Ihme-Zentrum: Die Stadt hält sich bisher konsequent raus

Ihme-Zentrum 2016, Landeshauptstadt Hannover
Ihme-Zentrum 2016, Landeshauptstadt Hannover

Nach „Städtischen Handlungsoptionen in Bezug auf eine Revitalisierung des Ihme-Zentrums“ hat jetzt Thomas Ganskow, (Gruppe LINKE und PIRATEN) im Stadtbezirksrat Linden-Limmer gefragt. Die auf der Sitzung am 27. August 2025 gegebene Antwort der Verwaltung blieb vage: „Die Stadtverwaltung hat in dieser Angelegenheit ab Dezember 2024 mehreren fachlich spezialisierten Kanzleien für Immobilien-, Insolvenz- und öffentliches Recht Beratungsmandate erteilt. Im Rahmen der Bearbeitung werden die Fragestellungen derzeit iterativ bearbeitet.“ Mit Ergebnissen sei im vierten Quartal 2025 zu rechnen.

„Internes“ Gutachten soll Handlungsoptionen der Stadt ausloten

Die Verwaltung werde zu gegebener Zeit über die Ergebnisse informieren, „soweit mit einer Veröffentlichung keine Nachteile für die rechtlichen Interessen der Landeshauptstadt Hannover oder anderer Beteiligter wie zum Beispiel der PIZ GmbH oder der Wohnungseigentümergemeinschaft des Ihme-Zentrums verbunden sein können.“ so die Antwort der Stadt. Eine von Bezirksratsherrn Ganskow – er wohnt selbst im Ihme-Zentrum – gestartete Nachfrage, „ob eine Veröffentlichung möglich sei, die datenschutzrechtlich gekürzt sei“, konnte auf der Sitzung nicht direkt beantwortet werden. Gegenüber Punkt-Linden war das Gutachten auf Anfrage bereits als „intern“ bezeichnet worden.

Verwaltungen von WEG bzw. Insolvenz der PIZ neu gestartet

Ob das der perfekte Platz für einen Bücherschrank ist?
Ihme-Zentrum 2016

„Still ruht der See“ , so der Verwaltungsbeiratsvorsitzende Jürgen Oppermann auf Anfrage von Punkt-Linden zur aktuellen Lage im Ihme-Zentrum. Man mag das kaum glauben, gab es doch unlängst rund um die Großimmobilie erhebliche Veränderungen. So hatte die Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) sich zum Ende Juni 2025 von ihrem langjährigen Verwalter Torsten Jaskulski und dessen Firma Cardea getrennt und als Nachfolger das Unternehmen Busemann & Schremmer aus Garbsen gewählt.

Der neue WEG-Verwalter habe sich – so Oppermann – zum September 2025 ein Büro in der Calenberger Esplanade eingerichtet und müsse sich erstmal in die umfangreichen Akten einarbeiten. Zudem war Anfang Mai auf einer Gläubigerversammlung zur Pleite der Windhorst-Firma PIZ bereits der hannoversche Insolvenz-Verwalter, Rechtsanwalt Jens Wilhelm V, abberufen und durch Malte Köster ersetzt worden, einem Partner der Kanzlei Willmerköster aus Bremen.

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30449 Hannover

Gefahr im Verzug – wer beseitigt bauliche Mängel am Sockelgeschoss?

Wechselnde Finanzspekulanten haben massive Schäden an der Bausubstanz der 1974 eingeweihten Großimmobilie hinterlassen und wurden dafür nicht belangt. Trotz teilweise langjährig bestehender Mängel setzt die Stadt nun auf konsequentes Einschreiten. So hatte die Bauaufsicht der Landeshauptstadt Hannover bereits im Juni 2024 gegenüber der WEG mehrere sicherheitsrelevante Baumängel insbesondere im maroden Sockelgeschoss des Ihme-Zentrums beanstandet und per Ordnungsverfügung deren zügige Beseitigung angeordnet.

Ein Widerspruch der WEG wurde mit Bescheid vom 31. März 2025 von der Bauaufsicht vollumfänglich zurückgewiesen. Begründung unter anderem: Konkrete Gefahr für Leib und Leben! Laut WEG-Sprecher Oppermann sei „diese Angelegenheit derzeit bei Gericht“. Auf Anfrage von Punkt-Linden zum Sachstand lehnte Stadtsprecherin Janine Hermann eine Stellungnahme zu den baulichen Mängeln ab. Begründung: Beim Ihme-Zentrum handele es sich um eine „Privatimmobilie“.

