
Kommunalwahl im Herbst 2026
Am 13. September 2026 finden in Niedersachsen die nächsten Kommunalwahlen statt. Dabei werden neben dem hannoverschen Rat, dem Oberbürgermeister und der Regionsversammlung auch die Stadtbezirksräte neu gewählt. Die neu gewählten Bezirksräte bestimmen in ihrer konstituierenden Sitzung anschließend den Bezirksbürgermeister. Während sich die Parteien auf städtischer Ebene – etwa bei der Oberbürgermeisterwahl – bereits auf Kandidaturen verständigt haben, laufen in den Stadtbezirken derzeit die internen Listenaufstellungen.
Bei den Grünen ist dafür die jeweilige Stadtteilgruppe zuständig. In Linden-Limmer hatte diese am vergangenen Donnerstag zu einem Votentreffen eingeladen, um über die Kandidatenlisten für den Bezirksrat und den Stadtrat zu entscheiden. Dem Treffen gingen mehrere Sitzungen, interne Gespräche sowie eine gemeinsame Beratung mit der Bezirksratsfraktion voraus. In einem dieser Gespräche kündigte Grube gegenüber zwei Sprechern der Stadtteilgruppe seine Absicht an, erneut für den Bezirksrat zu kandidieren.
Gleichwohl war Grube zunächst weder zur Versammlung eingeladen noch auf der Kandidatenliste vorgesehen. In der Aussprache zu Beginn des Treffens fragte er nach den Gründen. Die Sitzungsleitung, vertreten durch Silke Jester, entgegnete unter anderem: „Du bist doch bekannt“ sowie „Du warst nicht auf der letzten Fraktionssitzung.“ Auf vorangegangenen Sitzungen der Stadtteilgruppe hatte Grube gefehlt, weshalb offenbar nicht mit einer erneuten Kandidatur gerechnet worden war. Über das Votentreffen wurde er schließlich durch Dritte informiert und erschien daraufhin.
Erst während der Sitzung wurde Grube auf Vorschlag eines Mitglieds nominiert, nachdem ein anderer Bewerber seinen Listenplatz freigegeben hatte. In der anschließenden geheimen Wahl unterlag Grube jedoch deutlich: Rund 70 Prozent der Stimmen entfielen auf einen Gegenkandidaten, 17 Prozent auf Grube, bei 13 Prozent Enthaltungen. Zur Spitzenkandidatin für den Bezirksrat wurde Regine Leo gewählt.
Irritationen über Umgang mit Grube
Damit steht fest, dass die Grünen in Linden-Limmer nach drei Jahrzehnten nicht mehr mit Rainer-Jörg Grube als Bezirksratskandidaten und damit auch nicht mehr mit ihm als möglichem Bezirksbürgermeister in die Wahl gehen. Die Entscheidung hat parteiintern für Irritationen gesorgt. Die parteilose Bezirksrätin Barbara Mann, die ebenfalls für die Grünen im Bezirksrat sitzt, erklärte aus Verärgerung über die Nichtberücksichtigung Grubes ihren Verzicht auf eine erneute Kandidatur. Zusätzlich sorgte die Aussage eines Stadtteilgruppenmitglieds, man kenne Grube nicht und könne ihn daher nicht wählen, für Unmut – insbesondere vor dem Hintergrund, dass dieses Mitglied bislang nicht selbst im Bezirksrat tätig war und scheinbar diesen auch nicht besucht hat.
Diese Entscheidung bedeutet einen deutlichen personellen Einschnitt für die Grünen im Stadtbezirk Linden-Limmer und wirft die Frage auf, wie mit langjährigem kommunalpolitischem Engagement umgegangen werden soll. Im Gespräch mit Punkt-Linden zeigte sich Rainer-Jörg Grube überrascht von dieser Entscheidung. In einem gesonderten Interview werden wir ihn dazu in den kommenden Tagen befragen.
