Westschnellweg: Bündnis fordert Erhalt der Bäume und Sanierung im Bestand

Die Initiative WESTprotest und mehrere Umwelt- und Verkehrsverbände erhöhen den Druck auf die niedersächsische Landesregierung. In einem offenen Brief fordern sie, eine Sanierung des Westschnellwegs im Bestand ernsthaft prüfen zu lassen. Damit könnten nach Auffassung der Initiativen zahlreiche Bäume erhalten, die Bauzeit deutlich verkürzt und Kosten reduziert werden.

Der Brief wurde am Mittwoch, 9. September, bei einer Versammlung vor dem Niedersächsischen Landtag an Abgeordnete von CDU, Grünen und SPD übergeben. Unterzeichnet haben ihn neben WESTprotest unter anderem BUND, VCD, ADFC, FUSS e.V., Fridays For Future Hannover, Umweltzentrum Hannover, Hannover unterwegs und die BI Wasserstadt Limmer.

Kritik an bisherigen Planungen

WESTprotest kritisiert, dass die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) weiterhin einen umfangreichen Umbau des Westschnellwegs plane. Die Initiative befürchtet dadurch den Verlust eines großen Teils des Baumbestandes sowie jahrelange Belastungen für die angrenzenden Stadtteile.

Das Bündnis verweist zugleich auf die Empfehlungen des Bürgerrates zum Westschnellweg. Dieser hatte unter anderem gefordert, Klimaziele und Naturschutz zu berücksichtigen, keine zusätzlichen Flächen für den Autoverkehr zu beanspruchen sowie den öffentlichen Nahverkehr, Fuß- und Radverkehr zu stärken.

Nach Ansicht der Initiativen könnte eine Sanierung im Bestand einen großen Teil dieser Anforderungen erfüllen. Nun soll die Landesregierung darauf hinwirken, dass diese Alternative von der NLStBV ernsthaft untersucht wird.

Offener Brief im Wortlaut

Hannover, 09.09.2026
Offener Brief an die Abgeordneten demokratischer Parteien des Niedersächsischen Landtags
Konflikt um die Sanierung des Westschnellwegs Hannover

Sehr geehrte Damen und Herren,

als teilnehmende Verbände im „Dialogforum Westschnellweg“ wenden wir uns an Sie, um zu verhindern, dass durch die Sanierung des Westschnellwegs (WSW) in Hannover Linden, Limmer und Herrenhausen in großem Umfang Natur zerstört und der Bezirk Linden-Limmer für viele Jahre mit einer Großbaustelle hoch belastet wird.

Es droht ein ähnliches Desaster wie am Südschnellweg, das verhindert werden kann. Die entscheidenden Weichen werden aktuell im Rahmen der Variantenfindung gestellt. Es drohen Vorfestlegungen wie am Südschnellweg, die später eine anwohner-, umwelt- und klimagerechte Lösung unmöglich machen werden.

Die planende niedersächsische Landesstraßenbaubehörde (NLStBV) lässt bis jetzt nicht erkennen, dass sie das Versprechen des damaligen niedersächsischen Verkehrsministers und heutigen Ministerpräsidenten Olaf Lies umsetzen will: „Am Westschnellweg werden wir es anders und besser machen.“

Öffentlich, im Dialogforum und im persönlichen Gespräch haben leitende Vertreter*innen der Behörde dies deutlich gemacht: „Das Vorgehen der Behörde basiere auf den gleichen planerischen Grundsätzen wie am Südschnellweg.“ (Behördenchefin Julia Fundheller, HAZ, 12.06.2026); der Verlust fast aller Bäume am Westschnellweg ist für die NLStBV eine vorab feststehende Tatsache. (Aussagen im ersten Dialogforum, 06.02.2025).

Ein Bürgerrat wurde beauftragt, Empfehlungen für die Modernisierung des WSW abzugeben.

Zentrale Grundsätze des Bürgerrates WSW sind:

  • Die Klimaziele müssen eingehalten werden, Umwelt und Naturschutz dürfen nicht beeinträchtigt werden.
  • Für den motorisierten Individualverkehr (MIV) dürfen keine zusätzlichen Flächen verbraucht werden.
  • Der MIV muss reduziert und der ÖPNV, Fuß- und Radnetz attraktiver gestaltet werden.
  • Die Belastung der angrenzenden Stadtquartiere durch die Baumaßnahmen muss möglichst gering bleiben.

Die Ergebnisse des Bürgerrates, die Grundlage der Planung sein sollten, bewertet die Behörde in einer Tabelle im Rahmen des Dialogforums überwiegend mit „wird im weiteren Planungsverlauf überprüft“. Die NLStBV sieht sich nicht als Adressatin für die Frage, welchen Beitrag die Sanierung des Westschnellwegs zur Verkehrswende und zum Erreichen der Ziele des Niedersächsischen Klimaschutzgesetzes beitragen kann. (Aussage im persönlichen Austausch, Juli 2026)

Anlass der jetzigen Planungen ist die Sanierungsbedürftigkeit zahlreicher Brücken. Dies nimmt die NLStBV zum Anlass, nach eigenem Ermessen zu entscheiden, dass die gesamte Strecke ausgebaut und für den Autoverkehr optimiert wird. Das Ergebnis wären viele Hundert Millionen Euro Kosten, der weitgehende Verlust an Bäumen und Grünflächen, eine große Belastung der Bewohner*innen von Hannover Linden-Limmer sowie des Autoverkehrs durch mindestens zehn Jahre Bauzeit.

Die Brücken machen jedoch nur 15 % der Gesamtstrecke von vier km aus. Die Alternative zu den Modernisierungs- und Ausbauplänen ist klar: Eine reine Sanierung der Strecke im Bestandsschutz außerhalb der Brücken würde auch die Umsetzung der zentralen Empfehlungen des Bürgerrates möglich machen. Expert*innen sagen uns, dass dies in ungefähr 1,5 Jahren und zu einem Bruchteil der Kosten möglich wäre.

Wir begrüßen, dass SPD und Grüne in ihrem Koalitionsvertrag diesen Punkt folgendermaßen berücksichtigen: „Wir wollen deshalb bei künftigen, vergleichbaren Bauprojekten wie etwa dem Westschnellweg frühzeitig darauf hinwirken, dass Sanierungen im Bestand oder mit geringstmöglichen Eingriffen erfolgen und außerdem die frühen Beteiligungsmöglichkeiten verstärkt nutzen.“

Bis jetzt ist unklar, ob die NLStBV eine Sanierung im Bestand wie oben beschrieben überhaupt ernsthaft prüft.

Bitte setzen Sie sich dafür ein, vermeidbaren Schaden von Natur, Menschen, Klima abzuwenden sowie sparsam und sinnvoll mit Steuergeldern umzugehen.

WESTprotest, BUND Region Hannover, VCD Region Hannover, ADFC Hannover Stadt, FUSS e. V. Ortsgruppe Hannover, Fridays For Future Hannover, Umweltzentrum Hannover, Hannover unterwegs, BI Wasserstadt Limmer extiction rebellion Hannover.

Bildnachweis: WESTprotest

8 Leserkommentare zu „Westschnellweg: Bündnis fordert Erhalt der Bäume und Sanierung im Bestand“

  1. Und in ein paar Jahren stellt man dann fest, dass die Sanierung nur den erforderlichen Neubau verzögert hat und zahlt dann trotzdem – und zusätzlich- den dann nötigen Neubau…

    Antworten
    • Moin
      Jeder der eine Autobahn durch Linden für richtig hält
      Sollte sich die Katastrophe am Südschnellweg in Döhren anschauen
      Und die sind noch nicht fertig. Das zieht dich noch bis Ricklingen.

      Antworten
      • Ich wäre sogar noch für einen Radweg entlang des Schnellweges. Jedes Auto, was über den Schnellweg fährt, fährt nicht durch den Stadtteil und entlastet somit die Anwohner vor Ort. Aber wenn der Durchfahrtsverkehr in den einzelnen Stadtteilen zunehmen soll, dann muss man sich nicht beschweren, wenn dann die Abgase vor der Haustür zunehmen und die Unfallgefahr steigt.

