Ihme-Zentrum: Wohnungsleerstand ist nicht Zweckentfremdung

Ihme-Zentrum mit Wiese (Foto: Gerd Runge)
Ihme-Zentrum mit Wiese (Foto: Gerd Runge)

Nach der Insolvenz der Windhorst-Firma PIZ stehen Im Ihme-Zentrum seit langem zahlreiche Wohnungen leer. „Ist dieser Sachverhalt  der Landeshauptstadt Hannover (LHH) bekannt?“, wollte Punkt-Linden von Stadtsprecherin Janine Herrmann wissen. Denn längeres Leerstehenlassen von Wohnraum fällt unter die seit letztem Sommer in Hannover geltende Zweckentfremdungssatzung. Daher unsere Nachfrage: „Erwägt die LHH, wegen dieses schon lange andauernden Leerstands gegen den Verursacher Maßnahmen nach der Zweckentfremdungssatzung einzuleiten?“

„Die Stadtverwaltung prüft den Sachverhalt der leerstehenden Wohnungen im Ihme-Zentrum“, so Herrmann. Eine Zweckentfremdung liege nicht vor, sofern die „Wohnraumeigenschaft der Räumlichkeiten nicht mehr erfüllt ist“. Dies sei z.B. anzunehmen, wenn ein dauerndes Bewohnen unzulässig oder unzumutbar ist, weil der Raum einen schweren Mangel bzw. Missstand aufweist oder unerträglichen Umwelteinflüssen ausgesetzt ist und die Wiederbewohnbarkeit nicht mit einem objektiv wirtschaftlichen und zumutbaren Aufwand hergestellt werden kann. „Als Grund für den Leerstand wurde vor geraumer Zeit mitgeteilt, dass die Wohnungen saniert werden müssen. Im Zuge des Insolvenzverfahrens liegen erschwerte Bedingungen für eine Vermietung der freien Wohnungen vor“. Die LHH befände sich hierzu im Austausch mit der PIZ.

Drei Verwaltungen mit unterschiedlichem Blick auf den Leerstand

Hans Mönninghoff von der Zukunftswerkstatt Ihme-Zentrum kennt leerstehende Wohneinheiten, insbesondere im Hochhaus am Küchengarten. Er hält den Leerstand aber nicht für ein „Skandal-Thema“. Dort seien größere Arbeiten wie Erneuerung von Fenstern und Versorgungsleitungen vonnöten, deshalb seien die Wohnungen nicht bezugsfertig.

Bewohner und WEG-Verwaltungsbeirat Jürgen Oppermann weiß von insgesamt 170 Wohnungen aus dem Bestand der PIZ. „Davon stehen etwa 50 leer“, sagt er und regt an, die zum Teil nur leicht renovierungsbedürftigen Wohnungen zunächst mietfrei zu vergeben. „Gegen drei mietfreie Monate sind sicher viele Wohnungssuchende bereit, selbst einen Pinsel zu schwingen“, meint Oppermann.

Insgesamt gäbe es im Ihme-Zentrum 806 Wohneinheiten, über 500 seien in einer WEG zusammengeschlossen.Von der WEG-Verwaltung Busemann & Schremmer, deren Büro einen Steinwurf entfernt in der benachbarten Calenberger Esplanade liegt, waren für Punkt-Linden keinerlei Auskünfte zu bekommen.

Informationen zur Wohnungsfrage werden zurückgehalten

Freundlich aber bei Nachfragen zugeknöpft gibt sich auch der ehemalige und langjährige WEG-Verwalter Torsten Jaskulski. Dessen Cardea Immobilien GmbH ist noch in den alten Büroräumen in der Ihmepassage beheimatet und für die „Sondereigentumsverwaltung“ aus der PIZ-Insolvenzmasse zuständig. Zur Anzahl und zum Zustand der verwalteten Wohnungen gab es von der Cardea keine Informationen.

Deshalb eine Anfrage bei der Insolvenzverwaltung. „Die Vermietung leerstehender Wohnungen wird nach Möglichkeit fortgesetzt, ist jedoch aufgrund des bestehenden Instandhaltungsrückstaus erschwert“, heißt es da auf Anfrage von Punkt-Linden von Meike Ostrowski, die für die in Bremen ansässige Kanzlei Kösterberner als Corporate-Communication-Managerin tätig ist.

Insolvenzverwaltung bereitet offenbar Zwangsversteigerung vor

Vertiefende Informationen zum Wohnungsleerstand sind von der PIZ-Insolvenzverwaltung nicht zu bekommen. Auch nicht „zu dem schon lange im Hintergrund laufenden Zwangsversteigerungsverfahren, das im Übrigen bei Immobilien dieser Größe und in der gegebenen Situation nichts Ungewöhnliches ist.“

Dies gelte auch für Schreiben des zur Gutachtenerstellung beauftragten Sachverständigen im Zwangsversteigerungsverfahren, die mehrere PIZ-Mietparteien vor geraumer Zeit erhielten. „Aktuelle Relevanz für das Insolvenzverfahren besteht keine,“ so Pressesprecherin Ostrowski weiter. „Wir bitten um Verständnis, dass wir uns über das Gesagte hinaus nicht weiter äußern möchten.“ Eine baldige Zwangsversteigerung steht offenbar im Raum. Auf den weiteren Verlauf des Verfahrens und auf den Umgang mit dem Leerstand von Wohnungen darf man gespannt sein.

Bildnachweis: Achim Brandau, Gerd Runge

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