Mit Dr. Ingeburg Mannherz ist eine außergewöhnliche Ärztin und ein zutiefst menschlicher Mensch von uns gegangen.
„Verantwortung, Loyalität, Integrität. Liebe ist kein Zustand, sondern eine Aufgabe“ (H. Schubert)
Sie wurde am 17. September 1932 als Ingeburg Meister in Leipzig geboren und wirkte über viele Jahrzehnte als Zahnärztin am Lindener Markt in Linden-Mitte. Ihre Praxis war mehr als ein Ort medizinischer Versorgung. Dort war jeder willkommen – ohne Ansehen der Lebensumstände. Für sie war stets zuerst „ein Mensch“ da: ob obdachlos, suchtkrank, mit Behinderung oder ohne Krankenversicherung. Diese Haltung lebte sie konsequent und selbstverständlich.
Auch über die Praxis hinaus setzte sie sich früh für diejenigen ein, die sonst kaum Zugang zu zahnmedizinischer Versorgung hatten. Regelmäßig behandelte sie Bewohnerinnen und Bewohner von Altenheimen vor Ort – lange bevor solche Angebote verbreitet waren. Ihr berufliches Handeln war geprägt von Respekt, Zugewandtheit und einem ausgeprägten Verantwortungsgefühl.
Besonders eindrucksvoll ist ihr soziales Vermächtnis. Gemeinsam mit ihrem Mann Werner Mannherz initiierte sie das Zahnmobil – eine mobile Zahnarztpraxis für Bedürftige, Obdachlose und Menschen ohne Krankenversicherung oder gesicherten Aufenthaltsstatus. Anderthalb Jahre lang arbeiteten beide an der Umsetzung, sammelten über 90.000 Euro an Spenden, gewannen die Diakonie als Projektträger und fanden Unterstützung bei Zahnärztekammer, KZVN und AOK. Ein ehemaliger Krankenwagen wurde zu einer voll ausgestatteten Zahnarztpraxis – das Zahnmobil – umgebaut, auf wenigen Quadratmetern, inklusive Röntgengerät. Auch nach ihrem Ruhestand behandelte Ingeburg Mannherz dort noch selbst, Seite an Seite mit Kolleginnen und Kollegen. Für das Projekt wurde ein gemeinnütziger Förderverein gegründet, der bis heute wirkt.
Für dieses vorbildliche Wirken erhielten Dr. Ingeburg Mannherz und Werner Hans Mannherz am 30. Januar 2018 die Niedersächsische Verdienstmedaille für Verdienste um den Nächsten.
Dr. Ingeburg Mannherz wurde von vielen als aufmerksam, zugewandt und bemerkenswert erinnerungsstark erlebt – sie sah Menschen, nicht Fälle. Ihr von ihr entworfenes Logo „Mann mit Herz“ (siehe Bild) steht sinnbildlich für ihr Lebenswerk.
Nach zuletzt schwerer Erkrankung ist Ingeburg Mannherz am 21. Dezember 2025 verstorben. Mit ihrem Tod verliert die Stadt Hannover eine Ärztin, die fachliche Kompetenz mit gelebter Mitmenschlichkeit verbunden hat. Ihr Wirken bleibt – in den Projekten, die weiterleben, und in den Menschen, die sie nicht vergessen werden.
Im Namen vom Asphalt Magazin möchten wir unser Mitgefühl ausdrücken und zugleich großen Respekt. In unserer täglichen Arbeit erleben wir, wie rau, fordernd und oft gnadenlos das Leben auf der Straße ist, gerade für Menschen, die sonst niemand mehr sieht. Dr. Ingeburg Mannherz hat genau diesen Menschen zugewandt gearbeitet, ruhig, verlässlich und ohne Aufsehen. Dieses Projekt war und ist für viele eine reale Unterstützung, nicht abstrakt, sondern ganz konkret. Dafür sind wir sehr dankbar. Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie und allen, die ihr nahestanden.
Frau Dr. Ingeburg Mannherz habe ich als Patientin nicht kennengelernt, aber ihre Töchter.
Ruhen Sie in Frieden!
Mein herzliches Beileid gilt den Angehörigen. Der Tod gehört zum Leben dazu, aber er ist für die Hinterbliebenen nie leicht zu verkraften.