Hintergrund dieses Umbruchs ist die Strategie der Deutschen Bank, die Postbank mittelfristig als „Mobile-First“-Bank zu positionieren und ihr Filialnetz drastisch zu verschlanken. Nach Plänen des Mutterkonzerns sollen bis Mitte 2026 250 von 550 Filialen geschlossen werden, verbleibende Standorte wie am Lindener Marktplatz zu Technik- und Beratungszentren umgebaut werden – mit dem klaren Ziel, klassische Postdienste nicht länger anzubieten. Die Deutsche Post Dienstleistungen wiederum könnte eigene Paketshops oder Kioske übernehmen, um die Grundversorgung aufrechtzuerhalten.
Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube kritisiert diesen Kurs scharf: Er spricht von „erschreckender Unkenntnis“ der Bedarfe vor Ort, bemängelt die kurzfristige Serviceabsicherung und sieht hinter den Umzugsplänen eine Verschiebung der Verantwortung auf Dritte wie Ein-Euro-Läden oder Kioske – Standorte, die mancherorts kilometerweit entfernt lägen. Grube wirft Post und DHL vor, das Thema nur als reine Kostenfrage zu sehen und die notwendigen Diskussionen rund um Erreichbarkeit und Bürgerservice kategorisch abzulehnen.

Ein Stück Lindener Geschichte

Das Gebäude an der Niemeyerstraße 1 entstand 1898/99 als Kaiserliches Postamt im prunkvollen Gründerzeitstil und überdauerte Kriegszerstörungen und Modernisierungswellen. Nach schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg blieb es bis in die 1960er Jahre eine Ruine, bis ein nüchterner Zweckbau seinen Platz einnahm.
In den vergangenen Jahren wandelte sich die Immobilie erneut: 2019 eröffnete auf 650 m² eine Edeka-Filiale, ein Jahr später bezog die Postbank 500 m² für ihren derzeitigen Service.
Das nebenstehende Bild entstammt einer Ansichtskarte: „Linden. Die Post, um 1900“. Aus dem Digitalen Stadtteilarchiv Linden-Limmer
Neben dem sozialen und wirtschaftlichen Aspekt der Umwandlung von Postämtern in Postbank-Filialen und der bedauerlicher Auslagerung der Postdienstleistungen in kleine Papier- und Getränke verkaufs-Läden möchte ich noch auf einen anderen städtebaulichen Gesichtspunkt hinweisen.
1954 habe ich in dem ehrwürdigen Postamt als Zehnjähriger meine ersten Briefmarken gekauft, das schmucke Gebäude gehörte – zumindest bis zu seinem Umbau – wie das Rathaus gegenüber zu den Glanzlichtern von Linden. Auch wenn es mich beruflich schon seit vielen Jahren nach Berlin verschlagen hat (dort passieren entsprechende Schließungen von traditionellen Postfilialen in großem Stil schon seit vielen Jahren), so statte ich doch bei jeder Hannover-Reise ‚meinem‘ Geburtsort Linden einen Besuch ab und freue mich, dass Niemeyer – und Posthornstraße bisher mit ihren einzigartigen Gründerzeithäusern halbwegs ihr Gesicht bewahren konnten. Ich fürchte sehr, dass die Entwidmung des historischen Postamtes über kurz oder lang dazu führen wird, dass auf dem entsprechenden attraktiven Eckgrundstück ein modernes architektonisch langweiliges und kaum in die Umgebung passendes Gebäude errichtet werden wird – wie schon an anderen Stellen in Linden geschehen. Ich kann nur hoffen, dass andere architektonische Kostbarkeiten wie rund um den Lichtenbergplatz oder die Beethovenstraße noch lange gepflegt und erhalten bleiben…
Äh, Klaus. Da steht doch seit dem Krieg kein Gründerzeitbau mehr sondern ein schlichtes Nachkriegsgebäude!
Hallo Tobias,
für die nächsten zehn Jahre hast du sicherlich Recht: Das gegenwärtige Postgebäude ist in den 1960er Jahren errichtet worden und stört in seiner Schlichtheit das Ensemble um den Lindener Marktplatz nicht sonderlich. Übrigens habe ich das ursprüngliche und nach dem Krieg notdürftig wiederhergestellte Postamt mit seinem neugotischen Giebel noch erlebt. In meinem Beitrag hatte ich lediglich versucht, einen Blick in die weitere Zukunft zu werfen; denn ich glaube nicht, dass das Postamt in seiner gegenwärtigen Gestalt die nächsten zehn Jahre überleben wird. Irgendwann werden die Bagger anrollen und dort Platz vielleicht für ein modernes Bürohaus oder für hochpreisige Eigentumswohnungen schaffen. Dennoch hoffe ich auf kluge und weitsichtige Kommunalpolitiker, die sich des hohen Wertes des Gebäudebestands „Linden-Mitte“ bewusst sind und zu gegebener Zeit die richtigen Entscheidungen treffen werden.
In Italien gibt es in jedem kleinen Dorf eine Postfiliale. Teilweise mit eingeschränkten Öffnungszeiten, aber erreichbar. Dazu ein Polizeirevier und oft noch eines der Carabinieri dazu. Da nimmt man den Staatsauftrag zur Daseinsvorsorge offenbar ernster als hierzulande.
Das war abzusehen. Dass es so fix umgesetzt wird, überrascht mich dennoch.
Oben schreibt jemand „… heute kann jeder Kiosk Pakete annehmen ..“
Wenn es denn stimmte!