Bildnachweis: Wolfgang Becker, Achim Brandau

8 Gedanken zu „Ihme-Zentrum: Die Stadt hält sich bisher konsequent raus“

  1. „Lars Windhorsts Firma, die Projekt IZ Hannover GmbH (PIZ), ließ für die Absicherung ihrer Schulden bei Ulrich Marseilles Firmen Grundschulden in Höhe von 290 Millionen Euro im Grundbuch des Ihme-Zentrums eintragen.“

    Der hat anscheinend andere Geschäfte mit dem Ihme-Zentrum abgesichert. Warum darf so jemand nach X Pleiten immer noch solche Geschäfte machen? Vlt. war die Möglichkeit, Grundschulden eintragen zu lassen, die eigentliche Motivation für das Geschäft?

    Antworten
    • Ich denke auch, dass bewusst sanierungsbedürftige Immobilien angekauft werden. Das dafür nötige Geld wird dann bei jemand Namhaften ( wie ein Herr M.) „geliehen“, als Grundschulden eingetragen und plötzlich wird Insolvenz angemeldet. Die ausbleibenden Zahlungen werden auf andere abgewälzt um dann eine Zwangsveräußerung zu erzwingen, damit dann auch die Grundschulden berücksichtigt werden.

      Natürlich ist man sich bewusst, dass ein Insolvenzverwalter Nachweise für die Forderung braucht. Zu blöd nur, dass die Abwicklung online erfolgt ist und die Nachweise für die getätigte Zahlung an Herrn W. leider nicht mehr nachvollziehbar ist. Man hat ja nicht damit gerechnet, dass diese „Nachweise“ jemals gebraucht werden. Wie konnte man denn ahnen, dass Herr W. in finanzielle Schwierigkeiten gerät – so wie schon vor Jahrzehnten?!..

      Mich würde mal interessieren wie viele Immobilien dieses Duo in der Vergangenheit aufgekauft hat und wie viele davon saniert wurden.

      Antworten
  2. Zur Ehrenrettung der LHH möchte ich anmerken, dass auch die Eigentümergemeinschaft Fehler gemacht hat. Spätestens nachdem sich ein Verzug abzeichnete, wäre eine baubegleitende Qualitätskontrolle durch einen externen Gutachter zweckmäßig gewesen. Stattdessen hat man die PIZ wurschteln lassen und sich auf die Aussagen des damaligen Hausverwalters verlassen. Der war mit dieser Aufgabe völlig überfordert. – Übrigens hat die LHH Ende 2021 genau das getan, nämlich ein externes, erfahrenes Ingenieurbüro eingeschaltet, das die erzielten Baufortschritte erfassen und in regelmäßigen Berichten darstellen sollte. Mit diesem Instrument wollte die LHH die Situation besser einschätzen, Verzüge frühzeitig zweifelsfrei registrieren und darauf entsprechend der vertraglichen Vereinbarungen reagieren (O-Ton LHH). Ob und was das Ing.-Büro berichtet hat, ist nie an die Öffentlichkeit gedrungen. Für eine nachträgliche Einschätzung der Versäumnisse halte ich eine Offenlegung für geboten. Sowohl die PIZ als auch die LHH hatten Transparenz versprochen, aber unter Verweis auf rechtliche Konsequenzen unterlassen.

    Antworten
  3. Die Stadtbezirksratssitzung war nicht nur in der Hinsicht enttäuschend. Mir ist bewusst geworden, dass der Bezirksrat praktisch machtlos ist. Er darf kleine Zuschüsse für Vereine bewilligen, Anregungen weiterleiten und Fragen an die Stadtverwaltung stellen. Die Antworten sind wenig hilfreich. Entscheidungen treffen sowieso andere, und die halten sich für Profis, die sich von ehrenamtlichen Politikern ungern Ratschläge erteilen lassen.

    In puncto Revitalisierung und Durchwegung hat die LHH versagt. Als die PIZ noch nicht pleite war, bestand über einen Zeitraum von rund zwei Jahren die Möglichkeit, zielführende Maßnahmen zu ergreifen. Stattdessen hat man die Bürger mit Baustellenführungen besänftigen wollen, die sich schon nach kurzer Zeit als Farce herausstellten. Entsprechende Hinweise wurden ignoriert. Vor dem Zustand, den wir heute haben, habe ich sowohl die LHH als auch die Planungsbeteiligten bereits vor dreieinhalb Jahren schriftlich gewarnt.

