Linden zwischen Stachelbeeren, Kiosknächten und RAF-Geschichte – ein besonderer Fotoband

Fotobuch LINDEN-Urbanes Rauschen rote Spuren
Für Jérome Gerull schmeckt Linden nach Stachelbeeren. Die wuchsen im Kleingarten seiner Großmutter auf dem Lindener Berg und erinnern den Fotografen bis heute an seine Kindheit. „Es ist für mich immer auch dieser Blick zurück“, sagt er. „Es ist immer ein Gefühl von Heimat.“ Sechs Jahre lang hat Gerull seine drei Lindener Stadtteile mit der Kamera erkundet. Entstanden ist ein Bildband, der bekannte Orte aus überraschenden Perspektiven zeigt und vergessene Geschichten wieder sichtbar macht.

„Linden – Urbanes Rauschen, rote Spuren“ heißt das Buch mit 100 Abbildungen auf 144 Seiten. Es zeigt verschneite Straßen, bunte Kiosktüten, Sommerabende an der Ihme und das Nachtleben auf der Limmerstraße. Auch Menschen gehören dazu, etwa Hans-Joachim Flebbe vor dem Apollo-Kino.

Die Geheimnisse hinter Lindens Fassaden

Besonders spannend sind die Geschichten hinter scheinbar unscheinbaren Orten. Eine Tür im Ihme-Zentrum erinnert daran, dass der RAF-Terrorist Peter-Jürgen Boock dort einst Waffen herstellte. Hinter einem anderen Fenster hackte sich Karl Koch in amerikanische Computernetzwerke. Und auf dem Lindener Berg steht ein Einmann-Bunker, in dem sich der kürzlich verstorbene Horst Bohne als Schuljunge in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs versteckte, statt für die Nationalsozialisten zu kämpfen.

„Eine Stadt ist wie ein offenes Buch“, sagt Gerull. Man könne hindurchgehen und vieles entdecken – „oder sich noch tiefer reinlesen“. Genau das macht sein Fotoband: Er verbindet die Geschichte des ehemaligen Arbeiterstadtteils mit dem heutigen Linden, seinen Menschen, seinen Widersprüchen und seinem unverwechselbaren Charakter.

Ein Buch für alle, die Linden lieben

Gerull, dessen Großvater bei Hanomag arbeitete, versteht sein Werk als persönliche Hommage an das Viertel. Ein Buch für alteingesessene Lindener, Zugezogene und alle, die den Stadtteil vielleicht noch einmal mit anderen Augen sehen möchten.

„Linden – Urbanes Rauschen, rote Spuren“ erscheint am 10. November 2026. Der gebundene Bildband kostet 34 Euro und ist ab diesem Tag im Lindener Buchhandel erhältlich – bei der Lindener Buchhandlung, Annabee und Thalia. Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Fotografen.

Bildnachweis: Jérome Gerull

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