Stimmen zu dieser Entscheidung
Steffen Mallast (Fraktions-Vorsitzender Grüne im Bezirksrat)
Als Bürgermeister hat Rainer-Jörg Grube immer eine vermittelnde Funktion im Stadtbezirk eingenommen, die Abwahl von Grube sei auch ein „Generationsthema“. Gerade den jüngeren Parteimitgliedern sei der unlängst 70 Jahre alt gewordene Bezirksbürgermeister nicht sehr vertraut oder sogar unbekannt. Viele hätten sich zudem gewünscht, dass er sich innerparteilich mehr eingebracht hätte. Die Anforderungen einer von der Grünen-Stadtteilgruppe im Vorfeld der Wahl formulierten „Wunschliste“ habe Grube nicht erfüllt und sei deshalb zum Verzicht auf eine erneute Kandidatur aufgefordert worden.Daniel Gardemin: (Bezirksrat und Fraktions-Vorsitzender im Rat für die Grünen):
Rainer hat mir in der Vergangenheit viele Impulse gegeben, die ich sehr zu schätzen weiß. Für seine langjährige Arbeit gebührt ihm Dank. Er hatte dann jedoch bei der letzten Kommunalwahl angekündigt, nicht noch einmal antreten zu wollen. Dementsprechend hat er kürzer getreten und ist die letzten vier Jahre auch nicht mehr zu unseren Fraktionssitzungen gekommen, die ein wichtiger Ort der Meinungsbildung sind. Insofern verwundert es mich, dass er jetzt doch noch einmal kandidiert hat.Barbara Mann (parteilose Bezirksrätin für die Grünen):
Ich habe meine Kandidatur zurückgezogen aus zwei Gründen. Der Umgang mit unserem bisherigen Bezirksbürgermeister J.-R. Grube hat mich erschüttert. So geht man nicht miteinander um. Ich finde klare Worte besser, als so scheinheilige Argumente, wie sie vorgetragen wurden. Ich trete aber nicht mehr für die Grünen an, weil ich Stadtteilpolitik vor Parteipolitik machen möchte. Das ging mit der bisherigen Fraktion prima, aber ich glaube, in die neu aufgestellte Gruppe passe ich nicht mehr hinein. Unser Stadtteil liegt mir sehr am Herzen und ich werde neue Wege gehen, um mich dafür einzusetzen.
Von mir einige Gedanken zu diesem Thema:
Einige Personen, die ich der grünen Partei zurechne (Regine Leo, Uwe Lehmensiek, Martin Peter, Schorse, Marcel, …) haben (sinngemäß) behauptet, dass Rainer Grube nicht oft genug bei den Fraktionssitzungen bzw. bei den Treffen der Stadtteilgruppe anwesend war.
Über die Anwesenheit bei den Fraktionssitzungen können aber in erster Linie wirklich authentisch nur die Mitglieder der grünen Bezirksratsfraktion Auskunft geben, jede derartige Kritik von anderen Personen ist eher nur nachgeplappert.
An Martin Peter: „Er (Rainer Grube) hat sich gerade in der Verkehrspolitik gegen grüne Positionen verhalten“
Wenn Sie Martin Peter, der Gewerkschaftssekretär bei ver.di, sind, sollten Sie wissen, dass es in Deutschland kein imperatives Mandat gibt sondern die Volksvertreter, auch im Bezirksrat, ausschließlich ihrem Gewissen verpflichtet sind. Und ein Bezirksbürgermeister muss erst recht überparteilich sein.
Irgend wann wird es auch eine öffentliche Kandidatenliste der Grünen für den Bezirksrat geben: Spätestens dann wird es möglich sein alle Kandidaten an den hier veröffentlichten Kriterien zu messen. Und alle dieses Kandidaten werden sich auch öffentliche Fragen zu diesem Kriterienkatalog gefallen lassen müssen.
Natürlich muss die Entscheidung für jede Person transparent nachvollziehbar sein, z.B. wie bei einer öffentlichen Ausschreibung oder bei ener Stellenbesetzung im Öffentlicher Dienst (-> Leistungsprinzip nach Art. 33 Abs. 2 GG).
Für mich ist diese Forderung nach Erfüllung dieser Kriterien durch Rainer Grube eher ein Vorwand:
Denn ich denke, dass dies der Versuch ist, einen sehr engagierten Politiker, der sich auch wiederholt kritisch zur Ratspolitik, auch zur grünen Ratspolitik, geäußert hat (Wasserstadt Limmer, Hofierung der Papenburg AG, Planungen zum Westschnellweg, …) endgültig ins politische Abseits zu drängen und damit mundtot zu machen.
Herr Günter Papenburg und sein Vasall in Limmer, Herr Oliver Matziol; Herrn Belit Onay mit der grünen Ratsfraktion (namentlich Dr. Daniel Gardeminm, der ja auch im Bezirksrat sitzt) und Herr Olaf Lies werden bei dieser Entscheidung sicherlich gejubelt haben.
Es halten sich sogar hartnäckig Gerüchte, dass der Verzicht von Rainer Grube auf sein direkt errungenes Ratsmandat 2016 nicht so altruistisch war wie in dem Beitrag von punkt-linden.de dargestellt sondern, dass es von Seiten der seinerzeitigen grünen Ratsfraktion den Hinweis an Rainer Grube gegeben haben soll, man werde seine Arbeit im Rat auf mannigfaltige Weise behindern und hintertreiben und ihn in der Öffentlichkeit auf verschiedenste Art und Weise bloßstellen. Der Verzicht auf dieses Ratsmandat erscheint mir unter diesem Aspekt dann eher ein Akt des Selbstschutzes zu sein.
Rainer Grube jetzt nicht mal mehr für den Bezirksrat aufstellen zu wollen wäre dann eine perfide Vollendung dieser Strategie!
Grüne: Bezirksratsfraktion:
https://www.hannover.de/Leben-in-der-Region-Hannover/Politik/Politische-Gremien/Landeshauptstadt-Hannover/Bezirksr%C3%A4te/Stadtbezirk-10-Linden-Limmer
Ina Birk (Fraktionsvorsitzende), Dr. Daniel Gardemin, Greta Garlichs, Rainer-Jörg Grube (Bezirksbürgermeister), Iyabo Kaczmarek, Norbert Lucas, Kerstin Lüder, Steffen Mallast (Fraktionsvorsitzender), Barbara Mann, Maren Weist
Stadtentwicklungs- und Bauausschuss am 03.09.2025
Drucksache Nr. 1591/2025:
Modernisierung des Westschnellwegs
Städtebauliche Studie zu den von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) vorgelegten Tunnelvarianten
https://e-government.hannover-stadt.de/lhhsimwebre.nsf/TM/20250903_ABau
https://e-government.hannover-stadt.de/lhhsimwebre.nsf/DS/1591-2025
https://e-government.hannover-stadt.de/lhhsimwebre.nsf/TM/20250903_ABau
Tagesordnungspunkt 4.1. der Sitzung Stadtbezirksrat Linden-Limmer am 10.12.2025
Bericht der Verwaltung zum Thema „Drs. Nr. 1591/2025 – Modernisierung des Westschnellweges – Städtebauliche Entwicklungschancen im Fall einer Tunnellösung“
https://e-government.hannover-stadt.de/lhhsimwebre.nsf/TM/20251210_STBR10
https://e-government.hannover-stadt.de/lhhsimwebre.nsf/TOPS/20251210_STBR10_6
https://punkt-linden.de/62025/lindener-bezirksbuergermeister-verzichtet-zugunsten-des-stadtbezirks-auf-direktmandat-im-rat/
Ich wohne seit 2001 in Linden, habe diesen Bürgermeister Rainer Jörg Grube nie gesehen, nie erlebt oder als irgendwie „bürgernah“ wahr genommen. Ich kann nur sagen, dass sich in Linden kaum etwas irgendwie in positiver Richtung verändert hat, eher das Gegenteil ist der Fall. Fast alle Lindener (zugezogen oder alteingesessen), die viel Lebenszeit in Linden verbracht haben und diesen Stadtteil durchaus schätzten, sind weggezogen, in andere Städte oder Stadtteile.
Wenn ich hier bei einigen Komnentatoren lese, dass Herr Grube eine „Institution“ sei, kann ich nur bemerken, dass das nicht garantiert, lebenslang einen Bürgermeisterposten zu besetzten.
Wenn du unseren omnipräsenten Bezirksbürgermeister in 25 Jahren nicht einmal gesehen hast, solltest du dich fragen, woran das liegt: an ihm oder an dir? Dass sich in Linden manches zum Negativen entwickelt hat, kannst du weder dem Bezirksbürgermeister im Besonderen noch dem Stadtbezirksrat im Allgemeinen anlasten. Deren Gestaltungsmöglichkeiten sind gering. – Ich habe nicht den Eindruck, dass Rainer-Jörg Grube lebenslang Bezirksbürgermeister bleiben möchte. Es geht hier um Stilfragen passend zum bekannten Sprichwort: „Undank ist der Welten Lohn.“
Teilen der sogenannten“Jungen Grünen“sei gesagt: „unverfroren, ignorant und höchstgradig unreflektiert ! Rainer Grube hatte viele Dinge hier in Linden „angeschoben“ und die nötigen „Blickwinkel“ an die Diskussionstische gebracht!!! …und zu sagen, er sei nicht bekannt, ist einfach entlarvend…und mit 70 Jahren gehört man nicht zum „AltenEisen“…
Die neue grüne Jugend zeigt also wo wer Weg hingeht und damit Ihre hässliche Fratze.
