
Werner Blumenberg war der Kopf der sozialdemokratischen Widerstandsorganisation „Sozialistische Front“ in Hannover. Sie war eine der größten regionalen Widerstandsgruppen im Nationalsozialismus. Sie war vor allem ein Netzwerk und informierte ihre Mitglieder über die von Blumenberg herausgegebenen „Sozialistischen Blätter“ mit klugen Analysen über den Nationalsozialismus. Einige Mitglieder wie Franz Nause und Wilhelm Bluhm wurden verhaftet und überlebten Zuchthaus und Konzentrationslager nicht. Werner Blumenberg konnte kurz vor einer Verhaftungswelle nach Holland fliehen. Dort lebte er erst im Untergrund. Nach Kriegsende scheiterten Bemühungen von ihm, wieder in Hannover leben und arbeiten zu können. So blieb er in Holland und arbeitete sehr erfolgreich am renommierten Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam.

Egon Kuhn hatte als Leiter des Freizeitheims Linden in den 1970er und 80er Jahren mit der Aufarbeitung der Geschichte Lindens, insbesondere der Arbeiterbewegung, begonnen. Die damalige Mitarbeiterin (und spätere Nachfolgerin von Egon Kuhn) Ruth Schwake hatte zur „Sozialistischen Front“ geforscht und Kontakt zur Familie des 1965 verstorbenen Werner Blumenberg erhalten. Sie erstellte 1987 eine ausführliche Broschüre über dessen Leben, auch mit viel persönlichem Material. Daraus entstand im Stadtteilarchiv des Freizeitheims eine bedeutende Sammlung mit zahlreichen Materialien zur Sozialistischen Front.
Im Rahmen einer Einladung nach Hannover besuchte nun Blumenbergs Tochter Wera Dillo-Blumenberg, die in Holland lebt, mit ihrer Familie am 31.7.26 auch das Archiv der Egon-Kuhn-Geschichtswerkstatt im Freizeitheim Linden. Es war ein sehr herzliches Treffen, bei dem auch Kinder und die Enkelkinder sich das Archiv ansehen konnten. Susanne Böhmer wies in der Begrüßung noch einmal darauf hin, wie wichtig Egon Kuhn und uns nicht nur die Aufarbeitung der Geschichte etwa Werner Blumenbergs war, sondern immer auch der Kontakt und die Einbeziehung der Familien und des Umfelds. Diese Kontakte halten z. T. Jahrzehnte. Sehr fruchtbar ist dabei der ständige Austausch. So erfuhren wir etwa, dass es auch heute noch Kontakt von den Blumenbergs zu anderen Angehörigen ehemaliger Widerstandskämpfer gibt.