Da wird man dann als DHL-Kunde in finstere Minikioske genötigt, in denen ein kaum der deutschen Sprache mächtiger Besitzer/Eigentümer nervös und hektisch fummelnd das miserabel gekennzeichnete Paket oder Päckchen aus einem unordentlich zusammengewürfelten Haufen anderer Sendungen herauszieht–wenn man Glück hat, ist es auch noch sauber.
Hat man kein Glück, wird man vertröstet auf den nächsten Tag — um dann zu erfahren, dass es leider leider nicht auffindbar ist.
Alles schon erlebt!
Was für ein Glück für uns, dass wir ein Geschäft in 40m Entfernung haben, dessen Eigentümer korrekt stapelt und nie lange herumsuchen muss.
Der Mann wird dann vielleicht auch noch die Postwertzeichen übernehmen. Dann kann mich die Postfiliale mal, denn er ist auch noch um einiges freundlicher als die Angestellten dort.–
Was machen Alte, Kranke, Behinderte?
Gibt es nicht so etwas wie einen „Staatsauftrag“?
Mit ihrer Erfahrung machen sie sehr deutlich, welchen „Anspruch“ das Unternehmen an seine „Beschäftigten“ hat. Es gibt keine Kontrolle und der Kunde ist am Ende der Geschädigte.
Scheinbar ist sich das Unternehmen seiner Verantwortung nicht bewusst und sollte mehr in die Pflicht genommen werden.
Was will man erwarten? Es geht nur noch um Gewinne. Schon während meiner Ausbildung ( vor Jahrzehnten) war klar wohin die Reise mit der Post geht, da ist diese Entscheidung keine Überraschung. Heute kann jeder Kiosk Pakete annehmen und Postdienstleistungen anbieten. Früher war dafür eine mehrjährige Ausbildung ( mittlerer Postdienst) nötig. Für Pakete gibt es genügend andere Anbieter, vielleicht transportieren diese auch bald Briefe.
Ich habe seit 4 Jahren keine Postfiliale mehr aufgesucht. Mir tun nur die älteren Menschen leid, die noch regelmäßig an dieser Stelle ihre Angelegenheit erledigt haben und – wie in so vielen Bereichen – einfach ausgegrenzt werden.
Solche Entscheidungen wirken sich auf die Zufriedenheit der Menschen aus und können weitreichende Folgen haben.
Die edelste Pflicht des Bürgers ist der Konsum, diesen möge er so Ressourcen sparend und unauffällig wie möglich durchführen.
,,Der Kapitalismus in Reinform,,
Konsequenterweise sollte die Posthornstraße in Losthornstraße umbenannt werden. Lost Places haben durchaus ihren Reiz. Dort kann man frei nach den Gebrüdern Grimm das Fürchten lernen. Ein Einschreiben!? Zwei Straßen weiter! – Wenn ich in der Postfiliale war, standen meist mehrere Personen vor mir in der Schlange. Die hatten häufig die eine oder andere Frage. Was machen die jetzt?
Die fragen im Kiosk nach. *mwuhaha*
Wo kriegst du denn dann den Brief als Einschreiben verschickt?
Dafür musst du dann in die Stadt?
(… mir geht grad‘ so durch den Kopf: Wenn dann auch noch der Kivelitz alles übernähme, wäre alles in guten Händen und dann ist fürs ganze Viertel gesorgt …)
Ja, Kivelitze an die Macht! Die verkörpern leidenschaftlich ihr Geschäftsmodell. Die anderen wollen durch die „laufende Optimierung des Filialnetzes in Deutschland“ bei ihrem „operativen Effizienzprogramm“ weitere Fortschritte erzielen (O-Ton Deutsche Bank). Für die einen ist es ein Fortschritt, für die anderen der wahrscheinlich längste Umweg im Alltag.
Was will der Aktionär? Gewinne!!! Und wo wird zuerst gespart? Am Personal, dann am Material und dadurch natürlich auch am Service! Den Aktionär interessiert kein Bedarf!! So funktioniert halt der Kapitalismus.
Und was will der CEO? Altersarmut vermeiden! Der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Dr. Frank Appel, hat sich vor zwei Jahren seine Versorgungsansprüche vom Konzern auszahlen lassen. Das waren schlappe 32,7 Mio. Euro. Damit könnten 70 Postbedienstete 10 Jahre lang entlohnt werden.
Es ist unglaublich!
Diese Verantwortungslosigkeit, den BürgerInnen gegenüber, die diese Leistungen, die zur Beförderung von Post, Päckchen, Paketen etc. dringend und auch ortsnah, benötigen zukünftig zu verweigern.
Was ist mit all den alten, kranken und behinderten Menschen?
Es ist ja jetzt schon schwierig, in der Nähe auch nur Briefmarken zu bekommen, geschweige denn Einschreiben und ähnliches aufzugeben!
Was ist denn mit mit dem postalische Versorgungsauftrag, für schriftliche Kommunikation und Paketpost?
Muss der nicht für jede Person gut nutzbar sein oder hat sich das alles durch den Wandel in eine AG in Luft aufgelöst?
Regiert nur noch der schnöde Mammon? Anscheinend gibt es ja immer noch ausreichend Gewinn um hohe Boni für die Oberen auszuzahlen.
Wie wäre es mal die ursprünglichen Aufgaben verantwortungsvoll, sorgfältig und in angemessener Zeit, überall zu erbringen?
Immer mehr Schließungen bewirken das Gegenteil!