Ich bin kein Fan der Grünen und schon gar kein Wähler dieser Partei. Aber als Lindener muss ich seinen Verdienst um unseren Stadtteil wirklich würdigen. Sich eben nicht der (rein) Ideologisch getriebenen Grünen Politmeinung hinzugeben, sondern im Sinne des Stadtteils zu Voten und zu Sprechen verdient Respekt. Und Respekt hat diese Partei nunmal nicht. Nicht Ihm und nicht vor uns.
Ich hätte gerne Herbert Schmalstieg als Oberbürgermeister behalten, hat leider auch nicht geklappt.
Bei aller Hochachtung (!!) für die Jahrzehnte des bürgernahen Engagements und die vielen Erfolgen für den Stadtteil von Herrn Grube ist eine Kandidatur doch kein Selbstläufer. Wenn eine Partei – welche auch immer – parteifreie Kandidat*innen unterstützt, ist das sehr gut. Wenn der Kandidat dann wenig zurückspielt, außer in der Presse omnipräsent und bürgernah zu sein, ist das möglicherweise zu wenig. Nachwuchsarbeit wäre in Anbetracht des langwährenden Amtes doch angebracht gewesen. Ich kann aber nicht beurteilen, ob dies abgesehen von Parteiterminen von Herrn Grube erfolgt ist. Vielleicht gibt es neben den Grünen andere Parteien, die aufgrund seiner Erfolge Herrn Grube gern auf ihren Listen hätten. Warten wir doch etwas unaufgeregter die Wahlen ab.
Da Rainer Grube bei der letzten Bezirksbürgermeisterwahl 19 Stimmen von 20 Anwesenden (https://e-government.hannover-stadt.de/lhhsimwebdd.nsf/9B1583E599186BB7C12587ED00201463/$FILE/Druckversion.pdf) bekam, ist er ja wohl auch bei den Nicht-Grünen im Bezirksrat durchaus anerkannt. Da sollte es doch eine Gruppierung geben, bei der er als Kandidat mit auf die Liste kann. Seine 1362 Direkt-Stimmen (https://wahlergebnis.hannover-stadt.de/Wahl-2021-09-12/03241001/praesentation/ergebnis.html?wahl_id=18&stimmentyp=0&id=ebene_8_id_10) würden wohl einige Mitbewerber der Grünen gern für sich verbuchen. Also Rainer: Du hast die freie Wahl!
Die Anforderungen einer von der Grünen-Stadtteilgruppe im Vorfeld der Wahl formulierten „Wunschliste“ habe Grube nicht erfüllt und sei deshalb zum Verzicht auf eine erneute Kandidatur aufgefordert worden.
Was steht denn auf dieser Wunschliste?
Wunschliste?
Die Grünen-Stadtteilgruppe hat eine Wunschliste formuliert, schreibst du, mit welchem Ziel?
Was vermutest du denn, was da drauf stehen soll, auf der Wunschliste???
Anforderungsprofil Kandidierende BZR, SR, RV für Linden-Limmer (2025 09 26)
Wir wünschen uns, dass grüne Mandatsträger*innen ihre Mandate engagiert wahrnehmen und
haben dazu idealerweise folgende Ansprüche an eine erfolgreiche Arbeit:
– Anwesenheit bei den Fraktionssitzungen
– Anwesenheit bei den Gremiensitzungen
– Vertretung der grünen Positionen und Anträge und entsprechendes Abstimmungsverhalten
– Präsenz in den Stadtteilgruppensitzungen und Austausch über die Arbeit in den Gremien und
Aufnahme von Infos aus der STG
– Präsenz in Vereinen und Verbänden des Wahlkreises
– Mitwirkung bei Veranstaltungen des Stadtbezirkes
– Öffentlichkeitsarbeit für Grüne
– Organisation von Veranstaltungen des BZR und Kooperation mit anderen grünen BBM
Wir wissen, dass bei einem Ehrenamt neben der Arbeit in den Gremien nicht alle Aufgaben immer von allen eingelöst werden können. Es wird aber erwartet, dass im Grünen Interesse gemeinsam und nach gerechter Aufteilung die erforderliche Präsenz gewährleistet wird.
Zur Info: Von der Aufwandsentschädigung für die Tätigkeit in den Gremien müssen üblicherweise 50% an die Partei abgeführt werden.
Boah! Jetzt verstehe ich, warum Rainer-Jörg Grube den Fraktionssitzungen ferngeblieben ist. – Ich wünsche mir einen Bezirksbürgermeister oder eine Bezirksbürgermeisterin, der/die nicht auf diese Wunschliste schaut, sondern ein Herz für alle Bürger und Bürgerinnen unseres weltoffenen Stadtbezirks hat.
Was konkret stört dich an der Liste, Gerhard?
