IGS Linden: Warum der Brandschutz Millionen mehr kostet

IGS Demo am 23.9.24
IGS-Linden-Demo am 23.09.24
Was als gezielte Brandschutzmaßnahme in den naturwissenschaftlichen Trakten der IGS Linden begann, ist heute ein weitreichendes Sanierungsprojekt mit einer fast schon dramatischen Kostenentwicklung: Statt der ursprünglich angesetzten 8,47 Millionen Euro beläuft sich das Gesamtbudget mittlerweile auf bis zu 15,75 Millionen Euro. Die Gründe sind vielfältig – von unvorhersehbaren Mängeln im Bestand über pandemiebedingte Verzögerungen bis hin zu gravierenden Preissteigerungen auf dem Baumarkt.

Vom Brandschutz zur Vollsanierung

Ursprünglich beschloss der Verwaltungsausschuss im Jahr 2018 eine Sanierung des sogenannten V-Trakts – mit Fokus auf die naturwissenschaftlichen Räume (NTW), Fassade und Brandschutz. Doch nach Beginn der Arbeiten 2020 traten massive Probleme zutage:

  • ❌ Mängel im Rohbau (z. B. fehlende Türstürze, geschädigte Ringbalken)
  • ❌ Schadstoffe in Boden, Heizkörpern und Klebern
  • ❌ Veraltete und unzureichend dokumentierte Installationen
  • ❌ Ein Brand in der Lüftungszentrale 2022, der Rückbau und Neuplanung erforderlich machte

Parallel verschärften die Corona-Pandemie und der Ukraine-Krieg die Lage: Hygieneauflagen, Materialengpässe und Vertragskündigungen führten zu Bauverzögerungen und Neuausschreibungen.

Lindener Buchhandlung
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Limmerstraße 43
30451 Hannover

Komplexität durch Schulbetrieb und Nachrüstungen

Besonders herausfordernd war, dass der Schulbetrieb während der gesamten Bauzeit weiterlief. Das bedeutete: Provisorien, Einbahnstraßen-Regelungen in Fluren, ständig wechselnde Baustellenlogistik – ein separater Bauzugang konnte aus Kostengründen nicht realisiert werden.
Zusätzliche Anforderungen wie der nachträgliche Einbau von Handwaschbecken in Unterrichtsräumen oder umfassende Anpassungen beim Brandschutzkonzept führten zu weiteren Nachträgen. Auch bei der Lüftungstechnik musste nahezu alles erneuert werden – wegen Korrosion, mangelhaftem Schallschutz und Hygieneproblemen.

Wie gehen die Baumaßnahmen an der IGS Linden weiter?

Trotz aller Rückschläge und jahrelanger Bauarbeiten beträgt der Baufortschritt inzwischen rund 80 %. Die Übergabe des naturwissenschaftlichen Bereichs an die Schule ist für Ende 2025 geplant. Diese Maßnahmen gelten jedoch nur als vorbereitender Teil der über 16 Jahre dauernden geplanten Gesamtsanierung der IGS Linden.

Bildnachweis: Stefan Ebers

3 Gedanken zu „IGS Linden: Warum der Brandschutz Millionen mehr kostet“

  1. Bei der Gesamtsumme dürfte gefragt werden ob ein Neubau nicht sinnvoller wäre.

    Es ist schon tragisch wie sich mittlerweile alles was mit Bauen in Deutschland zu tun hat entwickelt hat.

    Wohnungsnot, Bauauflagen, Bürokratie, weniger Arbeitende, Rohstoffkosten…

    Antworten
    • Der Erhalt von Bestandsgebäuden sollte Vorrang haben. Wenn der unwirtschaftlich ist oder andere triftige Gründe vorliegen, ist ein Neubau vorzuziehen. Inwieweit diese Abwägung mit der notwendigen Sorgfalt erfolgt ist, kann ich nicht beurteilen. Da sich die ursprünglich kalkulierten Kosten allerdings verdoppelt haben, liegt offensichtlich eine Fehleinschätzung seitens der Baubehörde vor. Mängel im Bestand lassen sich durch Bauteilöffnungen frühzeitig erkennen. Danach ist man schlauer und kommt den voraussichtlichen Baukosten etwas näher.

