Schrottfahrräder blockieren Radbügel – was passiert mit Fahrradleichen?

Abfallfahnder von aha entfernen Schrotträder
Abfallfahnder von aha entfernen Schrotträder
Es ist nicht nur ein Ärgernis in Hannover, auch andere Städte ärgern sich damit herum: Radstellplätze werden mit Fahrrädern belegt, die oft als schrottreif bezeichnet werden können. Diese Schrottfahrräder blockieren Flächen und Fahrradbügel, die aktive Radfahrer benötigen. Manchmal sehen diese „Blockierer“ noch ganz gut aus, aber sie stören teilweise monatelang den Fahrrad-Parkraum. Es gibt keine konkrete rechtliche Regelung, diese Alträder zu beseitigen. Der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover aha behilft sich damit, diese Räder als Abfall einzustufen. Sie gelten als schrottreif, wenn es nur mit erheblichem Aufwand wieder so hergestellt werden kann, dass es wieder als Fahrrad nutzbar ist.

Auch Fahrräder, die nicht unmittelbar als Schrott anzusehen sind, werden entfernt. Ist nach Aussage von Bürgern ein Rad mindestens 6 Monate nicht bewegt worden und der Allgemeinzustand schlecht, wird es als schrottreif bezeichnet. Bei diesen Fahrrädern besteht die Vermutung, dass das Eigentum an der Sache laut §959 BGB aufgegeben wurde und die Sache im juristischen Sinne „herrenlos“ ist. Diese Räder werden mit einem roten Aufkleber und einer 4-Wochen-Frist versehen, in dem der Eigentümer aufgefordert wird, das Gefährt aus dem öffentlichen Verkehrsraum zu entfernen. Nach Ablauf der Frist werden diese Fahrräder zeitnah dokumentiert und anschließend entsorgt.

aha erhöht die Kapazität der Abfallfahndung

Weil sich sehr viele Schrottfahrräder -- aber auch wilde Müllhalden -- im Stadtgebiet finden, hat aha die Kapazität der Abfallfahndung erhöht. Im Kalenderjahr 2019 hat der Zweckverband bis zum jetzigen Zeitpunkt im gesamten Stadtgebiet 3.863 (1.373 in 2018) Schrottfahrräder bearbeitet, 1.419 (262 in 2018) davon wurden entfernt. Allein in Linden-Limmer wurden im Zeitraum Oktober bis Dezember 2019 insgesamt 248 Schrottfahrräder durch die Abfallfahnder im Rahmen gezielter „Großaktionen“ kontrolliert, 44% (109 Stück) wurden mit einer Frist belegt und 82 Stück direkt entfernt. Hier sind in der Regel 2 Abfallfahnder, 4 Mitarbeiter der schnellen Eingreiftruppe und 2 Transportfahrzeuge ein bis zwei Tage in der Woche im Einsatz.

Es kommt vor, dass die angebrachten Aufforderungen entfernt und die Eigentümer aha mit dem Hinweis kontaktieren, dass die Räder zeitnah wieder in Stand gesetzt werden. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn lediglich ein Reifen platt ist und wieder geflickt werden muss.

Entsorgung nicht kostendeckend

Mehr als 1000 Räder werden pro Jahr in der Stadt kontrolliert, Hunderte von ihnen zum Schrotthändler gebracht. Geld lässt sich damit leider nicht verdienen, nicht einmal die Kosten werden gedeckt. So zahlt für das rücksichtslose Entsorgen der Alträder am Straßenrand letztlich die Gemeinschaft der Gebührenzahler in Hannover.

Schrotträder melden

aha Müllmelde-AppUm das Beseitigen von Schrottfahrrädern zukünftig zu beschleunigen setzt aha verstärkt auf die Arbeit der Abfallfahndung, die sowohl in Eigeninitiative als auch mithilfe der Bürger (Servicenummer 0800 999 11 99 oder eine Online-Meldung unter https://www.aha-region.de/abfall-abc/meldung-eines-altfahrzeugs/) und der „Müllmelde-App“ im Rahmen „Hannover sauber!“ (https://www.hannover-sauber.de) gezielt Schwerpunkte ansteuert und durch regelmäßige Kontrollen und Beseitigungen der Alträder genügend Freiraum an den Fahrradbügeln schafft und für ein schöneres Stadtbild sorgt.

Tipp für Fahrradbesitzer, die ihren Drahtesel loswerden möchten

Funktionstüchtige, gut erhaltene Räder können unter anderem im Fairkaufhaus (https://fairkauf-hannover.de/) abgegeben werden. Bei der Tauschbörse „Hannover teilt“ (https://www.hannoverteilt.de/) lassen sich Räder gegen andere Gegenstände eintauschen. Schrotträder können auf den Aha-Wertstoffhöfen entsorgt werden. Auch zu Sperrmüllterminen ist es möglich, Alträder anzumelden. Das ist sicher ökologischer, als die Alträder irgendwo stehen zu lassen!


Film: ndr Die Nordreportage vom 7.10.2019

Die neuen Abfallfahnder von aha

Altpapierhaufen auf der Straßenkreuzung, Restmüll neben einem Altglascontainer, Schrotträder in der City: Hannover verstärkt die Mannschaft der Fahnder gegen illegalen Müll.

Die neuen Abfallfahnder | die nordreportage | NDR Doku

Silke Boettcher ist eine neue Abfallfahnderin in Hannover und sitzt mit dem erfahrenen Kollegen Stefan Hencke seit zwei Stunden im Auto. Die beiden beobachten eine sogenannte Wertstoffinsel, dort stehen Altglas- und Altpapiercontainer. Seit Wochen landet hier aber immer wieder illegaler Rest- und Sperrmüll. Manche Leute werfen ihren Müll einfach dort hin, statt in die eigene Tonne. Wie Polizisten legen sich die Müllfahnder auf die Lauer. Und dann kommt tatsächlich eine verdächtige Person mit Müll in der Hand.

Große Haufen von Altpapier mitten auf der Straßenkreuzung, Säcke voller Restmüll neben einem Altglascontainer und Dutzende Schrotträder in der City: Pro Jahr werden in Hannover gut 1.500 Tonnen Müll illegal entsorgt. Laut Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover (aha) mit steigender Tendenz. Damit soll jetzt Schluss sein, deswegen sind fünf zusätzliche Abfalldetektive eingestellt worden. Die Neuen sollen die erfahrenen Kollegen unterstützen und Jagd auf Müllsünder machen.

Die Nordreportage begleitet die Abfallfahnder in Hannover. Das Filmteam ist bei den ersten Einsätzen von zwei Neuen dabei und zeigt, wie sie Müllsünder auf frischer Tat ertappen, zur Rede stellen und Bußgelder verhängen.

Bildnachweis: aha

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