KZ Conti-Limmer: Gelungene Gedenkfeier zum Tag der Befreiung

Erinnerung an Frauen, die in der NS-Zeit in der Rüstungsproduktion der Continental AG Zwangsarbeit leisten mussten. Vor nunmehr 81 Jahren wurden sie aus dem KZ befreit.

Freitagnachmittag, 10. April 2026: Etwa 60 Bürger*innen waren der Einladung des Arbeitskreises „Ein Mahnmal für das Frauen-KZ der Conti-Limmer“ zu einer Gedenkfeier am Rande der Neubausiedlung Wasserstadt Limmer gefolgt. In einer hervorragend geplanten Performance erinnerten Horst Dralle und drei Mitarbeiter*innen des Arbeitskreises am 81. Jahrestag ihrer Befreiung an das Leid der Frauen, die hier Zwangsarbeit für die Rüstungsproduktion der Continental AG leisten mussten. Passende musikalische Beiträge kamen vom Lindener Musiker Carsten Bethmann.

„Die Frauen sahen aus wie Gespenster“

Über die unmenschlichen Zustände im Lager und bei der Herstellung von Gasmasken in der Conti-Fabrik liegen von einigen der Gefangenen Berichte vor. Auszüge davon wurden in der Feierstunde am Gedenkstein vorgetragen. „Die Frauen aus der Nachtschicht, die um 6 Uhr morgens der Tagschicht entgegenkommen, sehen aus wie Gespenster!“, so die französische Zwangsarbeiterin Jacqueline Francis-Boeuf. „Manchmal muss man noch denjenigen, die ohnmächtig geworden waren, helfen, wieder in den Block zu kommen.“

Die Polin Maria Suszynska-Bartman erinnerte sich: „In den Stuben herrschte ein unbeschreiblicher Gestank. Es tropfte von den Wänden. Die Decke war immer mit Kondenswasser überzogen, und es fiel auf die Gesichter der Frauen, die auf der obersten Etage schliefen. Häufig gab es kein Wasser, sie hatten nichts zum Waschen. Manchmal wuschen sie sich mit dem eigenen Urin.“

Am 10. April kam die Befreiung durch die 84. US-Infanteriedivision

Auf der Gedenkfeier in der Wasserstadt erinnerte Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube in seinem Grußwort an die Verpflichtung der Papenburg AG, den geplanten Gedenkort für die KZ-Opfer zeitnah herzustellen. Derzeit sind allerdings Teile des dafür schon im Bebauungsplan eingeplanten Grundstücks von Baucontainern der Baugemeinschaft JAWA zugestellt.

Am 6. April 1945 wurde das Konzentrationslager in Limmer geräumt, über 900 Frauen wurden von SS-Schergen auf einen Todesmarsch Richtung Norden getrieben. Nach Ankunft im KZ Bergen-Belsen verstarben viele von ihnen an Entkräftung oder aufgrund von Krankheiten. Fast 80 kranke Frauen blieben im KZ Conti-Limmer zurück und wurden dort am 10. April 1945 von auf Hannover vorrückenden amerikanischen Soldaten der 84. US-Infanteriedivision befreit.

Bildnachweis: Wolfgang Becker

Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar