habe die Stadt nichts unternommen. „Wir haben nichts gegen die Ausgabe-Praxis, aber seit zweieinhalb Jahren ist die Situation nicht mehr hinnehmbar“, sagte etwa Ellen Hartmann. Eine andere Anwohnerin sprach von rund 350 Abhängigen täglich. Großmutter Heike Mönninghof ärgert sich, weil sie ihren Enkel nicht mehr unbesorgt zum Spielen an die Ihmeauen lassen kann, weil in den Büschen Spritzen lägen. Vor den Folgen einer besseren Beleuchtung des Areals warnte eine Mutter. „Ich befürchte, dass sich die Szene dann in die Gebüsche an der Ihmeaue bis zum Skaterpark verlagert.“ Ein Vater berichtete, seine beiden Töchter erst dann aus dem Haus zu lassen, wenn er sicher sei, dass keine Personen auf der Straße seien. In der teilweise sehr kritischen Diskussion zeigten sich auch Meinungsverschiedenheiten zwischen den Anliegenden und Dr. Reza Nasseri, Inhaber der Substitutionspraxis. Seine Beteuerung, die Praxis sei Teil der Lösung, nicht des Problems, blieb unkommentiert. CDU-Bezirksratsherr Michael Klenke ärgert sich, dass es bis heute keine Reaktion auf einen Antrag zur Einrichtung einer Ambulanz im Krankenhaus Siloah aus dem Mai 2025 gegeben hat.
Drei Tage vor Ort

An drei Tagen der Woche zwischen 12 – 15 Uhr sollen ab Ostern (Drogenbeauftragter Frank Woike) Sozialarbeiter der Stadt und der Beratungsstelle „La Strade“ an der Drägerwiese präsent sein, um mit den Menschen Kontakt aufzunehmen und weiterführende Hilfen wie etwa die Wohnungssuche zu organisieren. Der Ort soll zudem besser beleuchtet und die Einsehbarkeit durch regelmäßigeren Rückschnitt der Büsche verbessert werden. „Mit den Anliegenden planen wir während der Projektphase vierteljährliche Gespräche“, kündigte Woike an. Er warb wie auch die beiden städtischen Straßensozialarbeiter um „ausreichend Zeit“.
Ist das Problem doch lösbar?
„Das Grundproblem kann ich nicht lösen. Uns macht vor allem der zunehmende Crack-Konsum Sorgen, denn dafür gibt es noch keinen Ersatzstoff. Viele dieser Menschen sind zudem besonders von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen“, bedauerte Bruns. Die Stadt stehe im engen Austausch mit Hamburg und Frankfurt, die ähnliche Problemlagen hätten. Aber bislang gebe es für Kokain kein zugelassenes Substitutionsmedikament, das das Verlangen zuverlässig dämpft und gleichzeitig gesundheitlich weniger belastend wäre.
Vielleicht kommt aus Köln bald eine ermutigende Botschaft. Die Stadt Köln will nach Berichten von Radio Köln an einem Modellprojekt zur Ausgabe von Crack-Ersatzstoffen teilnehmen. Das Gesundheitsamt hatte im Juni 2025 angeregt, Mittel, die eigentlich für die Behandlung von ADHS vorgesehen sind, zu testen. Auch Bremen ist an einer Teilnahme interessiert. Nach einem Bericht des Weser Kuriers könnte der Start einer bundesweiten Beobachtungsstudie in diesem Jahr sein.
jou…
zu „hellerer BELEUCHTUNG“🌞
und „🌳KAHLSCHNiTT der büsche🌲“
würde ich noch:
„grössere MÜLLEiMER“ und
„mehr BESEN“ empfehlen,
denn das hat ja auch schon gegen das
„laute limmern“ geholfen…!!! 🤥🤣
der 🤑1,6 millionen €🤑
teure SKATER-SPORTPARK
wird dann nach dem
GODEHARDiSTiFT – NEUBAU
die neue ausweichfläche für die DRÄGERWiESE werden…👍🙄
und das alles hat natürlich auch gaaarnix
mit der RASCHPLATZ-neugestaltung
und der EiNZÄUNUNG des JUSTiZviertels
zu tun…🤥🤣
F R A G E :
wie kann man durch AUSWEiS-KONTROLLEN der substituierten daraus schliessen, dass die besucher der DRÄGERWiESE alles „LiNDENER mit festem wohnsitz“ sind…??? 🤔🤔🤔🤔🤔🤔🤔🤔🤔🤔🤔🤔🤔🤔🤔🤔
denn:
die meisten (!) subtituierten nehmen in der arztpraxis doch nur ihr medikament ein und gehn wieder…
deshalb sind auf der DRÄGERWiESE
hauptsächlich (!) nur die DEALER vom RASCHPLATZ anzutreffen…😉
Was mir leider fehlt ist die Erarbeitung oder Feststellung der Veränderungen in den letzten 10 Jahren an den Drägerwiesen. Warum eskaliert die Situation dort? Suchtkranke Menschen dringen am hellichten Tag in Häuser ein um Sachen zu klauen die sie für ihre Sucht verkaufen können (Aktenzeichen liegt vor).
