† Nachruf: Horst Bohne – Ein Leben für die Geschichte Lindens

Horst Bohne, 2022
Horst Bohne, 2022

Mit Horst Bohne verliert Linden einen seiner engagiertesten Chronisten und Zeitzeugen. Der gebürtige Lindener ist am Donnerstag, 15. Oktober 2026, im Alter von 96 Jahren verstorben. Über viele Jahrzehnte beschäftigte er sich mit der Geschichte seines Stadtteils, sammelte historische Dokumente und hielt persönliche Erinnerungen für nachfolgende Generationen fest.

Horst Bohne wurde am 21. Dezember 1929 in Linden geboren. Gemeinsam mit seinen Eltern und seinem Bruder lebte er zunächst in der Steigertahlstraße, später in der Fröbelstraße. Seine Kindheit und Jugend waren eng mit Linden verbunden. Er besuchte zunächst die Schule in der Fröbelstraße, anschließend die Mittelschule am Lindener Berg. Sein Abitur legte er an der damaligen Leibniz-Schule in der Beethovenstraße ab. Nach seiner Schulzeit begann er seine berufliche Laufbahn als Reiseverkehrskaufmann beim Reisebüro Bangemann, zunächst in der Falkenstraße am Schwarzen Bären und später in der List. Das Reisen wurde zu einer seiner großen Leidenschaften. Im Laufe seines Lebens besuchte er zahlreiche Länder und lernte unterschiedliche Kulturen kennen.

1959 heiratete er Brigitte, die ebenfalls beim Reisebüro Bangemann beschäftigt war. Die Trauung fand in der Lindener Martinskirche statt. Nach der Geburt der gemeinsamen Tochter Katja zog die Familie 1961 in die List. Insgesamt hatte Horst Bohne 31 Jahre in Linden-Nord gelebt. Die Verbundenheit zu seinem Geburtsstadtteil blieb jedoch ein Leben lang bestehen.

Erinnerungen an Linden für die Nachwelt bewahrt

Besonders verdient machte sich Horst Bohne durch seine umfangreiche Beschäftigung mit der Lindener Stadtteilgeschichte. Was zunächst mit persönlichen Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend begann, entwickelte sich über die Jahre zu einer umfangreichen dokumentarischen Arbeit.

Seine erste Broschüre über die Jugendjahre in Linden stieß auf große Resonanz und bestärkte ihn darin, weitere Erinnerungen und historische Recherchen zu veröffentlichen. Es folgten zahlreiche Schriften über die Entwicklung Lindens, seine Unternehmen, Einrichtungen und die Lebensbedingungen früherer Generationen. Zu seinen Veröffentlichungen gehören unter anderem die mehrteiligen „Lindener Erinnerungen“, Berichte über die ersten Nachkriegsjahre sowie seine persönlichen Erlebnisse während der Kinderlandverschickung von 1941 bis 1944. Auch die Geschichte seines Bruders Karl-Heinz, der als Soldat den Zweiten Weltkrieg überlebte, hielt er anhand von Feldpostbriefen fest. Überdies befasste sich Bohne mit der Geschichte des Reisebüros Bangemann, dem Lindener Schlachthaus, der Schwanenburg, dem Lindener Berg und dem Bau des Westschnellwegs. Seine Arbeiten verbanden persönliche Erinnerungen mit historischen Dokumenten und eröffneten damit einen besonderen Blick auf die Entwicklung des Stadtteils.

Horst Bohne gehörte zu den Mitgründern des digitalen Stadtteilarchivs Linden-Limmer (DISTA LL) und war Gründungsmitglied des Netzwerks Archive Linden-Limmer. Seine umfangreiche Sammlung umfasst historische Fotografien, Bücher, Broschüren, Zeitungsausschnitte, Filme und Tonaufnahmen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Stadtteil- und Firmengeschichte sowie auf persönlichen Erfahrungen während der nationalsozialistischen Zeit. Ein Teil seiner Arbeiten und zahlreiche Veröffentlichungen sind bis heute über die Sammlung Horst Bohne im digitalen Stadtteilarchiv zugänglich.

Als Zeitzeuge am Schwarzen Bären

Auch im hohen Alter war Horst Bohne bereit, seine Erinnerungen öffentlich weiterzugeben. Einer seiner letzten öffentlichen Auftritte fand am 14. Juli 2022 im Sparkassen-BeratungsCenter am Lindener Markt in der Falkenstraße statt. Unter dem Titel „75 Jahre Rückblick – Der Schwarze Bär im Zeitzeugengespräch“ berichtete er gemeinsam mit Gisela Pape über die Veränderungen rund um den Schwarzen Bären. Beide kannten das Geschäftsleben an der Falkenstraße aus eigener jahrzehntelanger Erfahrung. Der Gesprächsabend führte zurück in die Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg und zeichnete anhand persönlicher Erinnerungen und historischer Fotografien die Entwicklung eines der bekanntesten Plätze Lindens nach. Punkt-Linden berichtete damals über die Veranstaltung.

Reisender, Sammler und begeisterter 96-Anhänger

Neben seiner Leidenschaft für die Geschichte und das Reisen hatte Horst Bohne weitere Interessen. Er sammelte Mineralien, beschäftigte sich mit seinem Kleingarten und war ein großer Freund des Fußballvereins Hannover 96. Bis ins hohe Alter führte er ein weitgehend selbstständiges Leben. Er wohnte allein in seiner Wohnung in der List und blieb geistig bis zuletzt bemerkenswert fit. Lediglich seine zunehmende Schwerhörigkeit erschwerte die Kommunikation. Telefonate waren deshalb zuletzt nicht mehr möglich. Die letzten Wochen seines Lebens verbrachte Horst Bohne im Pflegeheim Domizil List am Mengendamm, wo er am 15. Oktober verstarb.

Sein Wissen bleibt erhalten

Mit Horst Bohne ist ein Mensch verstorben, der nicht nur selbst einen großen Teil der neueren Lindener Geschichte miterlebt hat, sondern sich auch mit außergewöhnlichem Engagement dafür einsetzte, diese Geschichte zu bewahren. Seine Erinnerungen an das alte Linden, seine sorgfältig zusammengetragenen Dokumente und seine zahlreichen Veröffentlichungen werden auch künftig eine wertvolle Grundlage für alle sein, die sich mit der Vergangenheit des Stadtteils beschäftigen.

Horst Bohne hat Linden nicht nur erlebt. Er hat dafür gesorgt, dass vieles davon nicht in Vergessenheit gerät.

Bildnachweis: Stefan Ebers

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