    Antworten
    • Weitgehend stimme ich zu, nur in einem Punkt, der nichts mit dem Ihme-Zentrum zu tun hat, muss ich widersprechen. Denn der Bezirksrat darf nicht nur Vereine unterstützen und Anfragen an die Stadt stellen, er tut dies auch in schöner Regelmäßigkeit im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten.

      So wurden gestern drei Zuwendungsanträge (sowie drei aus dem Integrationsbeirat) beschlossen und 13 Anfragen gestellt, von denen 12 fristgerecht beantwortet wurden. Über die Qualität der Antworten kann man trefflich streiten.

      Und was die Anregungen betrifft, so muss man wohl vielfach die Anträge aus den Fraktionen und Einzelvertretungen als solche sehen. Denn zu einem Großteil werden die daraus gefassten Beschlüsse von der Verwaltung negativ beschieden, weil ihr Geld und/oder Personal fehlen.

      Antworten
      • Für mein Verständnis ist das eine Alibi-Demokratie. Mit großem Aufwand werden Politiker auf kommunaler Ebene gewählt, die mit großem Aufwand Beschlüsse fassen, die mit großem Aufwand behandelt werden; unterm Strich aber nur selten Zuspruch auf höherer Ebene finden. Ergo: großer Aufwand, wenig Ertrag. Meinen Respekt haben die Lokalpolitiker, die ihre Zeit dafür opfern und sich damit zufrieden geben. Meines Erachtens müssten die Befugnisse von Lokalpolitikern erweitert werden. Wenn die z.B. mehrheitlich entscheiden, dass ein Tempolimit in einer bestimmten Straße eingeführt werden soll, dann ist das von höherer Ebene zu respektieren, und darf nicht von meist konservativen Verwaltungsbeamten blockiert werden.

        Antworten
        • Der Verwaltung steht der Oberbürgermeister vor, er ist der politisch Verantwortliche.
          Bekanntlich wird dieses Amt durch eine Wahl besetzt.
          Das ist schon Demokratie im besten Sinne.
          Nur die Ergebnisse sind nicht immer die Besten.

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8 Gedanken zu „Ihme-Zentrum: Die Stadt hält sich bisher konsequent raus“

  1. „Lars Windhorsts Firma, die Projekt IZ Hannover GmbH (PIZ), ließ für die Absicherung ihrer Schulden bei Ulrich Marseilles Firmen Grundschulden in Höhe von 290 Millionen Euro im Grundbuch des Ihme-Zentrums eintragen.“

    Der hat anscheinend andere Geschäfte mit dem Ihme-Zentrum abgesichert. Warum darf so jemand nach X Pleiten immer noch solche Geschäfte machen? Vlt. war die Möglichkeit, Grundschulden eintragen zu lassen, die eigentliche Motivation für das Geschäft?

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    • Ich denke auch, dass bewusst sanierungsbedürftige Immobilien angekauft werden. Das dafür nötige Geld wird dann bei jemand Namhaften ( wie ein Herr M.) „geliehen“, als Grundschulden eingetragen und plötzlich wird Insolvenz angemeldet. Die ausbleibenden Zahlungen werden auf andere abgewälzt um dann eine Zwangsveräußerung zu erzwingen, damit dann auch die Grundschulden berücksichtigt werden.

      Natürlich ist man sich bewusst, dass ein Insolvenzverwalter Nachweise für die Forderung braucht. Zu blöd nur, dass die Abwicklung online erfolgt ist und die Nachweise für die getätigte Zahlung an Herrn W. leider nicht mehr nachvollziehbar ist. Man hat ja nicht damit gerechnet, dass diese „Nachweise“ jemals gebraucht werden. Wie konnte man denn ahnen, dass Herr W. in finanzielle Schwierigkeiten gerät – so wie schon vor Jahrzehnten?!..

      Mich würde mal interessieren wie viele Immobilien dieses Duo in der Vergangenheit aufgekauft hat und wie viele davon saniert wurden.