Wer politische Arbeit leistet, egal in welcher Partei oder welchem Amt, für den sind die Punkte auf der Liste selbstverständlich. Und dass nicht alle Aufgaben immer hundertprozentig erfüllt werden können, ist eh klar. Steht sogar ausdrücklich da drin: „Wir wissen, dass bei einem Ehrenamt neben der Arbeit in den Gremien nicht alle Aufgaben immer von allen eingelöst werden können.“
Alles. Diese Wunschliste ist Kinderkram. Wenn Punkte auf der Liste selbstverständlich sind, muss ich diese erwachsenen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, nicht vor die Nase halten. Das gilt vor allem für den Bezirksbürgermeister. Der muss souverän sein.
Langjähriges Mandat begründet keinerlei Ansprüche. Gerade nicht bei den Grünen, deren Mitglied er ja nicht mal ist. Das Ergebnis hat seine Gründe. Wer nicht gewählt wird, kann das blöd finden, aber so funktioniert Demokratie. Am Ende hat er offensichtlich nicht überzeugt. Dafür gibt es durchaus Gründe. Sich über das Ergebnis zu beklagen oder die Schuld bei den Wählenden zu suchen ist leider ganz schlechter Stil.
Demokratie funktioniert dann am besten, wenn die Menschlichkeit im Vordergrund steht und nicht Parteiinteressen. Natürlich gehört es zur Demokratie, dass Posten durch Wahlen neu besetzt werden; darauf habe ich z.B. in meinem Kommentar vom 18. Dezember hingewiesen. Rainer-Jörg Grube ist indes kein „Laufkunde“, sondern eine Institution in Linden-Limmer. Womöglich haben die Grünen ihren Erfolg in unserem Stadtbezirk hauptsächlich seiner Person zu verdanken; obwohl er nicht deren Mitglied ist. In der Außendarstellung wurde er stets mit den Grünen assoziiert.
Eine ehrenvolle Staffelübergabe wäre deshalb unter ehemaligen Mitstreitern angebracht gewesen. Offensichtlich haben die Grünen in Linden-Limmer das zu ihrem eigenen Nachteil vermasselt. Wer die Welt durch eine Parteibrille sieht, läuft Gefahr, sich selbst zu überschätzen. Das ist der erste Schritt zur „Arroganz der Macht“, die dazu führt, dass eine demokratische Gesellschaft unterminiert wird.
Wem Parteiinteressen nicht schmecken, kann diese an ehesten durch Mitgliedschaft ändern. Wie gesagt, eine „Institution“ zu sein erzeugt allein keinen Anspruch. Hier die „Arroganz der Macht“ bei der Stadtteilgruppe der Partei zu verorten und gleichzeitig von der „Institution“ des Bezirksbürgermeisters zu sprechen ist schon ein beeindruckender, unübersehbarer Stunt. Was das am Ende im Wahlergebnis ausmacht und welche Namen wo auf dem Wahlzettel auftauchen, wird man sehen. Offenkundig wurden hier aber ja gerade nicht politische Interessen dem (angenommenen) Wahlerfolg geopfert.
Vor ein paar Jahren habe ich mit einem ehemaligen Mitglied des Stadtbezirksrats gesprochen, der zuvor aus seiner Partei ausgetreten war. Auf meine Frage, ob er noch parteilos sei, antwortete er mir: „Ich bin nicht parteilos, sondern parteifrei!“ Wenn ich lese, was Marcel hier schreibt, weiß ich, warum er das gesagt hat.
Diese Parteifreiheit gefällt hier ja offenbar auch nicht. Aus meiner Sicht bleibt auch hier die Reihenfolge richtig: Erst die Menschen (=Gesellschaft), dann die Partei, dann die Person (=der einzelne Politiker).
Es ist gut, dass Nicht-Partei-Mitglieder trotzdem auf Grünen-Wählerlisten kandidieren können, sodass Menschen, die sich parteipolitisch nicht binden wollen, eine Chance haben, im Bezirksrat mitzuarbeiten. Das ist längst nicht bei allen Parteien üblich.
Bei einigen Redebeiträgen aber habe ich den Eindruck, die Parteimitglieder der Grünen sollten am besten gar nicht mehr zu einer Bezirksratswahl antreten, sondern stattdessen die Listenplätze ausschließlich an Nicht-Mitglieder vergeben. Und diese Forderung wird verbunden mit sehr pauschalen polemischen Vorwürfen gegen eine „Parteiendiktatur“.
Wie sich das bei den Wahlen auswirkt, dass unser langjähriger Bezirksbürgermeister möglicherweise nicht mehr auf der grünen Kandidatenliste stehen wird (die endgültige Abstimmung erfolgt ohnehin erst noch), bleibt abzuwarten.