      Die Tragik bei öffentlichen und privaten Bauvorhaben in Deutschland liegt nicht nur in der Bürokratie begründet. Ein weiterer Faktor sind überbordende Standards bei technischen Vorschriften; vor allem beim Wärmeschutz (DIN 4108) und Brandschutz (DIN 4102). Zwar setzen sich die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft zusammen mit den Städten für eine Verringerung der Ansprüche ein, gleichwohl beißt sich die Katze in den Schwanz, weil letztlich Politiker darüber entscheiden. Viele DIN-Normen sind von Lobbyisten der Industrie beeinflusst worden. Die werden „not amused“ sein, wenn z.B. dünnere Dämmschichten ausreichend sein sollen. Der Einfluss der Lobbyisten endet nicht in Normenausschüssen, sondern setzt sich in den Parteien fort.

      Antworten
  2. Wenn es um Kostensteigerungen bei öffentlichen Bauvorhaben geht, sind Behörden um Begründungen nie verlegen. Beim Eingriff in den Bestand gibt es immer Unwägbarkeiten. Die kann man bei einer Kostenschätzung so oder so bewerten, man sollte sie aber nicht außer Acht lassen. Das gleiche gilt für die Steigerung des Baupreisindex. Hauptübel ist das Ausschreibungsverfahren nach VOB Teil A. Umständlicher geht es kaum. Statt flexibel und kostengünstig zu handeln, müssen die Mitarbeiter der Baubehörden bürokratische Schritte einhalten, die in aller Regel für den Steuerzahler ziemlich teuer werden. Und dann wäre da noch der Brandschutz: „ein Buch mit sieben Siegeln“. Grundsätzlich ist Brandschutz vernünftig, aber wann wird er unverhältnismäßig? Außenstehende können das nicht beurteilen. Zweifel sind indes angebracht.

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3 Gedanken zu „IGS Linden: Warum der Brandschutz Millionen mehr kostet“

  1. Bei der Gesamtsumme dürfte gefragt werden ob ein Neubau nicht sinnvoller wäre.

    Es ist schon tragisch wie sich mittlerweile alles was mit Bauen in Deutschland zu tun hat entwickelt hat.

    Wohnungsnot, Bauauflagen, Bürokratie, weniger Arbeitende, Rohstoffkosten…

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    • Der Erhalt von Bestandsgebäuden sollte Vorrang haben. Wenn der unwirtschaftlich ist oder andere triftige Gründe vorliegen, ist ein Neubau vorzuziehen. Inwieweit diese Abwägung mit der notwendigen Sorgfalt erfolgt ist, kann ich nicht beurteilen. Da sich die ursprünglich kalkulierten Kosten allerdings verdoppelt haben, liegt offensichtlich eine Fehleinschätzung seitens der Baubehörde vor. Mängel im Bestand lassen sich durch Bauteilöffnungen frühzeitig erkennen. Danach ist man schlauer und kommt den voraussichtlichen Baukosten etwas näher.

      Die Tragik bei öffentlichen und privaten Bauvorhaben in Deutschland liegt nicht nur in der Bürokratie begründet. Ein weiterer Faktor sind überbordende Standards bei technischen Vorschriften; vor allem beim Wärmeschutz (DIN 4108) und Brandschutz (DIN 4102). Zwar setzen sich die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft zusammen mit den Städten für eine Verringerung der Ansprüche ein, gleichwohl beißt sich die Katze in den Schwanz, weil letztlich Politiker darüber entscheiden. Viele DIN-Normen sind von Lobbyisten der Industrie beeinflusst worden. Die werden „not amused“ sein, wenn z.B. dünnere Dämmschichten ausreichend sein sollen. Der Einfluss der Lobbyisten endet nicht in Normenausschüssen, sondern setzt sich in den Parteien fort.

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  2. Wenn es um Kostensteigerungen bei öffentlichen Bauvorhaben geht, sind Behörden um Begründungen nie verlegen. Beim Eingriff in den Bestand gibt es immer Unwägbarkeiten. Die kann man bei einer Kostenschätzung so oder so bewerten, man sollte sie aber nicht außer Acht lassen. Das gleiche gilt für die Steigerung des Baupreisindex. Hauptübel ist das Ausschreibungsverfahren nach VOB Teil A. Umständlicher geht es kaum. Statt flexibel und kostengünstig zu handeln, müssen die Mitarbeiter der Baubehörden bürokratische Schritte einhalten, die in aller Regel für den Steuerzahler ziemlich teuer werden. Und dann wäre da noch der Brandschutz: „ein Buch mit sieben Siegeln“. Grundsätzlich ist Brandschutz vernünftig, aber wann wird er unverhältnismäßig? Außenstehende können das nicht beurteilen. Zweifel sind indes angebracht.

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