        Die eigene Mobilitätsform ist nicht für alle anderen auch die einzig richtige. Ich selbst nutze hauptsächlich die Öffis und gehe zu Fuß.

        Antworten
          • Dafür fehlt eigentlich heute schon nur eine Brücke über die Badenstedter Straße und die daran anschließenden Wege. Allerdings muss man dann noch diverse Straßen überqueren.

            Problem an dem Vorschlag sind mal wieder die Kosten und wer dafür Aufkommen soll. Für den Südschnellweg gab es bei der ersten Studie auch mindestens einen Eingereichten Entwurf der einen parallel geführten Radweg der sogar Hochwassersicher gewesen wäre.
            Und wird der kommen: Nein, weil die Stadt den nicht bei der Behörde die für den Neu-/Ausbau des SSW verantwortlich eingefordert hat.
            Gut, ganz Sinnig war der auch nicht da er bei Hochwasser nicht von Hemmingen aus zu erreichen wäre ohne über die Brücke (Anne-Stache-Allee) zwischen Wallensteinstr. und Ricklinger Stadtweg zu fahren.

  2. „Baut kein Scheiß!“ Das Motto gefällt mir. „Mensch, Natur und Technik – Eine neue Welt entsteht“, lautete das Motto zur Expo 2000. Ein Vierteljahrhundert später soll vermeidbarer Schaden von Natur, Menschen und Klima abgewendet werden? Klima statt/und/oder Technik!? Was macht das in den Köpfen der niedersächsischen Abgeordneten? Am Ende entscheiden die Technokraten.

    Antworten

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8 Leserkommentare zu „Westschnellweg: Bündnis fordert Erhalt der Bäume und Sanierung im Bestand“

  1. Und in ein paar Jahren stellt man dann fest, dass die Sanierung nur den erforderlichen Neubau verzögert hat und zahlt dann trotzdem – und zusätzlich- den dann nötigen Neubau…

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    • Moin
      Jeder der eine Autobahn durch Linden für richtig hält
      Sollte sich die Katastrophe am Südschnellweg in Döhren anschauen
      Und die sind noch nicht fertig. Das zieht dich noch bis Ricklingen.

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      • Ich wäre sogar noch für einen Radweg entlang des Schnellweges. Jedes Auto, was über den Schnellweg fährt, fährt nicht durch den Stadtteil und entlastet somit die Anwohner vor Ort. Aber wenn der Durchfahrtsverkehr in den einzelnen Stadtteilen zunehmen soll, dann muss man sich nicht beschweren, wenn dann die Abgase vor der Haustür zunehmen und die Unfallgefahr steigt.

        Die eigene Mobilitätsform ist nicht für alle anderen auch die einzig richtige. Ich selbst nutze hauptsächlich die Öffis und gehe zu Fuß.

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          • Dafür fehlt eigentlich heute schon nur eine Brücke über die Badenstedter Straße und die daran anschließenden Wege. Allerdings muss man dann noch diverse Straßen überqueren.

            Problem an dem Vorschlag sind mal wieder die Kosten und wer dafür Aufkommen soll. Für den Südschnellweg gab es bei der ersten Studie auch mindestens einen Eingereichten Entwurf der einen parallel geführten Radweg der sogar Hochwassersicher gewesen wäre.
            Und wird der kommen: Nein, weil die Stadt den nicht bei der Behörde die für den Neu-/Ausbau des SSW verantwortlich eingefordert hat.
            Gut, ganz Sinnig war der auch nicht da er bei Hochwasser nicht von Hemmingen aus zu erreichen wäre ohne über die Brücke (Anne-Stache-Allee) zwischen Wallensteinstr. und Ricklinger Stadtweg zu fahren.

  2. „Baut kein Scheiß!“ Das Motto gefällt mir. „Mensch, Natur und Technik – Eine neue Welt entsteht“, lautete das Motto zur Expo 2000. Ein Vierteljahrhundert später soll vermeidbarer Schaden von Natur, Menschen und Klima abgewendet werden? Klima statt/und/oder Technik!? Was macht das in den Köpfen der niedersächsischen Abgeordneten? Am Ende entscheiden die Technokraten.

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