Den Vorgang zu pauschaler Parteienschelte zu nutzen, ist dagegen klar daneben.
Rainer-Jörg Grube hat sich als parteiloser Bezirksbürgermeister und bereits Jahre zuvor um kommunalpolitische Belange verdient gemacht. Bürger:innen Lindens und Limmers schulden Ihm dafür aufrichtigen Dank. Authentische Nähe zum Menschen verknüpfte er stets mit strikter Sachorientierung, dennoch bezog er nachvollziehbar begründet Position immer dort, wo es freiheitlich-demokratische Haltung erforderte – das ist alles andere als selbstverständlich. Opportunismus war und ist offensichtlich nicht sein Grundimpuls, stattdessen übt er überzeugt und überzeugend den aufrechten Bürgergang. Wir können nur hoffen, daß er uns außerhalb politischer Ämter als aufmerksam-wacher Bürgergeist gesund und frohgemut mit Rat und Tat auch künftig zur Seite stehen wird. Alles Gute, Herr Grube, für Ihren weiteren Lebensweg!
Wir haben in unserem Stadtbezirk eine lebendige grüne Gruppe, die dem Stadtverband für die anstehende Kommunalwahl eine mehr als ausreichende Anzahl von sehr engagierten, vor allem jungen aber auch älteren, grünen Mitgliedern*innen vorgeschlagen hat. Rainer Grube hat sich an dieser Stadtteilgruppe seit Jahren nicht mehr beteiligt und auch an keiner Fraktionssitzung teilgenommen. Die zahlreichen neuen Mitglieder*Innen in der Partei kennen Rainer Grube deshalb nicht mehr persönlich, sondern maximal dem Namen nach aus der öffentlichen Berichterstattung. Das Votum der Stadtteilgruppe ist für mich deshalb nicht verwunderlich und nur folgerichtig.
Was ist besser: Bürger und Bürgerinnen, die ihren allgegenwärtigen Bezirksbürgermeister kennen und schätzen, oder Mitglieder einer Partei, die ihn nicht kennen und nicht schätzen, weil er nicht an ihren Fraktionssitzungen teilnimmt?
„Mitgliedern*innen“/“Mitglieder*Innen“
Diese Pluralform dürfte auf folgenden Singularvarianten basieren: der Mitglieder, die Mitgliederin/die Mitgliedin (?), das Mitglied (?).
Nun ja, wenn’s denn der Geschlechtergerechtigkeit und dem emanzipatorischen Prozess in unserer Gesellschaft dient …
provokativ / pamphlet / polemik
Die Grünen echaufieren sich über das Gebaren anderer Parteien, verhalten sich hier in Linden in diesem Fall aber in gleicher Weise. Mit diesem Verhalten treiben sie bisherige Wähler in nicht-demokratische Parteien. Wenn sie „alte weisse Männer“ abservieren und nichts anderes auf der Pfanne haben, als zu lamentieren, dürfen sie sich nicht wundern, dass sie politisch obsolet werden. Könnt ihr vielleicht mal aus eurer bubble aussteigen und über den Tellerrand kucken? Ich sach ma so.
Der Vorwurf, die Grünen schassten „alte weiße Männer“ ist eine reichlich absurde „Verschwörungstheorie“. Solche „Erzählungen“ erinnern an Sprüche, wie sie vorzugsweise von konservativ-reaktionären Parteien vorgetragen werden, die das Prinzip der abwechselnden Besetzung von Männern und Frauen bei einer Wahlliste diskreditieren wollen, oder gar auf diese Art gegen gewählte weibliche Abgeordnete mit dem Begriff „Quotenfrau“ polemisieren.
Es gibt bei den Grünen das Prinzip der abwechselnden Besetzung von Männern und Frauen bei Wählerlisten. Aber das ist noch lange kein Grund, von Quotenfrauen zu schwadronieren.
Es gibt bei den Grünen kein vergleichbares Prinzip bei der Besetzung von Wählerlisten nach dem Schema junge Bewerber im Wechsel mit alten Bewerbern!
Deshalb ist der Vorwurf, alte weiße Männer sollten „abserviert“ werden, besonders absurd.
Keiner von uns weiß, wie die bevorstehenden Kommunalwahlen ausgehen werden. Bei den letzten Kommunalwahlen, 2021, erzielten die Grünen sehr gute Ergebnisse. Ökologie und Klima-Schutz-Maßnahmen und Verkehrswende waren noch ein sehr verbreitetes Thema, die Notwendigkeit von Veränderungen anerkannt. Der Überfall Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022, ein Jahr nach der letzten Kommunalwahl, war noch kein alles überstimmendes und überlagerndes Thema.
