
Der Samstagmorgen gehört für viele Menschen in Linden-Nord zum festen Ritual: ein Gang über den Wochenmarkt am Pfarrlandplatz, ein kurzer Plausch mit Nachbarn, frische Lebensmittel aus der Region. Doch dieses Ritual gerät zunehmend in Gefahr. Immer weniger Händler bauen ihre Stände auf – zuletzt am vergangenen Samstag waren es bei winterlichen Temperaturen nur noch sieben.
Einer, der diese Entwicklung seit Jahren beobachtet, ist Giuseppe Vaccaro. Seit über 25 Jahren lebt er in der Nähe des Pfarrlandplatzes und ist nahezu jeden Samstag Kunde auf dem Markt. „Der Markt wird von Jahr zu Jahr kleiner“, sagt Vaccaro. Seine Sorge: Wenn sich dieser Trend fortsetzt, könnte der Wochenmarkt ganz verschwinden. Gerade für ältere Menschen sei der Markt unverzichtbar. Die kurzen Wege ermöglichen selbstständiges Einkaufen, die Begegnungen zwischen den Ständen ersetzen oft fehlende soziale Kontakte. „Hier trifft man Nachbarn, tauscht sich aus – das ist mehr als nur Einkaufen“, betont Vaccaro. Sein Appell ist deutlich: Dieser Markt muss bleiben.

Um seinem Anliegen Nachdruck zu verleihen, hat er Unterschriften gesammelt – inzwischen fast 400. Ziel ist es, den Marktbeschickern zumindest vorübergehend die Standgebühren zu erlassen, um den Markt wieder attraktiver zu machen. Bereits in der Einwohnerfragestunde der letzten Sitzung des Stadtbezirksrates Linden-Limmer überreichte Vaccaro rund 300 Unterschriften an Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube. Doch damit nicht genug: Am vergangenen Samstag übergab er ihm weitere Unterschriften direkt auf dem Markt (siehe Bild).
Die Initiative zeigt Wirkung. Für die nächste Sitzung am Mittwoch hat Bezirksbürgermeister Grube einen interfraktionellen Antrag eingebracht. Darin wird die Verwaltung der Landeshauptstadt Hannover gebeten, den Wochenmarkt am Pfarrlandplatz durch geeignete Maßnahmen nachhaltig und zukunftsfähig zu beleben – einschließlich der Prüfung eines zeitweisen Erlasses der Standgebühren.
Wochenmarkt am Pfarrlandplatz besteht seit 100 Jahren
Dabei geht es um einen Markt mit Geschichte. Seit 1926 existiert der Wochenmarkt an dieser Stelle. Früher öffnete er dienstags und samstags von 8 bis 13 Uhr, seit einigen Jahren findet er nur noch am Samstagvormittag statt. Ein schleichender Rückzug, der nun sichtbar wird.

Die Händler selbst nennen unterschiedliche Gründe für die sinkende Zahl der Stände: Personalmangel, fehlende Nachfolger für ältere Marktbeschicker, krankheitsbedingte Ausfälle. Hinzu kommt die schwierige Winterzeit – besonders Januar und Februar, wenn viele Waren frostempfindlich sind. Dennoch ist die Stimmung überraschend positiv. Der Umsatz stimme, sagen mehrere Händler, und ein Stand sei – inklusive Vorgänger – bereits seit 55 Jahren auf dem Pfarrlandplatz vertreten. Was sie besonders schätzen: das Publikum. Fast ausschließlich Menschen aus der direkten Nachbarschaft kaufen hier ein. Die Atmosphäre sei persönlich, wertschätzend, fast familiär. Ein Fischstand etwa bietet frische und geräucherte Ware an – inklusive frisch belegter Fischbrötchen für drei Euro. Ein Preis und ein Angebot, das man andernorts kaum noch findet.
Marktfest zum Jubiläum?
Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube bringt zudem eine weitere Idee ins Spiel: Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Wochenmarktes könnte in diesem Jahr ein Marktfest auf dem Pfarrlandplatz veranstaltet werden. Ein solches Fest würde nicht nur die lange Tradition des Marktes würdigen, sondern könnte auch neue Aufmerksamkeit schaffen und zusätzliche Besucher anziehen – als sichtbares Zeichen der Wertschätzung und möglicher Impuls für einen Neuanfang.
Anfrage im Rat nach der Zukunft
Kürzlich hätten die SPD-Fraktion im Stadtrat nach eigenen Angaben Gerüchte erreicht, wonach die Stadtverwaltung plane, den Wochenmarkt am Pfarrlandplatz bald einzustellen. In einer Nachfrage wandte sich die Fraktion daher an die Verwaltung. Diese wies die Spekulationen zurück. Nach Angaben der Stadt gibt es derzeit keine Bestrebungen, den Wochenmarkt am Pfarrlandplatz aufzugeben. Entsprechende Gerüchte könne man nicht bestätigen.