Vielleicht könnte das Trio Onay, Dr. von der Ohe und Bruns mal ihre Hausaufgaben machen und ergebnisoffen diskutieren was denn die Pull Faktoren für den Brennpunkt Drägerwiesen sein könnten?
Frau Bruns hatte ja auch in der Sitzung bestätigt, dass die Zulassung der Praxis von Dr. Naziri in dem Zeitraum x um fast 100% erhöht wurde (auf 350). Ob man diskutieren darf ob es da einen Zusammenhang gibt?
Wenn noch weitere Praxen erforderlich werden, weil die Zahl der Abhängigen steigt, steigt dann auch die Zahl der Konsumflächen weiter an?
Die Installation von Beleuchtungen vor Ort hört sich erstmal gut an. Jedoch wird sie, wenn sie ihren Zweck erfüllt, wohl leider zu einem neuen Nutzungskonflikt im Skaterpark führen. Dieser ist im Sommer auch gerne besucht von Familien mit nicht schulpflichtigen Kindern.
Im Umkreis von 5 km gibt es 49 Ärzte/ Anlaufstellen für eine Substitution.
Wer natürlich die Regeln bricht, muss sich einen anderen Arzt suchen und kann nicht weiter in unmittelbarer Nähe behandelt werden. Am Wochenende muss auch eine andere Stelle aufgesucht werden. Wer sich dauerhaft an die Regeln hält, braucht nur zum Rezept abholen in die Praxis und bekommt die Wochenration mit nach Hause.
Viele haben noch einen Beikonsum, für den sie auch andere Strecken in Kauf nehmen.
Es gibt kein Argument dafür, warum die Fläche zusätzlich freigegeben werden soll. Ein Kampf GEGEN die Drogen wäre das richtige Ziel und nicht FÜR den „kontrollierten“ Konsum.
Wenn noch weitere Praxen erforderlich werden, weil die Zahl der Abhängigen steigt, steigt dann auch die Zahl der Konsumflächen weiter an?
Sorry, aber es gibt in ganz Hannover keine 49 Substi-Praxen.
ich habe fuer derlei Nichtstun kein Verstaendnis.
Entwederbis das verboten, dann muss man es ahnden.
was bringt ihr euren Kindern bei?
Das Problem sind vor allem die Dealer und „Deals“ im Umfeld der Praxis. Da werden direkt vor der Praxis Pillen und Pülverchen getauscht und die Dealer haben ne Verteilerkette von der Praxis bis zur Bahn.
Kann man aus dem Fenster beim Frühstückskaffee hervorragend beobachten.
und ja, sicher fühlen ist anders, vor allem wenn dann Streit zwischen den Leuten ausbricht. Allerdings hab ich in den 5 Jahren die ich hier lebe maximal Fragen nach Geld erlebt (nicht aggressiv) und Ärger machen sich die Leute idR untereinander. Ich denke sie wissen auch, was sie an der Praxishaben.
Die Stadtspitze bittet um „ausreichend“ Zeit – da kann ich nur sagen: diese Zeit gab es! Wir sind als Anwohnende seit gut 2 Jahren mit der Stadtspitze in sehr regelmäßigem Austausch, das sollte eigentlich Zeit genug sein. Wir haben immer wieder Gesprächsangebote auch hins. Ideen zur Verbesserung der Situation gemacht, leider wurden diese nie ernsthaft angenommen.
Die geplanten Maßnahmen sind eine Farce – zudem auch nichts Neues. Sozialarbeit gab es vorher auch schon und sogar Herr Woike hat zugestimmt, dass die meisten Menschen, die die Drägerwiese aufsuchen, einen festen Wohnsitz haben.
Es wird also wieder, insbesondere wenn das Wetter besser wird, erneut zu vielen Straftaten auf und um die Drägerwiese kommen.
Und darum geht es (nicht um den reinen Aufenthalt, wie ja immer gern von den Verantwortlichen behauptet wird): offener Drogenkonsum, Prostitution, Schusswaffen, Einbrüche, Diebstahl etc. Das werden auch 9h Sozialarbeit/Woche (minus Urlaub/Krankheit/Feiertage) nicht verhindern.
Das weiß auch die Stadt – leben müssen wir Anwohnende damit, insbesondere Kinder und Ältere.
Da fragt man sich doch, warum sich Hannover nicht auch um die Teilnahme an dem Modellprojekt bemüht hat, wenn es doch von der Stadtspitze als wichtig angesehen wird.
Sofern man sich beworben hat und nicht ausgewählt wurde, bliebe die Fragen, was den Köln und Bremen besser gemacht haben in ihrer Bewerbung.
Einen Focus auf die Problematik hatte man allem Anschein ja nicht wirklich.
Aber zur Sache: Wie Dr. Naziri ausgeführt hat, kommen täglich Menschen in seine Praxis, die dort ihre Substitutionsmittel erhalten. Dass dann nur an drei Tagen in der Woche und nur für drei Stunden eine Unterstützung auf der Dragerwiese vorhanden ist, widerspricht mathematischer Logik.
Wahrscheinlich verlagert sich allerdings das Problem von selbst, wenn der Parkplatz mit dem neuen Godehardi-Stift belegt und der Stadtteilpark ausgeweitet wird. Wie es dann weitergeht, hat wahrscheinlich erst die nächste Stadtregierung zu entscheiden. Man darf gespannt bleiben.