Aber soll man deshalb jetzt auf jegliche personelle Veränderungen verzichten? Es ist gut, dass bei den Grünen junge Menschen, die sich entschließen politisch aktiv zu werden, nicht ausgebremst, werden, mit dem Hinweis: „Zuerst kommen aber die Altgedienten“. Und es ist gut, dass an dem Prinzip, den Jungen Chancen zu ermöglichen, auch in schweren Zeiten festgehalten wird. Genau jetzt braucht es junge Menschen, die politisch aktiv für eine lebenswerte Zukunft eintreten.
„… kein Grund, von Quotenfrauen zu schwadronieren.“
Wer oder was geht hier dieser Tätigkeit nach? Einen Popanz aufbauen, um dann auf ihn einzudreschen, ist ein altbekannter rhetorischer Trick.
Moin, das ist kein Umgang mit unserem Bürgermeister. Das ist einfach nur schlechter Stil.
Ich habe Rainer immer als present im Stadtteil wahrgenommen und er war immer für ein Gespräch zu haben, egal ob auf der Limmerstr, dem schwarzen Bären ,in Limmer oder in Linden-Süd oder im Bürgeramt. Bürgernähe nennt man das!!!
Da werde ich mir meine Wahl 2026 wohl nochmal genauer überlegen.
Ich kann das auch so gar nicht nachvollziehen!
Was soll das?
Meine Stimme haben die dafür nicht!
Jasmin
Martin Peter
Rainer-Jörg Grube hat für den Stadtteil viel bewegt und dies gilt es auch zu würdigen.Doch in den letzten Jahren hat er zunehmend den Anschluss an die Arbeit der Stadtteilgruppe und Fraktion verloren.
Dies betrifft für mich vor allem seine grün-politische Haltung. Hier hat er gerade in der Verkehrspolitik sich gegen grüne Positionen verhalten oder sich in der Sitzung enthalten. Zudem habe ich ihn u. a bei Kürzungen zu Kargah öffentlich nicht im Stadtteil wahrgenommen. Er wirkt nicht mehr darüber hinaus. Es ist schade, dass er die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat.
Meines Wissens soll ein Bezirksbürgermeister keine Parteiinteressen vertreten, sondern ein Ansprechpartner für alle Bürger sein. Wenn die Partei, die Rainer-Jörg Grube ins Amt gehoben hat, mit seiner Amtsführung nicht mehr zufrieden ist, ist es ihr gutes Recht, bei der nächsten Wahl eine Ablösung anzustreben. Aber bitte mit Stil! So wie sich der Vorgang derzeit abzeichnet, war das Verhalten einiger Grünen eher schäbig. Wenn ich eine Führungsperson der Grünen wäre, hätte ich vorher mit Rainer-Jörg Grube gesprochen:
„Hömma Rainer, die Basis meiner Partei wünscht einen Umbruch. Es ist daher damit zu rechnen, dass du bei der nächsten Wahl keine Mehrheit erhältst. Natürlich laden wir dich zu der Versammlung ein. Dann kannst du dich nach einer vorherigen Aussprache entscheiden, ob du tatsächlich wieder kandidieren willst oder nicht.“
Genau das haben Lasse Schwarz und ich als Stadtteilgruppensprechende (d.h. Vorsitzende der Grüneng für der Stadtteil Linden-Limmer) auch getan, weil wir es nämlich auch wichtig fanden. Wir haben Rainer-Jörg Grube zu einem Gespräch über eine mögliche Kandidatur eingeladen, das am 20.11.2025 um 17 Uhr stattgefunden hat. In dem Gespräch haben wir auch über eine gewisse Unzufriedenheit in Gruppe und Fraktion gesprochen, da der gewünschte Austausch untereinander nicht zustande kommt, da Rainer-Jörg Grube in den letzten 4 Jahren an keiner Fraktionssitzung teilgenommen hat und auch nicht in der Stadtteilgruppe war. Und wir haben erwähnt, dass damit zu rechnen ist, dass der Rückhalt für ihn wahrscheinlich nicht da sein könnte. Am Ende des Gesprächs haben wir ihm Ort und Zeitpunkt der Votenvergabe genannt und dass er natürlich auf jedem Platz kandidieren kann. In Rahmen des Gesprächs haben wir auch sehr wertschätzend über seine langjährigen Verdienste gesprochen.
Das klingt im Beitrag von Punkt-Linden aber anders. Zunächst sei Rainer-Jörg Grube nicht zur Versammlung eingeladen worden, heißt es. Womöglich habt ihr das Gespräch erst gesucht, als es die Irritationen bereits gab. Auf das angekündigte Interview mit unserem noch amtierenden Bezirksbürgermeister bin ich gespannt. Als Lindener Bürger kann ich über dessen Anwesenheit nicht klagen. Ich habe ihn bei öffentlichen Veranstaltungen als omnipräsent wahrgenommen.
Manche tun jetzt so, als sei da ein „Intriganten-Stadel“ am Werk gewesen, der im „Stillen Kämmerlein“ sich verschworen hat, den Bezirksbürgermeister zu „meucheln“. Was natürlich kompletter Unfug ist. Alleine die Tatsache, dass die Grünen auf ihrer Liste seit Jahren immer wieder auch Nicht-Grüne-Mitglieder kandidieren lassen, beweist doch das genaue Gegenteil. Die Stadtteilgruppentreffen der Grünen werden für alle Interessierten sichtbar im Internet angekündigt, verbunden mit der Aufforderung: „Schaut gerne vorbei!“
Zitat: „Genau das haben Lasse Schwarz und ich als Stadtteilgruppensprechende (d.h. Vorsitzende der Grüneng für der Stadtteil Linden-Limmer) auch getan, (…)“
Die Satzung unter https://gruene-hannover.de/wp-content/uploads/2025/06/4-Satzung-Stadt.pdf, §9 Die Stadtteilgruppen sagt dazu:
„(1) Stadtteilgruppen sind die Zusammenschlüsse der Mitglieder des Stadtverbands innerhalb
eines Stadtbezirks. Sie arbeiten vor Ort in ihren Stadtteilen politisch selbstständig auf
Basis des Programms, nach eigener Schwerpunktsetzung zu allen Themen der Politik von
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.
(2) Stadtteilgruppen wählen eine oder mehrere Sprecher*innen und nominieren die Vorschläge für die Vertretung der Stadtteilgruppe im Parteirat und deren Stellvertretung nach § 7 Abs. 2 Sätze 1 und 2. (…)“
Als grünes Mitglied würde ich es mir verbitten, wenn Sie sich mir gegenüber als Vorsitzende bezeichnen würden.
Das wäre fast so, als würde sich eine Pressesprecherin als Geschäftsführerin bezeichnen.
Vielleicht liegt das daran, dass der Selfie-Sozialcharakter die Welt aus veränderter Perspektive wahrnimmt.
Das Hochkantformat eines Blödphones spiegelt schließlich das Sehfeld eines Zugtieres mit Scheuklappen wider.
Und Anmaßung sowie Selbsterhöhung schlagen sich längst in der Sprache nieder:
War ein Vorstand vormals kein Mensch, sondern ein Gremium, dass sich satzungsgemäß aus verschiedenen Vorstandsmitgliedern mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen zusammensetzte, so erfordert die neudeutsche Wichtigkeit, dass sich jedes dieser Mitglieder selbst zum Vorstand oder zur Vorständin erhebt.
Womit letztlich das Matroschka-Prinzip obsiegt: Ein Vorstand besteht aus vielen Vorständen, die selbst wiederum …
Ich danke meinem Freund aus den 50er Jahren unserer gemeinsamen Kindheit in Linden Nord für sein großes Engagement für unseren geliebten Stadtbezirk. Die Berichterstattung über deinen Abgang aus der Kommunalpolitik lässt auf Kommunikationsprozesse schließen , die für die Zukunft nicht viel Gutes verheissen. Ich wünsche uns allen eine baldige Rückkehr zu mehr Mitmenschlichkeit und konstruktiver politischer Arbeit.
Es wäre ein herber Verlust an Engagement, Kompetenz und Erfahrung für den Bezirksrat, wenn die Grünen nun die Wiederwahl von Rainer Grube verhindern wollen.
Von einem Politiker wie Dr. Daniel Gardemin, der Rainer-Jörg Grube seine Karriere im Stadtrat verdankt, hätte ich mehr Wertschätzung erwartet!
20. September 2016
Lindener Bezirksbürgermeister verzichtet zugunsten des Stadtbezirks auf Direktmandat im Rat
https://punkt-linden.de/62025/lindener-bezirksbuergermeister-verzichtet-zugunsten-des-stadtbezirks-auf-direktmandat-im-rat/
Als ich die Nachricht las, musste ich spontan an ein Lied der Prinzen denken, in dem diese Kernaussage enthalten ist: „Kriegst ’n Arschtritt als Dankeschön“.