
„Kargah ist Hannover. Das, was wir sind und so wie wir sind, wird angegriffen. Wir werden uns dagegen verbünden müssen!“ Oberbürgermeister Belit Onay fand deutliche Worte gegen das Erstarken der AfD und die „restriktive Migrations- und Asylpolitik“ der Bundesregierung bei der Feier zum 40. Geburtstag des Vereins für interkulturelle Kommunikation, Flüchtlings- und Migrationsarbeit in Linden-Nord.

Weit über 100 Unterstützer*innen, Beschäftigte, Ratsuchende und Flüchtlinge aus Hannover und Niedersachsen waren in die Warenannahme bei Faust gekommen, um zu feiern und gemeinsamen Protest gegen das Erstarken der AfD.
Demokratie ausbauen
„Auch unsere Arbeit in Hannover wird immer wieder bedroht. Aber wir werden weiter Haltung zeigen, denn wir wollen die Demokratie nicht nur verteidigen, sondern ausbauen“, nannte Vorstandsmitglied Dr. Peymann Javaher-Haghighi eines der nächsten politischen Ziele. Mit scharfen Worten kritisierte die langjährige Unterstützerin und ehemalige stellvertretende Ministerpräsidentin Heidi Merk die EU: „Während die EU die Einhaltung der Menschenrechte weltweit und von ihren Mitgliedstaaten einfordert, verletzt sie diese mit der Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems und den Abschiebezentren jetzt selbst.“ Sie rief die Gäste auf, „den Mund noch stärker aufzumachen“. Auf dem Programm standen außerdem eine Entdeckungstour durch die kargah-Geschichte, musikalische Live-Acts und die Geburtstagsparty.
In der Mitte der Gesellschaft

Der Verein wurde 1986 durch eine Gruppe von politisch verfolgten Exil-Iraner*innen gegründet, die sich gegenseitig im Alltag unterstützten und gemeinsam politisch organisierten. Aus dem Selbsthilfeverein ist einer der größten transkulturellen Vereine in Niedersachsen geworden: mit einem Team, das über 20 Sprachen spricht, jährlich 15.000 Menschen erreicht und in 50 Netzwerken auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene aktiv ist, heißt es in der Selbstbeschreibung.

In den letzten 40 Jahren habe der Verein 1000 Projekte mit der Stadtgesellschaft umgesetzt – für und mit Frauen*, die von Gewalt betroffen sind, Geflüchteten, Ehrenamtlichen, Stadtteilbewohner*innen aus Hannover, Kulturschaffenden und Partner*innen auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Kargah macht neben der Beratung für Geflüchtete und für Frauen Bildungs- und Kulturangebote und verfügt über eine „Weltbibliothek“.