Limmerquartier: Meravis organisiert Fertigstellung jetzt selbst

Im Neubauprojekt Limmerquartier stehen viele Wohnungen leer
Im Neubauprojekt Limmerquartier der Wohnungsbaugesellschaft meravis an der Kesselstraße stehen viele Wohnungen leer

Im Winter ruhten zum Jahreswechsel wochenlang die Bauarbeiten, nun sind sie unter Eigenregie des Bauherren meravis wieder aufgenommen worden. Handwerker und Bewohner hatten gegenüber Punkt-Linden „Planungsfehler“ als Grund des Stillstands genannt und von „Pfusch am Bau“ gesprochen. Berichtet wurde etwa von falsch verlegten Versorgungsleitungen, die Aufbrüche des bereits fertiggestellten Boden-Estrichs erforderlich machten, von feuchten Kellern, von einer unter Wasser stehenden Tiefgarage und von mangelnder Barrierefreiheit der Zugänge.

Meravis möchte das Quartier „zügig und qualitätsgerecht“ fertigstellen

Wie Punkt-Linden jetzt erfuhr, hat meravis inzwischen aufgrund der zahlreichen Baumängel die Notbremse gezogen und sich von dem Generalunternehmer Lenz Häuser GmbH getrennt. Ein überfälliger Schritt „um das Projekt aus der festgefahrenen Situation zu lösen und die Fertigstellung selbst zu organisieren“, teilt Unternehmenssprecher Jörg Schreiber nun mit.

„Uns ist bewusst, dass das Projekt im Stadtbezirk Linden-Limmer auf großes öffentliches Interesse stößt. Unser Fokus liegt darauf, das Quartier nun qualitätsgerecht, wirtschaftlich stabil und möglichst zügig fertigzustellen, um dringend benötigten Wohnraum in Hannover bereitzustellen“, so meravis auf Anfrage von Punkt-Linden. Ziel sei es, die noch ausstehenden Wohnungen nun schrittweise fertigzustellen.

„Erhebliche Probleme in der Projektabwicklung“ werden eingeräumt

Die meravis Wohnungsbau- und Immobiliengesellschaft mbH habe im Jahr 2018 mit der LeineKess GmbH – einer Gesellschaft der Lenz Häuser GmbH – einen Vertrag über die schlüsselfertige Erstellung des Quartiers zu einem Festpreis abgeschlossen. Die meravis sei in diesem Projekt Erwerber der fertiggestellten Immobilien, während Planung, Bauausführung und Bauorganisation beim Bauträger lagen.

„Im Verlauf der Bauarbeiten kam es jedoch zu erheblichen Problemen in der Projektabwicklung“, räumt Jörg Schreiber, Marketing-Leiter der meravis Immobiliengruppe, auf unsere Anfrage hin ein. Dazu gehörten unter anderem Verzögerungen im Bauablauf, Qualitätsmängel in einzelnen Bauleistungen sowie Schwierigkeiten bei der Koordination und weiteren Themen bei den Nachunternehmern.

Vertrag mit Generalunternehmen wurde gekündigt

„Trotz intensiver Bemühungen und verschiedener Maßnahmen zur Stabilisierung des Projekts konnten diese Probleme nicht dauerhaft gelöst werden. Vor diesem Hintergrund hat die meravis Ende 2025 den Vertrag mit dem Bauträger gekündigt, um das Projekt aus der festgefahrenen Situation zu lösen und die Fertigstellung selbst zu organisieren“, so Schreiber.

Aktuell führt die meravis eine umfassende technische und wirtschaftliche Bestandsaufnahme durch. Dabei werde geprüft, welche Bauleistungen noch ausstehen, welche Mängel zu beseitigen sind und in welchen Bauabschnitten die Fertigstellung erfolgen kann. Meravis-Sprecher Schreiber: „Zu laufenden rechtlichen Auseinandersetzungen mit dem ursprünglichen Vertragspartner können wir derzeit keine weiteren Angaben machen!“ Auch von Architekt Dirk Lenz, dem Inhaber der dem Vernehmen nach in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Lenz Häuser GmbH, waren zum offenbar mit meravis anhängigen Rechtsstreit keine Auskünfte zu bekommen.

Beschwerde bei der Stadt wegen mangelnder Barrierefreiheit

Dr. Jörg Windmann – Rechtsanwalt a. D. – mit seiner gehbehinderten Frau sind Mieter einer meravis-Neubauwohnung. Er hat am 13. März 2026 eine Punkt-Linden vorliegende „Fach- und Dienstaufsichtsbeschwerde“ gegen Stadtbaurat Thomas Vielhaber erstattet. Die städtische Bauaufsicht habe die Einhaltung der rechtlich gebotenen „Barrierefreiheit“ nicht gewährleistet, schreibt darin der promovierte Rechtsanwalt.

„Das Gesetz fordert Barrierefreiheit. Es ist nicht einzusehen und vom Gesetzgeber nicht gewollt, dass eine solche Situation entsteht. Ich erwarte eine barrierefreie Lösung des Zugangs zur Kesselstraße 12A und 12B“, so Dr. Windmann in seiner an den Stadtbaurat gerichteten Beschwerde. Im Limmerquartier sei an mehreren Stellen „die jahrzehntelange, klare Rechtslage über den barrierefreien Zugang bei der Planung und Ausführung rechtswidrig missachtet“ worden. Auf Nachfrage von Punkt-Linden zu dieser Beschwerde bestätigt Stadtsprecherin Janine Herrmann deren Eingang und teilt mit: „Wir werden den Sachverhalt zunächst gründlich prüfen und uns zu gegebener Zeit dazu äußern.“

Bildnachweis: Wolfgang Becker

1 Kommentar zu „Limmerquartier: Meravis organisiert Fertigstellung jetzt selbst“

  1. Diese Fertigstellung wird, wie schon immer, ohne Rücksicht auf Verluste durchgeführt:

    Dar Rad- / Fußweg in der Kesselstraße wird fast ständig von Baustellenaktivitäten blockiert!

Die Kommentare sind geschlossen.

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  1. Diese Fertigstellung wird, wie schon immer, ohne Rücksicht auf Verluste durchgeführt:

    Dar Rad- / Fußweg in der Kesselstraße wird fast ständig von Baustellenaktivitäten blockiert!

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