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  2. Zur Ehrenrettung der LHH möchte ich anmerken, dass auch die Eigentümergemeinschaft Fehler gemacht hat. Spätestens nachdem sich ein Verzug abzeichnete, wäre eine baubegleitende Qualitätskontrolle durch einen externen Gutachter zweckmäßig gewesen. Stattdessen hat man die PIZ wurschteln lassen und sich auf die Aussagen des damaligen Hausverwalters verlassen. Der war mit dieser Aufgabe völlig überfordert. – Übrigens hat die LHH Ende 2021 genau das getan, nämlich ein externes, erfahrenes Ingenieurbüro eingeschaltet, das die erzielten Baufortschritte erfassen und in regelmäßigen Berichten darstellen sollte. Mit diesem Instrument wollte die LHH die Situation besser einschätzen, Verzüge frühzeitig zweifelsfrei registrieren und darauf entsprechend der vertraglichen Vereinbarungen reagieren (O-Ton LHH). Ob und was das Ing.-Büro berichtet hat, ist nie an die Öffentlichkeit gedrungen. Für eine nachträgliche Einschätzung der Versäumnisse halte ich eine Offenlegung für geboten. Sowohl die PIZ als auch die LHH hatten Transparenz versprochen, aber unter Verweis auf rechtliche Konsequenzen unterlassen.

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  3. Die Stadtbezirksratssitzung war nicht nur in der Hinsicht enttäuschend. Mir ist bewusst geworden, dass der Bezirksrat praktisch machtlos ist. Er darf kleine Zuschüsse für Vereine bewilligen, Anregungen weiterleiten und Fragen an die Stadtverwaltung stellen. Die Antworten sind wenig hilfreich. Entscheidungen treffen sowieso andere, und die halten sich für Profis, die sich von ehrenamtlichen Politikern ungern Ratschläge erteilen lassen.

    In puncto Revitalisierung und Durchwegung hat die LHH versagt. Als die PIZ noch nicht pleite war, bestand über einen Zeitraum von rund zwei Jahren die Möglichkeit, zielführende Maßnahmen zu ergreifen. Stattdessen hat man die Bürger mit Baustellenführungen besänftigen wollen, die sich schon nach kurzer Zeit als Farce herausstellten. Entsprechende Hinweise wurden ignoriert. Vor dem Zustand, den wir heute haben, habe ich sowohl die LHH als auch die Planungsbeteiligten bereits vor dreieinhalb Jahren schriftlich gewarnt.

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    • Weitgehend stimme ich zu, nur in einem Punkt, der nichts mit dem Ihme-Zentrum zu tun hat, muss ich widersprechen. Denn der Bezirksrat darf nicht nur Vereine unterstützen und Anfragen an die Stadt stellen, er tut dies auch in schöner Regelmäßigkeit im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten.

      So wurden gestern drei Zuwendungsanträge (sowie drei aus dem Integrationsbeirat) beschlossen und 13 Anfragen gestellt, von denen 12 fristgerecht beantwortet wurden. Über die Qualität der Antworten kann man trefflich streiten.

      Und was die Anregungen betrifft, so muss man wohl vielfach die Anträge aus den Fraktionen und Einzelvertretungen als solche sehen. Denn zu einem Großteil werden die daraus gefassten Beschlüsse von der Verwaltung negativ beschieden, weil ihr Geld und/oder Personal fehlen.

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      • Für mein Verständnis ist das eine Alibi-Demokratie. Mit großem Aufwand werden Politiker auf kommunaler Ebene gewählt, die mit großem Aufwand Beschlüsse fassen, die mit großem Aufwand behandelt werden; unterm Strich aber nur selten Zuspruch auf höherer Ebene finden. Ergo: großer Aufwand, wenig Ertrag. Meinen Respekt haben die Lokalpolitiker, die ihre Zeit dafür opfern und sich damit zufrieden geben. Meines Erachtens müssten die Befugnisse von Lokalpolitikern erweitert werden. Wenn die z.B. mehrheitlich entscheiden, dass ein Tempolimit in einer bestimmten Straße eingeführt werden soll, dann ist das von höherer Ebene zu respektieren, und darf nicht von meist konservativen Verwaltungsbeamten blockiert werden.

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        • Der Verwaltung steht der Oberbürgermeister vor, er ist der politisch Verantwortliche.
          Bekanntlich wird dieses Amt durch eine Wahl besetzt.
          Das ist schon Demokratie im besten Sinne.
          Nur die Ergebnisse sind nicht immer die Besten.

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